Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sh. 7 Vr. Vloch » Mochrnschrifl Seite 133 gelaufen von Wilh. Pappenheim, Adolf Singer, Ignaz G e w i t s ch, Jda G ü d e m a n n, Marie Teleky, Jda Eisenschütz. Hermine Kolisch, Blanca Rothziegel, Samuel Steinhübel, Anna F e i n b e r g und Anna Hiller. Vor Uebergang zur Tagesordnung erbittet sich Herr Architekt Fleischer zu folgender Ansprache das Wort: „Sehr geehrte Collegen! Es ist Ihnen Allen wohl bekannt geworden, das Se. Majestät, unser gütiger Kaiser, dem Herrn Präsidenten den Orden der eisernen Krone allergnüdigst verliehen hat, und Sie haben gewiß jeder Einzelne für sich unserem Präsidenten Ihre Glückwünsche kundgegeben. Ich halte es aber für angezeigt, daß demselben auch heute von dieser Stelle aus unser Aller Sympathie ausgesprochen werde, und ich bin überzeugt, daß ich dies nickt nur in Ihrem Namen, sondern auch — allerdings ohne besonderes Mandat — im Namen der ganzen Gemeinde thun darf, denn nicht nur Jeder von uns, der ihn an der Arbeit gesehen hat, weiß es, sondern auch im Publicum weiß man es, wer unser Präses ist und was er leistet. Wenn aber auch die hohe Auszeichnung nicht ihm als Präsidenten, so ist sie doch d e m Präsidenten unserer Gemeinde zutheil geworden. Aus diesem Grunde hielt ich es für wichtig, von dieser Stätte ernster Arbeit aus unsere Sympathien und die Glückwünsche der Cultusgemeinde unserem verehrten Präsidenten darzubringen. Sie stimmen mir wohl zu, daß diese Kundgebung in das Protokoll der heutigen Sitzung ausgenommen werde." (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Präsident erwiderte Nachstehendes: „Ich danke dem hochverehrten Collegen Fleischer, der — wie er wohl weiß — von mir überaus hochgeschätzt ist, für diese Worte der Sympathie und den geehrten Collegen für ihre Zustimmung. Sie haben die Güte gehabt. Alle einzeln mich zu beglückwünschen, und ich ergreife gern den Anlaß, sowohl Ihnen, verehrte Herren, sowie den meisten Corporationen, welche mir ihre Sympathie ausgedrückt haben, so insbesondere der türkischisraelitischen Gemeinde, welche in einem mich besonders ehrenden Briefe mich beglückwünscht hat, ebenso der Beamtenschaft meinen innigsten Dank ausznsprechen. Es ist wohl richtig, daß die Allerhöchste Auszeichnung mir für mein Wirken auf einem anderen Gebiete verliehen wurde, aber es ist immerhin für uns Juden ein erhebendes Gefühl, daß Se. Majestät der Kaiser bei Auszeichnungen der Staatsbürger keinen Unterschied des Glaubens kennt. Sie mögen überzeugt sein, daß diese Anerkennung für mich ein neuerlicher Sporn ist, um dem Amte, welches Sie mir übertragen haben, nach besten Kräften vorzustehen. Empfangen Sie, meine Herren, nochmals meinen besten Dank; das Bewußtsein, Ihre Sympathien zu besitzen, ist für mich ein erhebendes. (Beifall.) Nun bitte ich die geehrten Herren, zur Kenntniß zu nehmen, daß an uns ein Schreiben eingelangt ist, betreffend das Legat des in Paris im vorigen Jahre verstorbenen Herrn Dr. S. H. Goldschmidt. Die Angelegenheit war wegen der vom König von Preußen erwarteten Genehmigung anhängig; nachdem nun dieselbe in den letzten Tagen erfolgte, sind wir rechtlich in den Besitz dieses namhaften Legates gelangt. Es wird nun Sache der Sektion und des Vertreter-Collegiums sein, weitere diesfällige Vorschläge zu unterbreiten. Ich nehme Anlaß, dem Angedenken dieses Philanthropen und wirklich guten Juden in unserem Kreise in ehrenvoller Weise Ausdruck zu verleihe». (Die Versammlung erhebt sich.) Sie kennen ja das Motiv, welches den edlen Glaubensgenossen veranlaßt hat, einen so bedeutenden Nachlaß unserer Gemeinde zu widmen und in so eclatanter Weise seine Zugehörigkeit zum Judenthum zu documentiren. Sie haben sich von den Sitzen erhoben, um Ihre besondere Ehrung für den verblichenen Menschenfreund kundzugeben und ich erbitte mir Ihre Zustimmung, daß diese solenne Kundgebung dem Protokoll dieser Sitzung einverleibt werde. (Zustimmung.) Ich kann nicht anders als mit den Worten schließen : Lecker Zadik liw’rocho!" (Beifall.) Dr. Berger referirt über Ausspeisung armer Schulkinder in der Brigittenau und bemerkt, daß die Fürsorge für hungernde Schulkinder seit Jahren zum Ressort der ll. (Unterrichts-) Section gehöre und hiefür alljährlich eine Post unter dem Titel „Anschaffung von Speifemarken" budgetirt worden sei. So oft diesfalls Mittheilungen über eine Nothlage der Schulkinder zur Kenntniß des Vorstandes gekommen, wurde durch Uebermittlung von Speisemarken dem Uebel zu steuern versucht. Im heurigen Jahre liefen aber so zahlreiche Berichte über die Noth unter den Schulkindern ein, daß mit diesen kleinlichen Mitteln nicht mehr das Auslangen gefunden werden konnte. Um Information über die mögliche Hilfsaction zu erlangen, wurde eine commissionelle Berathung abgehalten, zu welcher Frau Lina Schiff, Präsidentin des Vereines für Ausspeisung hungernder Schulkinder, Frau Dr. Frisch au er, Präsidentin des Vereines ..Kinderhort", Herr Ortsschulrath Strauß und Herr Adolf Singer, Vorstandsmitglied der israelitischen Volksküche, zugezogen wurden. Das Resultat dieser Berathung war, daß die Errichtung einer Ausspeisestelle in der Brigittenau für 100 Kinder in Aussicht genommen wurde. Bei Durchführung dieses Planes war die Mitwirkung der in der Brigittenau bestehenden Organisationen für wohlthätige Zwecke unbedingt erforderlich, weshalb Referent beauftragt wurde, mit den maßgebenden Persönlichkeiten Fühlung zu gewinnen. Bei einer im Bethause der Brigittenau abgehaltenen Besprechung, an welcher die Bethausvorsteher mit Herrn Eltbogen an der Spitze, ferner die Vorstandsmitglieder des „Frauen-Wohlthätigkeitsvereines" mit ihrer Präsidentin Frau Therese Spitz, Vorsteher des israelitischen Unterstützungs-Vereines „Brigittenau" und jüdische Armenräthe theilnahmen, wurde der Plan, die Ausspeisung der Schulkinder in der Brigittenau durchzuführen, mit Freuden begrüßt und zur Durchführung desselben dem Cultusvorstande von allen Seiten thatkräftige Mitwirkung zugesichert. Frau Therese Spitz sagte die Zusammenstellung eines 30gliedrigen Dameu-Comites' zu, welches die Leitung und Ueberwachung der Ausspeisung besorgen wollte. Herr Heinrich Weiner stellte ein geeignetes Local gegen minimales Entgelt nebst der erforderlichen Einrichtung zur Verfügung und machte sich erbötig, die Organisation im Vereine mit Frau Therese Spitz durchznführen. Auf Grund dieses anerkennenswerthen Entgegenkommens hat die II. Section in ihrer Sitzung vom 26. Jänner 1809 nach dem Referate des Herrn Dr. Steiner beschlossen, die Ausspeisung armer Schulkinder in der Brigittenau einem unter Leitung des Herrn Heinrich Weiner und der Frau Therese Spitz stehenden Local-Comitc zu übertragen und demselben hiezu eine Subvention von 700 fl. zu votiren. Hiebei wurden die Grundsätze festgestellt, nach welchen bei Auswahl der auszuspeisenden Kinder vorzugehen ist. Mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Angelegenheit wurde dieser Beschluß in der Bertretersitzung vom 29. Jänner 1899 genehmigt und der erforderliche Betrag gemäß § 26, lit. a der Statuten gegen nachträgliche Genehmigung seitens des Plenums bewilligt. Behufs Durchführung dieses Beschlusses wurden sofort die Religionslehrer aufgefordert, Verzeichnisse der armen Kinder einzusenden. Diese Verzeichnisse wurden einerseits vom Armenamte ter Gemeinde, andererseits von den Vorständen der beiden Wohlthätigkeitsvereine in der Brigittenau begutachtet und sohin die Auswahl nach den von der Section beschlossenen Grundsätzen getroffen. Von 1599 Schulkindern der Brigittenauer Schulen wurden im Ganzen 173, somit circa 11 Percent angemeldet. Die Ausspeisung wurde Sonntag, den 5. Februar d. I. mit 100 Kindern begonnen, nimmt seitdem ihren ordnungsmäßigen Verlauf und wurde die Zahl der auszuspeisenden Kinder vom 12. Februar ab auf 120 erhöht. Eine weitere Steigerung ist aus technischen Gründen nicht möglich. Um die Durchführung der Action haben sich Frau Therese Spitz, Präsidentin des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, nebst den Connte-Damen und Herr Heinrich Weiner, Vorstandsmitglied des Bethausvereines, hervorragende Verdienste erworben. Auch Frau Sofie Grünfeld, Präsidentin des Vereines „Ferienheim", und deren Schwester sind dem Comitc am ersten Tage der Ausspeisung mit Rath und That an die Hand gegangen. Nur in Folge Mitwirkung so vieler bewährter Kräfte war es möglich, die Ausspeisung in verhältnißmäßig kurzer Zeit in's Werk zu fetzen. Referent ladet die Vorstandsmitglieder ein, sich durch Besuch des Ausspeiselocales, II., Denisgaffe 6, von dem ordnungsmäßigen Fortgang der Ausspeisung zu überzeugen und bittet um unveränderte Genehmigung des Beschlusses der II. Section, refpective des Bertretercollegiums. Präsident hebt die unermüdliche Thätigkeit des Herrn Dr. Berger in dieser Angelegenheit hervor und spricht demselben namens des Gefammtvorstandes für feine arbeitsfreudige und opfervolle, aber auch erfolgreiche Action den wärmsten Dank aus. (Lebhafter Beifall.) Nachdem aber mit den 700 fl. nicht das Auslangen gefunden werden kann und die Gemeinde