Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 9 (3.3.1899)
- Date
- 1899-03-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Vr. Bloch's Wochrnschrifl Seite 181 Malka: Laß' mich in Ruh' .... ich habe Kopfschmerzen. I ojne: Wie schlecht bist Du zu mir. Du bist keine gute Frau. Malka: So bin ich. Ich kann nicht anders werden. Ich thu' ohnedies alles Mögliche. Geh' in den Laden. I o j n e: Ei, ei, Du Malta bist so eine Prinzessin. (Man hört läuten.) Malka: Jemand ist im Laden. Geh' doch hinein, sonst wird man noch etwas stehlen. Sch Warzen köpf (läuft hinein und zieht Jojne mit sich). Komm', Jojne, man wird noch etwas stehlen. 3. Scene: Malka, Rosalie, dann Moriz. Ros alte (tritt durch eine Seitenthür ein). Rosalie: Guten Tag, Malka! Wie geht es Dir? Malka: Wie gewöhnlich. Ich habe heute Kopfschmerzen. Rosalie: Du bist nicht aufrichtig. Seit Deiner Hochzeit hast Du Dich verändert. Du bist blaß und mager geworden. Malka: Es scheint Dir nur so. Ro salie: Ich täusche mich nicht, denn ich beobachte Dich sehr aufmerksam. Die Arbeit tobtet Dich. Malta: Die Arbeit erhält mich am Leben. Wenn ich nicht durch die Arbeit mein Inneres betäuben würde, ich wäre nicht mehr unter den Lebenden. Wie geht's denn der Jenta? Habt Ihr denn schon was passendes sür sie gefunden? Rosalie: Ich habe für sie bereits eine Krämerei ausfindig gemacht. Aber ich möchte nichts ohne Deinen Rath und ohne die Meinungsäußerung des Herrn Moriz unternehmen. Malka: A. a, des Herrn Moritz? Rosalie (lebhaft^: Warum lächelst denn Du so ironisch? Herr Moriz hat ja das Geld hergegeben und Du selbst . . . Malka (küßt sie): Es ist schon gut. Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen. Rosalie: Schau, Du könntest am Ende noch glauben, daß . . . Malka: Ich glaube nichts. Ich sehe nur, daß Moriz unter Deinen! Einflüsse steht und ein braver Mann werden kann. Rosalie: Das ist nicht mein Einfluß, sondern der Deinige. Moriz spricht immer von Dir mit einer Ehrfurcht. Er nennt Dich ein höheres Wesen, so, daß ich, wenn ich manchmal Moriz so sprechen höre, mir selbst zürne . . . Malka: Warum? Rosalie: Deshalb — denn ich bin ja ich und nicht Du! . . . Malka: Meine liebste Rosa! Mein Einfluß auf Moriz reicht nur so weit, wie der eines vernünftigen Freundes, den er plötzlich auf seinem Lebensweg finden würde. Du aber bietest ihm die Reize eines Weibes, das mit ihm die guten und bösen Tage des Lebens gemeinsam verbringen wird. Rosalie: Ach Malka! Glaubst Du wirklich, daß er mich jemals lieben wird? Malka: Nicht jemals . . . sondern er liebt Dich schon jetzt. Er ist sich vielleicht dessen noch nicht ganz bewußt. (Moriz war bereits einige Minuten früher dnrch eine Seitenthür eingetreten und hat das Gespräch beider Frauen belauscht. Er eilt auf Rosa zu.) Moriz: Aber im Gegentheil. Ich bin mir darüber ganz klar. . schon seit dem Augenblicke, da ich Sie, Fräulein Rosa, kennen lernte. Rosalie: Sie hier? Malka: Meine liebe Rosa, zwing' Dich doch nicht, Komödie zu spielen. Ihr habt ja Beide eine Zusammenkunft bei mir verabredet. Moriz.- So ist es. Wir haben uns verabredet, daß wir von hier aus den Laden in der Franziskanergasse besichtigen werden. Mal k a: Siehst Du, Rosa, er ist doch aufrichtiger. Rosalie: Er darss, denn er ist ein Mann. Malka (wird plötzlich blaß und beginnt zn weinen.) . Rosalie: Malka, was ist Dir? Malka! Gar nichts. Ich bin heute sehr erregt. Es war mir noch nie so zu Muthe. (Man hört die Stinime der Jenta.) Malka, Malka, komm' nur auf eine Minute! Malta: Ihr werdet doch entschuldigen. Mein Mann ruft mich. (Ab.) Moriz (ergreift Rosalien's Hände): Ach, Fräulein Rosa, wie glücklich werden' wir sein! Ros alie: Wir werden glücklich sein. Aber in diesem Augenblicke seien wir doch nicht solche Egoisten. Denken wir an diese arme Malka, der wir unser Glück verdanken. Haben Sie benierkt, wie sie sich verändert hat? Haben Sie ihren Mann gesehen? Nicht einmal zwei Worte konnte ich mit ihm sprechen. Und sie, Sie werden es gar nicht glauben, wie mild und zärtlich sie zu ihm spricht. Und wie sie ihm des Nachts Märchen vorliest, bis er eingeschlafen ist. Ich kann dieses Weib nicht verstehen. Moriz: Auch ich verstehe sie nicht, aber ich bewundere sie. Rosalie: An ihrem Berlobungstage sagte sie zu mir: „Ich fürchte, mich werden bald die Kräfte verlassen." Und als ich sie heute sah, wie sie weinte, da schien es mir, daß dieser Augenblick eingetreten sei. M o-riz: Die Ursache dieser physischen und moralischen Erschöpfung liegt, ich glaube, wo anders. Malka hat vor der Verheiratung jemand Anderen geliebt. Und diese Liebe quält sie noch immer, denn sie ist nicht erloschen. Ich glaube diesen Mann sogar zu kennen, dem ihr Herz gehört. Rosalie: Malka hat mir nie was davon gesagt. Moriz: Sie ist stolz. Sie hat wohl keine Gelegenheit gesunden und darum verursacht ihr die Liebe, die uns Freude macht, nur Gram. Malka (kehrt zurück): Ich bin wieder da und diesmal sür längere Zeit. Die brave Jenta wird mich im Geschäfte vertreten. Rosalie: Aber das ist ja kaum eine momentane Erleichterung. Ich und Herr Moriz . . . Malka: Du und Herr Moriz geht lieber in die Franziskanergasse den Laden anschauen. Die arme Jenta brennt vor Ungeduld, endlich schon ein eigenes Heim zu haben. Rosalie: Wenn Du uns fortjagst, so gehen wir. Kommen Sie. Herr Moriz! Moriz: Auf Wiedersehen, Fräulein Malka! Malka: Sie nennen mich wieder Fräulein Malka. Moriz: Es geht nicht anders. Ich kann es wirklich nicht fassen, daß es anders sein kann. (Ab.) 4. Scene. Malka. dann Jojne. Malka (tritt ans Fenster): Jakob läßt sich bei mir nicht sehen. Heute ging er zweimal vorüber, ohne einzutreten. Auch gestern spät Nachts, als