Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 138 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 7 unsere Lehre, unser Volk und unser Land erfüllt, gegen das fluchwürdige Treiben der Missionäre, welche ihre Netze in unserer Stadt ausgebreitet, um die Armen, Verlassenen darin zu verstricken und die, als Wolf in Schafskleidern, in den Mantel der Barmherzigkeit sich hüllen, um Seelenfang an den Armen und Elenden zu treiben, als wirksamstes und erfolgreichstes Gegenmittel die Gründung von Krankenhäusern und Anstellung von tüchtigen Aerzten für die zahlreichen armen Kranken unserer Stadt bewerkstelligten. In Ausführung dieses gottgefälligen Strebens haben sie eine Apotheke vorzüglich eingerichtet und tüchtige jüdische Aerzte angestellt, die täglich zwei Stunden ordiniren, wie auch die Medicamente an die Armen ganz unentgeltlich, au die Bemittelteren um sehr billigen Preis verabreicht werden. Da der Verein aber noch nicht die genügenden Mittel besitzt, um ein Hospital errichten zu können, so besuchen die Aerzte die Kranken laut Anweisung der Vorsteher in den Wohnungen der letzteren, woselbst sie auch bis zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit angemessen gepflegt werden. Nun sind es schon zwei Jahre, seitdem dieser Verein gegründet und von den Vorstehern, die aus der Elite der Gemeinde bestehen, welche ihre Zeit und Mühe im Dienste der heiligen Sache treu und redlich weihen, geleitet wird, und haben dieselben recht erfreuliche Erfolge zur Ehre unseres Volkes und unserer Religion und zur Unschädlichmachung des verderblichen Treibens der Missionäre zu verzeichnen; durch sie wurde der Name Gottes verherrlicht und die Ehre unserer Nation gerettet. Wohl läßt sich nicht mit Worten schildern die Mühe der Leiter dieses Vereines, denen es, bei den geringen Mitteln, über welche sie verfügen, dennoch mit Gottes Hilfe gelungen, Großes zu vollführen, Tausenden unserer Brüder nicht nur physisch das Leben zu erhalten, sondern auch deren Seelen vor den aus gebreiteten Netzen der Missionäre zu bewahren. Wer kann sie auszählen, die Menge der Hindernisse, die sie auf ihrem heiligen Wege gefunden! Neid, Haß und Verleumdung all' Derjenigen, die jede Gutthat in Israel anzuschwärzen lieben, verbanden sich, um dieses Rettungswerk zu untergraben, aber heldenmüthig widerstanden die Leiter des Vereines allen Anfeindungen und haben neuerdings zwei tüchtige Aerzte angestellt, einen Glaubensgenossen, der früher in den Colonien des bekannten Wohlthäters rühmlich gewirkt, und einen Regierungsarzt, der ein bekannter Judenfreund. Tag und Nacht sind die Pforten der Heilung geöffnet, die Sonne der Wohlthätigkeit leuchtet den Armen und Kranken, die voll des Lobes sind und Tausend Dank aussprechen diesem Vereine und dessen Leitern und Schützern, insbesondere aber den edlen, frommen Philanthropen in London, deren warmfühlendes Herz der Ewige, der in Zion thront, mit dem reichsten Himmelssegen beglücken möge. Und hiemit kommen wir im Namen der Tausende Armen und Kranken unserer heiligen Gemeinde Aschkenazim und Sefardim unsere edlen Brüder im Auslande, namentlich die Großen und Vornehmen in Israel zu bitten, daß sie zur Ehre des Gottes Israels, zur Ehre unseres Volkes, unserer Thora und unseres heiligen Landes sich erbarmen mögen über ihre armen und elenden Brüder, und mit freigebiger Hand die Säulen dieses heiligen Vereines „Maskil el Dal" kräftigst unterstützen mögen, auf daß sie gesegnet werden in aller Ewigkeit. Amen! Die in aller Ehrerbietung zeichnenden Vorsteher und Leiter der heiligen Gemeinde: Binjamin Sew Segal, Alter Krämer, Abraham David Wilner, Baruch David Kohn, Jechiel Schächter, Niffan Zwi, Jsak Herßkovitz, Paltiel Leib Segal, Josef d. Esroim aus Jassy, Alter Wechsler, Samuel Rosenstrauch. Ich bestätige hiemit, daß obige Unterschriften eigenhändig von den geehrten Vorstehern der Aschkenazimgemeinde gefertigt wurden und auch die Siegel der Kolelim Oesterreichs, Bukowina, Marmaros-Ungarn, Beßarabien, Rumänien, Rußland, Wolhynien und Sitomir von demselben beigedruckt wurden und kann ich auch meinerseits die vollste Wahrheit des von ihnen Gesagten bekräftigen und bezeugen, daß die Leiter des heiligen Vereines „Maskil el Dal" volles Vertrauen verdienen, es daher eine hochheilige Pflicht ist, dieselben in ihrem edlen Streben kräftigst zu unterstützen. Mögen die Förderer dieses heiligen Vereines den reichsten Lohn finden. Safed, am 25. Thebeth 5659. Abraham Heschil Rubin, Rabbiner der österr.-ungar. Gemeinde. Vermilchtes. Wien. Freitag, den 24. d. M. findet im „Hotel de France", Abends 8 Uhr, ein Vortrag im Vereine zur Abwehr des Antisemitismus statt, in welchem Herr Dr. B. Münz über den Universalismns des Judenthums mit Berücksichtigung des Talmud sprechen wird. E. B. Wien. (Todesfall.) Anfangs dieser Woche wurde unter zahlreicher Betheiligung Herr Moriz G e l b a r t zu Grabe getragen. Der Verblichene, welcher ein Alter von 51 Jahren erreichte, war nahezu vierzig Jahre Beamter der renommirten Firma D. Schwarzmann u. Co. in Wien, lange Zeit hindurch in leitender Stellung und genoß das unbeschränkte Vertrauen seines Chefs, des bekannten Menschenfreundes und Wohlthäters Herrn David Schwarzm a n n, welches er sich durch unermüdlichen Fleiß, Pflichteifer und Treue erworben hatte. An der Bahre des allzu früh Dahingeschiedenen trauern eine gramgebeugte Witwe und drei unversorgte Kinder, welchen er ein zärtlicher Gatte und aufopfernder Vater gewesen. Ehre seinem Angedenken, die Erde sei ihm leicht. Wien. (Verlobung.) Herr Heinrich Klein, Director der Parguettenfabrik in Krakau, Sohn des Herrn Moriz Klein aus Wien, hat sich mit Frl. Rosa Freund aus Königshütte verlobt. * Wien. (Anto n A s ch e r's B r u d e r.) Der kürzlich in Leipzig verstorbene Ferdinand Ascher, Bruder des ehemaligen Wiener Theaterdirectors Anton Ascher, hat sein ganzes Vermögen, 300,000 Francs, der dortigen jüdischen Cultusgemeinde hinterlassen. Wien. (R i ch t i g st e l l u n g.) Herr Balletmeister Julius Singer ersucht uns, zur Richtigstellung ver Notiz über den Ferienball zu constatiren, daß er nicht Mitglied der Hofoper ist. Wien. Der Verein „S t e f a n i e b u n d", Wohlthätigkeitsverein zur Bekleidung armer Schulkinder i m II Bezirk, veranstaltet Samstag, den 25. d. M. in M. Guth's Restauration, II., Stefaniestraße Nr. 6 ein P u r i m f e st, dessen Reinertrag dem Bereinsfond zufließt. Beginn 8 Uhr Abends. Entrße im Vorverkauf 50 Kreuzer. Karten sind in M. Guth's Restauration erhältlich. Wien. Das Co mite der Gesellschafts- Abende zu Gunsten des Mariahilfer Fraueu- Wohlthätigkeitsvereines erlaubt sich anzuzeigen, daß der II. Gesellige Abend Dienstag, den 21. Februar 1899 als Costume-Kcänzchen unter dem Titel: „Im Reiche der Märchenwe l t" in den Festsälen des „Hotel Continental" stattfinden wird. Cäcilie Eisen berge r, Präsidentin, VII., Schottenfeldgasse 7. Wien. (Reminiscenz an S a l o m o n S u l z e r.) Der 19. Februar verdient es, in der Geschichte der Wiener Judenschaft besonders erwähnt zu werden, denn an diesem .Datum werden es 25 Jahre, seitdem dem seither verstorbenen Altmeister des Choralgesanges, dem langjährigen Obercantor der hiesigen Cultusgemeinde Professor Salomon S u l z e r s. A., das taxfreie Bürgerrecht der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien zuerkannt wurde. Das Diplom, das in einem schwarzen Lederetui enthalten ist, zeigt die Unterschriften: Bürgermeister Dr. Cajetan Felder, Dr. Wilhelm v. M a u t h n e r, Gemeinderath und Schriftführer Leopold S a f f r a t h, Gemeinderath und Obmann der II. Section, fürwahr Namen, die unserer Stadt zur Ehre gereichten. Dieses Diplom, sowie mehrere auf S u l z e r bezughabende Gegenstände, wie die letzte Ornatskappe, das Gebetbuch, aus welchem der Altmeister die Gläubigen zu fesseln wußte und das er bis zu seiner letzten gottesdienstlichen Function am 2. April 1891 benützte, der Schreibtisch, auf welchem er den „Schir Zion" schuf rc., sind im jüdischen Museum I., Rathhausstraße 13, exponirt, das jeden Samstag von 11—1 Uhr Mittags zur öffentlichen Besichtigung steht. E. I. Wien. (Gesellschaft für Sammlungen und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums.) Diese Gesellschaft veranstaltet Donnerstag, den 2. März d. I., halb 8 Uhr Abends, im kleinen Musik-