Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 8 (24.2.1899)
- Date
- 1899-02-24
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 164 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 8 Pistolet (schreit): Schon, schon. Marschelik: Scha! Mach' kein Geschrei. Du, Jojne. geh' jetzt hin zu Deiner Kale, nimm' sie bei der Hand und sühr' sie her. (Jojne begibt sich ganz unbeholfen zu Malka, nimmt sie bei der Hand unb führt sie hin.) Marschelik: ' Wo ist der Bronfen mit Lekach? (Jenta bringt Schnaps und Honigkuchen. Der Morschelik übergibt Jojne und Malka die Papiere.) Das müßt Ihr gut behalten, denn Ihr könnt das gut brauchen und jetzt Maseltow dem jungen Paar. Ich wünsch' Euch Glück und viele Kinder. Fräulein Malka: zwölf Buben, aber nicht auf einmal, nur einzeln. (Er hebt galant sein Glas): Lechajim, Jojne! Alle: Lechajim! Marschelik: Lechajim, Malka. A skocel kimmt. Alle: Lechajim. (Der Marschelik leert das Glas und reicht dann Gläser zuerst der Malka, dann an Jojne und an alle Gäste.) M o j s ch e (mit zitternder Stimme): Ihr habt Alle gesehen, wie hier Tnojim geschlossen wurde. Firulkes hat bereits zu meinen Händen das Geld erlegt, Schwarzenkopf ebenso. Wenn ein Theil zurücktreten sollte, so verfallen seine Halste und seine Geschenke zu Gunsten des anderen Theils. Firulkes und Schwarzenkopf: Gemacht! Mojsche: Du, Jojne, brauchst von mir keine Lehre, wie Du Deine Frau ehren und lieben sollst, denn Dein frommer Vater hat Dich am letzten Sabbath zu einem stommen Rabbi geführt und dort hast Du es erfahren. Jetzt geh' ich und Ihr jungen Leute könnt' tanzen und Euch unterhalten. (Ab). Marschelik: Jetzt ist's lustig und fröhlich und ich will Ihnen, Fräulein Malka, einige Verse vorsagen, die ich ganz speciell für Sie gemacht habe. Das sind solche Verse: Diese Tnojim ist lustig, Dieser Chusen ist schön, Und meine Wünsche sind gut, Ich auch.... Nicht so, ich habe mich geirrt, aber Maseltow ist auch genug! Ich werde Euch was Lustiges singen und Ihr werdet klatschen und das wird sein die Unterhaltung. (Alle singen.) Jetzt wolle» wir tanzen, Du, Jojne, auch. Aber mach' kein so dummes Gesicht und sei nicht traurig, dazu wirst Du schon Zeit haben nach der Hochzeit. Also tanzen. Wer will herumgehen? (Alle drängen sich). Nur warten. Auf wen der letzte Buchstabe fällt, der soll geh'n. (Zählt nach dem hebräischen Alphabet, es trifft Jenta,) A skocel kimmt. Jenta, Jenteschi, Jenteleleben! Du kannst schon gehen auf den Ball. Alle: Du, Marschelik! Marschelik: Ich, also gut! Musik! (Er hebt sich auf die langen Rockschöße und beginnt in der Mitte zu tanzen). Malka (sitzt abseits und weint). (Der Vorhang fällt.] Schluß des dritten Aktes. (Fortsetzung folgt.) Literatur. „Jojne Firulkes", das zweite Ghetto-Drama des G. v. Zapolska, wurde jüngst im Krakauer Stadttheater mit großem Erfolge aufgeführt. Dieses Stück bildet eine Fortsetzung und Ergänzung zur „Malka Schwarzenkopf". Die Kritik ist darin einig, daß das neue Stück psychologisch und künstlerisch höher steht, aber dramatisch weniger wirkungsvoll ist. Wir werden aus dieses Stück noch ausführlich zurückkommen. Briefkasten. M. D. in P. Für uns ungeeignet. K. in 8. Die Wiener jüdische Presse erscheint Wien, IX, Taborstraße 1. 8. M. in Sz. Berichte über Predigten, auch wenn sie gegen Dr. Nordau sich kehren, können wir nicht publiciren. I. W. in Stanislau. Abonnement bezahlt bis 30. April 1899. S. Hirsch. Es ist richtig, daß Josef Karo im Tur Orach chajem, cap. 150, einen Dreyfus citirt. CafS Orezy. Budapest 130.000 Seelen. Cultusvorstcher P. in W. Wasser eines artesischen Brunnens eignet sich für Mikve, selbst wenn das Bohrloch mit eisernen Rohren ausgekleidet werden muß, besonders, wenn diese eigens hiezu angefertigt sind. Jore dea 201, § 48 und 49. Die zuführende Röhre zum Bassin soll eine thönerne sein. (§ 36). Das warme Wasser aus den Wasserleitungsröhren kann natürlich nur in eine moo mptt von vollen nsD v zngelassen werden. Das Bassin kann aus eingesetzten Platten bestehen. B. I. Wietschner: Doctor Doctor in G r. - G l o g a u. A. B. In der Dienstag-Nummer der „Ostdeutschen Rundschau" wurden zwei scherzhafte Duette angekündigt, welche die Herren Dr. Mayreder und W ä h n e r zum Vortrag bringen wollen. Die Titel lauteten: „Nimm' Dir was, so hast Du was". „So Zwa, wie wir Zwa, die find'st Du net mehr". 8. G. Herr Vicebürgermeister S t r o b a ch soll sehr betroffen gewesen sein, als ihm gesagt wurde, der Nuntius — der in französischer Sprache bei der Eröffnung des Rathhauskellers toastirte — habe eine heftige Anklage gegen die Antisemiten gehalten. N—n. Es wäre auf das Innigste zu wünschen, daß die Stelle in dem Hirtenbriefe des Fürsterzbischofs, G r u sch a: „Würde das göttliche Mahnwort befolgt, wie viele betrübende Ausbrüche der Feindschaft und des Hasses würden schwinden, welch' ein Friede der Versöhnung würde an Stelle der erbittertsten Leidenschaften treten", von den Hetzcaplänen in Oesterreich beherzigt würde. Dr. B. H. Herder war es, der von Moses Mendelssohn sagte, er habe mehr für die deutsche Sprache gethan als sein ganzes Jahrhundert. A. H. Die Tochter Alexander D u m a s' ist mit einem Juden vermalt. N. Man muß in der That schon bei einem ziemlich hohen Grad des Blödsinnes angelangt sein, wenn man, wie C o p p 6 e, von der johlenden Menge, die den Tod Z o l a's und die Verherrlichung E s z t e r h a z y's fordert, sagt: „Der edle Lärm der Straße erfüllt uns mit Zuversicht". Arnold M. Sie haben Recht. Kein Feuer und keine Kohle brennet noch so heiß — wie die schlechten Verse, die dieser Convertit verbrochen hat. A. B. Man muß den Willen des edlen Spenders, der anonym bleiben will, respectiren. Gewöhnlich wollen allerdings nur Jene unbekannt bleiben, die Geld unterschlagen und nicht Jene, die 100.000 Kronen einem wohlthätigen Zwecke widmen. M-n. Da es im Rathhauskeller auch nicht viel gesitteter, als im Sitzungssaale des Rathhauses zugeht, ist die Harmonie völlig hergestellt. Jude in Stanislau. Ueber die Handelsgeschichte der Juden existirt ein Werk vom verstorbenen Laudesrabbiner Dr. Herzfeld und über die jüdischen Frauen in der Literatur, ein Werk von Rabb. Dr. Kaiserling in Budapest. Beide Bücher sind durch jede Buchhandlung erhältlich. A—g. Es ist überaus erfreulich, wahrzunehmen, daß die französischen Antisemiten von Vorneherein jeden Ehrenmann als einen Dreyfusard perhorresciren. So verhalten sie sich auch dem nemewählten Präsidenten der Republik gegenüber, von dem keinerlei Aeußerung über die Affaire Dreyfus bekannt ist und gegen den in den Augen der vereinigten Schurken und Betrüger nur Eines spricht: Er gilt für einen Ehrenmann. S. H. Der Lehrer P e y r l, der da glaubte er werde wegen seiner politischen Gesinnung präterirt, hat seinem Leben ein Ende gemacht. Die dermaligen Herren von Wien, die in unzähligen Fällen die würdigsten Bewerber um eine Stelle lediglich aus consessionellen Motiven abwiesen, würden schon somanchesMenschenleben auf dem Gewissen haben, wenn alle von ihnen Drangsalirten zu solchen äußersten Mitteln der Verzweiflung gegriffen hätten. 8. I. Eduard Horn, der als ungarischer Staatsfecretär starb, hieß stüher Einhorn und war in seiner Jugend Rabbinatscandidat. I. 8. Die clericalen Hetzer, die es ganz recht finden, daß Man alle Juden wegen eines Verbrechens verurtheilt, welches angeblich ein Jude begangen, sollten es höchst billig finden, daß man in Lille alle Geistlichen wegen der Missethat bedroht, die Einer von ihnen verübte. I. H. Sie fragen, was Vergani von den verleumderischen Lügen hat, die er doch alle wieder berichtigen muß? Ja, womit soll denn der Mann die Spalten seines Blattes füllen? M. 8—g. Feichtinger, der sich jetzt im Grazer Gemeinderathe so frech benimmt, ist mit dem Feichtinger identtsch, über dessen unsäglich schmutzige Geldaffairen imGerichtssaale Helles Licht verbreitet wurde. Aber einen echten Antisemiten genirt so etwas nicht. ■_^_ Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von 8. Beck & Sohn» Wien VM.