Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 8 (24.2.1899)
- Date
- 1899-02-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 150 Dr. Vloch's Wochrnschrifi Nr. 8 Mühe, gegen euch in die Schranken zu treten, weil ihr so oft euren vaterländischen Bestrebungen den Dämon des Judenhasses beigesellt. Wir Hallen fest an dem Wahlspruch, welchen R i e s s e r uns gewählt: Einen Vater in den Höhen, Eine Mutter haben wir, Gott, ihn, aller Wesen Vater, Deutschland, unsere Mutter hier." So weit Auerbach's herrliche Worte, die ihr Ziel nicht verfehlt haben. Der Fluch gegen die Juden wurde in Segen verwandelt, denn so mancher Judenfeind bekehrte sich, indem er den Juden das Wort zur Gleichstellung redete. Unter diesen „Bekehrten" befand sich auch Wolfgang Menzel, der Franzosen- und Judenhafser. _ Zur „Wahlreform" für den Baseler Congretz. *) Von Dr. S. R. Landau. In einer anonymen Notiz der „Welt", die offenbar von Herrn Dr. H e r z l verfaßt wurde, wird verlangt, daß ich meine „Maske lüfte" und er werde dann untersuchen, mit welchem Rechte ich mich einen Zionisten nennt. Ich lüfte also die Maske. Ich erkläre für Alles, was ich im Artikel „Die neueste Wahlreform" geschrieben habe, voll und ganz die Verantwortung zu übernehmen. Aber nur für diesen Artikel. Nicht aber für viele andere in der „Oesterreichischen Wochenschrift" von Zionisten veröffentlichte Artikel, insbesondere aber nicht für den Aufsatz „Tant de bruit ..." von Hazofeh, dessen Verfasser einer der begeistertesten Zionisten neuen Schlages ist, der seinen Besorgnissen Ausdruck lieh, um sich dem Terrorismus und den Verfolgungen nicht auszusetzen. Herr Dr. H e r z l war absolut nicht in der Lage, auch nur eine meiner im genannten Artikel ausgestellten sachlichen Behauptungen zu widerlegen, und er hat daher zu Drohungen gegriffen. Man erinnere sich, um was es sich dort handelte. Ich habe meine zionistischen Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam gemacht, daß Herr Dr. H e r z l einen Gewaltstreich und eine U eb err ump elun g des nächsten Cougresses plane, und er hat es in der Hand gehabt, durch Publicirung dieser „Wahlrefor m", die doch kein „diplomatisches" Geheimniß ist, die Unwahrheit meiner Behauptungen mit einem Schlage zu beweisen. Ich habe erwähnt, daß Herr Dr. Herzl am zweiten Cougreß die Redefreiheit der Minorität vergewaltigte; Hazofeh hat schon früher in diesem Blatte erklärt, Herr Dr. Herzl habe den ganzen Congreß tyrannisirt. Ich constatirte, daß sich „die u n a b h ä n g i g st e n, s ä h i gsteu und eifrigsten Zionisten, die schon lange vor dem „Judenstaat" für die zionistische Idee gekämpft haben, durch den erst von ihm in die Partei hineingetragenen Geist der Intoleranz und der Personenanbetung in eine oppositionelle Stellung gedrängt sehen"; wer das z i o n i st i s ch e Tagblatt „H a m e l i z" (St. Petersburg) und die zionistische Monatsschrift „H a s ch i l o a h" (Odessa), die Organe der intellektuellen Zionisten in Rußland, oder die „M i ttheiluugen" der über ganz Galizien verbreiteten Tarnower Genossenschaft „Ah avas Zion" liest, weiß dies schon seit Langem. Ich zeigte schließlich, wie sich in Folge dieser Verhältnisse keine einzige halbwegs über das Mittelmaß von Wissen und Talent hinausragende Persönlichkeit unter seinen engsten Anhängern befindet; Herr Dr. Herzl hat — wie wir jüngst im Petersburger „Hameliz" und Londoner „Jewish Chronicle" lesen konnten — aus eine Frage B r a i n i n 's, warum er sich nicht mit besseren Rathgebern umgebe, erwidert, daß er selbst froh wäre, wenn er solche hätte. *) Als unparteiisches jüdisches Blatt haben wir stets den Vertretern der verschiedenen Richtungen im Judenthum unsere Spalten eröffnet. Auch Herr Dr. Herzl und seine Freunde haben in unserem Blatte ihre Anschauungen verfochten. Wir lassen daher auch diejenigen Zionisten bei uns zum Worte kommen, die der Oeffeutlichkeit ihre Beschwerden Vorbringen möchten, umsomehr, wenn sie, wie im vorliegenden Falle, persönlich angegriffen wurden. Die Rcdactiou. Man wird mir zugeben, daß ich mit keinem einzigen Worte den Zionismus, zu dessen Anhängern ich selbst seit 15 Jahren noch immer gehöre, und auch nicht Herrn Doctor Herzl als Privatperson angegriffen habe. Was thut aber Herr Dr. Herzl? Er widerlegt keine einzige Behauptung. Er verleumdet. Dazu bedient er sich zweier Waffen. Erstens erklärt er, jener Artikel könne nur von einem „entlassenen Mitarbeiter" seines Blattes geschrieben worden sein. Was beweist das? Es wäre doch vorerst für die Oeffentlichkeit, die über die Glaubenswürdigkeit dieses verdächtigten Mannes zu urtheilen hat, interessant, zu wissen, warum er „entlassen" wurde. Wer die Wiener Zeitungsverhältnisse kennt, weiß, daß die Redacteure und ständigen Mitarbeiter der Tagespresse von ihren Herausgebern vollkommen abhängig sind und gar keine eigene politische Ueberzeugung haben dürfen, sondern sich lediglich dem Dictate ihres Herausgebers fügen müssen. Das weißjaHerr Dr. H e r z l als Redacteur der „Neuen Freien Presse" selbst sehr gut. Denn fügt sich einer nicht, so wird er entlassen. Erst in den jüngsten Tagen feierte der Schriftsteller K r a w a n i sein 40jähriges Schriftsteller-Jubiläum. Und da wurde allgemein als auf ein Ehrenblatt im Leben dieses Mannes darauf hingewiesen, daß er als Chef-Redacteur der „Oesterreichischeu Volkszeitung" seinerzeit die Taaffe'sche Wahlreform gegen den Willen der Eigenthümer seines Blattes befürwortete, obwohl er dafür entlassen wurde. Hut ab vor diesem Mann! Nun möge uns Herr Dr. Herzl sagen, warum er den Mitarbeiter des ihm gehörenden Blattes „entlassen" hat. "Ob deshalb, weil er kein Soldschreiber, kein bloßer „Sitzredacteur" sein wollte, ob deshalb, weil er seine eigene Ueberzeugung hatte und diese nicht verleugnen wollte, oder aus einem anderen Grunde. Heraus mit der Sprache, Herr Dr. Herzl — wenn Sie den Muth haben! Sollte am Ende ich, der ich die Idee zur Gründung der „Welt" gegeben, durch ein ganzes Jahr Kostenvoranschläge für ein zionistisches Wochenblatt gemacht habe und mehr als ein Jahr Redacteur der „Welt" war, mit diesem „entlassenen Mitarbeiter" gemeint sein, so wäre es umso wünschenswerther, daß doch die Oeffentlichkeit über die Gründe meiner „Entlassung" aufgeklärt werde. Bitte aber nicht zu vergessen an den Fall Sapieha, an den Fall Badeni und an verschiedene andere Gründe m einer Kündigungen vom 6. October 1897, 11. und 12. März 1698. Bitte, nur zu. Ich warte mit Ungeduld. Der Vorwurf der Rancune eines „entlassenen Mitarbeitecs" schien dem Herrn Dr. H erzl an und für sich schwach und vag. Es mußte zu ihm noch ein zweiter hinzukommen, in der Gestalt einer der schmutzigsten und feigsten Verleumdungen, die jemals im politischen Kampfe angewendet wurden. Der Verfasser dieses Artikels soll — behauptet jene Notiz — die zionistische Bewegung für Geld angegriffen haben. Daß mau etwas schreibt, weil man von der innersten Ueberzeugung dazu gedrängt wird; daß man sich, trotz der in Aussicht gestellten Carriere und Ehren von einem Manne enttäuscht abwenden kann, weil man ihn durch zweijährigen intimen Verkehr als einen Mann der Pose, der hohlen Aeußerlichkeiten und der Effecthascherei erkannt hat; daß man den Muth hat, den unheilvollen Einfluß dieses Mannes aus denselben, selbstlosen Motiven zu bekämpfen, aus denen man sich ihm anfangs angeschlossen hat—das vermag Herr Dr. Herzl nicht zu fassen. O, er ist eine vornehme Natur. Gegen die Behauptung, daß ich die zionistische Bewegung jemals angegriffen hätte, werde ich überhaupt nicht polemisiren. Es ist ein von Herrn Dr. H erz l sehr beliebter Kniff, Jeden? der nicht seine Schlagworte blindlings befolgt, als Antizionisten und seine Gegner als Feinde der zionistischen Bewegung hinzustellen. Die Sache ist zu durchsichtig, als daß man noch überflüssige Worte darüber zu verlieren brauchte. Aber ich nehme von einem antizionistischem Blatte Geld,