Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 9 (3.3.1899)
- Date
- 1899-03-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 182 Dr. Vloch'r Wochenschrrfi Nr. 9 ich die Thürläden schloß, sah ich ihn auf der anderen Seite stehen und mit einer Cigarrette im Munde vor sich Hinstarren. Warum kommt er noch hieher? Warum läßt er mich nicht in Ruh'! Ich bin doch so verzweifelt und verbittert, daß nur noch ein Tropfen fehlt, daß der Becher übergehe. Iojne (öffnet die Thür): Darf uran Malta? Malta: Komm hinein, Jojne. Aber warum verläßt Du denn das Geschäft, Jenta könnte Dich brauchen. Jojne (schüchtern): Ich fühle mich so einsam ohne Dich, Malta! Malta: Wir sehen uns ja Abends und dann bleibst Du ja bei mir, armer Jojne. Jojne: Ich kann ohne Dich nicht einen Augenblick leben, Malta. (Er kniet vor ihr nieder und ergreift ihre Hand.) Wie delicat ist Deine Hand, Malta. Gerade so wie mein Schabbesrock . . . . und wenn man sie küßt, so ist es so, wie wenn man Meth trinken oder Zuckerkuchen essen würde. (Küßt ihr die Hand.) Ich würde Dich, Malta, nicht um fünfhundert Rubel weggeben, denn ich bin bei Dir sehr glücklich. Und ich Hab' Dich so lieb. Malta: Du bei mir glücklich? Vielleicht? Aber wie schnell vergißt Du, was ich Dir gesagt habe. Jojne: Ich bemühe mich ja Alles zu denken, was Du mir sagst, Malta! Malka: Nein! Denn ich Hab' Dir ja einmal einen ganzen Samstag hindurch gezeigt, daß Du mich gar nicht liebst, sondern nur Dich selbst. Wenn Du mich nur immer an Deiner Seite haben willst, so ist es nicht, damit ich glücklich sei, sondern damit Dn heiter und ftoh seiest. Also Du liebst Dich und nicht mich. Das ist nur Eigennutz und Eigenliebe. Jojne (traurig): Ist das eine Sünde, Malta? Malta: Nein, Jojne. Aber diese egoistische Liebe, ist für das andere Wesen ein Unglück und eine Qual. Jojne: Auch ich war sehr unglücklich, als ich Dich heiraten mußte. Und ich weinte so, daß sich die Gäste und der Marschelik über mich lustig machten. Jetzt bin ich glücklich und fröhlich und die Ehe gefällt mir sehr. Ich Hab' ein eigenes Heim, ein Weib, einen Laden, einen Schlafrock, ich kann schon bei mir selbst den Sabbath heiligen, mir fehlt nichts mehr. Malka: Das weiß ich. Dir Jojne fehlt nichts mehr. Jojne: Und ich würde Dich Niemandem überlassen, Niemandem. Malka: Beruhige Dich, mein armer Jojne. Es wird mich Niemand Dir wegnehmen. Jenta (ruft vom Laden hinein): Jojne, Jojne, kimm aher! Malta: Geh' Jojne, Jenta ruft Dich! Jojne: Ich will nicht gehen, Malta. Malka (streng): Du mußt gehen, Jojne! , Jojne: Ich werde also gehen, Malka, aber sofort wiederkommen. Malka: Ich werde zu Dir in den Laden hineinkommen. Ist der Vater da? Jojne: Nein. Er ist fortgegangen. (Ab.) Malka (allein) Wenn ich doch wenigstens diese Schneckenseele beleben und in ihr edlere Jnstincte erwecken könnte. Aber ich glaube, das wäre vergeblich. * (Fortsetzung folgt.) Lejb Tys;. Skizze aus dem Warschauer Straßenleben. Von Felix Kwasniewski. - Autorisirte Uebersetzung aus dem Polnischen von M a l v i n a B l u mb e r g. „Sehen Sie sich diese Erscheinung genauer an", sagte mir der Rechtsanwalt, indem er auf einen jungen, elend aussehenden, auf der Anklagebank sitzenden Juden hinwies, „der Typus ist ungemein interessant. Ich bin sein Bertheidiger von Amlswegen, und habe daher mehrmals mit ihm gesprochen. Werden Sie mir nun Glauben schenken, wenn ich Ihnen sage, daß der junge Mann, anstatt seine Freisprechung zu wünschen, sich alle erdenkliche Mühe gibt, um verurtheilt zu werden?" Leib Tysz ist der Sohn eines armen Trödlerjuden. Seine Eltern wohnten auf der Franciszkanskastraße. Im Elend wurde er geboren, das Elend zog ihn groß und umgab ihn bis zum letzten Augenblick. So lange seine Erinnerung zurückreicht, denkt Lejb Iicht, jemals satt gewesen zu sein. Hunger und Kälte, das waren von jeher seine unzertrennlichen Gefährten. Die in der Ecke eines schmutzigen Hofes gelegene Wohnung seiner Eltern bestand aus einem Zimmer, und theilten sie dasselbe mit noch einer aus vier Personen bestehenden Familie. Niemand beschäftigte sich mit der Erziehung des Knaben, der nur sich selbst überlassen war. Früh am Morgen gingen die Eltern zur Stadt, ihren Geschäften nach, Lejb blieb auf dem Hofe zurück. Man fürchtete sich, ihn im Zimmer zu lassen, damit er nicht etwa ein Feuer anzünde. „Uebrigens", sagte die Mutter, „ist es lustiger auf dem Hofe." Im Sommer ging es noch, aber im Winter da hatte Lejb böse Tage. Im Sommer brachte er ganze Stunden auf einem Steinhaufen liegend zu, und ließ sich von der Sonne erwärmen. Manchmal schlief er ein, und schlief so lange, bis ihn der Hausmeister von seinem Lager forttrieb. Er ging in Lumpen, halbnackt, kannte weder Stiefel, noch Hemd. Ein Stückchen trockenen Brodes, das ihm die Mutter zurückzulassen pflegte, bildete seine Nahrung für den ganzen Tag, des Abends, wenn die Eltern heimkehrten, bekam er wieder ein Stückchen Brod, hin und wieder gab es auch einige Erdäpfel, oder ein Schüsselchen Suppe. Doch geschah dies höchst selten. Lejb's gewöhnliche, tägliche Nahrung bestand ans Brod; Brod und Wasser. Für den Samstag und die Festtage bereitete die Mutter warme Speisen vor. Meistentheils waren es Fische; einmal sogar kochte sie ein ganzes Huhn. Wenn der Duft der Speisen das Zimmer füllte, blieb Lejb am Tische stehen, und blickte sehnsüchtig bald auf die Mutter, bald auf den seltenen Leckerbissen. Dann tauchte die Mutter ein Stückchen Brod in die Sauce und gab es dem Kinde. „Die Fische sind für den Vater", sagte sie, „er läuft den ganzen Tag in der Stadt umher, um etwas Geld zu verdienen. Er muß Kräfte sammeln. Du wirst Dich schon damit begnügen." Häufig jedoch kehrte der alte Tysz des Abends mit einem leeren Sack nach Hause zurück. Dann ging die ganze Familie hungrig zu Bette. Wenn man nichts verdient hat, kann man sich den Luxus des Essens nicht gönnen. Und der alte Trödler kam sehr oft mit einem leeren Sacke heim .... Die Zeiten hatten sich verschlimmert, der „Handel" hatte aufgehört, ein einträgliches Geschäft zu sein. Ehemals, wenn der alte Tysz in einem Hofe erschien, und mit seiner singenden Stimme „Nichts zu handeln! Nichts zu handeln!" rief, wurden an allen Fenstern Köpfe sichtbar, die ihm heraufzukommen winkten. Die Dienstmädchen verkauften Knochen, Flaschen, Hasenfelle; die Herrschaften abgetragene Kleider, Stiefel, nicht selten Pelze, ja, sogar Samovare. Und heute.Knochen und Speisereste nehmen Wohlthätigkeitsanstalten, und die abgetragene Garderobe wird von Geschäften gekauft, die sich speciell damit befassen. Ja, böse Zeiten hat der Trödeljude jetzt. Und wie viel Demüthigungen muß er ertragen! Der Hausmeister wirft ihn zum Thor hinaus, die Einwohner werfen ihn die Treppe hinunter. O, v! wie oft ist dem alten Tysz Aehnliches begegnet! .... Nichtsdestoweniger hat er seinen Beruf so lieb