Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 140 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 7 Troppau. Nach längerem Leiden verschied hier in seinem 64. Lebensjahre Samuel David Klauber, der Chef der durch eine lange Reihe von Jahren am hiesigen Platze bestehenden Kurzwaarenhandlung S. D. Klauber. Der Verblichene erfreute sich in geschäftlichen und gesellschaftlichen Kreisen allseitiger Achtung und Werthschätzung, die auch durch seine Berufung zu verschiedenen Ehren- und Vertrauensstellen zum Ausdrucke gelangte. So war Herr Klauber früher Vorstandsmitglied, zuletzt Aus schuß Mitglied der Troppauer israelitischen Cultusgemeinde, ferner Vorstandsmitglied des Gremiums der protokollirten Kaufleute, seinerzeit auch Censor der österreichischungarischen Bank. Herr Klauber war der Schwiegervater des Troppauer Advocaten Herrn Dr. Alois Eisler und des Landesgerichtsrathes Dr. B o ck in Brünn. Brody. fM. M.) Am 10. d. M. verschied im 79. Lebensjahre Herr Leon S i g a l l nach einer an Thaten und Erfolgen reichen Wirksamkeit. Mit dem Hinscheiden dieses Mannes hat unsere Cultusgemeinde, deren Präsident er seit vierzig Jahren war, einen schweren Verlust erlitten. Er verwaltete dieses Ehrenamt mit seltener Pflichttreue; denn er war unablässig bemüht, zum Segen und Frommen seiner Gemeinde zu wirken. Durch seine hohen Eigenschaften des Geistes nnd Herzens erwarb er sich die Liebe und Sympathie aller derer, die mit ihm nur in Berührung kamen; er hat es verstanden, stets den Frieden der Parteien, die gewöhnlich in jeder anderen Gemeinde sich anfeinden, meisterhaft zu erhalten, sein Ableben wird daher eine große Lücke in unser Gemeindeleben reißen. Das Streben dieses Mannes war Fortschritt ans allen Gebieten des öffentlichen Lebens, er war auch ein treuer Anhänger der Fortschrittspartei, an deren Seite er in guten und bösen Tagen stets treu und mit Ausdauer gefochten, ein Freund, Beschützer und Gönner der jüdischen Volksschulen. Was den Wohlthätigkeitssinn des edlen Verblichenen betrifft, will ich nicht viel anführen, denn eine weit bessere Sprache führen darüber die Armen selbst, aus deren Gesichtern es deutlich zu lesen war, wie schmerzerfüllt sie wegen des jähen Heimganges ihres großen Wohlthäters sind. Sein Leichenbegängniß, das am 12. d. M stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der Bevölkerung. Der gesammte Gemeinderath mit dem Bürgermeister, Gerichts- und politische Behörden, der Cultnsvorstand, alle Aerzte und Advocaten, die Lehrer mit der Schuljugend, zahlreiche Vereine, deren Mitglied der Verstorbene war, und viele Hunderte gaben ihm das Geleite. In den Straßen, welche der Trauerzug passirte, brannten die Laternen in schwarzem Flor gehüllt. Bei der Synagoge hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Chajes einen wohlverdienten Hesped. Am Friedhofe verlieh dem Schmerze und der Trauer derGemeiude über dasHinscheiden eines solchen verdienstvollen Vorstandsmitgliedes Herr Dr. L. Herzl in ergreifender Rede Ausdruck. Dann nahm der durch seine hohe, vielseitige Bildung und sein Rednertalent ausgezeichnete Herr Lazar Bloch das Wort, der in rührender und herzbewegender Weise die Verdienste des verklärten Collegen und langjährigen Freundes gewürdigt hatte. Podwoloezyska, 13. Februar. Unser jüngst bestätigter neuer Gemeinderath hat nnseren Stammesgenossen, dem Herrn Med. Dr. S. Dawid, in Anerkennung seiner besonderen Intelligenz, Energie und Ehrenhaftigkeit zum Bürgermeister einstimmig gewählt. Und in der That erfreut sich Herr Dr. Dawid nicht mit Unrecht großer Sy npathien. Die Stadt setzt auf den neuen Bürgermeister große Hoffnungen, die gewiß nicht enttäuscht werden. . . . . v. Ung.-Brod. Am 12. d. M. hielt Herr Berthold Singer, 8tuck im-., Sohn des Herrn Bezirksschulrathes Leopold Singer, im hiesigen Literaturvereine „Choreb" einen Vortrag über „Den Bar-Kochbaischen Aufstand und seine Vorgeschichte", der allgemeinen Beifall fand, weshalb Herr Rabbiner Dr. M. Jung dem Vortragenden den Dank votirte. Am 5. d. M. hielt Herr I. Jo kl, stuck, jun., über die „Ethik des Judenthums" einen äußerst gediegenen Vortrag, der gleichfalls großen Beifall gefunden hat. Kopreinitz. (Todesfall.) Am 6. d. M. starb in Ludbreg verr Bezirksrabbiner Benjamin Wolf. Die Theilnahme an dem Trauerfall gab sich in allen Kreisen der Bevölkerung, ohne Unterschied der Confession, in lebhafter Weise kund. Der Trauerfeier im Tempel wohnten die Vorstände aller Aemter, die Feuerwehr und ein zahlreiches Publicum aus allen Schichten der Bevölkerung bei. Herr Bczirksrabbiner Dr. E r n st aus Warasdin hielt die Trauerrede. Hierauf wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und unter imposanter Begleitung nach Kopreinitz überführt. Um 2 Uhr Nachmittag kam der Leichenzug auf dem Kopreinitzer israelitischen Friedhofe an, wohin ein zahlreiches distinguirtes Publicum strömte, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Sarg wurde in die Eeremonienhalle getragen. An der Kopfseite nahmen die Mitglieder der trauernden Familie Aufstellung und nun ergriff Herr Bezirksrabbiner Hessel das Wort zu einem tiefempfundenen, ergreifenden Nachrufe, der alle Anwesenden tief erschütterte. Gebet und Segen in kroatischer Sprache schloß die Trauerfeier, worauf die sterbliche Hülle des verewigten, allgemein beliebten Bezirksrabbiners in die Gruft gesenkt wurde, in welcher bereits seine ihm in Tode vorangegangene Gattin ruht. Mögen die trauernden Söhne Genugthuung und Erhebung finden in dem Bewußtsein, daß ihr theurer Vater allgemeine Anerkennung und Würdigung gefunden und mögen sie sein Andenken dadurch ehren und heilig halten, daß sie seinen frommen Glauben zum Leitstern ihres eigenen Lebens machen. Monte-Carlo. Am 9. d. M. waren wir zum Blumen- Corso in Nizza eingeladen. An allen Ecken sah man Affichen: bas Iss 7uiks!" Thatsächlich hatten sich die hier zahlreich anwesenden reichen Juden vom Corso ferngehalten. Die sonst so herrliche Blumenstadt ist von des Antisemitismus Blässe angekränkelt; die Bevölkerung sieht bereits ein, welcher Schaden ihr dadurch erwächst. Die großen englischen und amerikanischen Zeitungen haben auf allerhand Uebelstände, die sich in Nizza geltend machen, hingewiesen. In Folge dessen ist weder von England noch Amerika der gewünschte Zuzug; die großen Hotels stehen größtentheils halb leer. Jetzt sind auch die reichen Juden, angewidert durch die antisemitische Hetze, im Begriffe, Nizza zu meiden. Offenbar ein großer Schaden für die auf Fremdenverkehr Angewiesenen. Amsterdam. Der größte Maler, den Holland gegenwärtig besitzt, Josef Israels, feiert in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag. Der berühmte Künstler, der oft bewiesen hat, daß er sich seines Judenthums nicht schämt, ist gegenwärtig mit einem Gemälde „David vor Saul" beschäftigt, dem man das hohe Alter seines Schöpfers nicht anmerkt.' In seinen besten Tage hätte Israel nicht schöner malen können. Brüssel. Der König von Belgien hat Herrn Spielmann, der die Kunstausstellung bei der großen Brüsseler internationalen Ausstellung organisirt hatte, den Leopolds-Orden verliehen, als Zeichen seiner Anerkennung für die vorzüglichen Leistungen, durch die jener sich bei dieser Gelegenheit ausgezeichnet hat. Petersburg. Die Baronin Hirsch hat den russischen Juden schon wieder ein neues Geschenk gemacht. In dem Dorfe Dulrovno, sowie in dem Städtchen Oricha arbeiten viele Hunderte Juden in der Tallesweberei. Da sie aber kein Capital haben, müssen sie theuer einkaufen und billig an Zwischenhändler verkaufen. Jetzt werden aber unter Aufsicht des Herrn Lazar Poljakoff in beiden Plätzen Factoreien eingerichtet, zu denen die Baronin Hirsch die Fonds gegeben hat. In denselben finden die Weber die Materialen, die ihnen zum Selbstkostenpreis abgegeben werden, und können dieselben die fertigen Maaren verkaufen, für die sie bedeutend höhere Preise, als im Zwischenhandel erhalten. — Schlechte Nachrichten kommen aus der Ackerbaucolonie Malachoni im Gouvernement Samara. Die Mißernte hat dort die jüdischen Bauern in die äußerste Noth gebracht, so daß für sie gesammelt werden mußte. 650 Rubel wurden in Petersburg aufgebracht, 700 in Bakau, 290 in Odessa und 225 Rubel hat der Boschod gesandt. Doch reichen diese Summen noch nicht zu durchgreifender Hilfeleistung aus. London. Die kürzlich verstorbene Baronin Stern, die bekanntlich für ein jüdisches Genesungsheim die große Summe von 1,200.000 Mark hinterlassen hat, vermachte außerdem noch 1 Million Mark für jüdische Wohlthätigkeitsanstalten, über deren Verkeilung die Testamentscuratoren selbst bestimmen können. Die Universität Cambridge befindet sich in finanziellen Nöthen und man veranstaltet eine Sammlung, um derselben aufzuhelfen. Der größte Beitrag, 200.000 Mark, ist von der Firma Rothschild gekommen, aber auch sonst haben die Juden sich an dieser Sammlung eifrig betheiligt. Poona-Jndien. Mit 1. Jänner trat ein verdienter alter Officier Khan Bahadur Jussuf David, einer der Bnei Israelite, in den Ruhestand. Bei dieser Gelegenheit bereitete ihm das 2. Bombay-Grenadierregiment eine große Ovation durch ein ihm zu Ehren gegebenes Festessen, bei dem Generalmajor Burnett, der commandirende General des Districts Poona, dem verdienten Officiere einen Ehrenbecher überreichte. Die ganze Feier gereicht unseren indischen Glaubensgenossen zur hohen Ehre.