Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 11 (17.3.1899)
- Date
- 1899-03-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 220 Vr. Bloch'» Wochenschrift Nr. 11 Arbeitsmark überschwemmen und die Löhne drücken, braucht dringend einer Regelung." Dem gegenüber bereitet der Liberale Sir Charles Dille eine andere Resolution vor: »Daß die Zurückweisung von Arbeitern, die bei ihrer Ankunft den nationalen Reichthum mit ihrer Fertigkeit vermehren, dem öffentlichen Interesse widerspricht und von der Majorität der autoristrten Vertreter der Arbeiterklasse nicht gewünscht wird.'" So dürste sich denn die Dienstagsitzung höchst interessant gestalten. Viel Material für die Discussion hat Mr. Dytche, der Schneidergehilfe von Leeds, neuerlich in einem höchst instructiven Artikel gesammelt, den soeben die »Contemporary Review" im Märzfest publicirt. Der Aufsatz enthält zum großen Theil Tarife der von den jüdischen Arbeitern in den verschiedensten Branchen bezogenen Löhne. Parlamentsmitglied Sir Edward Saffoon. Sir Edward S a s s o o n, der jüngst als unionistischer Kandidat in Hythe gewählt wurde, zieht als neunter Jude ins englische Parlament ein. Die Zahl der jüdischen Parlamentsmitglieder ist somit die höchste, die bisher erreicht wurde. Sir S a s s o o n wurde mit 2425 Stimmen gegen den Radicalen Sir Israel Hart, ebenfalls einen Juden, der nur 1898 Stimmen erhielt, gewählt. Der neue Abgeordnete ist 43 Jahre alt, Doctor der Rechte, Capitän in der Reserve und Schwiegersohn des Barons Gustav Rothschild. In der jüdischen Gemeinde bekleidet er das Borstandsamt in der spagnolischen Gemeinde und des Bice-Präsidenten der Anglo-Jewish-Association. Die Familie Saffoon stammt bekanntlich von den Jbn Shoshans, die den Naffititel von Toledo führten, von dort nach Bagdad und schließlich nach Indien übersiedelten. Dort ist auch Sir Edward geboren. Jerusalem. Die energische Haltung der Consulen in der Frage des Einwanderungsverbotes scheint bereits ihre Früchte zu tragen. Ein Jude aus Aden, der englischer Unterthan ist, war von der Polizei verhaftet worden und sollte ausgewiesen werden, weil er nur die Erlaubniß zu dreißigtägigem Aufenthalt erhalten hatte. Der Consul Dichson erhob nun einen scharfen Protest, verlangte sofortige Freilassung des Verhafteten und einen Tadel gegen die Polizei. In der That erhielt er einen Entschuldigungsbrief des Gouverneurs mit der Anzeige, daß sein Schützling unbelästigt in Palästina weilen dürfe. Es bleibt abzuwarten, wie sich die türkischen Behörden in der Zukunft benehmen werden. Vermischtes. Wie« (Blinden-Sparköröchen.) Das Curatorium des Blinden - Instituts Hohe Warte spricht die höfliche Bitte aus, daß diejenigen Körbchenbesitzer, deren Spenden wegen Mangels richtiger Adressen nicht eincassirt werden konnten, ihre Körbchen gefälligst bis längstens 25. März täglich von 11—12 Uhr Vormittags bei Frau Curatorin Fanny Bücher, I., Rathhausstraße 19, abgeben wollen. Wien. Am 9. d. M. hielt im jüdischen Volksvereine unter Vorsitz seines Präsidenten Herrn Hermann Ellbogen, der durch seine wiffenschastlichen Arbeiten bekannte Herr Rabbiner Dr. Bernhard Templer einen interessanten Bortrag über das Thema »Die Zusammengehörigkeit der Juden als Volks¬ und Religionsgenossenschaft". Der Redner verstand es durch seine Ausführungen, wie durch die Wärme und überzeugende Kraft des Ausdruckes die zahlreich besuchte Versammlung zum stürmischen Beifall fortzureißen. Wie«. (Todesfall.) Mehrere der angesehensten Familien find in tiefe Trauer versetzt worden durch das allzuftüh erfolgte Hinscheiden des Herrn Philipp Neumann, Gesellschafters der renommirten Fabriksfirma M. Neu mann in Wien und Agram. Der Verewigte erlag einer tückischen, langwierigen Krankheit im 42. Lebensjahre. Er erfreute sich in weitesten Kreisen sowohl als Industrieller als auch als Bürger des besten Rufes und besaß ob seines biederen Wesens, integren rechtlichen Charakters und strengster Solidität die Sympathieen Aller, welche je Gelegenheit hatten, mit demselben zu verkehren. An der Bahre des Dahingeschiedenen trauern eine in Schmerz aufgelöste Witwe, welcher er ein treuer, zärtlicher Gatte gewesen, vier im zarten Alter stehende Kinder, drei Brüder, mit welchen er sich in der Leitung des ausgedehnten Industriebetriebes theilte und ein zahlreiches Personale, das in feinem Hingang einen väterlich fürsorgenden Chef beklagt. Wien. (Verein jüdischer Mädchen »Hadassa".) Sonntag den 5. d. M. hielt Herr Dr. S. Rosenzweig einen sehr interessanten Vortrag über »Don Josef Nasi, Herzog von Naxos". Sonntag den 19. d. M. wird Herr Bernhard Tag über »jüdische Festtage" sprechen. Gäste willkommen. Beginn 4 Uhr, Rembrandtstraße 11. Wien. Montag den 13. März 1899, 6 Uhr Abends, fand wie alljährlich im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde XVI., Hubergasse 8, für den verewigten Herrn Ignaz Edlen von Kuffner ein feierliches Requiem statt. Schon vor 6 Uhr war der Tempel mit Gästen gefüllt. Es waren erschienen: Cultusvorsteher Herr Salomon R o s n e r, der Tempelvorstand des XVI. und XVII. Bezirkes, der Vorstand der Chewra-Kadischa des XVI. und XVII. Bezirkes mit dem Präses B. T r n k a, eine Abordnung des Vereines der Kinderfreunde des XVI. und XVII. Bezirkes, eine Abordnung des Vereines „Chesed-schel-Emes", eine Abordnung des Vereines „Gemiles-Chesed", das gesammte Beam'enpersonal des Herrn von Kuffner mit dem Disponenten Herrn W o l l f, des Dr. Leopold Kohn, Herr L. W e r t h e r, Herr von Kuffner sammt Familie und ein zahlreiches distinguirtes Publicum. Nach dem Mincha-Gebet stimmte der erste Cantor Herr Schlesinger mit dem Chore einen Trauerchoral an. Herr Rabbiner Dr. Julius Max Bach hielt sodann die Gedächtnißrede, welche auf das gesammte Publicum einen tiefen Eindruck machte und allgemeinen Beifall fand. Hierauf sang der erste Cantor Herr M. Schlesinger einen Trauerpsalm. Mit dem Abendgebet schloß die erhebende Trauerandacht. Wien-Floridsdorf. Der Obercantor der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herr D. Weiß, verläßt infolge Berufung nach Jglau am 15. April d. I. seinen hiesigen Posten. Der Abgang dieses beliebten Functionärs wird allgemein bedauert. Hohenau. Zu dem Tempelbau in Hohenau sind weitere Spenden eingegangen: Von Herrn Adolf Weigl in Kostl 1 fl.; von Herrn N. Zajitschek in Kostl 1 fl.; von Herrn S. Feßler in Tolpocan 5 fl.; von Herrn Leop. Herzfeld's Söhne in Preßburg 10 fl.; von den Herren Fritz und Josef Hoffmann in Lundenburg 10 fl.; von Herrn Gabriel Stein in Lundenburg 10 fl.; von Herrn Emanuel Holländer in Lundenburg 10 fl.; von Herrn Josef Holländer i« Lundenburg 5 fl.; von Herrn H. Bittner in Lundenburg 5 fl.; von den Herren David und Ludwig Stein in Lundenburg 5 fl.; von Herrn Max Hoffmann in Lundenbnrg 4 fl.; von Herrn Simon Weigl in Lundenburg 3 fl.; von Herrn N. la|iijer in Lundenburg 3 fl.; von Herrn S. Marchfeld's Witwe in Lundenburg 3 fl.; von Herrn Emanuel Frank in Lundenburg 3 fl.; von Herrn Carl Frank in Lundenburg 2 fl.; von Herrn N. Grünbaum in Lundenburg 2 fl.; von Herrn Theodor Aschkenes in Lundenburg 2 fl.; von Herrn Moriz Bittner in Lundenburg 2 fl.; von Herrn Adolf Kohn in Lundenburg 2 fl.; von Herrn N. Sternseld in Lundenburg 2 fl.; von Herrn Leop. Stein in Lundenburg 2 fl.; von Herrn Jonas Gold in Lundenburg 2 fl.; von Herrn Jakob Fischer in Lundenburg 2 fl.; von Herrn A. Schreiber in Lundenburg 2 fl.; zusammen 98 fl. Radautz. (Israelitischer Frauen verein in Radautz.) Auch in unserer Stadt haben sich die Juden veranlaßt gesehen, dem Antisemitismus und seiner menschenfeindlichen Wirkung ein Paroli zu bieten. Sie haben sich vereinigt, um arme Glaubensgenossen — und solche hat die Bukowina in Fülle — zu unterstützen. Unter dem Protectorate der liebenswürdigen Gemalin des Cultusvorstandes Großindustriellen Emanuel Axelrad fand am 26. Februar im reich decorirten Festsaal des »Hotel Bukowina" ein überaus gelungenes Tanzkränzchen statt, dessen zahlreicher Besuch die , lebhafte Zustimmung aller Glaubensgenossen zur engeren Vereinigung bezeugte. Unter den erschienenen Gästen bemerkte man den durch seine liberale Gesinnung hochgeachteten Bürgermeister Albert D e k a n i und viele andere k. k. Beamte. Eine große Anzahl reizender Damen und tanzlustiger Herren füllten den Saal. Als stramme Tanzarrangeure fungirten die Herren Doctoren Hellmann, Vierer, Herzberg und Zahntechniker Presser. Unter den anwesenden Damen bemerkte man die hübsche Frau Axelrad,