Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 10 (10.3.1899)
- Date
- 1899-03-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 800 Vr. Vloch's Wochrnschrifi Rr. 1v Frau Glanz: So hat mir unsere Frau verkündet, und ich habe mich beeilt, um dem Herrn Jakob Alles mitzutheilen. Jetzt will ich zu ihm gehen und ihm sagen, daß Du ihn sprechen willst. Malka: Will er Herkommen? Frau Glanz: Draußen wartet er. Und er hat ein Recht, hieher zu kommen, denn er will nicht Dein Liebhaber werden, sondern Dein Mann, um Dich dem Tode zu entreißen, der Dich sicher erwartet, wenn Du Dich noch weiter so quälen wirst. Malka (schluchzend): Ja, Frau Glanz, ich werde hier sterben, ich werde hierzu Grunde gehen. Retten Sie mich! Ich Hab' Alles angewendet, um hier auszuharren, aber bald werde ich dazu keine Kräfte mehr haben. Doch jetzt, da ich weiß, daß er mich heiraten will, will ich, muß ich frei sein. Frau Glanz: Sag' ihm das selbst, und nun mag Deine Qual ein Ende nehmen. (Geht zur Thür): Bitte Herr Jakob! 6. Scene: Jakob, Malka, Frau Glanz. (Jakob bleibt bei der Thüre stehen und streckt der Malka die Hände entgegen.) Jakob: Malka, meine Malka! Malka (streckt auch ihre Hände entgegen): Jakob!!! (er ergreift ihre Hände und küßt sie). Jakob: Endlich, endlich! Willst Du einer Scheidung zustimmen und die Meine werden? Malka: Macht mit mir, was Ihr wollt, das Maß ist voll. Auch ich möchte einmal glücklich sein. Jakob: Du wirst es auch sein, ich schwöre es Dir. Erst als ich Dich verloren habe, erkannte ich, wie theuer Du mir warst. Malka: Warum haben Sie mir das nicht früher gesagt? Jakob: Wozu denn? Ich hatte mein Wort einem anderen Mädchen verpfändet, und ich hatte kein Recht, Dir meine Liebe zu gestehen. Wird sich jetzt Dein Mann zu einer Scheidunq bewegen lasten? Malka: Wer weiß? Er scheint mich zu lieben. Jakob: Das ist keine Liebe. Malka: Er liebt in mir nur sich selbst. Aber diese Liebe ist die entsetzlichste, denn sie beruht auf dem Egoismus. Trotzdenr werde ich kämpfen und wenn ich auch dabei mein Leben opfern sollte. Jakob: Malka denke daran, daß ich Dir ganz angehöre. Warum weinst Du? Malka (weint vor Freude): Das sind Freudenthränen. Jakob: Jetzt sollst Du nicht mehr weinen. Frau Glanz: Ich sehe, daß ich mich in Euer Gespräch einmengen muß, denn Verliebte sprechen ins Unendliche, ohne was Gescheidtes zu sagen. Es ist nothwendig, daß Malka noch heute ihrem Manne erkläre, daß sie ihn verläßt und daß er sie scheiden müsse. Dann wird sie uns mittheilen, was er ihr darauf geantwortet hat. Einverstanden? Malka: Seid überzeugt, daß ich es ihm sofort mittheile, sonst müßte ich mich selbst als ein schlechtes und sündhaftes Weib betrachten. Leben Sie wohl, Frau Glanz! Wir haben Ihnen unser Glück zu verdanken, das möge Ihnen Gott vergelten. Frau Glanz: Wenn Ihr nur wirklich glücklich fein werdet, so wird das für mich der schönste Lohn sein. Gehen wir. Herr Jakob gehen wir. (Ab.) Jakob: Ach, Malka, wie glücklich werden wir sein. Malka: Ja. Welche Freude, welche Sonne, ein neues Leben beginnt für uns. Jakob: Jetzt kann ich von Dir Abschied nehmen, wie von meiner Frau. (Küßt sie, ab.) 7. Scene. Malka» Jojne. Jojne: Malka, was Hab' ich denn gesehen? Ein Mann war soeben hier. Malka: Das war mein zukünftiger Gatte. Jojne: Was Malka, willst Du mich denn begraben? Ich lebe ja noch. Malka: Wir müssen uns scheiden lassen, Jojne. Jojne: Scheiden? Du von mir? Warum, warum? Malka: Ich liebe Dich nicht, Jojne. Jojne: Aber ich liebe Dich. Du bist mir unentbehrlich als Geschäftsfrau und als Weib. Malka: Und doch bleibt es so. Ich heirate Denjenigen, den ich mir auserwählt habe. Jojne: Das kümmert mich nicht. Ich werde Dir nie einen Scheidebrief überreichen. Du mußt mit mir leben und mußt mein Weib bleiben. 8. Scene: Vorige, Jenta, Schwarzenkopf und Firulkes. Schwarzen köpf: Ich habe draußen dem alten Firulkes begegnet und ihn ersucht, zu uns zu kommen. Jojne: Ach, ach, was da geschehen ist! Welcher Kummer! Alle (ohne Malka): Was denn? Firulkes: Was ist geschehen? Jojne: Ach, da hat Malka einen fremden Mann geküßt und auf meine Frage, wer das sei, antwortete sie, das sei ihr zukünftiger Mann. Firulkes: Was sprichst Du denn, Verrückter? Jojne: Soll sie Euch sagen, ob das nicht wahr ist. Sie will einen Scheidebrief. Alle': Einen Scheidebrief? Schwarzenkopf: Warum denn? Malka: Deshalb, weil jeder Mensch ein Recht hat, zu leben und glücklich zu sein; deshalb, weil Ihr mir ein Jahr meines Lebens geraubt habet und Du, mein Vater, hinter dem Ofen, Du mein Mann auf dem Canaps gesessen seid, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß ich wie ein Galeerensträfling zu Grunde geh'. Schwarzenkopf: Aber, Dir fehlt ja nichts. Du hattest ein Geschäft, einen Mann. Firulkes: Wir haben Euch doch Alles gegeben, was nur nöthig war, Möbel, Bettzeug, Geschirr. I o j n e: Und so eine schöne Theemaschine. Malka: So nehmt Euch Alles zurück, aber läßt mir meine Seele, denn auf diese habt Ihr kein Recht. Kein Document, keine Ksibe gibt Euch das Recht, die Seele einer Frau zu fesseln, die anders denkt und das Leben anders auffaßt. Das gestattet kein Gesetz, das will nicht einmal Gott.