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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-17 · 7 (17.2.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
7 (17.2.1899)
Date
1899-02-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 186 Vr. Vloch'r Wochenschrift! Nr. 7 getragen wurde, war er einer der Hauptvortragenden und gern Gehörten. Obwohl die ganze Woche mit dem Erwerb seines täglichen Brotes beschäftigt und geplagt, versammelte er an Samstagen nach dem Gottesdienst die jüdische männliche Jugend und unterrichtete sie in der Thora, ohne je ein Entgelt zu beanspruchen oder zu erhalten. Er bekleidete in Neustraschitz viele Jahre das Amt der israelitischen Matrikenführung, ließ sich aber nie für Ausfolgung eines Auszuges, eines Zeugnisses oder einer Eintragung zahlen, vielmehr bestritt er, obwohl selbst nicht glänzend situirt, aus eigener Tasche Papier und nicht selten auch Stempelgebühr. Nur Derjenige, der, wie der Gefertigte, mit dem Verewigten mehrere Jahre verkehrte, weiß seine hohen Tugenden, seine Gelehrsamkeit und besonders seine Friedensliebe zu würdigen. Vor 5 Jahren übersiedelte er, weil die früher orthodoxfromme jüdische Gemeinde Neustraschitz sich der fortschrittlichen Richtung zuneigte. Aber selbst in dieser kurzen Zeit seines Aufenthaltes in Prag erkannte man den Werth dieses seltenen Mannes; das bezeugte die starke und auserwählte Betheiligung an seinem Leichenbegängniß, das Freitag, den 3. d. M. stattsand. Zu demselben erschienen fast sämmtliche Rabbiner, Prediger und Talmud-Gelehrte Prags, Schriftsteller Herr S. Kohn, der größte Theil der Gemeindemitglicder aus Neustraschitz und viele seiner Freunde und Verehrer, die ihn Alle bis zum Grabe geleiteten. An der Bahre hielt Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld eine Leichenrede, in welcher er sein vorzügliches Rednertalent entfaltete und wie sie in Prag noch selten gehört wurde, und am offenen Grabe wollte auch Herr Dr. Fischer, Prediger im neuen Tempel, dem in Gott Entschlummerten einen Nachruf halten, doch war es Freitag und die Mittagsstunde längst vorüber, somit ein Hespod unterbleiben mußte. — So fromm und bescheiden sein Leben war, so war auch sein Verscheiden. Ohne jeglichen Schmerz und Kamps schlief er in den Armen seiner treuen Töchter ein, beweint und betrauert von Allen, die ihn kannten, denen er gewiß stets in gutem Angedenken bleiben wird. Utitz. Agram. Oft wurde in diesen Blättern nicht mit Unrecht behauptet, daß das croatische Volk seiner Mehrheit nach antisemitischen Gelüsten ganz abgeneigt ist. In der That sind die antisemitischen Klagetöne des clerical-antisemitischen „Obzor", der in Agram erscheint, nicht die Stimmung des croatischen Volkes. Ja, selbst ein Theil der Opposition des croatischen Landtages, welcher in Bezug aufFreisiyn den Traditionen des großen Volksmannes Ante S t arceü ic treu geblieben ist und sich mit großer Geschicklichkeit von der clerical-antisemitischen Campagne des rechten Flügels im croatischen Landtage loszusagen verstanden hatte, tritt nun mit großer Energie gegen die antisemitische Strömung auf, welche sich eines geringen Theiles der coalirten Rechtspartei ganz bemächtigt hat. Ein gewisser T u^ k a n, Landtagsabgeordneter des einzigen in Croatien existirenden antisemitischen Wahlbezirkes Sissek, beneidet nämlich den Wiener Meister Stampiglius um die Lorbeeren, die er sich um die antisemitische Sache erworben hat, und sucht daher den Schneider auch im Agramer Landtagssaal heimisch zu machen. Nun ist aber Agram gottlob noch nicht Wien. Weder haben die ausgezeichneten Männer, welche an der Spitze der Regierung stehen, noch das Volk in seiner Mehrheit für antisemitische Gemeinheiten und Roheiten irgend welchen Sinn. Als daher Tuskan im Landtage von einem kleinen antisemitischen Wuthanfall schwer heimgesucht ward, da wurde er beim Verlassen des Landtages mit faulen Eiern begrüßt, wobei bemerkt werden muß, daß kein einziger der Demostranten Jude war. Vorige Woche fand in unserem Landtage eine Verificationsdebatte über die Wahl eines Abgeordneten aus P i s a r n a statt, bei welcher Gelegenheit Dr. Frank das Wort ergriff. Mehrere Male unterbrach ihn Tuskan, was der Präsident Dr. S p e v e c, von dem in diesen Blättern bereits die Rede war, rügte. Hierauf Tuskan: Aber wenn er (Frank) lügt? Dr. Frank: Mich haben Sie noch bei keiner Unwahrheit erwischt, während Sie wegen Meineid eingesperrt waren. Abgeordneter Tuskan stellt es in Abrede, daß er wegen einer Lüge seinerzeit verurtheilt wurde, und sagte unter Anderem: Das kann nur so ein Jude thun, der von Polen hergelaufen ist! So ein frecher Saujud', so ein polnischer Judenkerl! Dr. Frank meint dann, daß Tuskan kein Crvate, sondern ein Narr sei. In Oesterreich wird der Präsident all' die Roheiten gewiß nicht hören, er wird während diesen interessanten Augenblicken ein wenig schwerhörig sein, um den Ordnungsruf, den ob der geschehenen Beleidigung einer Confession zu ertheilen, es ihm schwer fällt, zu überhören. Ganz anders jedoch verfährt der loyale Präsident des Agramer Landtages. Dr. Franz S p e v e c, der auch als Rechtsgelehrter weit berühmt ist, er ertheilt Tuskan wegen seinem antisemitischen Ausfälle, „wegen Verletzung des Anstandes un^ Beleidigung e i n e r C o n f e s s i o n" eine Rüge, welche unter lauter Beifallskundgebung der Nationalpartei in das stenographische Protokoll eingetragen wurde. Dieser Vorfall erinnert den Schreiber dieser Zeilen an einen anderen Zwischenfall im croatischen Landtage, der für die geschätzten Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift" gewiß nicht ohne Interesse sein dürfte. Anläßlich der Budgetdebatte, welche vor einigen Wochen im croatischen Landtage stattgefunden hat, wies ein oppositioneller Abgeordneter auf eine eigenartige Darstellung der Finanzlage in unserem Lande, die in einem Essegger Revolverblatt zum Ausdrucke kam. Bei dieser Gelegenheit nannte der betreffende Landtagsabgeordnete den Redacteur des bezeichneten Revolver- und Winkelblättchens einen „Hausjuden des Bonus". Der Präsident fand sich hier nicht veranlaßt, dem in Rede stehenden Abgeordneten den Ordnungsruf zu ertheilen. Wenn wir nun nach der Ursache dieser Erscheinung fragen, so finden wir sie in der Thatsache gegeben, daß die Handlungen und die Regierungsthätigkeit Sr. Excellenz des Banus so lauterer Natur sind, daß. er sich keines Hausjuden bedient, wenn auch der Redacteur alle häßlichen Eigenschaften zum Hausjuden besitzt — diese aber nur für-Rohling und Deckert. A r g u s. Berlin, 5. Februar. In der Budget-Commission des Reichstags sprach bei der Berathung des Capitels Militärgei st lichkeit Herr Abgeordneter Dr. L i n g e n s (Centrum) den Wunsch aus, daß d e n j ü d i s ch e n S o ldaten die Betheiligung an ihrem Gottesdien st mehr als bisher gestattet werde und ihre Vereidigung in der Synagoge erfolge. Kriegsminister von G o ß l e r erklärte, daß den jüdischen Soldaten in Bezug auf ihren Gottesdienst Alles gewährt würde, was ohne Schädigung des Dienstes möglich sei. Manchmal würden jedoch zu weit gehende Forderungen bezüglich der Berücksichtigung, ihrer Feste gestellt. Dr. L i n g e n s wollte einen besonderen Antrag stellen, die Militärverwaltung 511 ersuchen, künftig auch auf die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Soldaten Rücksicht zu nehmen. Dr. Lieber hielt nach der Erklärung des Ministers einen solchen Antrag für überflüssig und bat Doctor L i n g e n s, den Antrag für jetzt zu unterlassen. Dr. L i n g e n s zog darauf seinen Antrag zurück. Errichtung eines Feierabendhauses für israelitische Lehrerinnen und Erzieherinnen. In der festen Ueberzeugung, daß dieses Blatt, welches unsere gemeinsamen Interessen wahrnimmt, seine Spalten zu einem Gedankenaustausch betreffs einer guten Sache widmen wird, erlaube ich mir, mich mit einigen Zeilen an die Oeffentlichkeit zu wagen. Mit wahrem Interesse die Bestrebungen der Frauenwelt, besonders auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung verfolgend, hatte ich auch nach allen Richtungen Auskunft über die bestehenden Anstalten eingezogen, welche den jüdischen Lehrerinnen in späteren Jahren ein Heim bieten. Die auf diesem Wege gemachte Erfahrung ließ mich zu meinem lebhaften Bedauern die Thatsache feststellen, daß bis heute noch kein Institut speciell für die Jüdin neu eingerichtetist. Die Mehrzahl der jüdischen Lehrerinnen wird wohl bei. aller Toleranz und gegenseitigem Wohlwollen ein warmes Heimatsgefühl nur auf dem Grund und Boden empfinden, der für sie in der Weise vorbereitet ist, daß das Bewußtsein der Gleichberechtigung in ihnen aufkeime, für gleiches Interesse und warme Hingabe an den Beruf auch dieselbe Anerkennung und Sorge für ein Heim zu finden, wie es den christlichen Lehrerinnen schon lange in einzelnen Gegenden erbaut worden ist. Ich glaube man wird auch die Leistungen der jüdischen Lehrerinnen vom gleichen Standpunkt beurtheilen und in Erwägung ziehen, daß ihnen im Beruf noch mehr Schwierigkeiten in den Weg treten, und den Jüdinnen bekanntlich weniger feste Stellen geboten werden. Nach Klarlegung der betreffenden Angelegenheit gestatte ich mir nun die herzliche Bitte an die Lehrerinnen und alle Menschenfreunde, welche das Wohl des Lehrerinnenstandes im Auge haben: Unterstützen Sie meine Anregung, indem Jeder in seinem Kreise wirkt, um einflußreiche, maßgebende Persönlichkeiten zu finden, welche mit Rath und That zur Verwirklichung unseres-

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