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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-17 · 7 (17.2.1899) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
7 (17.2.1899)
Date
1899-02-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 130 Vr. Bloch'« Wochenschrift Nr. 7 Wenn schon der Justizminister eines Landes, welches einst „an der Spitze der Civilisation" marschirte, die Grundsätze des Rechtes verleugnet, so dürfen wir an die Rechtsprechung des Cravattenhändlers G r e g o r i g, des Mehlagenten Oppenberger und der anderen christlich-socialen Parteigänger, die derzeit im Wiener Bezirksschnlrath sitzen, keinen allzu strengen Maßstab anlegen. Diese Leute haben auch gar nicht die Ambition mehr, für besser gehalten zu werden, als sie sind, sie lassen Niemanden in Zweifel darüber, daß bei der Führung der Aemter, deren sie sich bemächtigt haben, nicht das Recht, sondern die Zugehörigkeit oder die Gegnerschaft zur christlich-socialen Partei- Herrschaft für sie maßgebend ist. Einige Lehrer haben in öffentlichen Versammlungen die christlich-sociale Partei angegriffen, und da leiten christlich-sociale Parteigänger eine Disciplinaruntersuchung gegen diese Lehrer ein. Den Beschuldigten wird nicht mitgetheilt, was gegen sie vorliegt, und ihr Ersuchen um Bekanntgabe der Anschuldigungen wird ebenso abgelehnt, wie ihr Ersuchen, sich in einer Disciplinarverhandlung verantworten zu dürfen. Ein christlich-socialer Parteimann führt die Untersuchung und fungirt als Referent; dieselben christlich - socialen Parteimänner, die von den Lehrern beleidigt worden sein sollen, sprechen das Urtheil, ohne die Beschuldigten selbst auch nur gehört zu haben, ein Urtheil, das für die Betroffenen von schwerwiegenden Folgen in ihrem Fortkommen und in ihren Bezügen verbunden ist. Die neutrale Bevölkerung hat sich das Staunen über die Schamlosigkeit des christlich-socialen Regimes längst abgewöhnt; jeder Willküract, jede Rechtsbeugung wird von neuen sträflichen Gewaltacten überboten. Wo sind die Vorgesetzten Behörden, daß ein so brutaler Mißbrauch der Amtsgewalt geduldet wird? Die Koryphäen vom Bezirksschulrath sind freilich von ihrem Vorsitzenden Dr. Lu eg er dresiirt. Dieser Herr wagt es, öffentlich zu erklären: „Kein socialdemokratischer oder radicalnationaler Lehrer darf hoffen, eine Anstellung zu erhalten." Der Bürgermeister von Wien, der Befehlshaber der Körperschaft, die über das Wohl und Wehe der Lehrerschaft entscheidet, proclamirt öffentlich den Lehrern gegenüber das System der politischen Erpressung. Er zwingt Jeden, der sich dem Lehrerstande widmet, entweder sich zur christlichsocialen Partei zu bekennen oder seine wahre Gesinnung zu verbergen und ein Heuchler zu werden. Herr Doctor Lueger bedroht jeden Lehrer, der Anlaß geben sollte, von ihm oder seiner Partei für socialdemokratisch oder radicalnational gehalten zu werden, mit dem Verluste seiner Existenz, mit der Brotlosigkeit, mit der Aussicht auf unvermeidliches Elend, mit der Ausschließung von der Ausübung des Berufes, für welchen er die Befähigung durch jahrelanges Studium und häufig auch durch Entbehrungen erlangt hat. Wie fühllos gegen alles Unrecht muß eine Bevölkerung geworden sein, deren Oberhaupt sich erkühnen darf, solche Grundsätze zu proclamiren, die freilich bisher von den christlich-socialen Machthabern ohnehin prakticirt, mit so cynischer Offenheit aber bisher niemals ausgesprochen wurden. Der Sohn des Herrn ©regorig hat rasch Carriere gemacht unter Zurücksetzung Anderer, die tüchtiger und älter sind, als er. Der Herr T o m o l a, der Herr Rauscher, der Herr Stift und zahlreiche andere Lehrer, die sich als Knappen des Dr. Lueger geriren, haben sich einer Protection erfreut, bei welcher nicht die geringste Rücksicht darauf genommen wurde, auch nur den Schein des Parteinepotismus zu vermeiden. Die Belohnung der „Gutgesinnten" wurde also ungenirt geübt, aber das lehrreiche Beispiel dafür, wie ein Wiener Lehrer sich derzeit verhalten muß, wenn er avanciren will, scheint Herrn Doctor Lueger nicht zu genügen. Die positive Einschüchterung, die Bedrohung an der Existenz ist das Requisit des politischen Kampfes, welchen Herr Dr. Lueger nicht als bloßer Parteimann, sondern als ofsicielle Persönlichkeit, als Bürgermeister, als Vorsitzender des Bezirksschulrathes gegen wehrlose Lehrer führt, die er, wenn sie mit dem unwürdigen, schul- und lehrerfeindlichen Treiben der Christlich-Socialen nicht einverstanden sind, zu verächtlichen Subjecten herabwürdigen will, die aus Furcht vor materiellem Nachtheil ihre Gesinnung unterdrücken müssen. Nicht die Disciplinarvorschriften und nicht die Gesetze gelten mehr in Oesterreich, sondern die Willkür der herrschenden Partei und der Uebermuth eines Emporkömmlings, dem der „eiserne Mann" im Rathhauskeller allerdings zurufen konnte: „Viel ist Euch gerathen bei Gott, den Feinden zum Spott," Wenn aber jener Künstler, der in den Rathhauskeller Hinabstieg, um in seiner blechernen Verkleidung den Bürgermeister anzustrudeln, weiters sagte: „Euer Lob, es ist kein L ö b e le i n, was Ihr hier geschaffen, es ist nicht klein", so hätte der blechgepanzerte Maler bei diesem „Löbelein" daran denken sollen, daß ja Herr Dr. Lueger weder das Rathhaus, noch sonst etwas in Wien geschaffen hat, mit Ausnahme des Gasmausoleums und der communalen Schulden. Die Bedrohung der Lehrerschaft durch den Bürgermeister müßte eine Antwort finden, die Alles wäre, nur kein „Löbelein". Das Wort an sich ist jedenfalls reizend; man kann dem unmöglich gram sein, der es geprägt hat. Robert Wolf. Dr. Max Nordau in Berlin. Ueber die Berliner Zionistenversammlung, in welcher Dr. Nordau seinen bekannten Bortrag hielt, berichtet in der „Allg. isr. Wochenschrift" Nr. 6 Herr Dr. Fuchs recht ausführlich und bringt dabei folgende interessante Mittheilung: „In den lautesten Trompetentönen accompagnirte ihn ein Herr Pastor Faber, Judenmiffionär seines Zeichens und in gewissen Aeußerlichkeiten dem Zionistenfreunde Herrn Ahlwardt merkwürdig ähnlich. Antisemitismus, Neu-Zion und Judenmiffion Arm in Arm — ein Bild fin de siede.» Arische Heiratsgesuche. Berlin. Die Beamtenschaft steht sonst nicht in dem Rufe, besonders judenfreundlich gesinnt zu sein. Zur Zeit scheint jedoch bei manchen Exemplaren dieser Gattung ein Umschwung in derGesinnung eingetreten zu sein, wenigstens Jüdinnen gegenüber, wenn sie schön sind und brav Geld besitzen. Auf Schönheit wird unter Umständen auch verzichtet, wenn dieser Mangel nur durch entsprechend mehr Moneten ausgeglichen wird. Da sucht z. B. ein „höherer österreichischer Officier" eine „vermögende israelitische Dame behufs Heirat". Der Betrag seiner Schulden ist nicht angegeben. Ferner finden wir ein „reelles Heiratsgesuch" eincs „höheren Beamten"; die Dame „mit voller Figur und etwas Vermögen" darf „auch Jüdin" sein. Wie viel Geld braucht der gute Mann? Und endlich ein drittes Heiratsgesuch eines „selbstständigen, decorirten Beamten, Christ, der neben einer ganzen Serie aufgezählter guter Eigenschaften „ohne Verschulden geschieden ist" und sich mit einer „schönen, reichen Dame, gleichviel welcher Confession, zu verehelichen wünscht. Besonders schöne Jüdin, auch mit wenig Vermögen, wird bevorzugt". Die brave Beamtenseele hat doch wenigstens Geschmack, wir glauben freilich, eine „besonders schöne Jüdin, wenn auch mit viel Vermögen" dürfte er noch mehr „bevorzugen". Ob alle die Herren Beamten, die sich nach Liebe sehnen und ein gefülltes Portemonnaie nicht verschmähen, die ersehnten Jüdinnen in gewässertem oder ungewässertem Zustand wünschen, können wir freilich nicht wissen. Also immer heran, Ihr jüdischen Mägdelein mit Schönheit und Vermögen! Wer weiß, wann solches Glück Euch wieder blüht? Und heran, Ihr jüdischen Väter und Mütter! Wie sagt doch gleich der Berliner? „Hier kann Schutt abgeladen werden!" Alliance Israelite Universelle. Seit drei Jahren hat sich das Werk der Schulen der Alliance ganz bedeutend entwickelt. Neue Schulen sind gegründet worden in P a l ä st in a, Marokko und E g y p t e n. Die kürzlich in Teheran eröffnete Schule wird die Gründung ähnlicher Anstalten in den anderen großen Städten Persiens, wo die Juden in den denkbar traurigsten Verhältnissen leben, nach sich ziehen. JnderargentinischenRepublik fordern die Schulen der Jewish ColonisationAssociation tüchtige und erfahrene Lehrer, die nach wie vor von der Alliance beschafft werden. Um diesen neuen Anforderungen zu genügen und um die Lehrkörper in den bestehenden Schulen zu vervollständigen, mußte die Zahl der Zöglinge in den Vorbereitungsschulen zu Paris, woselbst die Alliance die Lehrer ihrer Schulen heranbilden läßt, bedeutend vermehrt werden. Im verflossenen Jahre wurden 23 junge Leute und 10 junge Mädchen in diesen Vorbereitungsanstalten ausgenommen, die zum Schulanfang (O c t o b e r) 80 Knaben und 36 Mädchen zählten. Erstere sind untergebracht in dem der Alliance gehörenden . Gebäude zu Paris, rue d’Anteuil, dessen Baulichkeiten bedeutend vergrößert wurden. Im selben Gebäude befinden sich 10 junge Leute, die, nachdem sie in der Ackerbauschule zu Jaffa ihre technischen Vorstudien beendet haben, das agronomische Institut zu Paris besuchen, wo sie ihre Studien vervollständigen. Schließlich hat das Central- Comit« 10 junge Rumänier in der rue d’Anteuil ausgenommen,

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