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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-10 · 10 (10.3.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
10 (10.3.1899)
Date
1899-03-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Vr. Vtoch'« Wochenschrrfl Seite ISS werden, recht viele neue Freistellen zu schaffen, wenn anders sie ihrem Zwecke gerecht werden soll, dem Juden einen neuen Weg des Erwerbs durch Ackerbau und Handwerk zu eröffnen. Wenn das erreicht werden soll und wenn namentlich Kinder armer Eltern vor dem traurigen Lose des Hausirers und Trödlers bewahrt werden sollen, dann bedarf es des Zusammenschlusses der gesammten Judenheit Deutschlands, der Mitarbeit Aller, dann muß in der Israelitischen Landwirthschaftsschule in Ahlem ein Musterinstitut geschaffen werden, das in absehbarer Zeit vorbildlich werden kann, wenn es erforderlich sein sollte, in anderen Theilen unseres Vaterlandes ähnliche Schulen zu errichten. Für uns Juden kann die Unterstützung der Erziehungsanstalt in Ahlem eine beherzigenswerthe Aufgabe der inneren Mission sein. Wie sich im vorigen Jahre auf die Intervention des Herrn Dr. Finkel in Süddeutschland viele Localcomitö gebildet haben, so haben sich auch bei uns eine Anzahl Herren zusammengeschlossen, um freudig mitzuarbeiten an der Ausgestaltung dieser Schule. Es steht zu erwarten, daß die Gemeinden der Provinz diesem schönen Beispiele folgen werden. Man bekommt einen Begriff von ihrer Wirksamkeit, aber auch von ihrer Nothwendigkeit, wenn man erwägt, daß sie mit 9 Zöglingen eröffnet wurde und jetzt deren über 80 zählt. 29 Zöglinge sind nach Vollendung ihrer Ausbildung entlassen, davon befinden sich 17 in Deutschland in auskömmlichen Stellungen. — Wie verlautet, hat die Synagogen-Gemeinde einen Jahresbeitrag von 300 Mark gezeichnet. Paris. Am 28. Februar wurde der Sohn unseres ververehrten Oberrabbiuers Zadoc K o h n, Dr. Leo Zadoc Kah n, Chef der Klinik der Pariser Facultät, mit Fräulein Susanne Lang getraut. Um ihrem geistlichen Oberhaupt den Antheil und die Verehrung zu bezeugen, die er verdient, war ein außerordentlich großes Publicum zusammengeströmt. Die Consistorien, das Rabbinat, und die Verwaltung der Pariser Gemeinde waren selbstverständlich vertreten, aber auch die Spitzen des französischen Judenthums waren vollzählig anwesend. Die vorwöchentlichen Ernennungen haben uns die Beförderung von 11 jüdischen Persönlichkeiten zu Officieren des öffentlichen Unterrichtes gebracht, darunter zwei Damen, von denen die eine .. Malerin, die andere- Musiklehrerin ist. Ferner sind 39 unserer Glaubensgenossen zu Officieren der Akademie ernannt worden, darunter ist Baron Henry Rothschild, der bekannte Kinderarzt, sowie ebenfalls eine Reihe von Damen. London. Die Frage des Einwanderungsverbotes oder der Beschränkung der freien Einwanderung kann noch nicht zur Ruhe kommen. Mrs. G r e e n b e r g, der über diesen Gegenstand viel geschrieben hat, richtete an Mr. L o w l e s, der im Parlament für eine Beschränkung aufgetreten ist, einen offenen Brief, worin er demselben die Fehlerhaftigkeit der von ihm im Parlament gebrauchten Tabellen nachweist. In dem Briefwechsel, der sich so entwickelt hat, hat L o w l e s vergeblich die Correctheit seines auf der Tribüne des Unterhauses gemachten Behauptungen zu vertheidigen gesucht, denn Greenbach konnte ihm Nachweisen, daß er unter der Einwanderungsziffer die Seeleute mitgerechnet hat, die nach England kommen und nur dadurch die anscheinend hohe Ziffer von Einwanderern während des Jänner erzielt hat. Dieser Briefwechsel hat großen Eindruck auf die Oeffentlichkeit gemacht und die Stimmung ist entschieden v gegen die Beschränkungen der Einwanderung. In der »Contemporary Review« vertheidigt Mr. Dyche zudem sehr wirksam die fremden Einwanderer, indem er ziffermäßig nachweist, daß die von denselben erzielten Löhne denen der englischen Arbeiter durchaus nicht nachstehen, im Gegentheil in vielem höher sind. London. Eine interessante Wahl hat kürzlich in Hythe stattgefunden. Es wurde in das englische Unterhaus gewählt: Sir Edward Sassoon, der Schwiegersohn des Baron Gustav Rothschild, als liberaler Unionist. Sein Gegencandidat war Sir Israel Hart, ein hervorragender Radicaler, der 1898 Stimmen erzielte gegen 2425, die auf Sassoon fielen. Seltsamer Weise sind beide Candidaten Juden. Es ist dies nicht der erste Fall, daß in England um denselben Sitz im Parlamente mehrere Juden sich bewarben. So war Sir Montague's Gegencandidat in Whitechapel auch ein Jude, nämlich Oberstlieutenant Cowan, und in Dover standen sich Sir Georgi Jeffel und Israel Abrahams gegenüber. Das neu gewählte Unterhausmitglied steht rm Alter von 43 Jahren, hat an der Londoner Universität seine Examina gemacht und ist Capitän der Middlesex Heomanry Cavalry. Die Familie Saffoon führt ihren Stammbaum mit Sicherheit bis auf die Jbn Shoshans von Toledo zurück, die ihrerseits wieder behaupten, vom Hause Davids abzustammen, und zu jeder Zeit haben die Saffoon's eifrigen Antheil an den jüdischen Angelegenheiten genommen. Auch ist Sir Edward Sassoon Bicepräsident des Jewish-College, der Anglo-Jewish-Affociation und der Westminster Free School und Synagogenältester. Gegenwärtig sitzen im englischen Parlament n e u n I u d e n, die höchste bisher erreichte Zahl. Algier. Bei Gelegenheit der Empfangssestlichkeiten für den neuen Militärcommandanten von Algier, General P e d o y a, hielt Herr H o n e l namens des jüdischen Consistoriums, folgende Ansprache: „Herr General! Das Departement Algier bittet Sie, auch seine besten Glückwünsche anzunehmen. Es ist glücklich, wiederum eine Gelegenheit ergreifen zu können, um einmal mehr der Ergebenheit Ausdruck geben zu können, welche es für das Vaterland, die Republik und die großen nationalen Institutionen hegt. Dieselben sind unsere geliebte, tapfere Armee, an der Spitze die Kraft, der Stolz, die Hoffnung und die Ehre Frankreichs." General P e d o y a hat auf diese Worte in der höflichsten und beruhigendsten Weise geantwortet. Der Schlußsatz seiner Rede lautete: „Nicht umsonst haben wir Franzosen die große Revolution von 1789 gemacht, welche allen Bürgern ohue Unterschied der Religion und der Race vollkommene Gleichheit gebracht hat!" Vermischtes. Wien. (Israelitische Cultusgemeinde W i e n.) Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock, findet Sonntag den 12. März 1899, 10 Uhr Vormittags, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Statutenänderung (§ 102). 2. Lehrbuch der jüdischen Geschichte. Zur Beschlußfassung über Punkt 1 ist nach § 16 des Statutes die Anwesenheit von mindestens 15 Vorstandsmitglieder und einem Mitgliede des Präsidiums erforderlich. Wien, am 9. März 1899. Der I. Bice-Präsident. Wien. (Bermälun g.) Sonntag den 12. März, 3 Uhr Nachmittags, findet im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Margarethe Bloch, Tochter des Herausgebers der „Oesterreichischen Wochenschrift" Herrn Dr. Josef S. Bloch, mit Herrn Dr. Max Grunwald, Rabbiner in Hamburg, statt. — Sonntag den .12» d. M. um 1 Uhr Nachmittags findet im Bethauie, H., Große Schiffgaffe 8, die Bermälung des Fräulein Johanna Hofbauer, Tochter des Herrn Bernhard H o f b a u e r, mit Herrn Nathan Schiff, statt. — Sonntag den 12. März um 1 Uhr Nachmittags findet im Tempel in der Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Selma Ausländer mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Max L i f s ch ü tz statt. — Sonntag den 19. März, halb 1 Uhr Mittags, findet im Tempel in der Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Olga Fleischer mit Herrn Med. Doctor Leo B r o d s k y statt. — Sonntag den 19. März, 7«4 Uhr Nachmittags, findet im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe, die Trauung des Fräulein Josefine Z e r n e r mit Herrn Leopold' Bind statt. Wien. (Verlobung). Fräulein Karoline Lederer Präsidentin des Mädchenvereines „Hadaffa" hat sich mit dem Schriftsteller Herrn Bernard Tag verlobt. Wien. (Silberne Hochzeit.) Der Begründer der Firma David F a n t o u. Co., Herr Commercialrath David Fan t o, feiert am 14. März mit seiner Gattin Gisela, geb. Goldstein, das Fest der silbernen-Hochzeit. Herr Commercialrath David F a n t o stellt das Prototyp eines self-made-man in seiner ehrenvollsten Bedeutung dar. Er verstand es durch eine weit über das Maß des Gewöhnlichen hinausgehende Tüchtigkeit, durch rastlosen Fleiß und strengste Rechtlichkeit sich vom einfachen Kaufmanne zu einem angesehenen Mitgliede der österreichischen Großindustrie emporzuschwingen und auf die verwickelten Verhältnisse der Petroleumbranche einen maßgebenden Einfluß zu gewinnen. Die von ihm gegründete und glänzend prosperirende Pardubitzer Petroleum - Raffinerie beschäftigt 500 Arbeiter und wird hinsichtlich der Vollkommenheit ihrer

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