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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 218 Vr. Vloch's Wochenschrifl Nr. 11 zu machen, das sind die ersten und vornehmsten Ziele der Gesellschaft. Diese Sammlungen werden gleich einer Reihe von Monumenten den Nachweis liefern, daß unser Volk trotz tausendjähriger Leiden und Verfolgungen die Eigenart seines Denkens und Fühlens bewährt, auf allen Gebieten des geistigen Schaffens Hervorragendes geleistet und redlich zur Cultur und Gesittung der gesammten Menschheit beigetragen hat. Damit es aber ermöglicht werde, dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der moralischen und materiellen Unterstützung Aller, welche den Werth und die Bedeutung des Judenthums und des jüdischen Stammes kennen und würdigen. Zu Ende des Jahres 1897 zählte der Verein 9 stiftende und 123 ordentliche Mitglieder. Correspondirende Mitglieder der Gesellschaft sind die Herren: Rev. Dr. H. Adler, Chief-Rabbi of England, London; Prof. Dr. Ignaz Goldz iher, Budapest; Staatsrath Dr. A. Harkawy, St. Petersburg; Zadoc Kahn, Grand-Rabbin de France, Paris; Prof. Dr. David Kaufmann, Budapest; Dr. Adolf Neubauer, Bibliothekar der Bodleiana, Oxford; Prof. Dr. Moriz Steinschneider, Berlin. Die Baron Albert und Nathaniel Rothschild sind mit je 2000 Kronen der Gesellschaft als stiftende Mitglreder beigetreten. Dem Curatorium gehören an: als Präsident: Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath, Gemeinderath der Stadt Wien, Vertreter der israel. Cultusgemeinde. I. Vice-Präsident: Adolf Ritter von Sonnenthal, k. u. k. Hofschauspieler und Ober-Regisseur. II. Vice-Präsident: Dr. Adam Politzer, k. k. Universitäts-Professor. Schriftführer: Max Fleischer, Architekt, Cultusvorstand. Cassa-Verwalter: Theodor Ritter von Goldschmidt, k. k. Baurath, Gemeinderath der Stadt Wien, Vertreter der israel. Cultusgemeinde. Caffa-Controlor: Sigmund Taussig, k. k. Ober-Baurath und Hafenbau-Direktor. Curatoreu: Ignaz Brüll, Tonkünstler. A. Epstein, Privatgelehrter. Dr. Carl S. Grünhut, k. k. Hofrath, Universitäts-Professor, Mitglied des Herrenhauses. Dr. M. Güdemann, Ober-Rabbiner und Prediger' der israel. Cultusgemeinde Wien. Leopold Horowitz, Maler. Isidor Kaufmann, Maler. Dr. David Heinrich Müller, k. k. Universitäts-Professor, Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften. Dr. Adolf Stein, Hof- und Gerichts-Advokat, Cultusvorstand. Ehren-Secretär: Dr. Bela Taussig. Dem Jahresberichte ist der ausgezeichnete Vortrag beigegeben, welchen Oberrabbiner Dr. Güdemann am 3. Jänner 1898 im „Jüdischen Museum" gehalten hat. Der Vortrag behandelte das Thema: „Das Judenthum und die bildenden Künste. Berlin. Im „G e m e i n d e - B l a t t d e r H a u p tu u d Residenzstadt Berlin" vom 12. Februar d. I. findet sich nachfolgende Notiz: Protokoll der Armen-Commissions-Vorsteher-Versammlung. Verhandelt Berlin, den 20. Jänner 1899. „.Der Vorsitzende Dr. M ü n st e r- „b e r g theilt mit, daß wieder Fälle vorgekommen seien, „wonach jüdische Bürger deshalb von Unterstützungen zu- „rückgewiesen seien, weil reichliche Geldmittel den jüdi- „schen Mitbürgern zu Gebote ständen. Es ist dies nn- „statthaft, da die jüdische Gemeinde wohl über reichlichere „Stifiungsmittel verfügt, aber Anträge auf Unterstützungen „zunächst wie alle anderen angenommen und geprüft „werden müssen, da es für die Armenpflege Confessions- „unterschiede nicht gebe." Allzuhäufig dürften jüdische Bittsteller die communale Armenpflege nicht in Anspruch nehmen. Berlin, 13. März. Das Jahrbuch 1899 für jüdischen Geschichte und Literatur herausgegeben vom Verbände der jüdischen GeschichtsundLiteraturvereine in Deutschland, ist dieser Tage erschienen. Der Inhalt ist nicht sehr aufregend. Daß die wissenschaftlichen Beiträge keine actuelle Bedeutung haben, daß sie vor zehn Jahren hätten gedruckt sein können und ohne empfindlichen Verlust erst nach zehn Jahren mit Druckerschwärze hätten in Berührung kommen dürfen, ist zu einem Theile selbstverständlich, zum anderen Theile ohne Vorwurf zu confiatiren. Seltsamer schon ist es, daß sogar der Jahresrückblick, der das Buch einleitet, nicht durch eine einzige thatsächliche Anführung die Zeit erkennen läßt, der der Rückblick gilt. Er enthält wohlgesinnte allgemeine Betrachtungen, die unverändert auch in späteren Jahrgängen Ver- ( Wendung finden können, wenn die Redaction nicht anspruchsg voller wird, £g Lassalle hat vor langen Jahren die „verdammte Anspruchslosigkeit" der Arbeiter als eines der wesentlichsten Hindernisse für die Hebung des vierten Standes beklagt. Ihm und anderen nach ihm ist es gelungen, diese Bescheidenheit zu beseitigen, und ein großer Erfolg ist den wachsenden Prätensionen beschieden gewesen. Auch den jüdischen Geschichts- und Literaturvereinen thut ein Lassalle noth, der ihnen die „verdammte Anspruchslosigkeit" austreibt, der die Anforderungen an den wissenschaftlichen Gehalt der geschichtlichen und literarischen Darbietungen steigert. Diese Anforderungen dürfen auch dann von Unbescheidenheit immer noch weit entfernt bleiben. Das Jahrbuch bringt eine Zusammenstellung der Vorträge, die in den Literaturvereinen während des vorigen Jahres gehalten worden sind. Nur an sehr wenigen Orten haben die Rabbinen es als ihre Aufgabe angesehen, solche Vorträge planvoll selbst auszuarbeiten und durch sie ihre Gemeindemitglieder methodisch zu belehren und zu erziehen. Nur an sehr wenigen Orten zeigt sich bei der Auswahl der Vortragenden und der Themata ein gewisses Urtheil und ein auf ein bestimmtes Ziel gerichteter ernster Wille. In der übergroßen Mehrzahl der Vereine haben die Vorstände den Zufall walten lassen und die Liste der Vortragenden nach der zufälligen Uebereinstimmung des marktgängigen Rednerpreises mit der Aufwandfähigkeit ihrer Kasse festgestellt. Da die Kassen meist nicht allzu üppig dotirt sind, so waltet die kläglichste Mittelmäßigkeit, die „billig und schlecht" arbeitet und dadurch auf die Kosten zu kommen sucht, daß sie der Reihe nach ganze Provinzen mit einer und der nämlichen literarischen Ramschwaare beglückt. Selbst Männer von Namen geben sich dazu her, mit solchen Rundreisevorträgen zu hausiren. In der Regel freilich spielt das freundschaftliche Wohlwollen eine Rolle, das aus „Rachmonus" einem armen Teufel, der zugleich ein dummer Teufel ist, eine Einnahme zuschieben will. Das ist der Absicht nach sehr löblich, aber in der Ausführung überaus verfehlt und den Literaturvereinen gegenüber, d. h. dem Volke gegenüber, das man durch die Vereine bilden und unterrichten will, geradezu ein Frevel. Hier wäre das Beste eben gut genug. An der Spitze der Vereinsredner, wenn man die Zahl der Vorträge in Betracht zieht, steht Herr Dr. GustavKarpeles, neben ihm Herr Dr. Adolf K o h u t. Viermal hat Herr Dr. K a rpeles über „Heinrich Heine und das Judenthum", sechsmal über die Culturleistungen der Juden für die Menschheit, fünfmal über „Humor und Liebe in der jüdischen Poesie" gesprochen, achtmal hat Herr Dr. Ko Hut den „Berliner Salon", siebenmal „Alexander von Humboldt und das Judenthum", zehnmal „Josef II. und Friedrich II. in ihren Beziehungen zum Judenthum" zum Gegenstände eines Vortrages gemacht. Die Vorträge mögen ja ausgezeichnet gewesen sein — aber sie waren zumindest die Reisekosten nicht werth. Ein Vorleser findet sich am Ende noch in jedem Verein, uitb das Manuscript ließe sich um 20 Pfennig von Ort zu Ort bringen. Das Vortragsg e s ch ä f t aber, die Literaturweisheit auf Rädern, die Volksbildung im Umherziehen, die Einrichtung geschichtlicher Wanderlager — das Alles ist nicht würdig und führt nothwendig dahin, daß schließlich Schundwaare verschleißt wird. Das war es nicht, was die Begründer der Literaturvereine wollten. Doch es scheint, daß ihre Wort- und Geschäftsführer sich jetzt dabei ganz behaglich fühlen. Sie gefallen sich als Mäcene der Geschichte und Literatur (Kostenpunkt: höchstens 300 Mark einfür allemal) und als Förderer der Bildung (wobei sie wirklich mit absoluter Sclbstlosigkeit verfahren). Es wird hier wieder einmal ein großer Aufwand schmählich verthan. An Stelle der T h a t, die helfen kann, aber auch Schweiß kostet, tritt das Gethue, das kraftlos und marklos ist und nur Geschäftigkeit heuchelt. Potsdam. Das hiesige Stadtverordnetencollegium verhandelte am Freitag den 10. März über einen Antrag, „der fortgesetzten Thierquälerei des Schächtens im städtischen Schlachthause dadurch ein Ende zu bereiten, daß das Schächten verboten wird und jeder Schlachtung eine Betäubung durch Kopfschlag oder Schlagmaske voraus gehen muß. Gestellt war der Antrag von dem Reichstagsabgeordneten Pauli, bekanntlich halb conserföatiü, halb antisemitisch, dem Kaufmann Fröhlich, der sich als reiner Antisemit einen Ruf erworben hat, und neun anderen Stadtverordneten, allein schon vor Anfang der Tagesordnung r'zogen drei derselben ihre Unterschriften unter dem Anträge zurück. Conditor Hermann und Fabriksbesitzer Baumgart machten geltend, daß Fröhlich ihre Unterschriften gewonnen hätte, indem

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