Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 12 (24.3.1899)
- Date
- 1899-03-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021277-3021290--08701-3033093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12 Vr. Vloch's Wochenschrift Seite 387 auch solche für Thiere, erhalten werden. Der Buddhismus gleicht in manchen Beziehungen dem jüdischen Cultus. Die alten Inder hatten den Mondcultus und feierten jeden siebenten Tag, den Sabbath, durch Opfer und Wohlthaten. Für die Duldsamkeit des Buddhismus zeugt auch ein Toleranzedict, welches ein indischer König (2000 Jahre vor Kaiser Joses II.) in einen Felsen graviren ließ. Im Saufe der Zeiten hat der Buddhismus manche Wandlungen durchgemacht und den Aberglauben ausgenommen. Zum Schlüsse bot der Vortragende eine Blüthenlese indischer Weisheitssprüche und Legenden. Die Zuhörer dankten durch lebhaften Beifall für die gediegenen Ausführungen. Prag. („A s i k e I e h u d a.") Dieser jüdischwissenschaftliche Verein veranstaltete in der Meisel-Syncitzoge einen seiner gehaltvollen Vortragsabende. Herr Doctor K. Werner, Rabbiner in München, der mit Recht als einer der besten Kanzelredner unserer Zeit gerühmt wird, sprach über „Spinoza in Wahrheit und Dichtung". Der Vortragende beleuchtete Spinoza vom Standpunkte des Judenthums. — Als die Juden zur Zeit Torquemadas aus Spanien vertrieben wurden, flüchteten die meisten nach Holland. Auch Spinoza's Eltern waren nach Amsterdam geflüchtet. Der frühreife Knabe Baruch hatte seinen Geist am Talmudstudium geschärft. Nach seinem Tode fand man in seinem Zimmer hebräische Bücher. Spinoza hat die lateinische, italienische, spanische und portugiesische Sprache beherrscht und war ein bedeutender Mathematiker. Sein Lehrer war der Gottesleugner Franz v. Ende, der seinen Glauben zerstörte. Spinoza erregte durch seine religiöse Indifferenz den Argwohn der Rabbiner und wurde in der Folge in den Bann gethan. Nun ging er, 24 Jahre alt, in ein Dorf, wo er einige Jahre einsam lebte, von dort begab er sich nach Regensburg. Die letzten Lebensjahre verbrachte er im Haag, wo er sich vom Glasschleifen ernährte und seine philofophtschen Werke schrieb. 'Eine anonym erschlenene Tendenzschrift, in der er dem Judenthume großes Unrecht that, war seine Rache. Eine Professur in Heidelberg lehnte er ab, da er befürchtete, dann seinem angestammten Glauben entsagen zu müssen. Auch Louis XIV. bot ihm vergeblich eine Stelle als Prinzenbegleiter an. Dem Aussehen nach war der Philosoph klein, häßlich und unansehnlich; aber sein Charakter war rein. Er starb 1677 und liegt im Haag begraben. Nach einer eingehenden Erläuterung der Philosophie Spinoza's, die in den Grundsätzen gipfelt: „Gott ist die Welt, die Welt ist Gott", der Mensch muß, er kann nicht, wie er will, führte der Vortragende aus, daß die damaligen Rabbiner von ihrem Standpunkte berechtigt waren zu ihrem Vorgehen, denn im Judenthum ist die Welt nur ein Werk Gottes, sie selbst kann nicht Gott sein. Spinoza's Geist lebte in Lessing wieder auf. Gutzkow hat Spinoza in seinem „Uriel Acosta" dichterisch bearbeitet und auch Berthold Auerbach hat einen Roman „Baruch Spinoza" geschrieben, in welchem aber nur die vorzügliche Ghettoschilderung gelungen ist. Einen solchen trefflichen Ghettoschilderer, I. Kohn, führte Redner an, besitzen wir auch in dieser Stadt. Auch Göthe wurde Spinoza's Bewunderer; unsere ganze moderne Lyrik ist spinozistisch angehaucht. Mit einigen versöhnenden Worten schloß der ebenso gediegene, als formvollendete Vortrag, für den Herr Rabbmer Dr. Kisch dem geehrten Gaste den Dank der zahlreichen distinguirten Zuhörerschaft ausdrückte. Paris, 13. März. Gestern wurde in Paris eine Frau zu Grabe getragen, deren Name. Coralie C a h e n, nach dem deutsch-französischen Kriege oft und rühmlich genannt wurde, während des Krieges war sie auf den Schlachtfeldern und pflegte die.Verwundeten mit solcher Hingebung und Treue, daß Kaiserin A u g u st a ihr später selbst das Rothe Kreuz der Genfer Convention, das sie getragen hatte, einhändigte. Es war dies, als Frau C a h e n, welche über bedeutende eigene Mittel verfügte, nach dem Kriege die französischen Kriegsgefangenen in den deutschen ^Städten, Hospitälern und Festungen aufsuchte, keine Mühsal und keine Opfer scheute, sich bei den Behörden für sie verwendete und die Gemalin Kaiser W i l h e l m's die tapfere Französin zu sehen wünschte. Von dem Kriegsminister deFreyeinet wurde Frau Coralie C a h e n vor ze.)n Jahren das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Daher geleitete eine Abtheilung Infanterie ihre Hülle nach dem Friedhofe Montmartre, wo der Großrabbiner Zadoc Kahn am Grabe sprach. Im Leichengefolge war der Kriegsminister, wiederum Herr de F r e y c i n e t, durch den Hauptmann de Forgemole vertreten und schritten Delegirte mehrerer Kriegervereine. Die Notabilitäten der israelitischen Welt waren ebenfalls sehr zahlreich, gleichsam zu einer patriotischen Kundgebung, erschienen. London. Major Mattew Nathan ist von der Königin zum Gouverneur von Sierra Leone ernannt worden. Er hat in die Colonie schon wiederholentlich gestanden, unter anderem auch 1886—1887 die Befestigungsarbeiten dort geleitet. Nathan hat eine glänzende Carriöre hinter sich, da er erst 37 Jahre alt ist. Den größten Theil seiner Dienstzeit hat er in der Coloiiialarmee zugebracht und außer in den afrikanischen Colonien, auch in Egypten und Indien die Feldzüge mitgemacht. Bei der Lushai-Expedition 1889 verdiente er sich die Tapferkeitsmedaille. Er stammt aus einer im englischen Heere wohlbekannten Familie, sein Bruder, Major Frederic Nathan, steht im Waltham, Capitän W. S. Nathan nahm an den Kämpfen an der Nordwestgrenze Indiens im vorigen Jahre mit Auszeichnung theil, und Capitän R. A. Nathan von der Neu Süd-Wales-Artillerie diente bei der Suda-Expedition von 1885 und erwarb dabei die Medaille mit Stern und Schwertern, sowie eine ehrenvolle Auszeichnung im amtlichen Bericht. Vermischtes. Wien. (S P e n d e.) Für die nothleidenden jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw sind uns von „A. B. 33" 25 fl., von „Anonym" aus Volyn 1 fl., von Herrn Markus Breda in Neu- Verbaß 5 fl., von Herrn Massin Hahn in Karbitz 5 fl., von „M. A. in S." 5 fl., von „I. L. Wien, Förstergasse" 2 fl., von Herrn Al. Salpeter in Wien 1 fl., von Herrn Lazar Eppinger in Budapest 5 fl., durch Herren Josef Blau in Patzau als Ergebniß einer Sammlung 9'60 fl. zugekommen. Becgetragen haben: Bernhard Äser 1 fl., Cultusvorsteher Ignatz Äser 2 fl., Vorsteher Philipp M e l l e r 2 fl., Fritz P u k 1 fl., Bernhard Rabitschek 1 fl., Adolf M o r a w e k 0'40 fl., Familie Josef Blau 1'60 fl. und diverse kleinere Beträge. Wien. (Todesfall.) Herr Cultnsvorsteher Arthur Edler von Mises hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Am 10. d. starb dessen hoffnungsvoller Sohn K a r l, im jugendlichen Alter von 11 Jahren. Soweit bei solchem herben Schicksalsschlage menschliche Theilnahme Trost gewähren kann, wurde er den gramgebeugten Eltern in reichem Maße zutheil. Zu dem Leichenbegängnisse, welches Sonntag den 12. d. M. stattfand, hatten sich im Trauerhause der gesammte Cultusvorstand unter Führung der Vicepräsidenten Dr. Stern und Dr. Kohn, der Gesammtvorstand des Synagogenvereiues „Beth-Jsrael" und zahlreiche Freunde der trauernden Familie eingefnnden. Wien. (S ch ü l e r c o n c e r t.) Ler vortheilhaft bekannnte Musikschulinhaber Professor Max Adler veranstaltete am 12. d. M. cm Prachtsaale des Hotel de France ein schönes Concert, bei dem sich jeder einzelne Schüler besonders hervorthat; wir erwähnen die Damen: Franziska Hornig, Sylvia M e l b o u r n, Amalie G o l d m a n n, Elsa M o r a w i tz, Antonia Kontor; die Herren: Jacob A l t m a n n, Fritz, Leo, Salo und Otto Weiß, Albert H a n d l und Alfred Weiß, Hans Deutsch. Professor Adler entzückte mit einigen Violinpiecen das zahlreich erschienene Publicum, und erhielt derselbe zwei schöne Lorbeerkränze. Der an der Schule thätige Clavierprofessor Dr. B u d a u erntete für seine Claviervorträge reichen Beifall, so auch Herr R a m und Fräulein Fischer, und der Roßauer Männergesangverein. Prag. (Verein der jüdischen Hochschüler i n P r a g.) In der am 12. d. M. stattgehabten Vollversammlung wurden für das Sommersemester 1899 gewählt: Obmann M. U. C. Max Meißner; Obmann-Stellvertreter J U. C Alfred Kral; Schriftführer M. U. G. Alfred Kaufmann; Cassier tectin. Victor P a u. Prag, 19. März. Gestern hielt Oberrabbiner Ehrenfeld wie alljährlich in der Altneuals Metropvlitansynagoge, die dem Passahfeste vorangehende Derascha (Predigt mit anschließendem Talmudvortrage) ab. Es hatte sich eine große Zahl von Personen, namentlich alle Jene eingefunden, welche noch für jüdische Wissenschaft Interesse und Berständniß besitzen. Dem nach Form und Inhalt gelungenen Vortrage folgte das Auditorium mit gespannter Aufmerksamkeit. Pilgram. Jüngst fand hier das Leichenbegängniß des im hohen Alter von 88 Jahren verstorbenen Herrn Abraham F i s ch e r unter besonders zahlreicher Betheiligung statt. Der Verstorbene, ein wegen seiner Bescheidenheit und Rechtlichkeit geachteter Mann, war der erste Israelit, der sich in Przibram im Jahre 1849 niederließ, und war Mitbegründer der hiesigen Cultusgemeinde.