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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-24 · 8 (24.2.1899) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Vloch', Wochrnschrifi Sette 163 I e n t a (bei der Thür): Der Chusen kommt. Die Mädchen (klatschen in die Hände): Der Chusen kommt. I e n t a: Er geht nicht, man muß ihn führen. Die Mädchen: Warum? I e n t a: Denn er weint entsetzlich. Die Mädchen: Er weint? I e n t a: Er jammert. Pake (festlich gekleidet): Der Marschelik, der Marschelik geht! Die Mädchen (klatschen in die Hände): Der Marschelik, der Marschelik! Marschelik (stürzt herein und läuft um die Bühne herum): Git Woch! Git Woch! Die Mädchen (in die Hände klatschend): Git Woch! Git Woch! Der Marschelik: Der Chusen geht! Der Chusen geht! Die Mädchen: Der Chusen geht! Marschelik: Wo ist die Kale? I e n t a: Da ist die Kale. Marschelik: Ach wie schön ... ach wie schön! Zuckersüß. Git Wech, Fräulein Malta! M a l k a (erwidert schweigend den Gruß). Marschelik: Der Chusen kommt, (läuft zur Thür.) M a l k a (für sich): Werde ich genug Muth besitzen? Marschelik: Kommt's Alle her, Junge und Alte, Reiche und Arme, Blinde und Lahme, Kahle und Höckerige, Grade, Gebrochene, und schaut an das Fräulein Malta, die wie eine schüchterne Taube auf ihrem Sessel sitzt und geduldig wartet auf ihren Vogel. (Der Festzug kommt an und stellt sich rechts auf. Dann erscheint Moses Radosny, ein schneeweißer Greis, von zwei Knaben geführt, zuletzt treten ein der alte Firulkes und Schwarzenkopf, die den starrsinnigen Jojne schleppen müssen. Derselbe flüchtet sich schließlich auf die rechte Seite, wo die Männer stehen.) Marschelik: He, hu, der Balbus soll kimmen du. Er hat gebeten a groißen ojlem, zu essen ist nischt du. I e n t a (zu Schwarzenkopf): Ei, ei Schwarzenkopf, was für Luxus treibst Du? Sogar Jankel Krikus ist bei Dir der Marschelik. Schwarzenkopf: Brave Leute haben mir dazu verholfen. Wir Juden unterstützen uns ja gegenseitig und lassen einen guten Menschen nicht zu Grunde gehen. Marschelik (zu Jojne): Du narrischer Jojne, Du weinst? Wein' nischt! Wenn auch Deine Braut so weinen würde, so ist das noch Mode, denn eine Braut soll zehn Taschentücher benetzen, bevor sie heiratet. Aber Du, Jojne, bist ein Lamm und nicht ein Chusen. Du bist ein Schmendrik, ein Schlimasel. Ach, Jojne, wie möchte ich an Deiner Stelle sein. Schau nur hin, was für eine Rarität und was für ein Schatz sie ist. Jojne: Ich will nicht .... Marschelik: Du bist nicht gescheit. Wäre ich an Deiner Stelle, so urachte ich einen Sprung und ich wäre schon bei ihr. Jojne: Ich Hab' Angst .... Firulkes: Frag' ihn nicht, ob er will, ob er will nicht. Er hat schon die Präsente geschickt. Da giebt's nichts mehr zu reden. Die Gäste: So! So! Da gibt's kein Reden. Marschelik: Und wenn Dich die Unterführer unter die Chupe führen werden, wirst Du springen wie ein junger Hase, der frischen Salat erblickt. Was ist das? Warum weinst Du? O, Jojne, Jojneleben. Wart', ich gib Dir ein Zwilling zum Glück. (Gibt ihm eine Haselnuß.) Aber nicht aufessen, denn Du bist ein Narr, Jojne. Firulkes: Gebet her zwei Bogen Papier! Schwarzenkopf: Es ist schon Alles geschrieben und unterschrieben, wie wir verabredet haben. Firulkes: Unser Mojsze wird schon machen die Ceremonie; gibt's ihm in die Hand a rothes Schnupftuch. Marsch elik: Ist du a rothes Schnupftüchel? Schön, elegant, ein Cavalier-Schnupstuch. (Reicht sein eigenes Taschentuch, Mojsche nimmt dasselbe und geht damit zu Jojne, hinter ihm zwei Juden als Zeugen.) Firulkes (zu Jojne): Nimm, Jojne, das Schnupftuch! Jojne: Ich Hab' Mojre! Mars chelik: Dummer Jojne, das ist doch kein Feuer und kein brennendes Eisen! Wenn man Dir nur Näschereien geben würde, da würdest Du gleich vor Freude zittern. Nicht wahr, Jojne? Nu, nimm das Tuch. Jojne (ergreift einen Zipfel). Die Zeugen: Schön, schön. (Sie gehen Alle zu Malka.) Gesang. Wein' nischt, wein' nischt, theure Kale. (Malka ergreift das Tuch beim anderen Zipfel und weint.) Die Zeugen: Schön, schön. I oin e: gehe nach Hause, die Mütze herunter, Ich will nicht, ich Hab' Mojre. Ich Meine Mütze ist mir zu groß; nimm' mir Tate. Mars chelik: Die Mütze ist Dir zu groß? Schad't nicht. Das ist zum Auswachsen. Und wirst Du nicht mehr wachsen, so kannst Du draus machen kleine Mützchen für Deine Kinder, für die kleine Jojnelech, mit so schönen Augen wie Fräulein Malka, Malkeleben, und mit so großen Ohren wie Du Jojne. Jojneleben, Jojneschi. Und da hast Du noch a Zwilling zu Masel. Jetzt gibt's a Tisch . . . Alle: A Tisch. (Man bringt einen Tisch hinein, darauf zwei Kerzen, Tinte und Feder.) Marschelik (stellt sich hinter den Tisch): Und jetzt füll, Niemand soll mich stören. Wo ist Jojne? Ist er nicht mehr da? Ist er schon zerflossen, vielleicht in Thränen? Die Tnojim Hab' ich schon vorgelesen und es soll Euch Alle sein zum Gesund und zum Leben. Und alle Geduches und böse Kränk' sollen über den Hahn kommen, der so kräht: Kiki-riki, Kiki-riki. Jenta (zerbricht einen Teller). Alle (klatschen freudig in die Hände): A maseltow! A maseltow! .... Marschelik: Und jetzt unterschreiben. Zuerst die Kale und der Chussen, später die Zeugen. (Geht zu Jojne und führt ihn zum Tisch.) Jojne, hast Du noch die Nüsse, hast Du sie noch nicht aufgegessen? Jojne: Nein. Marschelik: Komm her und unterschreib' die Tnojim. (Jojne unterschreibt und läuft weg.) Und Fräulein Malka? Schwarzenkopf: Komm' her. Malka. (Malka tritt an den Tisch, unterschreibt und kehrt dann auf ihren Sitz zurück.) Marschelik: Und jetzt die Zeugen. Jsak Pomeranz. Pomeranz: Ich bin da. (Unterschreibt.) Marschelik: Mojsche Citron, Leibisch Pistolet! (Beide unterschreiben.)

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