Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 7 Jßx. Bloch's Wochenschrift Sette 143 Malka: Man kann viel, meint inan muß. Moriz (zn Rosalie): Viel Dank für Ihre Unterstützung. Malka: Das wird Euckwenig nützen. Und jetzt leben Sie wohl, Herr Moriz. Die Gäste können jeden Augenblick ankommen. Moriz: Sie werden unglücklich sein. Malka: Aber Niemand wird was davon wissen. Moriz: Gestatten Sie mir wenigstens zum Kreise Ihrer Bekannten zu gehören. Ich möchte Sie wenigstens von Zeit zu Zeit sprechen. Ich empfehle mich, Fräulein Malka! (Zn Rosalte): Fräulein! Rosalie (verbeugt sich): Mein Herr! Moriz: Sagen Sie mir doch, welchem Zwecke ich das Geld, das Ihnen aus der Berlassenschaft nach meiner Tante gebührt, zuführen soll. Malka: Es gibt so viel Elend unter den Menschen und insbesondere unter den armen Juden! Sehen Sie, hier in diesem Winkel lebt und Plagt sich ein armes Weib, das von ihrem Manne verlassen wurde und schwer arbeiten muß, um ihre fünf jungen, kleinen Kinder und ihre gelähmte Mutter zn ernähren. Ihre Noth ist größer und bedauernswerther als die meinige. Moriz: Ich wage es nicht, ihr etwas anzubieten. Vielleicht wollen Sie es versuchen? Malka: Sehr gerne! Rosalie und ich wollen uns dafür interessireit. Wir wollen der Jenta einen Laden errichten und ihr die Möglichkeit geben, ihre Kinder zu erziehen und ihre kranke Mutter zu heilen. Rosalie, bist Du einverstanden? Rosalie: Sehr gern. Moriz: Dadurch belohnen Sie mich wenigstens zum Theil für den Kummer, den Sie mir durch Zurückweisung meiner Bitte bereitet haben. Ich empfehle mich. (Moriz und Wiedeuski ab.) (Fortsetzung folgt.) Literatur. Tarnopol. Es gibt wohl kaum zwei verschiedenere Gebiete, als mathematische Wissenschaften und jüdisch-theologische Literatur. — Zu den seltensten Erscheinungen gehört die Vereinigung beider Zweige der Kenntnisse. — Ein glänzendes Beispiel dieser ungewöhnlichen Harmonie bietet uns der Herausgeber und Verfasser zweier uns vorliegenden Werke. „Die rationelle Mechanik" von D r. I o s e f W e i s st e i n (Erster Band Statik, Dynamik des Punktes mit 97 Figuren im Texte, Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller, k. k. Hof- und Universitätsbuchhändler 1898, 350 Seiten) heißt das jüngste, soeben erschienene Werk des berühmten Autors, über dessen Person, Leben und Wirken allgemeine Umrisse zu erfahren für das jüdische Publicum von Interesse sein dürfte. Dr. JosefWeisstein entstammt einer hochangesehenen und wohlverdienten gelehrten Familie der Gemeinde T a r u o p o l. Der Vater des Genannten war der in der jüdischen Literatur der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts rühmlichst bekannte Moses Samuel W e i s st e i n. — Es gibt wohl kaum eine periodische Schrift aus verflossenen Jahrzehnten in hebräischer Sprache, in welcher die besten Beiträge nicht von der Meisterfeder des Moses Samuel Weisstein herrühren, welcher den Autornamen wwö als Bezeichnung seiner Aufsätze gewählt hat. — Um seine Bedeutung in der zeitgenössischen Schriftstellerwelt klarzulegen, genügt, daß Geistesheroen wie Rabbiner Salomon Löb Rappaport, Samuel David Luzzatto uud Andere in regem wissenschaftlichen Briefwechsel mit dem Meister standen. Sein Sohn Dr. Josef W e i s st e i n war in der Jugend ganz dem Talmudstudium ergeben und pflegte ebenfalls brieflichen Verkehr mit Rappaport und Luzatto; später widmete er sich der Jurisprudenz und wurde im Jahre 1861 Landesadvocat. — Neben seinem Berufe widmete er seine Zeit dem öffentlichen Wirken in der Gemeinde. Lange Jahre hindurch war er Präsident d e r C u l t ns gemein d e (wie es seiner Zeit der Vater gewesen ist), Obmann der israelitischen Allianz, der Baron Hirsch-Stiftung, und leistete ans jedem Gebiete Bedeutendes. — Im Jahre 1896 erlitt er einen schweren Verlust durch den Tod seiner Gattin Frau Henriette W e i s st e i n, Tochter des Herrn Juda Landau, ehemaligen Cultusvorstehers s. A. Um das Andenken der Gattin zu ehren, hat Dr. Joses Weis stein einen Act kindlicher Pietät geübt und die hinterlassenen Schriften seines Vaters mit eigenen gelehrten Briefen aus seiner Jugendzeit veröffentlicht. Das Werk heißt „raiöK -pn" (Drohobycz, Druck von A. H. Zupnik 1897, 344 Seiten). Seinen höchst interessanten Inhalt zu erörtern, muß einer besonderen literarischen Besprechung Vorbehalten werden. Hier sei nur hervorgehoben, daß der Herausgeber Dr. Josef Weisstein es seiner Gattin zueignet, den ganzen sehr bedeutenden Ertrag für den Bekleidungsf o n d armer Schulkinder in T a r n o p o l b est i m m t hat. Auch die oben erwähnte „Mechanik" hat er diesem edlen Zwecke gewidmet. Seit dem Tode der Gattin lebt er ganz dem gelehrten Forschen ergeben in Odessa bei seiner Tochter, Gattin des B a n q u i e r s Adolf B a r j a n s k y. Möge sein Lebensabend stets heiter sein, wie cr cs dmch sein Streben und Wirken wohl verdient hat. R. Neue Bücher. Unter dem Titel ».Der Jude" (Der Jid) erscheint eine neue Halbmonatsschrift in indisch-deutscher Sprache in Krakau. Herausgegeben von der Warschauer Berlagsgesellschast „Achiasas", scheint sie in erster Linie siir Rußland bestimmt zn sein. Der größte Theil des Inhaltes bestellt auch ans belletristischen Beiträgen bekannter russischer Jargon - Schriftsteller, wie P e r e z, A b r a m o w i c z, L i l i e n b l u m, Lewtnski tu s. w. Aus dem Leitartikel, in dem die Wichtigkeit der jüdisch-deutschen Lectüre siir das Bolk dargethan, kann man sich jedoch über das Programm des Blattes noch nicht klar werden. Das dürfte sich erst aus den weiteren Nummern ergeben. Das Gedicht von Morris Rosen seld: „Der jüdische Mai" ist bereits bekannt und wir hoffen bald anch neue Sachen dieses talentirten Dichters zu lesen. Daß diese Zeitschrift aber ein wahres Volksblatt werden soll, daran scheinen die Herausgeber wohl selbst nicht zu denken. Ter Preis von 5 Gttlden jährlich für eine Halbmonatsschrift ist überhaupt zu hoch und bei den in Betracht kommenden Kreisen geradezu unerschwinglich. Es sei erinnert, daß der Lemberger „Wecker" und „Karmel" nur 6 Kreuzer per Nummer gekostet haben. Darum waren sie auch beliebt und verbreitet. L. Gedichte von F. Arnsztain. II. Serie. Krakau bei Gebethner und Wolf (polnisch). In dieser zweiten Serie von Gedichten lenkt besonders das an erster Stelle befindliche PoLm „T e r F r e m d l i n g" unsere besondere Aufmerksamkeit aus sich. Es ist sehr stimmungsvoll und wahrhaft empfunden. Die Dichterin schildert die ganze Schmach ihres Volkes, seine Noth und Verfolgungen, wie es ruhe- und heimatlos herumirrt, für alle seine Thaten und Opfer nicht Tank, nicht Anerkennung, nur Spott und Hohn erntet. Und da erinnert sie sich an die alte Heimat, an die echte Mutter, — an I c r u s a l e ni. Aber sie zieht nicht den letzten Schluß. Sie ist zu sehr Weib. Mag sich auch ihre Vernunft empören über das Schicksal ihres Volkes, ihr Herz hängt doch au der Umgebung, an dem Allen, was mit ihr ausgewachsen ist. So ist auch am schönsten die letzte Strophe, in der sie mit echt lyrischer Kraft den mächtigen Zwiespalt in ihrer Seele schildert, da sie nicht weiß, wem zu folgen, dem Herzen oder der Vernunft. Dort lockt mich die Freihett, der Ahnen Rnhmesglanz, Hier peitscht mich die Liebe, der Scheidung grimmiger Schmerz. Tie anderen Gedichte sind mehr allgemeinen Inhaltes. Frau A r n s z t a i n, Arztensgattin in Lublin und Schwester des Toctor M eye r s o u, General-Secretär der„Jewish Colouisation Association", hat entschieden Begabung. Sie steht zwar noch unter dem Einflüsse der Dichterin Konopnicka, aber ihre Orginalität bricht sich immer mehr Bahn. L. — Das bekannte judensreundliche Buch der O r z e s z k o w a „Meier Ezofowicz" wurde in's Englische übersetzt. Briefkasten. Langjähriger Abonnent. Anonyme Zuschristeu werden nicht beantwortet. A. M. In der That, man kann auch bei den Jndenseiiiden einen gewissen Fortschritt erkennen. Man erimiert sich da an das Epigramm Grillparze r's: „Die spanische Inquisition Taugt nicht in unseren Tagen, Ihr müßt Euch begnügen schoit Die Andersgläubigen sonst zu plagen."