Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Vochrnschrifi Sette 137 Unternehmens beitragen können. Wahrlich, es wäre ein edles Werk, dem Bedürfnisse der Zeit entsprechend, wenn den Leiterinnen der Jugend ein Bau entstände, wo sie in Ruhe und Frieden ihren Lebensabend verbringen könnten. Zu diesem schönen Unternehmen erbitte ich von Herzen die Hilfe aller mildthätigen Menschenfreunde und Anhänger des Judenthums. P a u l i n e M ü n ch h a u s e n, Berlin, Großbeerenstraße 94, II. London. Der Vorstand der United Sinagogues hat in seiner Versammlung von Dienstag, den 7. Februar ein sehr wichtiges Stück zu Ende geführt. Der Plan für die Besserung der Zustände in Ostende in East End Schemi ist nach so vielen Hin- und Herberathungen, nach endlosen Debatten schließlich mit kleinen Abänderungen in der Form angenommen worden, in der er durch die vorberathende Commission dem Vorstand unterbreitet worden ist. Sein Kernpunkt ist die Errichtung von großen Baulichkeiten, in denen eine große Synagoge enthalten sein soll, die aber außerdem für viele Vereine, Unterrichtsanstalten rc. Platz bieten muß. Ferner wird die Anstellung von Dolmetschern empfohlen, die von einem Special-Comitö eine Autorisation erhalten sollen, dann die Errichtung eines Schiedsgerichtes auf Religiöser Grundlage, ferner sollen die Errichtung von Sparvereinen, Versicherungsvereinen, Clubs für Knaben, Mädchen und Erwachsene rc. ermuntert werden. Mit besonderem Nachdruck wird man bemüht sein, die technische Erziehung zu fördern, und zwar durch Errichtung von Classen für den Handfertigkeitsunterricht in den jüdischen Schulen, sowie durch Bezahlung des Schulgeldes für jüdische Schüler in den bestehenden derartigen Anstalten und durch Propaganda bei den Eltern. Außerdem werden Besuchs-Comites eingerichtet, die die Armen in ihren Wohnungen aufsuchen sollen, Krippen eröffnet, Auskunftsbureaus für die Aus- und Einwanderung und die Geldwechselei geschaffen werden und schließlich soll die allgemeine Bildung in Ostend durch geeignete Vorträge und Unterrichtsanstalten besonders für Englisch gehoben werden. So weitaussehend dieser Plan ist und so große Kosten er auch erfordern wird, so dürften die United Synagogues mit Muth an diese Arbeit Herangehen, denn ihre Finanzen sind in glänzender Verfassung und an freiwilligen Hilfskräften wird es nicht fehlen. Die Einnahmen belaufen sich im Berichtsjahre auf circa 640.000 Mark, die Ausgaben auf circa 540.000 Mark, so daß ein Ueberschuß von rund 100.000 Mark dem Fonds zugeführt wurde. Dabei haben die United Synagogues noch circa 60.000 Mark für Unterstützungen und 13.000 Mark für Religionsunterricht ausgegeben. Es mögen noch einige statistische Daten folgen. Hochzeiten wurden in diesen Synagogen geschlossen 904 gegen 878 im Vorjahre ferner in den Synagogen der Esderations Synagogues 135 gegen 74 im Vorjahre. Todesfälle vom Juden gelangten 1853 zur Anzeige gegen 1729 im Vorjahre. New-Uork, 29. Jänner 1899. (Das Har Sinai Hospital.) Die Juden New-Uorks erhalten 4 große Spitäler. Das Beth Israel Hospital befindet sich in Klein-Jerusalem, das ist jener Stadttheil, in dem das Gros der russischen Juden wohnt. Das Lebanon Hospital befindet sich weit davon entfernt in Morrisiarma, eine Schöpfung des Philanthropen Herr Jonas Weil, der ein ehemaliges Ursulinerkloster ankaufte, in dessen weiten Räumen jetzt an etwa 100 Patienten der Genesung entgegensehen. Das Montesiore - Heim sollte eigentlich kein Hospital, nur ein Asyl für unheilbare Kranke sein, aber die.Heilerfolge,^ bte_ dieses Institut zu verzeichnen hat, rücken es in die Reihe der Heilanstalten. Dieses Institut nimmt ein Quadratgevierte ein, 130.-131. Str. North-Rivcr, und gewährt etwa 300 Unglücklichen Erleichterung quälender Leiden. Der Präsident ist seit Gründung der edle Herr Jakob schiff, der unseren jungen Männern für ihre Bereinigung ein eigenes Haus letzthin erst schenkte. Aber unser Stolz ist das Mount Sinai Hospital, u n s e r H 0 s p i t a l, wie wir Juden es in New-Uork nennen. Der Präsident der Gesellschaft ist Herr Jsaac Wellach. Er und sein Stab, Männer klaren Kopfes und warmen Herzens, beriefen auf den letzten Sonntag, den 30. Jänner eine Generalversammlung der beitragenden Mitglieder ein. Die Elite der New-Iorker Jehudim war anwesend. Aus dem Expose des Vorsitzenden seien die wichtigsten Facta entnommen: „Gesammtausgaben des verflossenen Jahres waren 124.388*63 Dollars. 1*33 Dollar per Kopf Verpflegungsauslage. Gesammteinnahnie 122.902*24 Dollars, einschließlich von 9135 Dollar von der Stadt und 5272.40 Dollar von der Hospital-Sonntag- und Samstag-Gesellschaft. (Es werden am Danksagungstage, das ist jeder letzte Donnerstag im November, Sammlungen in den Kirchen und Synagogen geinacht und das Erträgniß dieser Sammlungen nach Kopfzahl der in jeglichem Spitale verpflegten Patienten vertheilt.) Es meldeten sich 5517 Personen zur Aufnahme, 2516 davon wurden frei, 566 als zahlende Patienten aufgenommen, 934 wurden znrückgelasseu, stellten sich aber nicht wieder ein, 233 wurden wegen Raummangel und 616 ans Berichte der Aerzte abgewiesen. Bon den 3o82 im Spital behandelten Kranken wurden I960 als geheilt, 632 als gebessert, 182 als nicht geheilt entlassen, 3 nach anderen Anstalten transferirt und 325 starben. Bon den letzteren 68 innerhalb 48 Stiliiden nach ihrer Ausnahme. Außerdem wurden noch 400 Personen behandelt, die bei Unfällen verletzt wurden. In der mit dem Mount Sinai Hospital verbundenen Dispensary fanden 92.720 Consnltationen statt. Er wurden 82.372 Recepte verschrieben. In der Dispensary werden Nebel behandelt, die keine Hospitalfälle sind. Es wurden 44 aus Cuba zurückgekehrte, kranke Soldaten im Hospital aufgenommen und behandelt. Sie litten sämmtlich an typhösem Fieber, 43 wurden geheit entlassen und 1 starb. 21 der aufgenommenen Soldaten waren Juden. Der Bau eines neuen, größeren, mit allen Verbesserungen der Neuzeit ausgestatteten Gebäudes wurde schon letztes Jahr beschlossen. Zn diesem Zwecke kauften die Herren Directoren einen Block, das ist ein Vaugrund, der ain berühmten Centralpark 5. Ave, 100. und 101. Straße und Madison Avenue liegt. Herr Isidor Strauß, Excongreßman und Bruder unseres Gelandteil in Constantinopel, stellte den Antrag, daß dem Präsidenten und den Directoren volle Anerkennnng und Dank ausgesprochen werde, für all' diese großen Leistungen im versoffenen Jahre. Er bemerkte, daß die Bemühungen der Herzen schon ein gutes Resultat zeigen. 40 Perwnen zeichneten 650.000 Dollars für das neu projectirte Hospital, und wenn man bei den noch 50.000 Familien vorspreche, werden ganz gewiß die nöthige Million ohne Schwierigkeiten znsammengebracht werden, damit das neue Hospital ohne Schulden und Hypotheken eröffnet werden könne. Gott segnee diese edlen Herzen, die nicht nur ihre Mittel, sondern auch ihre Talent zum Wohle der leidenden Glaubensbrüder verwerthen. Denver (Collorado), 31. Jänner 1899. Die Israeliten dieser Stadt erfreuten sich einer selbst verdienten Festwoche, denn sie weihten ihr neues Gotteshaus ein, das sie anstatt des am 5. November 1897 vollständig niedergebrannten nun in neuer Glorie wieder betraten und Gott das schöne Gelingen dankten. Tie Gemeinde Beth El darf sich rühmen, das größte und schönste Bethans zwischen Chicago und San Francisco zu besitzen. Es ist im maurischen Stil aufgeführt, mit allen modernen Verbesserungen versehen und bietet etwa 1000 Andächtigen bequeme Sitze. Tie Congregation Beth El zählt 180 Mitglieder, welche hohes Lob verdienen, dieses Werk, welches mehr als 50.000 Dollar kostete, in zwei Jahren zu Stande gebracht zu haben. Darum war ihre Festesfreude eine volle und selbstverdiente. Die Feierlichkeiten begannen Freitag, am 28. Jänner, Samstag Festgottesdienst, Sonntag Morgens Festgottesdienst der Schuljugend, Montag Abends Festgottesdienst der reiferen Jugend und heute Abend Bankett und Ball. Die vielen Nummern der Programme jeglichen Tages wurden in jeder Weise gelungen ausgeführt und die Complimente des Bürgermeisters waren keine Schmeicheleien, sondern völlig der Gelegenheit würdig. Der Rabbiner der Gemeinde ist W. S. Friedman, ein Schüler des Hebräer Union College in Cincinnati. Unter seiner Amtsführung (97* Jahre) hat sich die Mitgliederzahl verdreifacht. Jerusalem. Biel zu wenig ist in Europa bekannt von den Anstrengungen, welche seitens der Russen wie der Katholiken und Protestanten gemacht werden, um sich auch landwirthschaftlich in Palästina auszubreiten. Ein Hinweis auf diese Unternehmungen würde um so interessanter sein, als sich aus einer Vergleichung der Opfer, welche von diesen Seiten für ihre Colonien gebracht werden, mit leichter Mühe nachrechnen ließe, daß die jüdischen Colonien keineswegs unverhältnißmäßig viel kosten. Da ist z. B. Bir Salem bei Ramleh, die Cvlonie des Schneller'schen Waisenhauses in Jerusalem. Das Terrain wurde von der Anstalt 1891 in 40jährige Pacht übernommen für minimalen Pachtpreis von der Regierung. Obwohl das Terrain nicht gezahlt zu werden brauchte, mußten sofort Mk. 19.41U70 hineingesteckt werden für Brunnenbauten, Anschaffungen und die Errichtung von 9 Holzhäusern. 2 deutsche Oekonomen wurden dorthin gesetzt und ihnen 6 Schüler des Waisenhauses beigegeben. 1892 betrug der Zuschuß Mk. 10.591°96, dann 1893: Mk. 9409.43, 1894 schon wieder Mk. 11.106'49, obwohl in diesem Jahre die Zöglinge zurückberufen wurden und durch die billigen uralischen Arbeitskräfte ersetzt werden konnten. Safed (Palästina). Allbekannt ist der Ruhm des heiligen Vereines „Maskil el Dal", der von den vornehmsten und ehrwürdigsten Männern der hiesigen Aschkenazim und Sefardimgcmeinden begründet wurde, die, von heiligem Eifer für