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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 210 Vr. Vloch', Wochenschrift Nr. 11 durchaus nicht die Schulbehörde kritisirten, sondern nur die christlich-sociale Partei, aber man müsse doch unwillkürlich annehmen, es sei die Schulbehörde gemeint. Wenn also Lehrer Sonntag sagte, die christlich-sociale Partei sei durch ihre Bolksausbeutung und Bildungsfeindlichkeit gekennzeichnet, so habe er sich politischer Umtriebe schuldig gemacht. Das Recht der freien Meinungsäußerung hat durch den Bezirksschulrath der Stadt Wien eine neue Auslegung erfahren. Die Lehrer haben dieses Recht, jedoch mit der Einschränkung, daß ihre Meinung über die christlich-sociale Partei eine schmeichelhafte ist. Wenn die Lehrer von den Christlich-Socialen sprechen, so denke man da unwillkürlich an die Schulbehörde. Wir befinden uns da in dem entgegengesetzten Falle. Wenn wir vom Wiener Bezirksschulrath sprechen, so denken wir unwillkürlich an die christlich-sociale Partei. * * * Wir begreifen vollständig den Unwillen des Herrn G u g l e r darüber, daß diese Disciplinarverhandlungen veröffentlicht werden. Seiner Reputation und der seiner Collegen, fast hätten wir gesagt Complicen, wäre viel mehr damit gedient, wenn die brutalen Maßregelungen der Lehrer geheim geblieben wären. Wären diese Erkenntniffe gerecht, so könnte der Bezirksschulrath gar keinen dringenderen Wunsch haben, als daß über diese Verhandlungen recht ausführlich berichtet wird. Allein sie sind vom Parteiintereffe dictirt, ungesetzlich in der Form und ungerecht in der Sache. Daß die Lehrer schutzlos solchen Richtern preisgegeben sind, ist beschämend für Wien und für Oesterreich. * * * In Deutschland hat ein Graf Pükler eine Hetzrede gegen die Juden gehalten und dieselbe als Flugblatt drucken lassen. Graf Pükler ist Staatsbeamter; die Regierung hat ihn wegen dieser Rede, welche direct zu gewaltthätigem Vorgehen gegen die Juden und zu ihrer Vernichtung auffordert, seines Amtes enthoben und gegen ihn die strafgerichtliche Verfolgung eingeleitet. Dem „Deutschen Volksblatt" hat die Rede so gut gefallen, daß es sie im Wortlaut abdruckte, und so hatten wir das Vergnügen, diese Leistung eines bornirten Junkers kennen zu lernen. Wir hatten den Eindruck, daß der Mann ins Thierspital gehört, nämlich wegen Tollwuth, oder ins Irrenhaus, wegen Verfolgungswahn. Für Vergani war die Rede schätzbares Material; solche Dinge sollte er nur mit eingesperrten Lettern drucken dürfen. Robert Wolf. Eine Abbitte des „Deutschen Volksblatt". Das „Deutsche Volksblatt" hat wieder einmal für verleumderische Angriffe Abbitte leisten müssen durch folgende Erklärung: „Erklärung. Die Herren Zorn und Genossen haben wegen der in den Nummern 3300, 3302 und 3304 vom 11., 13. und 15. März 1898 des „Deutschen Volksblatt" enthaltenen Arttkel, die vom verantwortlichen Redacteur vor der Drucklegung nicht gelesen und auch nicht zum Drucke befördert wurden, gegen uns die Ehren beleidigungsklageüberreicht. Dawir nicht inderLage sind, die in diesen Artikeln gegen die Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Unterstützungscasse inWien und deren Vor st and smitglieder erhobenen Beschuldigunen einer incorrecten Gebahrung mit den vom niederösterreichischen Landesausschuffe, sowie von der Ersten österreichischen Sparkasse der genannten Krankencaffe bewilligten Subventionen aufrecht zu erhalten, so ziehen wir diese Beschuldigungen mit dem Ausdrucke des Bedauerns als durchaus unbegründet zurück." Das „Deutsche Volksblatt" hatte behauptet, daß die 12.000 fl., die der Landtag seinerzeit der Allgemeinen Arbeiter- Kranken- und Unterstützungscasse bewilligt hatte und die im Vorjahr der Casie entzogen wurden, zum Theile „zur Stärkung der Einkünfte socialdemokrattscher Führer, die in der Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Unterstützungscasse eine Reihe fetter Stellen einnehmen", verwendet worden sein. Diese Verleumdung bewog natürlich den Vorstand der Casse wegen Ehrenbeleidigung zu klagen. Gerade ein Jahr, nachdem das Blatt seinen Lesern die Lügen vorgesetzt, bringt das 'Deutsche Volks-, Watt" diese Erklärung. f- Das Central-Comits der Zions-Verbände in Paris. Die für den 12. d. M. angekündigte Sitzung wurde inzwischen auf den 19. d. M. verschoben, da am ersteren Termin der Verwaltungsrath der „Jewish Colonisation Association" eine Berathung abhalten sollte. Soweit unsere Informationen reichen, hatte sich die „Jewish Colonisation Association" auch mit der Nothlage in Galizien zu beschäftigen, ebenso wie das Central- Comitö die Frage einer Förderung der galizischen Colonie „Machnajim" in großem Maßstabe discutiren dürfte. Die Zuziehung des Dr. Salz aus Tarnow zu den Berathungen ist der beste Beweis hiefür. Das Central-Comite steht überhaupt, wie es scheint, vor dem Beginne einer großen Colonisation saction i n P a l ä st i n a, zu der die Mittel von der „Jewish Colonisation Association" zur Verfügung gestellt werden dürften. Die Bereinigung der Zions-Verbände von England, Deutschland, Rußland und Frankreich, die im Jänner 1894 in Paris vor sich ging und zur Einsetzung eines Central-Comitts dortselbst führte, hatte bisher eigentlich nur einen mehr administrativen Zweck. Jeder Verband behielt seine Autonomie, aber allen gemeinsam stand ein Centralorgan zur Verfügung. Die Functionen desselben sind: 1. Die Versendung von Mittheilungen an die Vereine und die Zionsfteunde über die Colonisation in Palästina; 2. Die Vertretung der Verbände nach außen; 3. Die Zusammenfassung der Mittel zur Durchführung von kolonisatorischen Aufgaben. An der Zusammenkunft im Jahre 1894 nahmen u. A. theil: Grand Rabbin Zadoc Kahn, Narcise Leven, Oberst Goldsmid, Professor H a l e v y, Elim d'Avigdor, der auch zum Vorsitzenden des Central-Comitss gewählt wurde, Bambus, Dr. N o s s i g, Josef P r a g, Adam Rosenberg als Vertreter der amerikanischen „Choveve Zion", B r a i n i n u. A. Daß diese Männer nicht etwa blos „Philantropen" waren, geht aus zwei Resolutionen hervor, die sie faßten. Die eine wendet sich gegen die damals sensationelle Verhaftung Ben Jehuda's und seines Schwiegervaters und erklärt: „Die Conferenz bedauert lebhaft die Denunciation, deren Opfer der Herausgeber des „Hazevi" in Jerusalem wurde, und fordert das Central-Comite auf, diese beklagenswerthe Affaire nicht aus dem Auge, zu lassen und alle Mittel anzuwenden, um den Angeklagten zur Freiheit zu verhelfen." Die andere Resolution, über Antrag des Prof. H a l e v y beschlossen, lautet: „Die Conferenz spricht den Wunsch aus, daß eine hebräische Institution geschaffen und subventionirt werde, welche zur Aufgabe hätte, ein hebräisches Wörterbuch unter besonderer Berücksichtigung der Gegenstände des alltäglichen Lebens herauszugeben." In der Zwischenzeit hat das Central-Comite bereits die Colonie Kastinie gegründet. Nach dem Tode d'A v i g d o r s trat Narcise Leven, der Präsident der „Jewish Colonisation Association", auch an die Spitze des Central-Comites und so ist die Aussicht nahe gerückt, daß die immensen Mittel der Association der Palästina-Cvlonisation zu Gute kommen werden. Die Anwesenheit von erprobten Zionsfreunden aller Länder in Paris bietet uns eine Gewähr, daß nach dieser Richtung etwas Ersprießliches geschehen werde. Eine Hilfsaktion für die Boryslawev Bergarbeiter. Wien, 13. März. Seit sechs Tagen befindet sich die Deputation in Wien, ohne etwas ausgerichtet zu haben. Sie können und dürfen nicht nachhause fahren ohne eine erfreuliche Botschaft, denn dort warten hunderte darbender Familien, für die ihre Reise nach Wien der letzte Sttohhalm ist, an den sie sich klammern. Die Deputation hat bereits bei Herrn David von Gutm a n n vorgesprochen, dem sie über ihr Ersuchen von Dr. R. S. Landau vorgestellt wurde. Die Unterredung dauerte anderthalb Stunden. Im Laufe derselben gelang es der Deputation, den Herrn v. G u t m a n n zu überzeugen, daß die Boryslawer Bergarbeiter bereit seien, am Samstag zu arbeiten, sowie, daß ein Streik oder sonstiger Aufruhr der Arbeiter von Mähr.-Ostrau für den Fall der Aufnahme einer gegenüber den sonst beschäf- / tigten 35.000 Arbeiter doch sehr minimalen Anzahl von 100 Juden / nicht zu befürchten sei, sofern die Juden weder als Lohndrücker, noch als Streikbrecher verwendet, sondern die normalen Löhne ^erhalten werden. Herr v. G u t m a n n verwies jedoch ^darauf, daß der Widerstand der dortigen Bergbaudirectoren / die Aufnahme der jüdischen Arbeiter unmöglich mache. Er ver-

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