Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 8 (24.2.1899)
- Date
- 1899-02-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 162 Br. Bloch'» Wochrnschrifl Nr. 8 griffe, eine Kerze zu entzünden, als draußen an die.Thür geklopft wurde. Sie schrak zusammen, öffnete das kleine Fenster und fragte verwundert, wer zu so später Stunde da sei. Der Postbote stand vor der Thür und überreichte ihr ein kleines, versiegeltes Packet. Ihre Hände bebten, als sie es in Empfang nahm. Nie war ein Brief in ihre Hände gelangt, nie hatte sie von dem fernen Freunde Kunde erhalten; sie glaubte sich vollständig von ihm vergeffen. Mit bebenden Händen suchte sie in ihrer Wäsche nach einigen Münzen, um sie dem Boten zu geben. Endlich hatte sie ihm etwas in die Hand gedrückt. Sie schloß das Fenster und legte aufathmend das Packet auf den Tisch. Eine fremde, schöne Handschrift fiel ihr auf. Sie nahm wieder das Packet in die Hand, las noch einmal genau die Adresse — sie konnte kaum denken, daß sie die Empfängerin sein sollte, sie buchstabirte förmlich laut ihren Namen. Endlich löste sie die Siegel, nahm die Hüllen von einem schönen, gebundenen Buch und schlug die erste Seite auf. Die Ueberschrift lautete: „Esther!" und darunter stand der Name ihres Freundes. Sie jubelte auf, sie preßte ihre Lippen auf das Papier, sie netzte die Blätter mtt ihren heißen Thränen. Endlich fanden ihre überströmenden Augen den Brief, der in dem Buche lag. Sie las mit bebenden Lippen, athemlos, erst in fliegender Hast, dann langsam wieder und wieder, bis sie endlich begriffen hatte, die frohe Botschaft, die darin enthalten war. Das Buch war das erste Lorberreis, das der junge Dichter sich nach unendlicher Mühe und Qual errungen, das er der Freundin sandte, die er nie vergeffen hatte. Es sollte nun Licht um sie werden, frei und glücklich sollte sie sein durch ihn, ihr heißester Wunsch, den sie längst unter Thränen begraben, würde sich verwirklichen, sie sollte die Gefährtin des geliebten Jugendfreundes werden, sein geliebtes Weib, seine geistige Mithilfe. Die Mutter erwachte und blickte trüb in den matten Schein des Lämpchens. Esther eilte auf sie zu, umschlang ihren Leib und rief jauchzend vor Glück: „Mutter! David, der Dichterkönig, holt seine Esther! Glaub' nur daran, heut' hat er mir's geschrieben. Es muß ja werden, es wird sein — heut' ist ja auch Purim, der Ehrentag Königin Esther's." _ Feuilleton. Malka Schwsrzenkopf. Schauspiel in fünf Acten von G. v. Zapolska. Autorifirte Bearbeitung für die deutsche Bühne von S. R. Landau. Den Bühnen gegenüber Manuscript. (Nachdruck verboten.) 5. Scene. Vorige, ohne Moriz und Wiedenski. Rosalie: Weißt Du, Malka, ich könnte weinen. Das Alles hat mich sehr gerührt. Malka: Mich vermag nichts mehr zu rühren. Ich muß daran vergeffen, daß ich ein Herz habe und daß ich ein lebendiges Wesen bin. Sonst.könnten meine Kräfte ihren Dienst versagen. Für heute bildet meine zufällige Begegnung mit Dir meine einzige Freude. Ros alie: Arme Malka! Drei Jahre sind schon verflossen, seitdem wir in der Pension zusammen waren. Ich wurde damals telegraphisch nach Hause berufen, da mein Vater schwer erkrankt war. Glücklicherweise wurde er bald gesund, aber ich mußte in Warschau bleiben, um hier meine Studien zu vollenden. Malka: Das nennst Du Vollendung der Studien? Haben wir denn begonnen, uns zu bilden? Sieh'doch! Ich hatte mit Schwierigkeiten des prattischen Lebens zu kämpfen, und wie war ich ihnen gegenüber wehrlos! Ich kenne eben das Leben nicht von der prattischen Seite und darum reibe ich mich auf in diesem fruchtlosen Kampfe, bis ich zu Grunde gehen werde. Rosalie: Bist Du davon überzeugt? Malka: Ja. Dir allein sage ich es, sonst Niemanden. Ich will nicht die Rolle eines Opfers spielen und gehe daher mit erhobenem Haupte vorwärts. Aber ich weiß nicht, wie lange noch meine Kräfte dazu ausreichen werden. Ros alie: Malka! Warum kann ich gar nichts für Dich thun? Warum hast Du nicht einmal gestattet, daß dieser junge Mann .... Malka: Kein Wort davon, ich bitte Dich! Rosalie: Er schien mir so sympathisch und so ehrlich. Der Andere mit dem Monocle gefiel mir gar nicht, das muß sein böser Geist sein, nicht wahr? Malka: So glaube auch ich! Rosalie: Und jetzt gestatte mir, (leise) Dir Glück zu wünschen und von Dir Abschied zu nehmen. Ich muß nach Hause. Malka: Lebe wohl, meine liebe Rosalie! Nach meiner Hochzeit wollen wir alle drei daran gehen, für Jenta etwas zu thun. Rosalie: Hast Du wenigstens Deinen zukünftigen Mann gesehen? - Malka: Nein — erst heute werde ich ihn kennen lernen. R o falte: Lebe wohl, Malka, sei glücklich, wenn das möglich ist. (Ab). Malka: Meine liebe Jenta, werden die Gäste bald kommen? Jenta: Die Mädchen müssen sofort da sein. Der Bräutigam unterhält sich mit seinen Freunden und Nachbarn. Fräulein Malka kennt noch nicht unsere Gewohnheiten. Malka: Nein, Jenta. Jenta: Das wissen Sie auch nicht, Fräulein Malka, daß während des heutigen Tnojim ein ganzes Schriftstück verfaßt wird und daß der Bräutigam 400 Rubel für Fräulein Malka erlegen wird? Malka: Ich weiß es nicht und es liegt mir auch nichts daran. Jenta: Ich will nur Nachsehen, ob die Gäste schon kommen. Es freut mich, daß sich Fräulein Malka heute mit den Mädchen zerstreuen wird. Aber ist das eine Gesellschaft für Fräulein Malka? Ach, ach, armes Fräulein Malka. (Ab). Malka: Arme Malka! Alle wiederholen sie: Arme Malka! Und doch muß ich den Leidenskelch bis auf den Grund leeren. Wie von einer unsichtbaren Macht gedrängt, muß ich vorwärts gehen. Seitdem ich erfahren habe, daß er nicht mehr frei sei, bin ich ohnehin moralisch gestorben. Ich habe damals erkannt, daß ich ihn vom ersten Augenblicke an geliebt habe. (Blickt um sich.) Soviel Lichter gibt es hier und doch ist es um mich so finster. Was ist denn dort so bleich? Das ist Ryfka, die arme Kranke, die in das jämmerliche Licht so hineinglotzt. R y f k a (stotternd): Licht .... Licht! . . . Malka: Für Dich ist das Licht, für mich nur Finsterniß, ein Grab ... ein schreckliches Grab (stützt sich an die Wand und wischt sich die Thränen ab). Werde ich ihn noch jemals sehen in meinem Leben? Für mich ist schon Alles zu Ende .... Das ist der Tod! der Tod! Jenta (stürzt in's Zimmer): Sie kommen schon! 6. Scene: Malka, die Mädchen, Jenta, Jojne» der Marschelik, die Vermittlerin, Mowsze, der alte Firulkes, Schwarzenkopf. (Die Mädchen treten ein, mit Blumen in den Händen, leicht und armselig gekleidet. Sie umringen Malka und tanzen leise und graziös. Aus der Ferne dringt Gesang. Dann übernimmt Malka die Blumen von den Mädchen, die sie kiißt.) Malka: Ich danke Euch, ich danke Euch vom Herzen.