Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 142 Vr. Vloch'r Wochrnfchrifi Str. 7 I e n t a : Ich soll so glücklich sein, wie ich einen gesunden Verstand habe, aber Du Mow.gnädiger Herr, hast einen sehr losen Mund, aber keine besonders offene Tasche sür Deine armen Verwandten. W i e d e n s k i : Lass' uns in Ruh'! Jenta: Ich werde Nachsehen, ob Malta noch nicht da ist. 4. Scene. Vorige, Malka, Rosalie und Jenta. (Malka trägt ein weißes Kleid und einen langen Ueberwurf. Rosalie, ein junges Mädchen, erscheint in einer eleganten Straßen-Toilctte.) Jenta: Da sind die Herren. Malka (zu Jeuta): Was wollen die von mir haben? Jenta: Ich weiß es nicht, aber ich glaube, sie wollen, daß Sie den Jojne nicht heiraten. Malka: Was sagen Sie?! Jenta: Ich soll so leben. Malka (zu Rosalie): Meine liebe Rosalie, gestatte mir, daß ich vorerst diese Herren entserne. Es sind ungeladene Gäste und es wäre gut, daß sie mir am schnellsten sortgehen. Rosalie: Laffe Dich keineswegs stören. Ich habe ja selbst darauf beharrt, Dich nach Hause zu begleiten. Jetzt lebe wohl. Malka: Bleibe doch, Du weißt ja, daß ich vor Dir gar keine Geheimnisse habe. M o r i z (zu Wiedenski): Lass' mich mit ihr allein. Wied en s ki: Wozu hast Du mich denn hergeschleppt? Schau doch lieber die Andere an. Was für ein reizendes Kind! M o r i z : Es ist wahr, aber ich denke jetzt an ganz andere Dinge. Es ist doch sonderbar, wie ich jetzt schüchtern geworden bin. Malka: Wünschen Sie von mir etwas? Ich bin auf's Höchste verwundert, Sie bei mir zu sehen. Aber ich nehme an, daß nur ein außerordentlicher Zufall Sie zu Ihrem Besuche veranlaßt hat. Ich will also für den Augenblick vergessen .... Moriz: Nicht blos für den Augenblick, sondern überhaupt sollen Sie vergessen, deswegen bin ich zu Ihnen gekommen. Malka: Deswegen? Herr Silberzweig, wollen Sie mich denn wieder beleidigen? Merken Sie sich aber, daß ich jetzt in meinem Heim bin, und wenn es auch nur eine jämmerliche Höhle ist, die einigen Familien Schutz bietet, so ist es doch mein Dach und mein Heim. Da' werde ich mich von Ihnen nicht beleidigen laffen. M o r r z: Sie behandeln mich grausam. Aber ich will es über mich ergehen laffen, denn ich habe Ihnen gegenüber sehr gesündigt. Doch mein Verschulden Ihnen gegenüber war nicht so groß — es war dabei mehr Scherz und Leichtsinn. Malka: Aber dieser Scherz öffnete mir die Augen und ließ mich sofort meine Stellung in der Gesellschaft klar erkennen. Uebrigens, sprechen wir nicht mehr davon. Was hat Sie denn eigentlich zu mir hergeführt? Moriz: Ich habe diese Frage erwartet und doch wage ich es nicht, darauf zu antworten. Rosalie (leise zu Malka): Sei doch nicht so unbarmherzig. Es ist doch ein lieber und fescher Junge. M a l k a (zu Rosalie); Wie bist Du kindisch? Moriz: Ich habe gehört, daß Sie heiraten wollen? Malka: Jawohl! Moriz: Diese Vermählung wird nicht stattfinden. Malka: Diese Vermählung muß stattfinden. Moriz: Ich werde sie zu verhindern wissen. Malka: In welcher Weise? Moriz: Schenken Sie mir für einige Minuten Gehör ohne Zorn und Aufregung. Meine Tante hat bei Lebzeiten Ihre Erziehung geleitet, um Ihre Zukunft anders zu gestalten. Nach ihrem Tode habe ich diese Pflicht übernommen .... und ich will und kann nicht zugeben, daß Sie in diesem Elend, Schmutz und in dieser geistigen Finsterniß zu Grunde gehen. Fräulein Malka, halten Sie mich doch nicht für einen schlechten Menschen . . . Wiedenski (ironisch): Und jetzt nimm Dein Taschentuch, trockne Deine Thränen und knie' nieder. Moriz: Meine Sprache setzt Sie wohl in Erstaunen, aber auch ich kann nüchtern denken, ja sogar ehrlich sein. Malka: Ihre Worte machen mir eine Freude. Ich sehe Sie heute in einem ganz anderen Lichte, als damals, da Sie betrunken waren und mich so schwer beleidigten. Moriz: Darf ich also hoffen? Malka: Worauf? Moriz: Daß Sie auch fernerhin die Hilfe, die Ihnen von meiner Tante zutheil wurde, von mir annehmen und sich das Leben entsprechend Ihrer Erziehung und Ihrer Bildung einrichten werden. Malka: Nein, Herr Moriz! Moriz: Warum denn? Malka: Ach! Aus sehr vielen Gründen. Verlangen Sie, daß ich Ihnen verzeihe? Gut, verzeihen kann ich Ihnen, vergessen . . nie. Etwas von Ihnen annehmen, das kann ich nickt. Immer würden mir in den Ohren die Worte gellen, mit denen ich von Euch auf der Schwelle des Hauses empfangen wurde. Uebrigens, ich nehme jetzt von Fremden nichts mehr an. Moriz: Warum haben Sie von meiner Tante angenommen? Malka: Sie war meine Mutter, meine Beschützerin, mein Alles. Sie find sür mich ein Fremder. Moriz: Jetzt werden Sie von einem Manne annehmen, der für Sie ebenfalls ein Fremder ist. Malka: Das wird kein Geschenk sein. Ich werde mit ihm gemeinsam leben, ja,ich werde sogar allein das Geschäft leiten. Ich habe mich, Herr Moriz, genügend erkundigt, ob ich die Hände müßig in den Schoß legen und darauf warten werde, was mir mein Mann gibt. Moriz: Sie werden ein Geschäft leiten? Malka: Jawohl. Ich will versuchen, ein neues Leben zu beginnen. Ich hoffe, daß es gehen wird. Moriz: Und ich hoffe das Gegentheil. Rosalie: Wenn ich mir ein Wort erlauben darf, so bin auch ich der Ansicht, daß Dir, Malka, ein solches Leben, wie Du es beginnen willst, nicht genügen kann. Malka: Es muß! Rosalie: Dieses Wort läßt sich leicht aussprechen, aber sehr schwer verwirklichen. üisaestaBMiSäa^SäaBSä^ää