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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-24 · 8 (24.2.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 168 Vr. Vloch'« Wochenschrifi Nr. 8 ein Jargonwort auffaßte, vielleicht mißleitet durch den Anklang an das hebräische Wort „Gesera", das Berhängniß, Bestimmung, Verordnung bedeutet. „Kreuzzeitung", Herr Liebermann von Sonnenberg und der deutsche Reichstag wissen nicht, daß „Geseire" ein deutsches Wort ist, das „Gerede" (Besage) bedeutet. Die Betheiligten alle aber haben wenigstens in ihrer Jugend einmal die Anfangszeile des Nibelungenliedes gelesen: „Uns ist in alten Mären Wunders viel g e s e i t". Sie haben es nur wieder vergeffen. Was haben sie auch nöthig, die deutsche Sprache zu kennen! Das besorgen schon die deutschen Inden. Herrn Hermann Landsberger, den die Wähler der Berliner Gemeinde nicht mehr als Repräsentanten haben wollten, haben die von der Wählermehrheit eben erkorenen Repräsentanten in den Gemeindevorstand gewählt. Herr Hermann Landsberger hatte vor der Wahl zweimal feierlich erklärt, daß er dem Ruf nicht folgen werde, noch könne. Jetzt hat er sich Bedenkzeit ausgebeten. Ist die Frist um, so wird er mit gerührtem Dank dem allseitigen Drängen nachgeben und das Amt annehmen. Wie heißt es im Shakespeare? „Ihr Alle saht, wie am Euperkusfeste Ich dreimal ihm die Königskrone bot. Die dreimal er geweigert." Die Berliner Vorstandschaft ist eben keine Königskrone, und Herr Hermann Landsberger ist kein Cäsar, gewiß nicht! Vibelunterrichk rm Urtexte in der Volks- und Bürgerschule. Vortrag von L. Wiesner, gehalten im Vereine der Religionslehrer „Esra". Die Behandlungsweise eines Unterrichtsgegenstandes liegt nicht allein in der Eigenart des zu behandelnden Stoffes, sondern wird auch durch andere Factoren bestimmt, so durch Lehre, Beschaffenheit des Schülermaterials und nicht zu allerletzt durch mannigfache obwaltende Umstände und Verhältnisse, mit denen man unbedingt rechnen muß. Diese Umstände und Verhältnisse sind beim jüdischen Religionsunterrichte, insbesondere beim Unterrichte im Hebräischen häufig so verschieden und mannigfaltiger Art, daß sich ein allgemeines einheitliches Unterrichtsverfahren nicht aufstellen läßt. Es läßt sich nicht allein in der Theorie über Bibelunterricht viel Schönes und Ideales sagen, was in der Praxis überhaupt nicht ausführbar ist, sondern man kann auch oft ganz praktische Gedanken, ausführbare Winke und Rathschläge äußern, die jedoch nur auf ganz bestimmte Verhältnisse passen. Umstände verändern die Sache. Ist der Unterricht im Hebräischen schon an und für sich in Gemäßheit der Natur des Gegenstandes, keine leichte Arbeit, so wird er vollends in Wien erschwert. Vor Allem ergeben sich uns aus dem in den localen Verhältnissen wurzelnden Nothbehelf des Sammelschulwesens, welche Einrichtung ich ganz besonders im Auge habe, große Schwierigkeiten. Wir haben ein Schülermaterial, das vom Hause aus dem Gegenstände nichts weniger als Liebe und Interesse entgegenbringt. ' Wir haben sehr oft nicht nur mit der Indolenz, sondern sogar mit der offenen Abneigung der Eltern gegen das Hebräische zu kämpfen. Wir haben ferner für den Gesammtunterricht wöchentlich nur zwei Stunden zur Verfügung und sollen mithin in beiläufig 70 Stunden das uns vorgeschriebene Lehrziel erreichen. Alle diese Thatsachen bilden Factoren, die beim Unterrichtsverfahren berücksichtigt werden müssen, weil sie geeignet sind, dasselbe zu modificiren. Sie zwingen uns, nach Maßgabe unserer Erfahrungen, dem Unterrichtsverfahren ein individuelles Gepräge zu geben. Uns gegenseitig mit den Methoden und Vortheilen vertraut zu machen, welche uns die realen Thatsachen abgenöthigt haben, das war es, was ich mir seinerzeit anzuregen erlaubt habe, und worauf ich heute zurückkomme. Bevor ich daranging, mir mein Verfahren zurechtzulegen, habe ich mir folgende Fragen zur Beantwortung vorgelegt: 1. Soll ich von den zwei Stunden, die mir wöchentlich für den Unterricht zur Verfügung stehen, eine ganze Stunde continuirlich dem Bibelunterrichte widmen, oder erscheint es zweckentsprechender, von jeder Stunde einen Theil derselben auf die Bibel zu verwenden? 2. Soll ich den Schülern übersetzte oder unübersetzte Bücher in die Hand geben? 3. Wie kann ich den Unterricht derart gestalten, daß der Schwerpunkt des Lernens und des Einprägens in die Schule verlegt wird, damit ich auf Rechnung der häuslichen Arbeit nicht mehr zu setzen habe, als von derselben unseren Wiener Verhältnissen gemäß zu erwarten ist? 4. Wie kann ich den Unterricht derart gestalten, daß die Schüler in der Unterrichtsstunde zur möglichst höchsten Anspannung ihrer Aufmerksamkeit verhalten werden, um die nöthige Ruhe zu erzielen und so dem Grundsätze Rechnung zu tragen, wonach die Disciplin durch den Unterricht zu erhalten ist? 5. Wie ließe sich das Prüfen vereinfachen? Was die erste Frage betrifft, so geht meine unmaßgebliche Ansicht dahin, daß es, mit Ausnahme der IV. Classe, wo die Einführung der Schüler in den ihnen bisher ganz unbekannten Unterrichtsgegenstand eine öftere Vornahme derselben empfiehlt, zweckmäßiger erscheint, eine ganze Stunde ohne Unterbrechung dem Bibelunterrichte zu widmen. Die Vertheilung zweier Disciplinen auf eine Stunde beeinträchtigt die Continuität des Unterrichtes, zersplittert die Aufmerksamkeit der Kinder, sie läßt eine Concentration, eine Sammlung derselben, nicht aufkommen. Außerdem ist der Uebergang von einem Gegenstände zum anderen sehr häufig von mancherlei Störungen begleitet und mit Zeitverlust verbunden. Man kann auch häufig die Wahrnehmung machen, daß ein sehr großer Theil unserer Kinder, wenn er sich an schulfreien Tagen, wie Sonntag und Mittwoch, aus zwei Unterrichtsgegenständen, aus Chumesch und biblische Geschichte, vorbereiten soll, weder in dem einen, noch in dem anderen sattelfest ist. Diese Gründe bestimmen mich, eine der beiden Stunden ganz dem Bibelunterrichte zu widmen und in der nächstfolgenden Stunde das Gelernte von einem oder zwei der besten Schüler cursorisch wiederholen zu lassen. Außer dem Zweck, die Wichtigkeit des hebräischen Unterrichtes zu markiren, hat diese nur wenige Minuten in Anspruch nehmende Wiederholung des Hebräischen noch den Praktischen Werth, jenen Schülern, die etwa die Bibelstunde versäumt haben, zu zeigen, was genommen wurde und was sie nachzuholen haben. Wie wichtig beim Unterrichte im Hebräischen die Beschaffenheit des Lehrtextes für das Unterrichtsverfahren ist, braucht hier wohl nicht auseinandergesetzt zu werden. Ich habe mich aus folgenden Gründen für den Gebrauch eines unüberfetzten Buches entschieden. Es ist unleugbar, daß Dasjenige, was das lebendige Wort des Lehrers dem Schüler übermittelt, tiefer eindringt und in viel höherem Grade sein geistiges Eigenthum wird, als das, was er bei gleichzeitigem Vortrage des Lehrers vor sich gedruckt sieht. Die Schüler hängen mit größerem Ernst an dem Munde des Lehrers, wenn sie einzig und allein auf seine Worte angewiesen sind, als wenn sie sich auf eine gedruckte Uebersetzung verlassen können. Der Gedanke, die paar Sätze zu Hause aus dem übersetzten Buche auch allein ganz gut einüben zu können, schwächt die Aufmerksamkeit, lockert die Disciplin und läßt den Lehrer ganz überflüssig erscheinen. Würde der Schüler zu Hause auch wirklich lernen, so könnte man sich zufrieden geben. Allein, zu Hause kommt der satanische Gedanke: „Wozu Dich mit dem Einüben Plagen, Du wirst im kritischen Momente die Uebersetzung aus dem Buche ablesen". Auf diese Weise hat der Schüler weder in der Schule, noch zu Hause gelernt. Beim Prüfen zeigen sich die Schwierigkeiten eines übersetzten Buches erst recht. Das Zudecken der Uebersetzung mit der oft schmierigen Hand oder mit einem Stück Papier ist ein sehrarmseliger Behelf, weil der Schüler gar zu leicht in die Versuchung gebracht wird, die Hand respective das Papier entweder ganz zu entfernen, oder wenigstens durch die gespreizten Finger zu lesen und so den Lehrer zu täuschen. Die Schüler jedesmal herauszurufen und sie aus einem unübersetzten Buche zu prüfen, halte ich deshalb für unpraktisch, weil der Schüler, der mit seinem Buche, aus dem er zu Hause lernt, vertraut ist, durch das Vorlegen eines fremden Buches verwirrt wird, abgesehen davon, daß durch das Herauskommen und Hineingehen der Schüler häufig Störung verursacht wird. Da der Schüler an der Schultafel nichts zu thun hat, sollte er beim Religionsunterrichte so wenig als möglich herausgerufen werden. Das Gesagte, glaube ich, dürste genügen, um den Gebrauch von unübersetzten Lehrtexten zu begründen. Ich will bei dieser Gelegenheit noch erwähnen, daß die unübersetzte Pentateuchausgabe von Letteris sich nicht allein wegen des correcten Textes und des soliden Einbandes für den Schulgebrauch ganz besonders

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