Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 10 (10.3.1899)
- Date
- 1899-03-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 10 Vr. Vloch'r Wochenschrift Seite 201 Firulkes: Scheidung? Und wer wird mir meine Auslagen ersetzen? Ihr müßt alles bezahlen. Die Kosten der Hochzeit, die Ausstattung und die Geschenke. Das müßt Ihr Alles bezahlen. Fünfhundert Rubel und keine Kopeke weniger. I o j n e: Ich will keine Scheidung. F i r u l k e s : Bezahlen müßt Ihr fünfhundert Rubel, Nicht eine Kopeke weniger. Sch Warzen köpf (zornig): Wart Firulkes, wart Jojne, ich will noch mit ihr sprechen. Du schlechtes Kind! Willst Deinen Vater aufs Pflaster werfen? Du sollst es bereuen. Malta: Aber Vater, sei überzeugt .... S ch! w a r z e n k o p f: Ruhig sollst Du sein. Du hast einmal dem Jojne Treue geschworen und Du, Schamlose, küßt unter seinem Dache eine» fremden Mann. Zn Füßen sollst Du ihm fallen und um Verzeihung bitten. F i r n l k e s: Da hilft nichts mehr. Sie wird nicht mehr bei ihm bleiben und Du Schwarzenkopf mußt für das Unrecht fünfhundert Rnbel bezahlen, sonst fort, fort von hier. Schwarzenkopf: Hörst Du? (Packt Malta am Hals.) Sofort mußt Du vor Jojne niederknien. (Will sie Niederdrücken, sie entreißt sich und stürzt zur Thür.) Ich werde Dich verfluchen, wenn Du die Schwelle dieses Hauses überschreiten wirst. Malka: Verflucht's, aber läßt mich fort. Schwarzenkopf (reißt sie von der Thür weg und sperrt diese ab): Du bleibst hier! Verschollenes Kind, hier ist Dein Haus. Gehen wir fort, und mag sie hier bleiben, bis sie zur Besinnung kommt. (Der Vorhang fällt.) Ende des vierten Actes. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Ein bibliographisches Lexikon*). Im Jahre 1880 ist der erste Band des Werkes erschienen, in welchem der gelehrte und unermüdlich fleißige Bibliograph Ch. D. Lippe ein nicht genug zu schätzendes Nachschlagebuch für Alle geschaffen hat, die Sinn und Liebe für die Wissenschaft des Judenthums haben. Der Autor hat jedoch mit seinem Werke, obwohl er in seiner Bescheidenheit gar keinen Anspruch darauf erhebt, auch dem Fachgelehrten eine außerordentlich werthvolle Gabe geboten, die ihm die ehrenvollste Anerkennung sichert. Der zweite Band enthält eine überaus dankenswerthe Bereicherung, die ihn noch werthvoller als seinen Vorgänger erscheinen läßt. Denn während der erste sich ausschließlich auf Literatur- Producte, Bücher und Zeitschriften jüdischer Autoren beschränkte, hat der vorliegende Band alle literarischen Erscheinungen, ohne Unterschied der Confession, ihre Autoren in seinen Bereich gezogen. Der Nutzen des für die Freunde der jüdischen Literatur geradezu unentbehrlichen Nachschlagebuches ist ein so augenscheinlicher, daß wir es nicht nöthig haben, denselben erst durch viele Worte zu demonstriren. Aber auch das Vorwort des greisen Autors, bringt so manche Bemerkung, die, obwohl sie mit dem Kerne der Arbeit nichts zu schaffen hat, als interessant und beherzigenswerth bezeichnet werden muß. Lippe, der von jugendlicher Begeisterung für sein Volk und dessen Wissenschaft erfüllt ist, bespricht die nicht hinwegzuleugnende Thatsache, daß die Bethätigung unserer jüngeren Theologen auf literarischwissenschaftlichem Gebiete eine bedauerliche Decadenz verräth. Lrppe untersucht allerdings nicht alle Gründe, die diesen Niedergang Hervorrufen, aber man wird ihm zustimmen müssen, wenn er als einen der wesentlichsten hervorhebt, daß die Rabbinen m kleinen Provinzstädten, wo es keine großen öffentlichen Biblio- ... *) Eh. D. Lippe's bibliographisches Lexikon der gesammten jüdi- < theologisch-rabbinischen Literatur der Gegenwart mit Einm Schriften über Juden und Judenthmn. Verlag von A. D. -^wpe s Buchhandlung, Wien, II., Praterstraße 13. theken gibt, bei ihren naturgemäß beschränlleu Mitteln nicht in der Lage sind, die wichtigsten und zugleich theueren Literaturwerke anzuschaffen, ohne die eine gründliche fachwissenschaftliche Thätigkeit unmöglich ist. Andererseits hebt Lippe mit Recht hervor, daß für die jungen Theologen, an deren Tüchtigkeit und Gelehrsamkeit einst so große Ansprüche gestellt würden, bei der Gleichgiltigkeit unserer heutigen Gemeinden gegenüber wissenschaftlichem Streben und Forschen, der Ansporn zu hingebungsvoller, rastloser Arbeit fehlt. Heute wird von dem Candidaten eine „schöne Predigt" gefordert. Das ist Alles. Ob er über talmudische Kenntnisse, über philosophisch geschultes Denken, gründliche allgemeine wissenschaftliche Bildung verfügt, ist Nebensache. Es wird kaum danach gefragt. Die Stagnation auf wissenschaftlichem Gebiete hat, wie gesagt, verschiedene Gründe; einem derselben, dem Mangel an wissenschaftlichen Hilfsmitteln, könnte allerdings durch die Gründung von Gemeindebibliotheken abgeholfen werden. Was die finanziellen Mittel des Rabbiners nicht gestattet, könnte die Gemeinde wohl erschwingen. Man müßte nur an das schöne Beispiel der alten Gemeinden in Israel anknüpfen, die ihren Stolz darein setzten, große Büchersammlungen anzulegen, die den Jüngern der Wissenschaft die Pforten der Wissenschaft eröffneten und das gründliche Studium ermöglichten. Nach einem sehr lesenswerthen Excurs über die Evolutionen und Wandlungen der jüdischen Lehre im Laufe der Jahrhunderte weist Lippe darauf hin, wie seit einigen Jahrzehnten die Pflege der hebräischen Literatur und Sprachwissenschaft eine besondere Heimstätte in Rußland und Polen gefunden hat. Die geradezu imposanten Leistungen jüdischer Autoren in Rußland haben dort eine wahre Renaissance in der Wissenschaft und in der hebräischen Sprache gezeitigt, und mit einem von Neid und Beschämung gemengten Gefühl müssen wir auf die großen literarischen Leistungen unserer russischen Stammesbrüder blicken, die durch groß angelegte literarische Berlagsunternehmungen gefördert wurden. In seinen weiteren Ausführungen streift Lippe auch ein Stück socialer Frage, soweit diese den rabbinifchen Nachwuchs betrifft. Die Thatsache, daß in den letzten Jahren anläßlich veröffentlichter Concurs-Ausschreibungen zur Wiederbesetzung vacauter Rabbinerposten gewöhnlich 40 bis 50 theils active, theils angehende Rabbiner als Bewerber auftraten, verräth wirklich eine zu Erwägungen mannigfacher Art anlaßgebende Ueberproductiou an rabbinifchen Kräften in Oesterreich. Lippe zieht nun eine Parallele zwischen den Verhältnissen, wie sie sich in Ungarn herausgebildet haben und jenen, die in Oesterreich in Betracht gezogen werden müssen. Die Budapester Rabbinerschule hat in beiläufig 300 fortschrittlichen Gemeinden ihren kräftigen Rückhalt und ein großer Theil der bester situirten ungarischen Gemeinden folgt dem Beispiele der hauptstädtischen Gemeinde, indem sie ihre gut dotirten Religionslehrer fast ausschließlich der Landesrabbinerschule entnehmen. Weitaus ungünstiger sind die Berhältuisse, mit denen die Wiener rabdinische Hochschule rechnen muß, da es in Oesterreich kaum 100 Gemeinden gibt, die auf einen akademisch gebildeten Theologen reflectiren. Galizien kommt da nicht in Betracht, denn es wird wohl noch geraume Zeit verfließen, bis dort die Gemeinden das Bedürfniß nach einem akademisch gebildeten Rabbiner empfinden werden. Zu dieser Misöre kommt noch, daß, während den aus Ungarn stammenden Rabbinern der Weg nach deutschen Orten offen steht, der österreichische Theologe in Ungarn — wegen der mangelnden Kenntniß der Staatssprache — keinen Platz finoen kann. Die Vorschläge, die Lippe zur Behebung dieser und anderer Uebelstände macht, verdienen geprüft und gewürdigt zu werden. Besonders beherzigenswerth ist die aus dem warmfühlenden Herzen des greisen Mannes kommende, namentlich an die Glaubensgenossen in Galizien gerichtete Mahnung, nicht voreilig und wahllos ihre Söhne der Wiener theologischen Anstalt zuzuführen. Er räth den Eltern nur geistig begabte und auch, worauf in unserer Zeit gar oft gesehen wird, körperlich wohlgestaltete Jünglinge dem Berufe des Rabbiners, der in der Oeffentlichkeit wirken muß, zuzuführen. Auch der Rath, diese Söhne womöglich das Gymnasium in einem Gymnasium absolviren zu lasten, welches in einer kerndeutschen Stadt sich befindet, damit sie frühzeitig sich den Jargon abgewöhnen, hat viel für sich. Noch so manche treffliche, von dem Berständniß für die Zeit und ihrer Aufgaben zeugende Anregung bietet Lippe den Lesern des Werkes, das er dem Andenken des hochherzigen, vor