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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Vr. VLoch'» Wochrnschrifl Seite 207 „Nachdem die Abwehr gesichert, tritt die Frage über das Endziel des Krieges in den Vordergrund. Grenzerweiterung war nicht der deutsche Zweck des Krieges und wird nicht der Preis sein, welcher die Nation besriedigt. Dagegen darf ich, aus Wahrnehmung, als tiefe Ueberzeugung des Volkes bezeichnen, daß Deutschland jetzt an Stelle der Verträge mit den süddeutschen Staaten die Staats einh eit in Form des Bundes gewinnen werde. Ein minderer Ausgang würde zu den schwer st en T ä'u s ch u n g e n zählen. — — Die wir aus inniger Ueberzeugung die Staatseinheit für den allein würdigen Ausgang des Nationalkrieges halten, werden natürlich nicht ermüden, unsere Dienste unter allen Umständen dieser großen Sache zu widmen. Aber unsere Arbeit würde doppelt fruchtbar sein, wenn wir über Art und Inhalt uns in Uebereinstimmung mit Ihnen wüßten." Es war sehr nöthig, daß der leitende Staatsmann mit den Wünschen und Forderungen des Volkes vertraut gemacht wurde. Fehlte es doch, wie oft genug von uns hervorgehoben, nicht an Stimmen im eigenen Lager, die sich gegen ein geeintes Deutschland erhoben, war doch das Vorhandensein specifischen Prenßenthums in den politischen Ideen hoher militärischer Kreise leicht erkennbar. Ludwig B a m b e r g e r, der im Hauptquartier weilte, mußte von dort aus einen Freund mahnen: „Sorgen Sie in den weitestreichenden Kreisen bei Zeiten für Dru ck von unten, daß die Siege aus dem Felde dem deutschen Volke zu Gute kommen. Es wird sehr nöthig sein. Mir kommt's halb vor, als drohe uns eine Enttäuschung, wie nach 1815. Ich spreche begreiflich nicht aus einem hohlen Fasse. Das darf nimmermehr geschehen! Also thue Jeder das Seine!" Nun, an dem gewünschten Druck von unten hat es nicht gefehlt, Dank der nie ermüdenden Thätigkeit Lasker's. Seine Correspondenz aus den Jahren 1870—71 beweist zur Genüge, daß kaum ein zweiter so rührig war, so wirksam Hilfe leistete bei der Begründung des neuen einigen Reiches, bei der Besiegung hartnäckigen Widerstandes auf allen Seiten, bei Widerlegung manchen Vorurtheils, manchen Zweifels. So rührten auch die Entwürfe zu den Adressen, welche überall im Interesse der zu begründenden Reichseinheit an die deutschen Fürsten gerichtet wurden, vorwiegend von Lasker her. Das große, mühsame Werk gelang und jubelnd berichtet Lasker einem süddeutschen Freunde, als die Annahme der Bundesverträge gesichert war: „. . . Der beseligende Gedanke ist: Es gibt endlich einen deutschen Staat, wir leben auf gesicherter Grundlage, wie andere, und die Geschichte kennt keine „deutsche Frage" mehr. Heil dem Jahre 1870, das, wie viel Leid es auch dem Einzelnen brachte, nunmehr mit der so lang ersehnten Größe des geliebten Vaterlandes abschließt." Und voll berechtigten Hochgefühls, aber immer noch bescheiden genug, sagt er in einem weiteren Schreiben, gerade, als ob er die heutigen Geschichtsfälschungsversuche der „Norddeutschen Allgemeinen" vorausgesehen hätte: „Wir haben uns neben die Fürsten gestellt, und die deutsche Krone ist nicht durch sie allein, sondern durch sie und durch das Volk gemeinschaftlich geschaffen. An Anerkennung fehlte es dem verdienstvollen Manne nicht. Aus solchen Kreisen, auf deren Meinungsäußerungen er den größten Wert legen durfte, weil sie sein Ringen und Mühen genau kannten, von solchen Männern, die wahrlich als rechte Vertreter des deutschen Volkes gelten konnten, die selbst in ihrem engeren Kreise von dem Vertrauen und der Verehrung ihrer Mitbürger getragen wurden, kamen nach dem endlichen Abschluß der Bundesverträge herzliche Glückwünsche an ihn, „die ihm namentlich abzustatten seien, da er so w e s e n t l i ch zu der endlich erlangten Einheit beigetragen habe". Von Hoch und Niedrig, in Nord und Süd, wurde sein patriotisches Fühlen und Handeln gewürdigt, und auch an den deutschen Fürstenhöfen wußte man des Mannes Werth für die deutsche Nation wohl zu schätzen. Das beweist folgender Brief aus späterer Zeit: „Werthgeschätzter Herr! Ich hoffe, von Ihnen nicht für unbescheiden erachtet zu werden dafür, daß ich, ohne mit Ihnen persönlich bekannt zu sein, die Bitte an Sie richte, mir ein Stündchen Unterredung zu schenken. Die großen vaterländischen Interessen sind es, die meine Bitte wohl in Ihren Augen rechtfertigen werden, wenn ich den Wunsch hege, mit Ihnen von denselben zu reden. Sollten Sie meiner Bitte entsprechen können und wollen, so bitte ich Sie, morgen Vormittag halb 12 Uhr zu mir kommen zu wollen. Ihr ergebener (gez.) Friedrich, Gr. v. Baden. Berlin, Niederländisches Palais, 2. April 1877." Daß der verblichene Kaiser Friedrich bei der Bewerthung eines Mannes ebensowenig wie sein edelsinniger Schwager confessionelle Rücksichten walten ließ und sich beeiferte, ohne Ansehen der Person Verdienste dort nach Würdigkeit zu schätzen und anzuerkennen, wo er sie wahrzunehmen glaubte, ist zu bekannt, als dast wir des Näheren darauf einzugehen brauchten. Für anständig Denkende bedarf es solcher Hinweise überhaupt kaum. Bei ihnen wird jenen verdienten Männern, die mit allen ihren Kräften die nationale Einheit gefördert haben, wie Lasker und Bamberger es thaten, durch das von Ahlwardt und Consorten repräsentirte „Deutschthum" auch nicht ein Titelchen des wohlerworbenen Ruhmes geraubt. Wie Lasker und Bamberger, so waren ungezählte andere Männer, ausschließlich aber solche, die auf liberalem Boden standen, damals in der deutschen Presse die begeistertsten Wortführer des Einheitsgedankens; die conservative Presse aber verhielt sich still. Erinnerungen dieser Art sind immer nützlich. Dr. Slransky fürchtet die Taufe — Anderer. (Brunner Brief.) In der Sitzung des mährischen Landtages vom 7. d. M. spielte sich eine interessante Scene ab, deren „Held" der Führer der czechischen Volkspartei in Mähren (wie er sich so gern nennen hört) Dr. Adolf Stransky war und die zu Nutz und Frommen des zahlreichen Leserkreises dieser Zeitschrift etwas ausführlicher geschildert werden soll. Auf der Tagesordnung jener Sitznng befanden sich Anträge betreffs sehr wichtigen Darlehensbewilligungen, über die der bekannte Großindustrielle Abgeordneter Rudolf A u s p i tz das Referat führte, darunter auch das Gesuch der israelitischen CultusgemeindeinOlmützum Gewährung eines Darlehens von 60.000 fl. aus der Landesculturbank. A u s p i tz referirte in eingehender Weise über sämmtliche vorliegenden Gesuche und beantragte schließlich: Der israelitischen Cultusgemeinde in O l m ü tz wird zum Zwecke der Convertirung der anläßlich des T e m p e l b a u e s bei der Olmützer Sparkaffe contrahirten höher verzinslichen Schuld per 58.500 fl. aus der Landesculturbank der Markgrafschaft Mähren nebst den von dem Landesausschusse bereits bewilligten Darlehen per 80.000 fl. ein weiteres, mit 4'/, Percent Annuitäten innerhalb 54'/, Jahren rückzahlbares Darlehen im Betrage von 60.000 fl. in 4percentigen Communalschuldverschreibungen unter den von der Direetion festgesetzten Bedingungen bewilligt. In der Generaldebatte meldete sich Niemand zu Worte, dagegen erhob sich in der Specialdebatte Abgeordneter Doctor Stransky, der zum allgemeinen Erstaunen das Ansuchen der Olmützer Cultusgemeinde in der heftigsten Weise befehdete. Da war es nun zugleich interessant, zu beobachten, welche Stimmung die Rede Stransky's bei den einzelnen Landtagsgruppen hervorrief. Der fortschrittlichen Deutschen und der verfassungstreuen Großgrundbesitzer bemächtigte sich keine gelinde Heiterkeit, als sie den „Meschumed" Stransky gegen seine ehemaligen Glaubensgenoffen — die Zugehörigkeit zum Judenthum ist ihm selbst unauslöschlich ins Gesicht geprägt — so peroriren sahen. Bei vielen Czechen riefen seine förmlich bei den Haaren herbeigezogenen Einwendungen gegen das Darlehensgesuch förmliche Bestürzung hervor. Der Bischof von Brünn aber, Dr. Bauer, stellte seine Haltung bei der Abstimmung fest, indem er, wie auch der Prälat von Raigern, Herrenhausmitglied K o r c z i a n, für die Gesuchsbewilligung ihr Votum abgaben. Ihnen gesellten sich noch die czechischen Abgeordneten Dr. Z a c e k, der in Olmütz die Advocatur ausübt, Landesausschuß-Beifitzer Dr. T u e z e k d. A. zu. Der Fürsterzbischof von

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