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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-03 · 9 (3.3.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
9 (3.3.1899)
Date
1899-03-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 175 ^ebenen Küstenregion. Von den Einwohnern stehen den Europäern die Malteser am nächsten. Es sind ihrer nicht weniger als 4000 in der Stadt und da sie außer ihrer Sprache, die dem Arabischen sehr ähnlich ist, auch gewöhnlich noch Italienisch und Englisch sprechen, eignen sie sich ganz besonders zur Vermittlung des Verkehrs mit den Eingeborenen. Nächst den Maltesern sind die Juden das am zahlreichsten vertretene Element. Man kann sie jedoch kaum ein fremdes Element nennen, denn sie sind die Abkömmlinge von Einwanderern aus Titus' Zeiten und sie halten sich von den später angesiedelten Spaniolen ganz abgesondert. Diese altangesiedelten Juden sind zwar zumeist ärmere Leute, insbesondere Kleingewerbetreibende und Handwerker, aber sie sind dabei äußerst mildthätig und gastfreundlich. Es ist ihnen ein großes Bildungsbedürfnis eigen, so daß in den vom italienischen Staate erhaltenen Schulen in Tripolis sich durchwegs 95 Percent Juden befinden. Wien—Floridsdorf. Seit vielen Jahren hat unsere Stadt keine so illustre Gesellschaft zum Tanz vereint gefunden, wie es bei dem am 25. d. M. vonr hiesigen israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereine veranstalteten Kränzchen der Fall war. Die Veranstaltungen dieses Vereines haben einen so guten Ruf gewonnen, daß ans weiter Ferne in großer Zahl sich Gäste eingefunden haben, die das Kränzchen zu einem wahrhaft glänzenden gestalteten. Der Abend wurde mit humoristischen Vorträgen eingeleitet, welche von den erschienenen Gästen mit Jubel ausgenommen wurden. Der Tanz dauerte bei Militärmusik bis früh Morgens. Im Gemiithlichen erfreute der Clavierhumorist Herr Siegwart Lippa die Gesellschaft mit vortrefflichen humoristischen Vorträgen. Den glänzenden Erfolg des Abends haben wir besonders Herrn Emanuel Griinwald und den rührigen Comitö- Herren zu verdanken. Wien. (Costümfest des Leopold st ädter Frauen-Wohlthätigkeits-Bereines.) Der rührige Verein, welcher trotz der kurzen Zeit seines Bestandes eine überaus große Anzahl von Mitgliedern und Freunden gewonnen hat, gründete anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers auf Initiative der Präsidentin Frau kais. Rath Bertha K o h n den ersten österreichischen Lehrmädchenhort „Elisabethhort". Zu Gunsten desselben veranstaltete der Verein am 22. d. M. unter dem Ehrenpräsidium des Reichsrathsabgeordneten Herrn Hofrath K a r e i s ein Costümfest in den Sofiensälen, mit dessen Besuch und materiellem Erträgniß das Comite, an dessen Spitze Herr Professor R. Singer als Obmann und Herr Dr. I. W inte r n i tz als Obmann-Stellvertreter stehen, überaus zufrieden sein dürfte. Schon um 9 Uhr waren die Räume von einem höchst distinguirten Publicum gefüllt, welches mit Spannung dem Einzüge der Gruppen entgegensah, der durch Fanfarenbläser in altdeutschen und ungarischen Costümen avisirt wurde., Das Arrangement der Gruppen, welches vom Comitämitgliede Herrn Siegmund Wurzel, Herrn Julius H e i m a n n, Mitglied der Hofoper und dem Tanzmeister Herrn Julius Singer nach Entwürfen des Balletmeisters Herrn Joseph Haßreiter durchgeführt wurde, war ein geradezu meisterhaftes. Die Theilnehmerinnen der Gruppen trugen durch ihre reizenden Costüme und durch die Grazie und Accuratesse, mit der sie die trefflich einstudirten Tänze vorführten, zu dem schönen, ästhetischen Erfolge bei. Von den originellsten Gruppen erwähnen wir: „Alt- Wien" (I. Abtheilung) unter Führung des Fräulein Siddy G o l d m a n n; „Alt-Wien" (II. Abtheilung) geführt von den Damen: Fräulein Gisa Weinberger. Fräulein Sofie Kohl und Fräulein Marianne Selikowsky; Italienische Bänkelsänger : Fräulein Mizzi und Selma F a n t o, Impresario Dr. Brane; Ungargruppe: Frau Marie Redlich, Frau Louise Bäck, Fräulein Feldmann; Geisha-Gruppe: Frau Frida W e st r e i ch. Unter den vielen in charakteristischen Costümen erschienenen jungen Damen fielen besonders durch ihre originellen Toiletten auf: Fräulein Dora und Gisela Nathansohn als Kometen, Fräulein Elsa und Olga Kann als Nachtwächter, Fräulein Rosa Adutt als italienische Straßensängerin, Fräulein Stella F i s ch h o f als Spanierin, Frau Anna F a i t h als Polin; die Damen: Fräulein Mila H o f m a n n, Fräulein Bertha Klinenberger, Fräulein Rosa und Nelly Blum, Fräulein Ella Grünsfeld und Fräulein Karoline Salzer als Ungarinnen; Fräulein Jda Kantor, Fräulein Irma Spitzer und Fräulein Bauer als Zigeunerinnen; Fräulein Louise R e i m a n n als ungarischer Hußar; Fräulein Johanna Brody in einem prächtigen Magnatencostüm, Fräulein Ricki F r i e d l ä n d e r als reizende Oberösterreicherin, Fräulein Hansi R o s n e r als Rumänin, Fräulein Ella Brauchbar in einem geschmackvollen Costüm ü la Maria Antoinette. Als reizender Amor präsentirte sich die bekannte Concertistin Fräulein Clothilde H e r z l, die Schwestern Olga und Amelie Landesberger als niedliche Citronenfalter. Die Vorstands-Damen des"Vereines waren fast sämmtliche in geschmackvollen Balltoiletten erschienen, und zwar: die Präsidentin Frau Berlha Kohn (weißes Atlaskleid), die Vice-Präsidentin Frau Hermine Singer (blaue Seidentoilette mit Silberstlckerei), Frau Louise Bienenstock (lila Seide). Frau Cäcilie Frankl (gelber Brocat), Frau Bertha Käs (weiße Atlasrobe mit schwarzem Spitzenüberwurs), Frau Helene Kanitz (weiße Seide mit Silberstickerei), Frau Charlotte Kisch (lila Seide), Frau Anna L ö w y (graue Seidenrobe, besetzt mit antiker Stickerei, Brillanten und Smaragden). Frau Regine May (weiße Seide, besetzt mit Flitter), Frau Helene R o t t e r (reizendes Costüm), Frau Heleue Stein (weiße Seide, besetzt mit Flitter), Frau Lina Weiß (rosa Seide), Frau Elise W i n t e r n i tz (rosa Seide). Nach dem Einzug der Gruppen eröffnete ein von dem Comitemitgliede Edmund G r o a g verfaßter Prolog, den ein Genius, Fräulein Melanie S p i e l m a n n vom „Deutschen Volkstheater", in vorzüglicher Weise zur Geltung brachte, eine Reihe von Vorträgen, von denen wir die Gesangsvorträge der italienischen Opernsüngerin Signora Carlotta F e l i c i a n i und des Fräuleins T h e r r e n, Mitglied des Raimund- Theaters erwähnen, welche unter Anderem ein reizendes Tanzlied zum Bortrag brachte, das von dem entzückten Publicum zur Wiederholung verlangt wurde. Das Koschat-Quintett der Hofoper, welches die Gruppe „Alpenländer" anführte, brillirte durch ausgezeichnete Borträge. Die Ballmufik wurde in glänzendster Weise von der Capelle des Infanterie-Regimentes Ritter von Hold unter Leitung des Capellmeisters Herrn Sommer besorgt. Ein von Herrn stud. jur. Leo Ascher dem Vereinsvorstande gewidmeter, außerordentlich melodiöser Walzer, „Jubiläumsnachklänge", erntete großen Beifall und mußte auf allgemeines Verlangen wiederholt werden. Im Gemüthlichen concertirte unter lebhaftestem Beifall das Urwiener Quartett Krempel sen. Die von der Firma Brüder Bettelheim reizend ausgeführte Tanzordnung (ein Ansichtskarten-Album) fand bei den Damen großen Beifall. Der Ballsaal war bis in den Morgenstunden von einem animirten Publicum dicht gefüllt. Zahlreiche Ehrengäste, darunter viele Gemeinderäthe, Bezirksausschüsse und Vertreter humanitärer Vereine, besuchten das schöne Fest. Den größten Antheil an denk glänzenden Gelingen des Abends haben in erster Linie der unermüdliche Obmann des Comites, Herr Professor Richard Singer, sowie der Vorstand des Vereines, der schon zu wiederholten Malen seine unvergleichliche Rührigkeit bewiesen. Das Fest am 22. Februar 1899 wird stets ein unvergeßliches Ereigniß in der Geschichte des „Leopoldstädter Frauen- Wohlthätigkeits-Bereines" bilden! Die Lemberger Gemeinderuthswahle«. Lemberg, 24. Februar. Die bevorstehenden allgemeinen Wahlen in den Gemeinderath sind für die Juden nicht blos von Jntereffe, sondern auch von großer Wichtigkeit. Sechzehn Wahlcomites haben sich bereits gebildet, die meisten von ihnen mit der Tendenz, gar keine oder nur die wenigsten Juden in den Gemeinderath zuzulassen. Wir sehen da katholische, christliche, ruthenische, industrielle, bürgerliche, bureaukratische und alle möglichen Comites, die in erster Linie der Haß gegen die Juden und dann beschränkte einseitige Standes- oder Bezirksfragen leiten. Daß derartige Tendenzen bei der Wahl zum Durchbruche gelangen können, dafür sorgt eben die neue Wahlordnung. Sie besteht in einem Listen-Scrutinium und kennt weder eine Bezirks-, noch eine Curieneintheilung. Die communalen Machthaber fürchteten, daß die Juden in irgend einer Curie oder auch im dritten Bezirk die Majorität erlangen könnten und so wählten sie die Form, durch welche einfach die jüdische Minorität der Gnade und dem Ermessen der christlichen Majorität preisgegeben wird. Zudem dürfen die Juden nicht mehr als höchstens 20 Mandate erhalten. Die Juden bilden nach der letzten Volkszählung 28'27 Percent der Bevölkerung, und seit dem neuesten Besteuerungsmodus mehr als 28 Percent der Wähler, denn 2600 von 9000,

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