Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021284--08580-3032966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 122 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 6 Malta: Jetzt verstehe ich seine Worte. Er hat keinen Muth, jene Fesseln abzuschütteln, und hat es darum vorgezogen, von mir Abschied zu nehmen und mich mit gebrochenem Herzen zurückzulasten. I e n t a: Ich hielt es für das Beste, Ihnen Alles zu sagen. Wozu sollen Sie sich von diesem Manne den Kopf verdrehen lassen. Heute ist bei seiner Braut ein Hausball und er ist hingegangen. Er wird mit ihr die ganze Nacht durchtanzen. Und was für Majonnaise hat die Köchin gemackt? Ei, ei, ei! So groß wie ein Schloß und so gelb wie eine Eierspeis'. Malta: Er ist also zum Ball gegangen. I e n t a: Gehen Sie lieber schlafen, Fräulein Malta, denn es ist schon spät. Ich will zu Bett gehen, um morgen früh auszustehen und die Theekanne zu verkaufen, die mir ein Jude gegeben hat. Ich weiß nicht, woher er die Kanne hat. Aber Jenta muß die Augen zumachen, denn sie hat fünf Kinder und eine kranke Mutter. (Begibt sich in den Winkel, wo ihr Bett steht.) Malta (allein): Er ist jetzt am Ball .... verlobt. Warum hat er mir das nicht sofort gesagt? Es kommt mir vor, wie wenn man mich bei lebendigem Leibe begraben hätte. Ich habe den Willen, das Selbstbewußtsein und jede Lebenskraft verloren! Und wenn ich daran denke, daß ich hier noch Jahre verleben soll! Ach, welche Qualen! 9. Scene. Vorige, Schwarzenkopf« Schwarzenkopf: Ach wie kalt ist mir! Mich friert! Ick spüre meine Hände nicht mehr. Malka, Malka, wo bist Du? Malka: Hier bin ich, mein Vater! Schwarzenkopf.. Hast Du kein Licht zum Anzünden? Hier hast Du ein Orange. Moriz Silberzweig gab sie mir und sagte: Nimm sie ür Deine Tochter. Malka (nimmt die Orange und legt sie in die Kinderwiege). Schwarzenkopf: Ach, ach, ich Hab' heute sehr wenig verdient. Es war ein Schneegestöber und Niemand wollte mir Cigaretten abkaufen. (Legt den Korb ab.) Der Ofen ist kalt! Hat Jenta nicht geheizt? Malka: Nein, wahrscheinlich hat sie kein Geld. Schwarzenkopf: Meinen Feinden gesagt, so ein Leben wie ich führe. Auf die alten Tage keinen Groschen und so ein Hundeleben. Malka: Und da bin ich Dir zur Last geworden und sitze hier, statt Dir zu helfen, mein armer Vater. Schwarzenkopf: Du könntest mir helfen, wenn Du wolltest. Ich kann Dir eine neue freudige Nachricht mittheilen, daß Du vor Freude tanzen wirst. Malka: Du willst mich verheiraten, Vater? - Schwarzenkopf: Woher weißt Du denn davon? Malka: Das ist das Geringste. Wenn Du glaubst, daß meine Heirat für Dich eine Hilfe sein wird, dann will ich meine Zustimmung dazu geben und heiraten. Schwarzenkopf: Du bist ein braves Kind. Malka: Aber es muß Alles schnell vor sich gehen, mein Vater. Sonst könnten mich meine Kräfte im Stiche lassen. — Wenn es ein gutes Geschäft ist, so muß man schnell zugreifen. Nicht wahr, Vater? Schwarzenkopf: Aber Du, Malka, zitterst ja am ganzen Leib. Was ist Dir denn? Malka: Mir? Nichts! So — kalt! Ach (bricht ohnmächtig zusammen). Schwarzenkopf: Malka! Sie lebt nicht! Jenta, Jenta, Ryfke, Malka lebt nicht, sie ist todt! Jenta (springt aus dem Bette): O weh! Was ist ihr? (Neigt sich zu Malka nieder.) Sie ist nur ohnmächtig, das ist so eine delicate herrschaftliche Krankheit. (Der Vorhang fällt.) Schluß des zweiten Actes. (Fortsetzung folgt.) Der vorchristliche jüdische Gnoflirismus VonM.Friedlander. Göttingen,Vandenhoecku. Ruprecht (1898,123 S.). Vorliegendes Werk schließt sich an eine von demselben Verfasser erschienene Arbeit „Das Judenthum in der vorchristlichen griechischen Welt (Wien, Breitenstein 1897) enge an. Dort stellt der Verfasser die These auf, daß das Christenthum, „dessen erste Kundgebung wohl ein flammender Protest gegen den Pharisäismus war", aus demselben jedoch nicht hervorgegangen, daß vielmehr sowohl das sogenannte Judenchristenthum wie paulinisches Christenthum in den religiösen Strömungen des vielbewegten alexandrinischen Lebens ihre Antecedentien haben und daß die Entwicklung vom religiösen Leben auf hellenistischem Boden bis zur Bildung des Christenthums im Heimatlande eine continuirliche ist. Der Verfasser sucht nun von diesem neuen Standpunkte aus das noch immer nicht gelöste Problem zu lösen, wie denn auf dem exclusiv nationalen Boden Palästinas der Gedanke einer Weltreligion entstehen konnte. Wohl haben die Propheten die Verbreitung des Monotheismus, Menschenverbrüderung verkündet. Aber sowohl die Analyse dieser Prophezeiungen, als auch der thatsächliche Verlauf der jüdischen Geschichte zeigen, daß das jüdische Volk zwar an die Verwirklichung dieser Ideale unverbrüchlich geglaubt, aber gerade deshalb sich zum praktischen Eingreifen zur Herbeiführung dieses Zieles sich nicht verpflichtet gesehen. Man kann also hier ganz genau den evolutionistischen Gedanken finden. Es werden einmal andere Zeiten kommen. Adonai allein wird herrschen und die ganze Welt in Liebe vereinen. Wann? Nicht heute, nicht morgen, sondern beachris hajomim. Wie konnte nur plötzlich in Palästina, wo seit den Zeiten Esras und der Maccabäer das Geistesleben immer engere Kreise um sich gezogen, eine Revoltirung alles Bestehenden nur möglich sein? Wie konnte von hier aus das Christenthum seinen Anfang genommen haben? Die Lösungen, die uns bisher geboten worden, sind mehr oder weniger unzureichend. Welthistorische Bewegungen lassen sich einmal aus dem Auftreten einzelner Menschen nicht ableiten. Nur auf alexandrinischem Boden, wo die griechische Denkweise in Folge des Zusammensturzes der elastischen Systeme eine andere Richtung erfahren und der jüdischen Lehre gewissermaßen zu einer Publicität verholfen hatte, konnte in den Juden das Bestreben entstehen, ihre Religion eifrig zu propagiren und sie der heidnischen Anschauungsweise anzubequemen. Glaubten sie doch selbst ein Stück messianischer Zeit vor sich zu sehen. Moses und Plato sind brüderlich vereint. Die beiden Culturkreise, die nach unserer modernen Anschauung in ihren Bestrebungen und Endzielen diametral entgegengesetzt sind, schienen sich damals vollständig zu decken. Wenn die Ceremonialgesetze und die ausschließlich nationalen Bestimmungen in den metaphysischen Gedankenkreis der Hellenen nicht hineinpassen wollen, so sind sie eben nicht wörtlich zu nehmen. Symbol und Allegorie beseitigen alles Zeitliche und Individuelle und Alles stimmt. Diese Richtung, die selbst eine Folge gegebener geschichtlicher Verhältnisse ist, kann sich naturgemäß im Laufe der Zeit auf diese Verhältnisse nicht beschränken und wird selbst ein geschichtsbildender Factor im Mutterlande. Der Verfasser sucht seine Annahme, für welche innere psychologische Gründe sprechen, in vorliegender Schrift durch ein reiches Quellenmaterial zu stützen. Er sieht nicht nur den paulinischen Antinomismus im hellenistischen Schriftthum, sondern auch die häretischen Parteien der Gnostiker in ihren zahlreichen Schätzungen vorgebildet. Die Beweise für den Bestand dieser Parteien in vorchristlicher Zeit aus Philo und dem neutestamentlichen Schriftthum sind geradezu zwingend und man muß sich wundern, wie die bisherige Forschung die Gnostiker als aus dem Christenthum hervorgegangene Häretiker betrachten konnte. Klar und deutlich zeigt uns der Verfasser den Ursprung der gnostischen Parteien der Kainiten, Sethoiten, Ophiten und Melchisedikianer. Besondere Beachtung verdient die Deutung des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.