Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-17 · 7 (17.2.1899) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
7 (17.2.1899)
Date
1899-02-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021285--08591-3032978
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 132 Vr. Vloch'* Wochenschrifl Nr. 7 Zuge von Tarascon nach Montpellier. Sie waren eingeschlummert, als plötzlich die Wagenthür aufgerissen wurde, ein Lieutenant in den Abtheil sprang und mit gezücktem Säbel auf Fourchet stach und hieb, „Tod den Juden, nichtswürdige Juden!" schreiend. Fourchet wurde furchtbar zugerichtet, bevor durch die Nothklingel der Zug zum Halten gebracht werden konnte. Mit Blut und Wunden bedeckt, wurde Fourchet in Montpellier in's Krankenhaus gebracht. Der Lieutenant, der auch die anderen Fahrgäste bedrohte: „Ich werde Einen nach dem Anderen erstechen", verschwand auf dem Bahnhof Bazes-les Eres, als man ihn verhaften wollte. Um 3 Uhr Morgens wurde der Gutsverwalter zu Caizergues durch einen furchtbaren Lärm geweckt. In der Küche fand er einen mit Blut bedeckten, fast ganz nackten Mann, der Drohungen gegen die Juden ausstieß. Er ließ ihn durch Gendarmen nach Montpellier bringen, wo man in ihm den Lieutenant Colin vom 9. Regiment erkannte. Auf dem Felde bei Caizergues wurden die Fetzen der Uniform und der Säbel des plötzlich wahnsinnig gewordenen Officiers gefunden. Offenbar hat ihm die tolle Hetze der Antisemiten den Kopf verdreht." Eugen Dühring über Bismarck. Der Judenfresser par excellence Eugen Dühring schreibt in seinem „M odernen Völkergeist" (Februar, S. 18 ff.) über Bismarck einen Artikel. Zuerst ist ihm Bismarck ein ganz unwissender Mensch: „Bismarck selber und seine Staatsministerialräthe hatten keine Sach- und Fachkenntniß von volkswirkhschastlichen Dingen. Noch vor 1866 konnte ich mich persönlich von diesem Umstande überzeugen. Einer der wenigen Staatsministerialräthe, der Curator des Staatsanzeigers war, Herr Zitelmann, kam zu mir, um mich zur volkswirthschastlichen Mitarbeiterschaft an jenem Blatte einzuladen. Bei einer folgenden näheren Besprechung mit ihm im Amtslocal in der Wilhelmstraße zeigte sich, wie nicht blos der Herr in wirthschastlichen Angelegenheiten völlig rathlos war, sondern wie auch überhaupt gerade der nächsten und Bismarck vertrautesten Beamtenumgebung, von ihmselbst erst gar nicht zureden, ich sage nicht jede ernstere, sondern kurzweg jede eigentlich volkswirthschaftliche Kenntniß abging." . Bon hoher Politik verstand Bismarck überhaupt nichts, seine „von Selbstberücksichtigung geleitete Privatökonomie" allein war es, in der sich Bismarck in einem gewissen Sinne wirklich hervorgethan hat: „Aus engen Vermögensverhältnissen ist er zu einem gar vielfachen Millionär geworden, und seine Güter entsprachen schließlich Wohl dem Fürstentitel, zu deni er gelangte. Dieser war ihm zunächst nicht recht gewesen. Warum? Weil er nicht reich genug dafür wäre. Dotationen und Güter wußte er anders zu schätzen, und auch die höheren Titeldecorationen hätten seinen Anstoß nicht im Mindesten erregt, wenn sie nur nicht das Manco gehabt hätten, nicht gleich unmittelbar mit Einkünften und Güterverleihung verbunden zu sein. Die Privatökonomie im gewöhnlichen Sinne, nämlich mit fast ausschließlicher Selbstberücksichtigung, erfordert keine eigentlich volkswirthschaftliche Uebersicht und gestaltet sich fast regelmäßig mehr oder minderzumGegentheil und Widerpart der Volksökonomie. Dies hat sich auch bei Bismarck gezeigt. Gänzlich bar eigentlich volkswirthschaftlichen Wissens, und zwar nicht blos am Anfang seiner regiererischen Laufbahn, sondern auch noch zu allerletzt, hat er nichts weiter begriffen und verstanden, als die Hebung plump st er Mechanik g r ö b st e r Privat- und Sonderin tercssen besitzerlicher und privilegirter Elemente. Man kann sogar sagen, auch in der allgemeinen diplomatischen Politik habe er nur die g e m e i n st e n A n e i g n u n g s i n t e r e s s e n cm den Staaten gekannt und gelten lassen. Das gerade durch ihn bevorzugte Schlagwort von den Interessen der Staaten erfuhr durch seine Sinnesart noch eine Einschränkung und Erniedrigung unter den Durchschnitt seiner Bedeutung." Es ist schade, daß Herr Dühring nicht noch genau ausgerechnet hat, um wieviel Bismarck das Volksvermögen bestohlen, um seine „Privalökonomie" zu fördern. Corresponderyen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israelitische« Cultusgemeiude Wien vom 12. Februar 1899 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Heinrich Kling er. Im Einlaufe befindet sich zunächst folgendes Schreiben des Herrn Prof. Dr. David Kaufmann aus Budapest: „Verehrter Vorstand! Indem ich für die gütige Uebersendung des Fürth er Memorbuches, das anbei folgt, wiederholt danke, beehre ich mich mitzutheilen, daß ich von den die Geschichte Ihrer Gemeinde vor 1670 betreffenden Blättern eine sorgfältige kalligraphische Copie habe anfertigen lassen und daß es geglückt ist, die im Verlöschen begriffenen Urkunden noch rechtzeitig zu retten und zu bergen. Was ich längst vermuthet habe, bestätigt sich nunmehr: Dieses Memorbuchist das Seelengedächtnißregister von Wien und 1670 von der Familie Frankel nach Fürthgebracht worden, woeszuferneren Eintragungen benützt wurde, bissein wahrer Ursprung in Vergessenheit gerieth. In der Hauptsynagoge von Wien, die jetzt als Kirche dient, ist aus diesem ehrwürdigen Zeugen der dort vor 1670 erblühten Gemeinde an Sabbathen und Festen das Andenken der Todten verkündet und festgehalten worden. Mit dem anderen in Mißlitz in Mähren vorhandenen, von mir bereits herausgegebenen älteren Memorbuche der Zacharias Lewi'schen Klause hilft diese werthvolle Reliquie eine wissenschaftliche Neubelebung einer verrauschten Epoche anzubahnen. Ich hoffe, die Schatten, die da an uns vorüberziehen, in Helles geschichtliches Licht setzen zu können. Doch möchte ich dem verehrten Vorstande weder einen Zwang noch ein Opfer auferlegen und werde für eine Edition dieser Geschichtsquelle Sorge tragen, wie es mein unablässiges Bestreben ist, die Steine des Friedhofes in der Seegasse dereinst nach ihrem wahren, oft geschichtlich überaus lehrreichen Wortlaute sprechen zu lassen. Zu diesem Behufe hatte ich mir erlaubt, vor mehr als einem halben Jahre um freundliche Lieferung getreuer Abklatsche ergebenst anzusuchen. Das Verfallen und Schwinden der authentischen Kunde unserer Geschichte illustrirt der von Anfang bis zu Ende sagenhafte und falsche Bericht über Samson Wertheimer, von dem ich durch Ihre Güte eine Abschrift erhielt. Mit dem Wunsche, daß von einzelnen Ornamenten des Memorbuches Photographien angefertigt werden mögen, empfehle ich mich als des verehrten Vorstandes allezeit bereitwilliger und ergebenster Professor Dr. David Kaufmann." Vicepräsident Dr. K o h n theilt mit, daß von den alten Gedenksteinen auf dem Friedhofe in der Seegasse Photographien ausgenommen wurden; nach Fertigstellung der ganzen Sammlung werde dieselbe dem Professor Kaufmann zugeschickt werden.- Herr v. Mises theilt mit, daß bereits über 700 Photographien von Denksteinen fertig sind und in kürzester Zeit die Sammlung — über 1000 Stück — voll sein wird. Präsident gibt bekannt, daß der Verwaltungsgerichtshof der Beschwerde des Vorstandes gegen die Entscheidung des Finanzministeriums in Angelegenheit der Aequivalentenpflicht für die Samuel Süßermann'sche Stiftung stattgegeben und deren Befreiung von den Aequivalentengebühren ausgesprochen hat. Es sei dies ein neuerlicher Beweis für die erfolgreiche Thätigkeit des Vorstandsmitgliedes Herrn Dr. Adolf Stein; derselbe möge besten Dank des Vorstandes empfangen. (Lebhafter Beifall.) An Spenden sind eingelangt: Für das S i e ch e n h a u s : von Herrn Hermann L i e b e r m a n n anläßlich der Vermählung * seiner Töchter.st. 50.— von Herrn- Adolf K o h n.„ 25 — „ „ Michael Glogau.. 10.— und anonym durch Herrn Teltscher.„ 30.— Für das A l t e r s v e r s o r g u n g s h a u s: vom Bethausverein „Beth Hachnetheth" im Hl. Bezirke fl. 12.— von Herrn Religionslehrer Mor. Antscherl . . „ 3.— Für Arme: von Frau I. Handtuch, anläßlich des Ablebens des Herrn Jsaac Handtuch.fl. 50.— von Frau Elenore Schüller, anläßlich des Ablebens des Herrn I. Schüller.fl. 50.— von Herrn Rudolf E l i s s e n aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit .fl. 500.- (wovon fl. 400.— dem Armenamte und fl. 100.— der Armenanstalt zugewiesen wurden) von Herrn Alex, und Frau Emma K a l l i r für den Waisenverein .fl. 20.— den Spendern wird der Dank ausgesprochen. Ueber die an mehrere Damen und Herren gerichtete Einladung,demUeb erw achun gs - ComitedesVersorgungs- Hauses beizutreten, sind Annahme-Erklärungen ein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.