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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-03 · 9 (3.3.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
9 (3.3.1899)
Date
1899-03-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 176 Vr. Vloch'» Wochrnfchrifi Nr. 9 20 Mandate in einem Gemeinderathe von 100 Mitgliedern, das würde erst 20 Percent bedeuten. Trotzdem wollen die diversen Wahlcomites, selbst die geneigt sind, mit den Juden ein Wahlbüudniß zu schließen, ihnen diese Anzahl nicht garantiren. Der traditionelle Besitzstand der Juden ist achtzehn; derselbe ist in der letzten Gemeinderathssesiion durch Sterbefälle und ungünstige Wahlen auf zwölf gesunken. An diesen Ziffern wollen nun unsere „Liberalsten" sesthalten und glauben schon ohnedies damit ihren „Freisinn" zu beweisen. Für die Anden ist also die Wahl ein regelrechtes Handeln: Wer gibt mehr oder eigentlich, wer schützt uns am meisten vor der Ungerechtigkeit der neuen Wahlordnung? Zudem wird von nun an die Functionsdauer des Gemeinderathes nicht mehr drei, sondern sechs Jahre dauern. Und braucht erst gesagt zu werden, welche Bedeutung der Magistrat als Gewerbe- und politische Behörde!. Instanz für die jüdische Bevölkerung hat? Der Umstand, daß die jüdischen Wähler in einzelnen Curien der meisten Städte die Majorität haben, verursacht dem Landesausschuß schon seit Langem Kopfschmerzen. Vor drei Jahren hat auch das statistische Landesbureau genaue Erhebungen darüber gepflogen und die betreffenden Tabellen in seinen „Mittheilungen" publicirt. Es wurde damals der Plan venttlirt, eine Verschiebung dieser Verhältnisse dadurch herbeizuführen, daß man eine neue, vierte Curie für die Intelligenz allein schafft, und die anderen Wählerclaffen aufs Neue eintheilt. Aber die Geschichte klappte doch nicht. Nun blieb als einziges Rettungsmittel das Listenscrutinium, eine Art allgemeines gleiches Wahlrecht der Besteuerten, und Lemberg hat in erster Reihe dazu gegriffen. Mit welchem Erfolge, werden wir bald sehen. Ein czechisch-antisemitischer Advocatenverein. Pr a g. Seit mehreren Monaten besteht hier in Prag ein czechischerAdvocatenverein unter dem Namen »Spolek ceskych advokätft«. Alle jüdischen College« czechischer Nationalität, die sich stets bei den politischen Wahlen und bei der czechischen Agitation unter den Juden in erste Reihe gestellt, wurden höflichst zurückgewiesen, da nach den Statuten nur Advocaten czechischer Nationalität Mitglieder sein können. Sonderbarerweise erscheint mit der Taufe trotz des mangelnden Arierthums die Vereinsaufnahme möglich, sonst hätte man logischerweise die Herren Dr. Leop. K a tz und Karl Sick, Advocaten in Prag, nicht im Gnadenwege aufnehmen dürfen. In politischer Beziehung repräsentirt und recrutirt sich dieser Verein aus unverfälschten Anhängern des jungczechischen „Freisinnes" nach Art der „Narodny Lisch", d. h. so lange der Jude zu politischen und nationalen Opfern gebraucht wird, kennt man keinen Unterschied, ist aber ein gewisses Ziel mit seiner Hilfe erreicht, so wird er in beleidigender Weise an die Wand gedrückt. Als Hauptaufgabe dieses Vereins erscheint der Boycott der czechischen Clienten der jüdischen und deutschen Advocaten und allwöchentlich werden in den »Radicalni listy« solche „Verrather" an den Pranger gestellt, die die gewissenhafte und scharfsinnige Vertretung durch einen jüdischen Advocaten der erwerbgierigen und skrupellosen eines reclamelechzenden, czechischen Schreiers vorziehen. Oeffentlich und geheim wird diese illoyale Clientenjagd betrieben und die czechischen Blätter, die „freisinnigen" voran, leihen bereitwillig dieser einfach unanständigen Geschäftsconcurrenz ihre Spalten. Unter den eifrigsten Mitgliedern finden sich solche mit urdeutschen Namen, deren Großväter gewiß noch gute Deutsche waren. Der nicht Eingeweihte und Fernestehende, der oft nach einem Juristen-Kalender oder nach der Zeitung einem Anwälte ein Geschäft überträgt oder eine Vertretung übersendet, glaubt gewiß nicht, daß zum Beispiel die Herren Dr. Scheimer, Perne r, Langkramer, Weinfurther, Schauer, Stelzer, Kliment, sämmtlich Advocaten in Prag, einem Vereine angehören, der Juden, erst wenn sie getauft sind, als Czechen anerkennt. Gegenüber dem offenkundigen Hauptzweck dieses neuen Vereines, durch Terrorismus und Boycott das rechtsuchende Publicum nach rein nationalen Gesichtspunkten zu sichten und seinen Mitgliedern die czechische Clientel ausschließlich zu erzwingen, ist es Pflicht eines jeden Glaubensgenossen, bei der Wahl seines Anwaltes vorsichtig zu sein, damit er nicht seine Vertretung Leuten anvertraut, die den Werth des Clienten und die Billigkeit seiner Interessen nach dessen Glaubensbekenntniß besonders beurtheilen. Vielleicht treten die interessirten jüdischen Advocaten recht zeitig zusammen, um solchen planmäßigen Schädigungen unter dem nationalen Mäntelchen die Spitze zu bieten, was sehr wohl möglich ist, wenn man den einzelnen Clientenjägern ein wenig scharf auf die Finger und auf ihren Geschäftsbetrieb sieht. Karlsbad. (Jubiläum eines Arztes.) Die „Neue Freie Presse" meldet: In dem freundlichen Curorte Königswart bei Marienbad rüstet man zu einem Jubiläum. Der fürstlich Metternich'sche Besitz ist seit Langem durch seine eisenhältigen Quellen und als nervenstärkender Luftcurort bekannt. Das Verdienst des langjährigen Domänenarztes Dr. Adolph Kohn ist es, die heilkräftige Wirkung der Königswarter- Richards-Quelle erkunnt und in weiten Kreisen bekanntgemacht zu haben. Dr. Adolph Kohn feiert im März laufenden Jahres sein vierzigjähriges Jubiläum als Arzt und als Domänenarzt in Königswart zugleich mit seinem auf den 9. März fallenden 70. Geburtstage. Im Jahre 1862 wurde Königswart als öffentlicher Curort von der böhmischen Statthalterei anerkannt, 1865 begann Dr. Kohn mit dem Versandt der Richards-Quelle, 1877 wurde die neue Wandelbahn, 1885 das neue Badehaus erbaut. So wuchs der Curort zu seiner heutigen Bedeutung empor unter der sachverständigen und umsichtigen Leitung Dr. Kohn's, der von 1881 bis 1893 Pächter der Curanstalt war und in einer im Jahre 1873 in deutscher und französischer Sprache erschienenen Broschüre auf die Wichtigkeit von Königswart hingewiesen hatte. Durch zahlreiche Reisen ins Ausland, durch eine Reihe von wissenschaftlichen Aufsätzen und durch Beschickung vieler Ausstellungen wirkte der Jubilar unablässig für seine Schöpfung. In der langen Zeit seines verdienstlichen Wirkens ist Dr. Kohn nicht nur als Domänen- und Bade-Arzt, sondern auch als Bahn- und Gerichtsarzt thätig. Seit mehr als drei Decennien gehört er der Bezirksvertretung und der Gemeindevertretung von Königswart an, und in allen Zweigen seiner umfassenden Thätigkeit hat er sich die Achtung und Werthschätzung seiner Mitbürger und seiner Berufskollegen, sowie den Dank der sich ihm anvertrauenden Patienten erworben. Für das Doppel-Jubiläum werden vielfache Ovationen vorbereitet. Waag-Neustadtl. Die israelitische Cultusgemeinde wurde mit der ehrenden Mission betraut, einen Aufruf ergehen zu lassen an sämmtliche Cultusgemeinden unseres Vaterlandes zur Unterstützung des „Allgemeinen Universitäts-Hilfsvereines". Daß die Wahl eben auf unsere Gemeinde, und nicht auf andere vornehmere Gemeinden fiel, wurde damit motivirt, daß die hiesige Gemeinde — als Ltatuo guo-Gemeinde — als natürlichste Vermittlerin zwischen den Orthodoxen und Congreßgemeinden betrachtet wird. Bestärkt wurde das Vertrauen zur Culürsgemeinde durch die Erhaltung einer jüdischen Realschule, der einzigen jüdisch-confessionellen Mittelschule unseres Vaterlandes, und die-daher in innigem Contacte mit der Universität steht. Die Cultusgemeinde übernahm freudig diese für das ungarische Judenthum von weittragenden Folgen begleitete ehrende Mission. Sehr wünschenswerth ist es, daß die ungarischen Juden die Wichtigkeit dieser Action einsehen. Der Auftuf lautet: „Sehr geehrte Schwestergemeinden! Liebe Glaubensbrüder! Wohlthätig sein ist unsere Pflicht. Dies Bewußtsein ermuthigt uns, die Vertrauens- und hoffnungsvolle Bitte an Euch zu richten, die Ihr, unseren heiligen Glaubenssatzungen und der Ueberlieferung gemäß voll gütigen Herzens und edlen Sinnes stets in den ersten Reihen standet, wo es galt hungernde und frierende Arme zu unterstützen, Verlassenen und dem Elende Preisgegebenen zu helfen. Ein großer Theil der Universitätshörer, die durch eisernen Fleiß, unermüdlichen Eifer und ausdauerndes Studium in den Ruhmeshallen der Wissenschaft einen Platz sich erkämpft haben, hungern, entbehren und sind dem Elende preisgegeben. Diese Leiden unserer intelligenten Jugend bilden eine Gefahr für das Vaterland, für die Nation, für die Religion, für die Moral und für die Gesellschaft, denn sie verkümmern, bevor sie ihr Ziel erreichen, und werden zu Proletariern, wenn ihnen nicht rechtzeitig Hilfe wird. - Das Interesse unseres Vaterlandes, das Wohl der ungarischen Nation, die Nächstenliebe gebieten daher, daß wir uns um die Entbehrung leidende Universitäts-Jugend kümmern, für sie sorgen, um diese erprobten und gestählten Sprößlinge zu Nutz und Frommen der ungarischen Nation vor dem Untergänge zu bewahren. w'V nm,T. Denn sie sind die Träger der Wissenschaft. Dr. M. Herczegh, Prorector der Budapester Universität, dieser väterliche Freund der studirenden Jugend, gründete den „Allgemeinen Universitäts Hilfsverein", der von Sr. Majestät unserem allgütigen König die erste Spende erhielt.

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