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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 6 Vr. Vloch'r Wochenschrift Seite 121 Jakob: Wie ist's Ihnen heute ergangen? Malka: Wie gewöhnlich. Ich habe Lectionen gesucht. Jakob: Und auch gefunden? Malta: Nein! Mein Breslauer Patent gibt mir in Warschau kein Recht, zu unterrichten. Ich weiß also nicht, was anzufangen. Ich war schon in zwei Magazins, aber als man mich in anständiger Kleidung gesehen und als man meine correctepolnische Sprache gehört hat, so wurde von mir eine Aufzahlung begehrt. Ich ging fort unter dem Vorwände, mir die Sache noch zu überlegen. Sie sehet!, von welch' falscher Eitelkeit ich noch geleitet werde. Ich schäme mich zu gestehen, daß ich hungrig bin und daß ich bereit wäre, für ein paar Groschen den ganzen Tag die Nadel einzufädeln und Gänge zu besorgen. Jakob: Wie oft denke ich an Sie und wie gerne möchte ich eine Ihrer Bildung entsprechende Beschäftigung für Sie ausfindig machen. Aber auch ich finde überall nur verschlossene Thüren, so daß ich manchmal ganz die Hoffnung verliere. Malka: Ich habe sie schon längst verloren. Jakob: Allein trotz Allem kann es doch nicht so bleiben. Sie dürfen hier in dieser Umgebung und in der für Sie mörderischen Atmosphäre nicht zu Grunde gehen. Malka: Das sagen Alle, und doch vermag mich _ Niemand aus diesem Milieu herauszureißen. Die Wissenschaft hat meinem Geiste neue Gesichtskreise eröffnet. Ich konnte diese verpestete Leere der Vorurtheile verlassen und mit voller Brust aufathmen. Da plötzlich, als ich die Früchte meiner Arbeit zu genießen beginne, werde ich in die Masse zurückgeschleudert, aus der ich hervortauchte.Herr Löwy, wenn Sie wüßten, wie ich leide! Ich leide doppelt. Ich weiß ja, daß alle diese Leute brav und gut sind, daß mein Vater ein Recht hat, von mir Gehorsam und Achtung zu verlangen, und daß ich ihnen nichts zu bieten im Stande bin, keine Liebe, und nicht einmal eine Anhänglichkeit. Ich fühle mich gleich Ihnen sehr unglücklich und ich habe nicht den Muth, länger zu leben. (Weint.) Jakob (gerührt): Fräulein Malka! In Ihren! Unglücke sollte Sie der Gedanke trösten, daß, wenn auch in der Ferne, das Herz eines Freundes für Sie schlägt. Malka: In der Ferne?! .... Jakob (ergreift ihre Hand): Aber nicht weniger warm und herzlich. Wer weiß, was Ihnen die Zukunft noch bringen wird? Glauben Sie denn, daß wir Alle frei sind vom Kumnier und von Sorgen? Wenn Sie die meinigen kennen würden! Malka: Auch Sie haben Sorgen? Jakob: Schwere, drückende Sorgen, Fräulein Malka. Ihnen steht noch das ganze Leben offen; das meinige ist geschlossen und gefesselt für immer. Malka: Was drückt Sie denn? Sagen Sie es. Jakob: Ein anderes Mal. Sie werden es vielleicht bald erfahren. Und merken Sie sich: Was Andere als Glück betrachten, ist für mich nur Kummer und Sorge. (Man hört den Gesang der Kinder.) Wie traurig klingen diese jugendlichen Gesänge, die den Verlust des gelobten Landes beweinen. Malka: Findet dieses Lied auch in Ihrem Herzen einen Wiederhall? Jakob: Heute mehr denn je. Auch mein Herz klagt, daß es nie glücklich sein wird und ruhig. (Beide hören schweigend dem Gesänge der Kinder zu. Das Licht erlischt.) Sie weinen? Malta: Ja. Aber vor Ihnen schäme ich mich meiner Thränen nicht. Jakob: Warum bei mir? Haben Sie denn zu mir Vertrauen? Malka: Mehr als Vertrauen. Ich glaube an Sie blindlings. Es scheint mir, daß, wenn Sie sagen würden „Stirb!" würde ich sofort sterben. Auch in diesem Augenblick habe ich nicht mein Schicksal, sondern Ihr Unglück beweint. Jakob leidenschaftlich) : Mein liebes, gutes Kind! Wie thener bist Du mir. (Beherrscht sich.) Wenn Du wüßtest, welche Freundschaft ich für Dich empfinde! Malka: Sie sagten ja, daß ich Ihnen theuer wäre? Jakob: Ja, denn Sie sind ebenso unglücklich wie ich. Leben Sie wohl, Malka. Malka: Gehen Sie schon fort? Jakob: Es ist schon spät, ich muß fort. Malka: Fürwahr! Ich bemerke erst jetzt, daß Sie eine Balltoilette anhaben. Sie wollen heute noch einen Ball besuchen? Jakob: Jawohl. alk a: Also geben Sie und unterhalten Sie sich recht gut. Jakob (ergreift ihre Hand) : Sagte ich Dir nicht schon einmal, wie sehr ich unglücklich bin. Ich kann das Wort nicht so leicht zurücknehmen. Wenn ich Dich verlasse, so bin ich noch hundertmal unglücklicher und betrübter. Malka: Könnte ich Dir vielleicht helfen? Sollte ich ... . Jakob: Du, Malka, weniger denn Jemand. Lebe wohl. Malka: Wann werde* ich Sie Wiedersehen? Jakob: Für Dich und für mich wäre es viel besser, wenn wir uns Beide nie mehr sehen würden. Malka (gerührt,: Also ein Abschied? Jakob: Jawohl, Malka! Malka: Möge Ihnen Gott beistehen. Jakob: Ich danke Dir sehr (geht zur Thür, bleibt stehen, ab). Malka (weinend): Er liebt mich nicht. Ich Wahnsinnige! Wahnsinnige! I e n t a : Fräulein Malka, Fräulein Malka! Warum weinen Sie denn? Was fehlt Ihnen? Besinnen Sie sich doch. Ein so schönes Fräulein verdirbt sich doch nicht so die Augen. Malka: Ach, meine Jenta! Für mich ist nun Alles zu Ende. I e n t a: Warum? Malka: Ich kann Dir nicht Alles sagen! Aber wenn Du es wüßtest! Jenta: Ich weiß schon, ich weiß schon. Ich habe gut beobachtet, wie dieser Herr Löwy zu Ihnen herkam, und ich habe es bemerkt, daß er Ihnen Ihr Herz gestohlen hat. Aber ich wußte auch, daß dies zu nichts führen wird, denn er ist verlobt mit einem reichen Mädchen, das ihm seine Eltern auserwählt und für ihn bestimmt haben. Malka: Was, verlobt? Jenta: Gewiß! Erst heute bin ich bei den Eltern seiner Braut gewesen. Sie heißen Schramme und sind sehr reiche Leute. Ihre Tochter bekommt mindestens Zehntausend nebst der Ausstattung. Ich habe ihr heute zwei Paar Stiefeletten abgekauft. Sie hat zu große Füße, darum verkaufte ich auch ihre Stiefeletten an unsere Burschen, die dann drin fein paradiren.

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