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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 118 Dr. Vloch'r Wochenschrift Nr. 6 An seinen Platz kommt für die Dauer dieses Jahres der Stellvertreter Herr Geh. Sanitätsrath Boas. In der nächsten Sitzung der Repräsentantenversammlung, am 12. d. M., soll die Rabbiner-Wahlcommiffion neu gebildet werden. Als Favorit-Candidat für den Posten eines orthodoxen Rabbiners gilt jetzt wieder Herr Dr. K a r l e b a ch aus Lübeck. Marburg, 31. Jänner. (U n i v e r s i t ä t s p r e i s e.) Beim Festacte der Universität am Geburtstage des Kaisers er-, hielten zwei Juden Preise für Lösung der im vorigen Jahre gestellten Preisaufgaben. Das juristische Thema: „Welche Rechtswirkung hat nach dem bürgerlichen Gesetzbuch die Täuschung, durch welche Jemand zur Abgabe einer Willensäußerung bestimmt ist?" hatte drei Bearbeitungen gefunden, von denen die Arbeit des stud. jur. Paul Steinberg aus Frankfurt den Preis erhielt. Das philosophische Thema „Welche Vorarbeit zu einem System der Grundbegriffe und Grundsätze der Wissenschaft ist in den Untersuchungen Leibnitzens über die Grundlagen der Mathematik geleistet?" war vou stuck, phil. Ernst Caffirer aus Breslvn bearbeitet worden. Diese Arbeit wurde als eine ausgezeichnete Behandlung dieses höchst schwierigen Themas und als eine hervorragende Leistung bezeichnet und mit dem doppelten Preise gekrönt. Breslau, 31. Jänner. An der Bewerbung um die von der hiesigen Universität gestelten Preisaufgaben haben sich in sämmtlichen Facultäten — die theologische naturgemäß ausgenommen — jüdische Studenten erfolgreich betheiligt, und zwar erhielten den Preis, respective eine öffentliche Belobung : in der juristischen Facultät die Herren Paul P o s n e r und Jsmar Freund, in der medicinischen Herr Max K o h n aus Beuthen und in der philosophischen Herr Kurt G o l ds ch m i d 1. — Das jüdisch-theologischeSeminar beging am 27. v. M. in herkömmlicher Weise die Doppelfeier des kaiserlichen Geburtstages und des Todestages des Stifters der Anstalt, Commercienraths Jonas F r ä n k e l. Herr Seminarrabbiner Dr. I. Lewy, der derzeitige Vorsitzende des Lehrer- Collegiums, hielt die Festrede über: „Die talmudisch-rabbinische Sittenlehre" und theilte daran anschließend das Ergebniß der für das vergangene Jahr gestellten Preisaufgaben mit. Zur Bewerbung um den von Professor Dr. Kaufmann gestifteten Dr. David R o s i n'schen Preis war das Thema gestellt worden: „Die Geschichte des Achtzehngebets". Der einzigen eingegangenen Bearbeitung konnte jedoch der Preis nicht zuerkannt werden, weil derselben, wie der Verfasser in der Vorrede selbst hervorhob, die von den Statuten verlangte Druckreife fehlte. Die zur Bewerbung um den Josef Lehmann'schen Preis gestellte Aufgabe: „Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Esra" hatte keine Bearbeitung gesunden. Es folgte hierauf die feierliche Entlassung der Herren Dr. Karl Thieberger, Jsmar E l b o g e n und Max D o c t o r, welche nach bestandenem Examen ans dem Seminar scheiden. Dem Jahresbericht der Anstalt, welchem eine wissenschaftliche Abhandlung: „Interpretation des II. Abschnittes des palästinensischen Tractates Nesikin, Heft ll." von Herrn Dr. I Lewy beigedruckt ist, entnehmen wir, daß die Anstalt zur Zeit 23 Hörer zählt, von denen vier im vergangenen Jahre neu eingetreten sind. Der Verein „Liwjath Chen", dessen Anfgabe es ist, unbemittelte Hörer des Seminars zu unterstützen hat auch im abgelaufenen Jahre Theilnahme in weiten Kreisen gefunden. Düffeldorf, 17. Jänner. In der zu Crefeld erscheinen den antisemitischen „Deutschen Zeitung" fand sich am 10. De cember 1897 unter der Ueberschrift „Jüdische Sitten lehre" ein kurzer Artikel des Inhaltes, „daß der Jude sich von jedem Rabbiner vom Eide entbinden lassen und daß er darum zu jeder Zeit falsch schwören könne". Gegen den verantwortlichen Redacteur Johann Jakob I o e k e n war auf Grund dieser groben Beschimpfung das Strafverfahren wegen Vergehens gegen § 166 des St.-G.-B. eingeleitet worden, das jedoch vor der Strafkammer zu Crefeld mit der kostenlosen Freisprechung des Angeklagten endete. Der Gerichtshof hatte damals angenommen, daß die gebrauchten Ausdrücke für die jüdische Religionsgemeinschaft beschimpfende seien, daß ihnen aber nicht die „sprachliche Roheit" anhafte, die für eine eventuelle Schuld maßgebend sei. Dieses Urtheil wurde auf Revision der Staatsanwaltschaft hin vom Reichsgericht unter der Begründung caffirt und nach hier zur nochmaligen Verhandlung verwiesen, daß nicht nur der rohe sprachliche Ausdruck, sondern auch der Gedanke, den man habe zum Ausdruck bringen wollen (also der Inhalt des Artikels), die Kriterien der Beschimpfung tragen könne und trage. Damit war der heutigen Verhandlung die Directive bereits vorgeschriebe». Der Angeklagte entschuldigte seine Handlungsweise mit der Wiederholung der dreisten Lüge, daß der Talmud den Falscheid rechtfertige. Die Strafkammer verurtheilte Joeken wegen grober Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinde zu zwei Tagen G e f ä n g n i ß. Paris, 8. Februar. Die Strafkammer des Cassat i o n s h o f e s hat die Untersuchung in der A f f a i r e D r e yfus abgeschlossen. Das Actenmaterial wird nun dem General- Procurator übermittelt werden, welcher seine Anträge verfassen und sie an jene Gerichtsinstanz leiten wird, welche zur Rechtsprechung berufen ist. Ob dies die Strafkammer allein oder die drei vereinigten Kammern des Caffationshofes sein werden, das hängt von dem Schicksale des Gesetzentwurfes, betreffend die Reform des Revisionsverfahrens, ab, der sich eben in der parlamentarischen Behandlung befindet. Die Action der Strafkammer hat nicht weniger als 4 Monate und 20 Tage oder 143 Tage gedauert. Nach der Entdeckung der Fälschung Henry's nid nach dem Selbstmord, den dieser Officier am 31. August v. I. in einer Zelle des Mont-Valerien beging, hat nämlich das Ministerium Briffon am 17. September auf Grund eines Gesuches der Madame Lucie Dreyfus die Revision beschlossen. Schon am 1. October hatte der General-Procurator Manau die Prüfung des Actenmateriales vollendet, worauf er am 5. October seinen Bericht dem Präsidenten der Strafkammer, Loew, übergab. Am darauffolgenden Tage, dem 6. October, ernannte Loew den Rath Bard zum Referenten. Am 27. October begann die öffentliche Verhandlung vor dem Cassationshofe, in welcher zuerst Rath Bard seinen umfangreichen Bericht erstattete. Nach ihm sprach am 28. October der General-Procurator Manau und endlich am 29. October der Anwalt der Familie Dreyfus, Maitre Mornard. Noch an demselben Tage Abends faßte die Strafkammer ihre Beschlüsse, durch welche die Revision für recevable (formell berechtigt) erklärt und eine ergänzende Untersuchung angeordnet wurde. Bezüglich der Suspension des Strafvollzuges wurde jedoch bestimmt, daß über dieselbe erst nach den Ergebnissen der Untersuchung eine Entscheidung gefaßt werden soll. Nun begann die eigentliche Untersuchung mit der Vernehmung von Zeugen und Experten. Wenn man annimmt, daß die Untersuchung am 31. October eröffnet wurde, so hat dieselbe gerade hundert Tage gedauert. Die Dreyfus- Affaire ist aber mit der Beendigung der Untersuchung vor der Strafkammer noch lange nicht abgeschlossen, sie wird zum Schaden Frankreichs und der Republik noch sortdauern und nicht früher abgeschlossen sein, bis nicht Licht geworden und die Wahrheit offenbar wird. London. In der letzten Woche sind zahllose Versammlungen abgehalten worden mtb wollten wir über jede derselben berichten, wir fänden gar kein Ende damit. Nur die wichtigsten können daher in der folgenden Aufzählung erwähnt werden. In dem Maccabäerclub fand zu Ehren Dr. S ch e ch t e r's ein Bankett statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Der Chief- Rabbi hielt die Rede auf den Gefeierten und eine ganze Anzahl jüdischer und christlicher Gelehrte schlossen sich ihm im Lobe des verdienten Forschers an, so Rev. Gotlancz, Rev. Löwy, Israel Abrahams, Th. Pinches, Prof. Frazer, Prof. Strong und Dr. I. H. While. Am Sonnabend hielt Chachom Dr. Gaster in der Landerdale Road Synagoge seinen zweiten Bortrag über jüdische Secten und behandelte diesmal die Samaritaner. Am Sonntag sprach Professor Meldola vor den vereinigten Comites des Board of Guardians über die Vorzüge der technischen Erziehung. Der Redner hob die Vorzüge der deutschen Handwerker und Arbeiter gegenüber den englischen hervor und betonte, daß diese Vorzüge eine Wirkung der besseren technischen Erziehung der deutschen Arbeiter seien. Er empfahl den jüdischen Vereinen, dafür zu sorgen, daß wenigstens die jüdischen Handwerker in England besser geschult würden. In dem Finsbury Technical College sind unter 680 Knaben nur 27 Juden, aber diese zeichneten sich sehr erfreulich aus. — An dem gleichen Tage fand eine Generalversammlung der jüdischen Westminster Freischule statt, der wir entnehmen, daß der Etat dieser Schule 72.000 Mark betrug, während der Zuschuß der Regierung circa 18.000 Mark ausmachte. — Das Krebsspital in der Brompton Road hat für seine jüdischen Insassen jetzt die nöthigen Vorkehrungen gettoffen, um denselben koschere Nahrung zugängig zu machen. Die Ver-

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