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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-24 · 12 (24.3.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
12 (24.3.1899)
Date
1899-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Br. Bloch'* Wochenschrift Sette 291 durchgeführten Wahl siegten die fortschrittlichen Turner mit einer Mehrheit von 45 Stimmen. Wäre die Vorstandswahl im nationalen Sinne ausgefallen, wären die deutsch-fortschrittlichen ganz aus dem Vereine gedrängt worden. Es ist aber Gott sei Dank noch immer fortschrittlicher Geist in unserer Stadt vorherrschend. Das hat die Gemeindewahl, das hat die Wahl im Turnvereine gezeigt. Christliche Lobredner des Alten Testaments. Ein ungenannter Arzt schrieb 1896 im „Nachbar": „Alle Wisienschaft ist nur das Lallen und Stammeln des halbträumenden Kindes gegen die hohe Wissenschaft, Weisheit und Wahrhaftigkeit, die mit eherner Stimme wie Glockenton herausspricht aus dem alten, so viel verachteten, so wenig verstandenen ersten Buche Moses, welches ganz zu verstehen auch ich mir nicht herausnehme, dessen heiliger Ernst und Gottesweisheit mich aber in die unergründlichen Tiefen der Wahrheit hineinlockt." Der bekannte Geschichtsschreiber B. G. von Niebuhr pries die Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit der alttestamentarischen Geschichtserzählung mit folgenden Worten: „Ganz allein das Alte Testament macht (vor allen anderen Geschichtswerken) von der patriotischen Unwahrheit eine Ausnahme. Nie verhüllt und verschweigt es ein Unglück des Volkes, dessen Geschichte in ihm dargestellt ist. Seine Wahrhaftigkeit ist die höchste in der Geschichtsschreibung, auch für den, der an keine Inspiration glaubt. Zugleich aber muß ich für das Alte Testament wie die unbedingte Wahrhaftigkeit, so auch die genaueste Richtigkeitunter allen Geschichtsquellen in Anspruch nehmen." Ueber die Psalmen sagte der württembergische Staatsmann I. I. Moser, der auf dem Hohentwiel als Unschuldiger 5 Jahre lang gefangen gehalten wurde: „Wer nie in großer, anhaltender Leibes- und Seelennoth gewesen, der versteht die Psalmen nicht, weiß nicht, was er eigentlich damit machen soll. So ging's mir viele Jahre lang. Ich meinte freilich, die Worte zu verstehen, sie blieben mir aber immer ein verschlosienes Buch. Ich mochte sie lange Zeit gar nicht wehr lesen. Das Schreien aus der Tiefe, die himmelhohen Klagen hielt ich nicht gerade für bloße Poesie, aber doch für überspannte Empfindungen, und das Racheschreien über die Feinde empörte mich. Welch' ein Schatz von Erfahrung, welche lichtvolle Weisheit, tiefe, innigste, ausgebreitetste Kenntniß des menschlichen Herzens darin liege, dies habe ich erst erfahren und Gott für die Psalmen danken gelernt, da ich selbst in schwere innere und äußere Noth, Leiden und Anfechtungen kam. Ach, wie köstlich und theuer wurden mir die Psalmen! Wie viel Trost, Licht und Labung theilten sie mir mit! Der Weg war mir nicht nur oft verschwunden, sondern selbst die Spur des Weges, ich saß wie vermauert und versteinert; ein Wort aus dem Gesangbuch war mir Sonnenblick. Ich setzte mich wie eine Lerche auf die Fittige dieses Adlers, flog, durch ihn getragen, auf den Felsen, und sah von da die Welt mit aller ihrer 'und meiner Noth unter mir. Ich lernte in Davids Geist denken, schließen, trauern, beten, harren und hoffen. Die Psalmen sind mir nun nach den Schriften des Neuen Testaments mein liebstes, wichtigstes Buch, mein goldener Spiegel der seligsten, fruchtbringendsten Kenntnisse und Erfahrungen meines Lebens. Sie völlig zu verstehen, wird ein Geschäft der Ewigkeit und alsdann unser zweites Leben die Erläuterung darüber sein". Die Todtenfeier für Ludwig Bamberger begann Freitag Morgens 10 Uhr in der Sterbewohnung, Margarethenstraße 18. Mit einer Fülle von Blumen und Kränzen, gewidmet von Freunden und Verehrern, waren Aufgang und Treppe geschmückt, eine letzte Huldigung für den Verstorbenen, der die Blumen so sehr geliebt hatte. Der Sarg war in dem Studirzimmer aufgebahrt, an der Stelle, wo sonst der Schreibtisch stand; von den Wänden schaute die stattliche und ausgesuchte Bibliothek herab. Die Familie Ludwig Bamberger's war durch dessen Bruder, den Geheimen Commercienrath Rudolf Bamberger aus Mainz, und durch mehrere seiner Neffen, u. A. Professor Dr. Ernst Landsberg in Bonn und Bankdirector Hecht in Mannheim vertreten. Den Sarg umstanden eine Reihe von Parlamentariern, der Präsident des Reichstages Graf Ballestrem, die Abgeordneten Rickert, Schräder, Frese u. A.; von früheren Reichstagscollegen Bamberger's bemerkte man Alexander Meyer, Th. Barth, Justizrath Lesse, Fr. Dernburg, von ehemaligen und jetzigen Landtagsmitgliedern Staatsminister Delbrück und Bundesbevollmächtigten Klügmann, von literarischen Celebritäten Hans Hopfen, Julius Rodenberg, Erich Schmidt, Professor Philippson. Auch die Finanzwelt hatte eine Zahl hervorragender Persönlichkeiten entsandt, so Bankier v. Mendelssohn, Stadtrath Weigert. Unter den Freundinnen, die der Verstorbene so zahlreich um sich gesammelt hatte und die ihm in großer Zahl die letzte Ehre erwiesen, befanden sich Frau Geheimrath v. Helmholtz, Frau vom Rath, Frau Rodenberg. Die Ansprache am Sarge hielt Theodor Mommsen. Mit mühsam zurückgedrängter Rührung nahm der greise Historiker Abschied von dem verstorbenen Freund. Er hatte gehofft, daß ihn, den Aelteren, Bamberger bestatten werde, nun sei es umgekehrt gekommen. Er müsse nun dem Letzten aus der Schaar der Auserwählten einer großen Zeit die Leichenrede halten. Nach Twesten, Laster, Forckenbeck nun Ludwig Bamberger, den er nicht anders zu nennen wisse, als den Deutschesten unter den Deutschen. Mommsen gab ein kurzes Bild von dem Leben und dem Wesen des Verschiedenen, indem er vor Allem den wissenschaftlichen Ernst, die Besonnenheit, die Tiefe der Einsicht in die Weltwirthschaft, die unerschütterliche Treue zum Vaterland und neben dem scharfen Geist und der Vertraulichkeit mit Allem, was Kunst heißt, die Milde der Sitten und der Sprache rühmte, die nie Jemandem wehe zu thun versucht habe. In dieser Richtung sei er ein Einziger gewesen. Doch nicht blos von dem Freunde habe man Abschied zu nehmen, auch von diesen Räumen, in denen sich die Meisten der Anwesenden so oft um Ludwig Bamberger zu Festen des Geistes und der Freundschaft versammelt hätten. Wenn alles das verweht, so bleibt das, was Ludwig Bamberger geschaffen hat, womit er unvergänglich in die Geschichte einer großen Zeit eingegriffen hat. Am Schluffe seiner Rede konnte der große Gelehrte die Thränen nicht zurückhalten; es war ein erschütternder Augenblick, als der sonst so kühl blickende Forscher, von Rührung überwältigt, sich auf einen Stuhl am Fuße des Sarges niederließ. Und wohl kein Auge blieb trocken. Dann zwei Gesänge eines Sängerchors. Die Leichenträger mit den Cylindern auf den Köpfen treten um den Sarg. Er ward aufgehoben, und man trug den Entschlafenen hinaus aus den Räumen, mit denen er untrennbar verwachsen schien. Halb 11 Uhr langte der Trauerzug vor dem Portale des israelitischen Friedhofes in der Schönhauser-Allee an. Vorher schon waren auf zwei Wagen die zahllosen Kranzspenden eingetroffen, die dem Entschlafenen die letzten Grüße seiner Freunde brachten. Riesige Palmenwedel und mächtige Lorbeerkränze lagen neben bescheidenen Veilchengewinden und Maiblumenkränzen. Sie wurden in die Leichenhalle des Friedhofes gebracht, deren Inneres in einen Lorbeer- und Palmenhain verwandelt war. Die Kranzspenden einzeln aufzuzählen, ist bei ihrer Fülle nicht möglich; alle dem Verstorbenen nahestehenden politischen Vereine und Freunde aus ganz Deutschland, aus Paris, aus England und Amerika hatten dem Todten ihren Scheidegruß gesandt. Ein mächtiger Lorbeerkranz trug auf der weißen Atlasschleife die goldene Inschrift: „Karl Schurz, New-Pork". „Die Nation" hatte „Ihrem treuen Freunde" einen duftigen Blumenkranz gewidmet, die freisinnige Vereinigung widmete ihre reiche Spende. „Ihrem unvergeßlichen Führer und Freunde", die Fraction der freisinnigen Volkspartei „Ihrem wackeren Mitkämpfer und Collegen". Ferner sahen wir Blumenspenden von dem „Verein zur Förderung der Handelsfreiheit", dessen Begründer und langjähriger Vorsitzender Bamberger gewesen war, ebenso von der Handelskammer in Hamburg und einen prächtigen, mit roth-weiß-blauer Schleife gezierten Kranz des liberalen Vereines zu Kiel. Aus Stettin hatten der „Liberale Wahlverein" und die „Kaufmannschaft" Kranzspenden gesandt. Als der einfache schwarze Sarg, den eine Maiblumenkrone zierte, in der Leichenhalle niedergesetzt war, leitete ein Chorgesang nach der ergreifenden Weile der Flemming'schen »Integer vitae« die kurze Feier auf dem Friedhofe ein, ein kurzes Gebet des Predigers und erneuter Chorgesang schloß sie. Dann wurde der Sarg nach der nahegelegenen Gruft getragen. Unweit des Einganges, im Schatten einer Trauerweide und umrauscht von den Zweigen zweier mächtiger Platanen, ruhen die irdischen Ueberreste des „deutschesten Deutschen", wie ihn Mommsen genannt. Ein kurzes Gebet des Predigers am Grabe noch, und dröhnend schlugen die Erdschollen auf den Sarg, die die Angehörigen, die Parteigenossen und Freunde des Verewigten hinabwarfen. Dann schloß sich der Hügel über der Gruft, in der einer der besten Söhne des Vaterlandes seine ewige Ruhe gefunden. * * * Im Saale des Künstlerhauses in der Bellevuestraße hatte sich Freitag die große Gemeinde der politischen und persönlichen

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