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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-17 · 7 (17.2.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
7 (17.2.1899)
Date
1899-02-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 134 Vr. Vwch's Wöchenschrist Nr. 7 auch in ihren Mitteln sehr beschränkt ist, müsse an die Mithilfe der Gemeindemitglieder appellirt werden, denn kein noch so humaner Zweck habe die Wichtigkeit, wie die Beschaffung einer guten Nahrung für die zarten Geschöpfe. Herr Salo Cohn führt das Gelingen der humanen Schöpfung auf die directe Theilnahme von Gemeindemitgliedern zurück, für welche Idee er schon viele Jahre förmlich kämpfe. Stur dadurch, daß möglichst viele Personen direct in den Dienst der Hnmanität gestellt werden, könne ein Erfolg sicher sein. Bei der Abstimmung wird die Post genehmigt und den an dieser humanitären Action betheiligten Damen und Herren der Dank des Vorstandes votirt. Herr Director Simon berichtet sodann über den zu creirenden Religionslehre r cur s. In einer erschöpfenden fachmännischen Darstellung schildert er den bisherigen Entwicklungsgang dieses Projectes, zu dem die Anregung vor Jahren vom Curatorium der theologischen Lehranstalt ausgegangen sei, gibt eine Uebersicht über den Lehrplan, die Studienzeit und Erfordernisse der Curstheilnehmer u. s. w. und stellt im Namen der zweiten Section nachstehende Anträge: Das Streben zur Errichtung einer öffentlichen Lehrerbildungsanstalt zu begünstigen und im Großen und Ganzen dem Plenum zu dem vorgelegten Plane die Zustimmung zu empfehlen. Es soll für Stipendien ein Betrag von 2000 fl. gewidmet und zur Gewährung nach dem Vorschläge des Lehrkörpers der Vorstand das Recht haben. Der Vorstand erkläre, daß in erster Reihe jene Lehrer bei einer Anstellung bevorzugt werden, welche mit gutem Erfolge den Curs besucht haben. Die Cultusgemeinde hätte dahin zu wirken, daß auch in anderen Gemeinden in erster Reihe Absolventen des Curses angestellt werden. Herr Dr. Spitzer erachtet es als die wichtigste Aufgabe der Gemeinde, für den Cultus und Unterricht zu sorgen. Nachdem nun das theologische Seminar bisher nicht zu einer so wichtigen Aufgabe, wie es die Heranbildung von Religionslehrern sei, zu haben war, müsse die Gemeinde selbständig^ an die Gründung eines Religionslehrer-Seminars gehen. Er 'will über die Details, wie Mittel zur Erhaltung des Curses, Lehrplan, Zukunft der Theilnehmer rc., nicht sprechen und bittet um die Annahme der gestellten Anträge. Herr Vicepräsident Dr. K o h * betont, gegenüber dem Referenten, daß die erste Anregung zur Creirung eines solchen Curses dem Herr Vertreter Dr. Steiner zu verdanken sei, der viele Jahre diese Idee propagirte, Enqueten veranstaltet und rastlos gearbeitet habe, bis er nun einen Er,olg fmde. Es müsse für einen tüchtigen Nachwuchs gesorgt werden, nachdem viele Religionslehrer schon ältere Leute seien. Herr Vertreter Dr. Steiner bedauert, daß der Vorstand viele Jahre zu keinem Erfolge kommen konnte. Redner habe seit mehreren Jahren als Delegirter des Vorstandes den Lehrerprüfungen im Seminar beigewohnt — eine solche Bildungsstätte sei also schon dagewesen, aber eine verfehlte Schöpfung —, die Candidaten hatten zwar viel gelernt und sehr gut entsprochen, aber zu Religionslehrern waren sie nicht verwendbar. Vom Lehrer soll eben nicht verlangt werden, daß er ein Gelehrter, sondern wirklich Lehrer sei, sonst gebe es keine Erfolge. Er beantragt schließlich zu den Anträgen der Section einen Zusatz, daß dem Studium der Geschichte der Juden ein größerer Spielraum gewährt werde, denn kein Volk kennt seine Vergangenbeit so wenig wie die Juden ihre eigene Geschichte, trotzdem sie die interessanteste sei. Als Mitglied des Curatoriums der israelitisch-theologischen Lehranstalt erklärt sodann der Präsident, daß die Frage ''es Lehrerbildungscurses schon längere Zeit im Curatorium erörtert werde. Die beantragte Enquete sei bis zum Eintritte des Herrn Vicepräsidenten Dr. K o h n verschoben worden, und ist über dessen persönliche Anregung auch Herr Director S i m o n seinerzeit zur Theilnahme an der Enquete eingeladen worden. Herr Vertreter kaiserlicher Rath Hirsch findet die Anträge der II. Section ganz berechtigt, aber vor der definitiven Beschlußfassung sollte auch die Frage der Beschaffung der nöthigen Mittel erwogen werden. Ec stellt demnach den (Vertagungs-) Antrag, daß der Gegenstand der Finanzsection zur eingehenden Berathung der finanziellen Seite zuzuweisen sei. Herr Salo Cohn glaubt, daß die erforderlichen Mittel aus dem der Gemeinde zugefallenen Dr. Goldschmidt'schen Legate zu entnehmen wären. Unter der Voraussetzung, ‘ daß das für den gedachten Zweck nöthige Geld vorhanden sei, würde er für die Sectio nsanträge stimmen. Herr Dr. Spitzer hält den Antrag auf Vertagung für einen schweren Fehler, denn es würden die culturellen Aufgaben und Interessen der Gemeinde sehr leiden; für Zwecke des Unterrichtes müsse die Gemeinde Geld haben. Er beantragt die eri bloe-A nnahme der Sectivnsanträge. Herr Dr. Grünfeld findet, daß diese Angelegenheit sehr actuell und mindestens so wichtig ist wie die Magenfrage der armen Schulkinder, insbesondere, da sie jetzt schon so weit gediehen sei und für dieses Jahr ohnedies noch nichts angesprochen werde, da der Curs frühestens mit Beginn des nächsten Schuljahres eröffnet werde. Herr Vicepräses Dr. K o h u stellt, um allen Ansichten Rechnung zu tragen, den Vermittlungsantrag: „Das Plenum stimmt den Sectionsanträgen principiell zu und beauftragt das Vertretercollegium, bezüglich der Bedeckung entsprechende Anträge zu stellen." Diesem Anträge accommodiren sich die Herren Dr. Stein und Vicepräses Dr. Stern und wird derselbe nach einigen Schlußbemerkungen des Berichterstatters angenommen. Der Bericht des Herrn Gottlieb Taussig über die Revision der Bücher der Cultusgemeinde wird mit Dank zur Kenntniß genommen. Herr Vicepräses Dr. Stern referirt sodann über den Stand der Frage der von der' Commune Wien beabsichtigten Straßenführung durch den israelitischen Friedhof in Währing. Der Vorstand habe es entschieden abgelehnt, sich mit dem Magistrat in Unterhandlungen einzulassen, zumal schon die religiöse Anschauung und der § 3 des Statutes dies ausschließe. Die Zuschrift des Vorstandes sei wegen ihres sehr weihevollen Inhaltes in der Sitzung des Gemeinderathes vom 13. December v. I. verlesen und sohin beantragt worden, mit Rücksicht auf die ablehnende Haltung der Cultusgemeinde den Bericht zur Kenntniß zu nehmen und von der Schaffung eines beabsichtigten Gehweges im Areale des israelitischen Friedhofes in Währing Umgang zu nehmen. Im Laufe der folgenden Debatte sei der Zusatzantrag gestellt worden, es dürfe jedoch nicht die Consequenz daraus gezogen werden, daß der Gemeinderath sich des Rechtes, über jene Friedhofsarea zu verfügen, begibt, welcher dahin abgeändert wurde, daß für die Gemeinde Wien nicht gefolgert werde, von einer eventuellen Expropriation abzusehen. Nachdem der Magistrat in einer Zuschrift diese Beschlüsse des Gemeiuderathes an den Vorstand bekanntgegeben, habe sich die Rechtssection damit befaßt und beschlossen, daß es wohl am besten sei, sich nicht weiter über diese Angelegenheit zu äußern, sondern abzuwarten, ob etwa die Gemeinde Wien doch den Friedhof zu expropriiren beabsichtigen würde; erst dann müßte sich der Vorstand dagegen mit allen zulässigen Mitteln wehren. Nach kurzer Debatte wird der Beschluß der V. Section angenommen und die öffentliche Sitzung geschlossen. In der folgenden vertraulichen Sitzung wurde dem Bethausvereine „Machsike Thora" im V. Bezirke eine Subvention von 150 fl. bewilligt und eine Reihe von Stiftungen erledigt. Die antisemitische Wirthschaft und das Kleingewerbe. In einer außerordentlich zahlreich besuchten Jahresversammlung des Vereines der Fortschrittsfreunde in Wien sprach Gemeinderath Dr. Alfred Stern über „die Wirthschaft der Antisemiten in ihrer Wirkung auf die finanzielle Lage der Stadt und auf den kleineren Gewerbestand". Der Geist der Zerstörung, ohne daß sich die Bevölkerung dessen so recht bewußt ist, ist der leitende Gedanke der Gemeinde-

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