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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-03 · 9 (3.3.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
9 (3.3.1899)
Date
1899-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 174 Vr. Vloch's IVochrnschrifi Nr. 9 vor Allem das Lied über die „braven Wiener Studenten", welche in dem richtigen Gefühle, daß in Ungarn die Entscheidung des ganzen Aufstandes liege, mit den Magyaren vereint gegen Windischgrätz zogen: „Ja, ja, die deutsche Fahne siegt, Die halbe Aula ist ja dort, — Der Wmdischgrätz, trotz allem Mord, Er hat sie doch nicht untergekriegt, Die braven Wiener Studenten! Sie wiffen's besser als Jhr's wißt, Daß dort die Freiheit wird aufersteh'n, Daß Deutschlands Feinde dort untergeh'», Daß dort der Deutschen Schlachtfeld ist, Die braven Wiener Studenten!" Will's Gott, so wird nun wieder bald Die theure Fahne aufgerollt, Im Aulahofe: Schwarz-Noth-Gold, Und lustig bald das Lied erschallt Von den braven Wiener Studenten!" (Il, Seite 123.) Das bedeutendste und in wahrhaft weltgeschichtlicher Tragik einherschreitende Gedicht in der Reimchronik ist von Hartmann „Oesterreich" betitelt worden. Mit klarem und wahrem Blicke steht der Dichter in die dunkle Zukunft Oesterreichs, über das er — von seinem Standpunkte aus — frohlockend den Stab bricht. (Ges. W., Band II. Seite 110 ff.) Ergreifend ist der Nachruf an Robert Blum, den Windischgrätz in Wien erschießen ließ, während seine College», unter chnen auch Hartmann selbst, mit genauer Roth entkamen. Das Gedicht heißt „Eine neue Sage" und erinnert in der Compofition durchaus an die zweimal, — in dem Sonnete: „Des Kaisers Geist" (I, Seite 101) und in „Die böhmischen Bauern" (I, Seite 68) behandelte Sage von dem, als Gefangener in der Türkei noch lebenden Kaiser Joses. „Ein Mythus geht, der Robert lebt, Der Robert Blum, den sie erschossen, Und jedes deutsche Herz erbebt: Das theure Blut ist nicht geflossen — Die Hoffnung raunt uns in die Ohren; Entstört, entstört die Trikoloren, Noch, noch ist Deutschland nicht verloren!" Ein vom volklichen Standpunkte aus hoch bedeutsames Gedicht ist auch das, dem Andenken eines anderen Freiheitskämpfers, nämlich das den Manen Heinrich Simon's gewidmete Glicht, welcher am 22. August 1860 im Genfersee ertrank Zwei Schweizerseen bergen dem Dichter die zwei unglücklichsten Vorkämpfer deutscher Freiheit, Hutten und Simon: „Viel Zukunft bergen die beiden Seen, Wie jener Berg Kyffhäuser, Die Beiden hat sich das Volk erseh'n, Des Volkes heutige Kaiser. Wenn einst ihr Geist aus den Wellen bricht, In seiner lautern Reinheit, Dann fliegen auch nimmer die Raben nicht, Und kommt die verkündende Einheit, Nun suchen sie noch in dem tiefen See, — — Wie im Seleph einst - nach der Leiche *) Während andere Dichter, und unter ihnen auch Anastasius Grün, zur Zeit der Schillerfeier des Jahres 1847 fast allgemein nur die kosmopolitische Bedeutung der Schiller'schen Dichtungen hervorhebeu, findet Hartmann das richtige Wort zur Würdigung der nationalen Bedeutung dieses Heros: „So hat er selbst den Segen, den er sprach: „Seid einig, einig, einig!" — allgemach, Verwirklicht und durch helle Liederthaten Gegeben uns begeisternde Penaten." (II, Seite 425.) *) Seleph ist der Fluß, in welchem Barbarossa umkam. So suchen wir noch im tiefen Weh Nach dem heiligen deutschen Reiche O, lasset ihn ruh'n, wo er jetzund ruht. Der Geist schwebt über die Fluthen, Er schlummert sanft, er schlummert gut Im Exil der Heimat der Guten." (II, Seite 436.) Correspondenzen. Zur Nothlage der galizifchen Juden. Wien. Von einem Freunde aus Eger erhalten wir folgende Zuschrift: „HerrRedacteur! In jeder Nummer Ihres geschätzten Blattes, sowie der anderen jüdischen Blätter, wird ans das grenzenlose Elend der polnischen Juden hingewiesen, gleichzeitig aber auch auf die Teilnahmslosigkeit der Glaubensgenossen im Allgemeinen und der „Reichen" im Besonderen, trotzdem gerade letztere am „Risches" Schuld sind, denn unsere Widersacher sehen nur die „Reichen", nicht aber die „Armen". Unsere „Reichen" verkehren nicht mit dem Volke, wissen nicht, was Armuth, geschweige denn Hunger und Elend ist, sonst würden sie nicht so gefühllos sein. Ich fuhr vor einigen Wochen auf der Strecke Wien—Eger mit einem polnischen, jüdischen Taglöhner (Kalklöscher). Seine Hände, Kleider und sein Aeußeres ließen sofort auf äußerste Armuth schließen.. Bei harter Arbeit verdiente er 30—70 kr. täglich, womit er sich und seine Familie ernährte. Nachdem er aber, wie hunderte Andere, keine Arbeit mehr bekam, Baargeld und Nahrungsmittel nicht vorhanden'waren und der Hunger vor der Thüre stand, so fuhr er, mit einer Empfehlung ausgerüstet, nach Nürnberg wegen Arbeit. Bekommt er dort keine, so will er nach Bremen gehen, um dort auf einem Schiffe zu arbeiten, behufs Erlangung der kostenlosen Ueberfahrt für sich und seine Familie nach Amerika. Die Mitreisenden Christen haben, zu ihrer Ehre sei es gesagt, diesen erbarmungswürdigen Menschen unterstützt. Mögen sich alle Glaubensgenossen, namentlich die Reichen, die oft an einem Tage soviel ausgeben, wovon eine arme Familie reichlich unterstützt werden könnte, ein Beispiel nehmen und sich nicht von Andersgläubigen beschämen lassen. Meine Ansicht ist es, daß Aufrufe in den jüdischen Journalen nicht viel Erfolg haben, weil diese gerade von den vermögenden Israeliten wenig gelesen werden, weil die Aufrufe gleich wieder nach dem Lesen vergessen werden, weil die Meisten nicht wissen, wohin sie die Beträge schicken sollen und weil — sich Einer auf den Anderen verläßt. Wenn in den Statuten der „Alliance israßlite“ Zweigvereine vorgesehen sind, so müßten diese organisirt werden. Wenn nicht, so würde ich empfehlen, einen allgemeinen „Schekelverein" mit Ortsgruppen — wie beim Deutschen Schulverein — zu gründen. Wenn jeder Israelit monatlich m i n d e st e n s 10 bis 20 kr. zahlt (Mehrbeträge nicht ausgeschlossen), so wird ein Riesengeld zusammenkommen, ohne daß sich der Einzelne anstrengt. Es soll mich freuen, wenn meine Anregung auf fruchtbaren Boden fällt. Es ist die höchste Zeit, daß für diese grenzenlos Unglücklichen Etwas geschieht. Mit vorzüglichster Achtung ergebenst Julius Kohn. 200 Juden auf der — „Pretoria". Unter den Schiffen, die nur mit großer Mühe den Seestürmen der Nordsee zu entkommen vermochten, befindet sich auch die „Pretoria". Nach siebzehn Tagen schweren Kampfes mit den Wellen gelang es dem Schiff, im englischen Hafen Plymouth Anker zu werfen. An Bord befanden sich mehr als 200 Juden, die sich von Hamburg, nach New-Iork einschiffen wollten. Ihr Zustand bei der Ankunft in Plymouth war ein entsetzlicher, die meisten waren in sterbendem Zustande. Doch schnell bildete sich ein jüdisches Comits, welches für die Rettung und Verpflegung der Unglücklichen sorgte, so daß sie sich bald erholen konnten. Sie setzen die Reise mit der „Pensylvania" fort und bekommen auch auf die fernere Reise verschiedene Nahrungsmittel und Kleidungsstücke mit. Der „Jewish Chronicle" reproducirt eine in Plymouth äufgenommene Photographie der ganzen Gruppe. Wir sehen da Greise, Frauen, Mädchen und Kinder verschiedenen Alters — ein herzzerreißendes Bild jüdischer Auswanderer. Wien. Ende vorigen Monates hielt Herr Dr. Hugo G r o t h e aus München in der Geographischen Gesellschaft einen äußerst interessanten Vortrag über seine Reise nach dem tripolitanischen Mittelgebirge. Tripolis ist der einzige von den ehemaligen Berberstaaten, wo in der Neuzeit noch keine europäische Macht Fuß gefaßt; es ist nicht viel mehr als ein weißer Fleck auf der Landkarte, da über das Innere fast gar nichts bekannt ist. Die Stadt Tripolis liegt in der flachen, von Sanddünen um-

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