Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 12 (24.3.1899)
- Date
- 1899-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 326 Vr. Vloch'» Wochenschrift Nr. 12 Thätigkeit in den verschiedensten Ländern bewiesen haben, wie schr ihnen das Colonisationswerk in Palästina heilig ist. Und dasselbe zu sichern, zu erweitern, gegen unbesonnene Eingriffe von Va banque-Sptelertt zu schützen, soll eben der Zweck der Delegirten-Conferenz sein. * * * Nach der Sitzung. (Von unserem Specialcorrespondenten.) Paris, den 20. März. Die Hoffnungen und Erwartungen, welche die aufrichtigen Zionsfreunde überall mit der Delegirten-Conferenz verknüpft haben, sind als v o l l st ä n d i g verwirklicht zu betrachten. Was seit Jahren von den praktischen Zionisten, die die p r a k t i s ch e T h a t dem bloßen Geschwätz vorziehen, angestrebt wird, nämlich die Gewinnung der „Jewish Colonisation Association" für die Colonisation Palästinas, haben sie — jetzt erreicht. Wenn man bedenkt, daß die „Jewish Colonisation Association" über mehr als 200 Millionen Francs verfügt, also ungefähr über viermal so viel als die „Colonialbank" erst zusammenbringen will, so wird man erst die ganze Tragweite der Thatsache erkennen, daß die „Jewish Colonisation Association" nunmehr als denHauptschauplatz ihrer colonisatorischen Thätigkeit Palästina betrachtet und für dieselbe die Mittel zur Verfügung stellt. Das ist der bedeutende Erfolg der gestrigen Delegirten- Conferenz. Insbesondere wird man es gerade in Oesterreich und zumal in Galizien gewiß mit Freude vernehmen, daß die Delegirten-Conferenz beschlossen hat, für die galizische Colonie „M a ch n a j i m" 40.000 Francs zu widmen und somit auch jene Bedingung erfüllt ist, von der die „Jewish Colonisation Association" ihre Subvention von 80.000 Francs abhängig gemacht hat. Damit ist die Colonie „Machnajim" ganz gesichert und es zeigt sich die Lächerlichkeit jener Propheten, die dieser Colonie einen Zusammenbruch vorhersagten. Die Sympathieen und die Unterstützung, die die galizische Genossenschaft „Ahavas Zion" und chre Bestrebungen bei den hiesigen Machtfactoren gefunden haben, sind auch ein persönlicher Erfolg des Dr. S a l z und eine reiche Belohnung für so manche Kränkungen, die ihm in jüngster Zeit Herr Dr. H e r z l in seiner kleinlichen Eifersüchtelei zugefügt hat. Was das Verhältnis der „Jewish Colonisation Association" und des Centralcomitäs zur Herzl-Partei und der „Colonialbank" betrifft, so geht dasselbe am besten aus folgender Thatsache hervor: Vor einiger Zeit war Herr W o l f s o h n, der bereits als erster Director für die Bank in Aussicht genommen ist und nach London übersiedelt, hier, um Narciffe Leven für die „Bank" zu gewinnen. Derselbe erklärte jedoch, daß man nicht erst eine Bank zu gründen brauche, denn Geld sei genug da und stehe auch für alle ernsten colonisatorischen und industriellen Unternehmungen in Palästina zur Verfügung. Man möge ihm jedoch mit concreten Vorschlägen und Plänen kommen. Das ist aber nicht geschehen. Dafür schickt jetzt die „Jewish Colonisation Association" einen Secretär für mehrere Monate nach Palästina bchufs Studium der dortigen Verhältnisse. Einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung war die Frage der Reorganisation des Centralcomit 6 s und der Agitation. Hier entziehen sich jedoch die meisten Beschlüsse noch vorläufig der Oeffentlichkeit. So viel läßt sich schon jetzt sagen, daß das Centralcomit6 durch neue Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern erweitert wurde. Zu den bisherigen Mitgliedern wie Narciffe Leven, Zadoc Kahn, Dr. Hildesheimer, Bambus, Oberst Goldshmid rc., kommen jetzt noch u. A. hinzu der bekannte Gynäkolog Professor Landau und der Großkaufmann Israel in Berlin, Sir Josef Sebag Montefiore, der eigentliche Vermögenserbe von Sir Moses Montefiore in London, und Bernard Lazare, der bereits aus dem Wieuer Actio nscomits ausgetreten ist. Dazu kommt noch aus Oesterreich vorläufig Dr. Salz, da die Berufung von zwei weiteren Personen aus Wien in Aussicht genommen ist. Weiters wurde beschlossen, in Berlin einen Ausführ ungsauss chuß einzusetzen, der die Agitation zu leiten und die Beschlüsse des Centralcomitss durchzuführen hätte. Es wurde auch der Bericht über die günstige Entwicklung der vom Centralcomits gegründeten Colonie Kastinie vorgetragen und constatirt, daß die Getreideernte allein den Colonisten im letzten Jahre 40.000 Francs eingetragen hat. Für diese Colonie wurde ein Credit bis zu 300.000 Francs eingeräumt. Soviel in Eile über die Arbeiten der Delegirtenconferenz, die von Liebe und Opferwilligkeit zum eigenen Volke, aber auch von echt männlichem Ernst geleitet waren. Und die Früchte solcher Arbeiten werden auch gewiß nicht ausbleiben. L. * * * Bernard Lazare's Austritt aus dem Wiener Actions-Comits. Paris, 21. März. Es war seit Langem zu erwarten, daß Bernard Lazare im Wiener Actionscomits, das ihn zur Unthätigkeit verurtheilte, nicht lange verbleiben wird. Schon am Baseler Congreß hat Lazare seinen Freunden erklärt, daß er ins Actions-Comits eintrete, um dort wirklich zu arbeiten, für. die demokratische Richtung zu kämpfen, und daß er mit dem Augenblicke das Comits verlassen werde, sobald er einsieht, daß er seine Kraft und seine geistigen Mittel dem Zionismus nicht so widmen könne, wie er es wünscht. Diese Zeit ist nun eingetreten. Die „Wahlreform" hat Lazare gezeigt, wie viel mit den Leuten zu machen ist, die davor nicht zurückschrecken, die Freiheit der Wahlen zu vergewaltigen, um sich einen „verläßlichen" Congreß zu schaffen. Und Lazare fühlt sich, wie viele andere, in einer solchen Gesellschaft nicht wohl. Er hat also d e m i s s i o u i r t, und diese Demission bereits dem Wiener Comits in einem ausführlichen Schreiben bekanntgegeben. Sohin hat er sich entschlossen, in das Central-Comit6 der Zions-Verbände eiuzutreten, für welches dieser Mann, dessen Bedeutung man erst dann erkennt, wenn man in Paris ist, eine große Requisition bedeutet. * * * Die Landeseonferenz der deutschen „politischen" Zionisten. Berlin, 16. März. Am nächsten Montag soll in Köln der Parteitag der deutschen Landsmannschaft stattfinden. Derselbe sollte ursprünglich hier abgehalten werden und wurde erst im letzten Augenblick nach Köln übertragen, da man hier einen Protest gegen die „Wahlreform" befürchtet hat. Angesichts dieses Schrittes der deutschen Leitung haben die Ortsgruppen in Berlin, Breslau, Leipzig und mehreren anderen Ortschaften beschlossen, die Landeseonferenz nicht zu beschicken und gegen deren Abhaltung in Köln zu protestiren. Wegen der „Wahlreform" wird sich wohl auch schon ein Mittel finden, um die Anschauungen der Majorität der deutschen Zionisten über diese saubere Taktik zum Ausdrucke zu bringen. Die treue Wacht. Es gibt ein Bild, welches uns das wundersame Schauspiel eines künftigen Freiheitsfestes der gesammten Menschheit in den leuchtendsten Farben vor Augen führt. Der Name dieses Gemäldes lautet: „Pessach leassid", die Freiheit der Zukunft, und der Rahmen, in welchen sich dasselbe fügt, es ist der feierliche Sederabend. Zwar viel bitteres Wehe hatte dieser Abend für Israel bereits in seinem Gefolge. Wer zählt die Seufzer, die Klagen alle, welche unsere Väter gegen das grausame Schicksal gerade an diesem