Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-03 · 9 (3.3.1899) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
9 (3.3.1899)
Date
1899-03-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021287--08641-3033030
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 180 Vr. Bloch'» Wochenschrift Nr. 9 a. D., Religionslehrer und Exortant der israelitischen Cultusgemeinde in Wien und Mitglied des Ortsschulrathes im VI. Bezirk und Besitzer des Sulzerhauses in Hohenems. Nordhausen (A u s z e i ch n u n g.) Dem Cantor und Lehrer der jüdischen Gemeinde Nordhausen, Herrn David W a r e n h e i m, wurde unlängst in Gegenwart des Vorstandes der jüdischen Gemeinde bei Anwesenheit der städtischen Körperschaften vom Herrn Regierungs-Präsidenten von Dewitz für 50jährige treu geleistete Dienste der königliche Kronenorden 4. Classe mit der Zahl 50 mit einer entsprechenden Ansprache überreicht. Nom. Dem Schwiegersohn des hier weilenden russischen Geheimrathes P o l i a k o w, Herrn Georges L e v i, wurde vom König von Italien die Baronie verliehen. König Humbert empfing den Baron Levi in Audienz und unterhielt sich mit ihm längere Zeit in freundlichster Weise. Moskau. (Schachmeister Laster in Moskau.) Endlich gelang es E. Laster alle Polizeihindernisse zu überwinden — er ist Jude — um in Rußland Einlaß zu finden. Am 8. Februar, Abends 8 Uhr, begann der Meister im Moskauer Schachclub 26 Partien gleichzeitig zu spielen. Gegen halb ein Uhr Nachts wurde das Spiel unterbrochen, wobei die Hälfte sämmtlicher Partien noch unentschieden blieb. Zwei Partien endeten mit Remis, sechs wurden aufgegeben und nur ein Partner hat Aussicht, die Partie von Laster zu gewinnen. Der Moskauer Schachclub zieht durch Lasker's Anwesenheit das Interesse weitester Kreise auf sich. Paris. Die Akademie der Wissenschaften hat unseren Glaubensgenossen Luigi L u z a t t i, den ehemaligen italienischen Finanzminister, zum auswärtigen Mitglied ernannt. Die Ehre ist umso größer, als dieser Posten vor ihm von einer so bedeutenden Persönlichkeit wie Gladstone bekleidet wurde. L u z a t t i verdankt seine Berufung den großen Verdiensten, welche er Frankreich sowohl, wie seinem Baterlande beim Abschluß des französischitalienischen Handelsvertrages erwiesen bat. New-Aork. Der jüngste Sergeant der Vereinigten Staatenarmee ist ein Jude, Namens H. H. Bock, der im 5. Freiwilligen-Regiment, Compagnie C. dient. Bei Ausbruch des Krieges war er Landarbeiter aus einer Farm, trat aber sofort in Chicago zum Militär als Gemeiner ein, avancirte bald und hat es trotz seiner großen Jugend verstanden, sich bei Vorgesetzten wie bei Untergebenen in Respect zu setzen. Montreal. Die Zahl der Juden in Canada ist, obwohl schon seit 1760 Juden hier ansäßig sind, doch recht klein und beträgt nur 6414 Seelen. Davon sind im Ganzen 73 in der Provinz Neu-Braunschweig ansäßig, und diese haben sich jetzt zusammengethan und in St. John eine Synagoge erbaut. Da jetzt fortwährend russisch-polnische Juden einwandern, hofft man auf rasche Vergrößerung der kleinen Gemeinde. Tunis. An Stelle des verstorbenen Oberrabbiners Eliaen B a r g e l ist der Rabbiner MardochaiSamadja gewählt worden, der sich bei den Israeliten der Regentschaft Tunis eines großen Ansehens erfreut. Seine Erfahrung in allen Religionssachen und seine außerordentlichen talmudischen Kenntnisse bürgen dafür, daß die getroffene Wahl eine glückliche ist. Feuilleton. Malka Schwarzenkopf. Schauspiel in fünf Acten von G. v. Zapolska. Autorisirte Bearbeitung für die deutsche Bühne von S. R. Landau. Den Bühnen gegenüber Manuscript. (Nachdruck verboten.) Vierter Act. Ein kleines Zimmer mit dem daran grenzenden Laden des Jojne Firulkes. Darin stehen zwei Betten mit weiß und reinlich überzogenem Bettzeug, ein Kasten mit einem Theesieder und ein abgewetztes (sanapee. Beim Ofen steht der alte Schwarzenkopf, am Canapee sitzt Jojne. 1. Sce n e. Schwarzenkopf, Jojne. Schwarzenkopf: Warum gehst Du, Jojne, gar nicht in den Laden? Jojne: Wozu soll ich hingehen? Malta ist ja schon drin. Schwarzenkopf: Warum widmest Du Dich gar nicht dem Geschäft? Jojne: Wozu soll ich das Geschäft erlernen? Malka hat es ja schon für sich und für mich erlernt. Schwarzenkopf. Sie als Weib sollte doch lieber in der Wohnung sein. Und mit den Kundschaften sollst jetzt Du, Jojne, verkehren. Jojne: Wenn mir aber der Kopf weh thut? Und wozu habe ich geheiratet? Wozu habe ich mir ein Weib genommen? Sch w arzenkopf: Du, Jojne, bist jetzt plötzlich sehr redselig und eigensinnig geworden. Früher warst Du so still und jetzt bist Du schon sehr gescheidt und redest sehr viel. Jojne: Warum denn nicht? Bin ich denn nicht so ein Kaufmann wie die andern? Ich Hab' doch ein Weib, ein Geschäft und einen Schlafrock. (Pause.) Schwarzenkopf: Jojne, schläfst Du denn? Jojne: Nein. Schwarzenkopf: Weißt Du, Jojne, daß übermorgen Sabbath ist? Jojne: Ich weiß ganz gut und ich denke auch daran, Schwarzenkopf. Schwarzenkopf: Woran denkst Du noch, Jojne? Jojne: Ich denke mir, daß wir werden gute Fische haben und werden uns das schmecken lassen, Schwarzenkopf. Schwarzenkopf: Du bist ein Spötter, Jojne. Du denkst daran, wie man den Fisch aufessen könnte, aber nicht, wie Dir ihn zu verdienen. Jojne: Und warum verdienst Du, Schwarzenkopf, nicht? Schwa rzen kop f: Du bist nicht gescheidt, Jojne. Sieh doch, mein Bart ist grau und ich bin alt. Wirst Du einmal soviel gearbeitet haben und so alt sein, dann wirst auch Du ein gutes Recht darauf haben, Dich beim Ofen zu wärmen und an die Sabbathfische zn denken. Jojne: Warum hast Du denn gearbeitet, Schwarzenkopf. Hattest Du denn keine Eltern, die Dir einen halben Laden gegeben hätten? Ich Hab' ja solche Eltern und warum soll ich arbeiten? Schwarzenkopf: Würdest Du arbeiten, so hättest Du mehr. 2. Scene. Vorige, Malka. Malka: (blaß, in sehr bescheidener Kleidung, fie kommt vom Laden hinein.) Jojne, ich bitte Dich, geh' in den Laden. Ich bin krank und müde, auch sah ich, daß die Rosalie jetzt zu mir kommt. Jojne: Ach, wie thut mir mein Kopf so weh. Malka: Ich bitte Dich, geh' doch nur auf einen Augenblick hinein. Schwarzenkopf: Du bist wirklich blaß, Malka. Bist Du sehr leidend? Gehe doch zu einem Doctor. Malka: Mein Vater! Ich möchte nur allein sein mit der Rosalie. Vielleicht möchtest auch Du ein wenig fortgehen. Es wäre für Deine Gesundheit sehr vortheilhaft. Schwarzenkopf: Ich will zuerst mit Jojne in den Laden hineingehen und ihm Gesellschaft leisten, dann will ich spaziren gehen. Jojne (nähert sich schüchtern der Malka). Ich will gerne in den Laden gehen, aber Du Malka, laß' mich Dich auf den Hals küssen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.