Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9it. 7 Vr. DLoch'» Wochenschrifl Äctlc 135 rathsMajorität, führte der Vortragende einleitend aus. Die Rechnungsabschlüsse und Voranschläge sprechen eine Sprache, die diesen Geist in markanter Weise hervortreten lassen. Aus diesen Z'fferncolonnen spricht die Gegenwart und die nächste Zukunft. Das erste Debüt der antisemitischen Aera im Rathhause begann mit einer Unwahrheit und einer Doppelzüngigkeit. Es handelte sich damals um den Rechnungsabschluß des Jahres 1895. Für dieses Jahr hatte bekanntlich noch eine Zeitlang die liberale Partei die Verwaltung geführt und den Bericht aufgestellt, während die restliche Zeit in die Verwaltung des Herrn von F r i e b e i s fällt. Das Ergebniß war überaus günstig. Da erstattete der gegenwärtige Finanzreserent einen zweifachen Rechnungsabschluß, einen für die Oeffentl i ch k e i t und einen für d e n G e m e i n d e r a t h. (Hört, hört!) Ein solch' geheimer, vielleicht der einzige, befindet sich in Händen des Vortragenden. Derselbe ist gedruckt in Penzing und im Verlag von Felir Hraba. (Entrüstung.) Dieser Vorgang steht einzig in der Verwaltung der Gemeinde da. Nach diesen einleitenden Worten erörterte Dr. Stern die Vorgänge aus der jüngsten Zeit. Die Präterirung der israelitischen städtis che n Beamten trotz vorzüglicher Qualification, trotz 15- bis 25jähr-.ger Dienstzeit und trotz der Fürsprache ihrer Chefs habe so recht die ganze Unmenschlichkeit dieser Gesellschaft bloßgelegt, welche sich in diesem Falle nur von confessionellen Motiven leiten ließ. Dr. Stern bespricht hierauf den Verlust des Präjudicialprocesses und erörtert sodann den neuen Tramwayveri r a g. Die Firma Siemens u. H a l s k e hat sich einen Vorgewinn von zweihundert Millionen bedungen, weiters einen Syndicatsgewinn von einer Million, ferner eine Provision mit 12 /, Percent von ungefähr dreißig Millionen, das Vorrecht beim Bezüge der Prioritäten, das Vorrecht, eventuell weitere Bauten auszuführen. Bei alledem ist heute die Bewerthung der Actien um 50 Percent des Nominalwerthes höher, als zu jener Zeit, wo Dr. Lueger mit der Bank, welche im Besitze der Actien war, in Unterhandlungen hätte treten können. Wie Dr. Lueger die heimische Arbeit schützt, ist bekannt. Mit Vorliebe hat er ausländische Firmen herbeigezogen. Betrachtet man die fruchtbringenden Anlagen, von welchen mit so großem Stolze der städtische Finanzreferent spricyt, und loelche einen Goldstrom hereinbringen sollen, so genügt nur der Hinweis auf die Brandschaden-Versicherungsn n st a l t, um zu urtheilen, wie dieser Goldstrom aussehen wird. Zu dieser Anstalt hat die Stadt Wien 93'/, Percent an Gründungskosten und das Risico beigetragen, sie bekommt aber nur 50 Percent des eventuellen Gewinnes und hat dabei die Verwaltung aus den Händen gegeben. Ein totales Fiasco hat die gegenwärtige Verwaltung mit ihren „Ersparungen" erlitten. Da sind nichts weiter als fictive Posten im Budget. Schulden mußten gemacht werden, nicht blos zu Investitionen, sondern zur Deckung jener Ausgaben, welche von der früheren Verwaltung aus den currenten Einnahmen gedeckt wurden. Der Bedarf im nächsten Jahre wird sich nach dem Referat des städtischen Finanzministers auf 153,241.000 fl. belaufen, einen Betrag, der sich durch Betheiligung der Commune an den Kirchenbauten und durch den Bau der Gaswerke auf 191 Millionen belaufen wird, welche im Wege eines aufzunehmenden Darlehens gedeckt werden sollen. Mit Schulden wird also gearbeitet werden in Zukunft, was gleichbedeutend ist mit einer Erhöhung d e s Zin s k r e u z e rs um 5V, K r e u z e r. „Es ist nothwendig," schloß der Redner unter stürmischem Beifall, „daß die Bevölkerung sich endlich aus der Lethargie aufraffe, denn Raubbau, Schulden und Steuer-Erhöhung sind die charakteristischen Merkmale der gegenwärtigen communalen Herrschaft." Prag. Ein rücksichtsloser Vorfall, der die antisemitische Brutalität wieder einmal so recht kennzeichnet, spielte sich am letzten Sonntag hier ab. Um halb 4 Uhr Nachmittags fand das Lüchenbegängniß des Kaufmannes Karl T u r n o w s k y, der durch viele Jahre als Vorstandsmitglied des Centralvereines der Agenten fungirte, unter Theilnahme des gesammten Vereinsvorstandes, zahlreicher Kaufleute und Industriellen statt. Plötzlich fahr ein Waggon der elektrischen Straßenbahn in die Schaar der Leidtragenden, die dem Leichenwagen folgten, in rücksichtslosester Weise hinein. Mehrere Trauergäste hatten bemerkt, daß der Wagenführer halten oder langsamer fahren wollte, daß ihm aber der Conducteur czechisch laut zurief:?ro zidovsky pohreb nezustaneme stät! (Wegen eines jüdischen Begräbnisses bleiben wir nicht stehen!) Diese Rücksichtslosigkeit rief unter den Trauergästen eine Aufregung hervor. Viele derselben waren wahrhaft entsetzt ob einer solchen Roheit; ein Glück kann es genannt werden, daß sich ein ernsterer Unfall hiebei nicht ereignet hat. Das rücksichtslose Vorgehen des Conducteurs wurde von den Trauergästen sowohl, wie von den Passanten in entsprechender Weise gerügt. Es wurde ein Wachmann geholt, der den Namen desselben sicherstellte. Mehrere Herren begaben sich nach dem Vorfälle auf das Commiffiriat und erstatteten dort die polizeiliche Anzeige. Das Vorkommniß hatte eine nach vielen Hunderten zählende Menschenansammlung zur Folge. Der officielle Polizeirapport meldet über den Vorfall Folgendes: Als gestern um 744 Uhr Nachmittags bei einem israelitischen Leichenbegängnisse der Conduct die Elisabethstraße passirte, fuhr ein unter Leitung des Cajetan B a r t a k von der Franz Josefsbrücke herankommender Motorwagen in die Trauergäste hinein, so daß diese eilends seitwärts springen mußten. Das Vorgehen des Wagenführers hatte Aergerniß erregt und es entstand zwischen den Trauergästen ein Wortwechsel. Die Strasamtshandlung wurde cingeleitet. Prag. Am 6. Februar hielt der Vorstand des Israelitischen Landes-Lehrervereines in Böhmen unter Vorsitz des Obmannes S. Springer eine Sitzung ab. Es wurde ein Beschluß gefaßt, nach welchem der Verein in der bereits weit über die Vorarbeiten gediehenen Angelegenheit betreffs der Regelung des israelitischen Religionsunterrichtes mit dem israelitischen Gemeindebund weitere Schritte zu unternehmen sich bereit erklärt, sobald ad hoc eine aus diesen Corporationen bestehende Enquete einberufen werden sollte. Die Ausstellung der aus diesen Gegenstand bezughabenden Postulate war Gegenstand eingehender Berathungen. Den Cassebericht erstattete M. Z i n n e r (Beraun). den Bericht über die durch den Verein herausgegebenen Kohnschen Lesemaschinen Rabbiner M. Freund (Bodenbach). Auch boten die Förderung des Vereinsorgans „Mittheilungen", die Herausgabe der IV. Auslage des Königsberg'schen Gebetbuches u. A. Stoff genug zu ernster und unter der sachlichen Leitung auch gedeihlicher Berathung. Prag. Hier verschied eine in weiteren Kreisen ebenso bekannte wie werthgeschätzte Persönlichkeit, Herr Philipp Schwab, der ehemalige Chef der bekannten Firma Philipp Schwab und Sohn, im 84. Lebensjahre. Der Verblichene, dessen Familie zu den ersten israelitischen Patricierfamilien von Prag zählte, war in seinem ganzen Wesen der sympathische und achtunggebietende Typus des Geschäftsmannes und Privaten der Generation, welche man als die Leute vom guten alten Schlag bezeichnet. Besonders unter seinen Glaubensgenossen genoß er die größte Hochachtung und diese betrauten ihn mit der Verwaltung zahlreicher Ehrenämter in ihren Corporationen. Durch volle achtzehn Jahre, bis zum verflossenen Jahre, war der Dahingeschiedene Mitglied der Cultusgemeinde-Repräsentanz und als solches durch fünfzehn Jahre Obmann der israelitischen Armencommission. Er war ferner Director des israelitischen Darlehensvereiues und gehörte nahezu sämmtlichen hiesigen Humanitären und gemeinnützigen Vereinen als immer opferwilliges Ausschußmitglied oder als Mitglied an. Seit etwa 18 Jahren hat sich der Dahingeschiedene von seinem Geschäfte, das stets durch hervorragende Solidität einen weitgehenden Ruf genoß, zurückgezogen und lebte von da an nur mehr seiner Familie und stillem Wohlthun. Bescheiden, wie er stets in seinem Leben war, so wollte er auch nach dem Tode bleiben, und so erbat er sich in seinem letzten Willen die größte Schlichtheit bei seinem Leichenbegängnisse. Im Jahre 1887 verlor er seinen einzigen Sohn, den bekannten Dichter und Schriftsteller Friedrich Schwab. Nepomuk, 13. Februar. Am 1. d. M. starb in Prag um 11 Uhr Nachts Herr Jsaias Lampl im vollendeten 80. Lebensjahre. Mit ihm wurde ein Qoäol be Jisroel in die kühle Erde gesenkt. Sein ganzes Leben zeugte von einer seltenen Frömmigkeit, welche zu bethätigen er nicht Kosten scheute. Niemand hätte in diesem einfachen Hansirer eine solche Gelehrtheit und solches Wissen vermnthet. In seiner Vaterstadt Nenstraschitz, wo noch bis vor 5 Jahren eine Schiur-Chewra bestand und wo jeden Samstag Nachmittags Gemarah sammt Commentaren vor-