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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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©ei« 114 Vr. Bloch'« Wochenschrift Nr. 6 Ceremonie. Noch ist es nicht lange, daß der Gebranch aufgehört, die Main in einem hinter derSchule sich befindenden G e b ä u d e (K l a u s) zu vollziehen. Dorten war ebener Erde ein großer Raum dazu bestimmt, allwo auf einer drei Stufen hohen Estrade der Bräutigam seine Braut begrüßte und sodann mit dem Segen der Religion die Ehe schloß. I u eben dieser Klause befindet sich noch jetzt eine kleine Synagoge, welche d e n N a m e n -r “ n : r n- Synagoge des Raschi führ t." Hier haben wir vor uns die Klaus, das Bet ha-Kneset Raschi's und das Brauthaus. Wir erfahren auch von Manubeimer (er lebte in Worms), daß alle diese Anstalten sich in dem Hause hinter der großen Synagoge befunden haben. Auch wissen wir, daß in dem kleinen Bethause bis zur Erbauung der Levy'- schen Synagoge an Wochentagen der Gottesdienst abgehalten wurde. Gegenwärtig befindet sich in jenem Gebäude das israelitische Hospital. Ich werde über die Geschichte der nach Raschi benannten Gebäude in Worms an einem anderen Orte ausführlicher verhandeln. Das Gesagte genügt aber für den Zweck, den ich hier verfolge, und so wollen wir uns Juspa Schammas und seinen Interpreten Lewysohn anhören. In seinem Minhagbuche. welches er 1648—1678 geschrieben hat, erzählt Juspa: „Die m e i st e n Einwohner von Worms befestigen die Mesusa senkrecht, parallel der Länge des Balkens der Thür Und ich hörte von meinem Lehrer Elia, daß zu seiner Zeit ("£•:) hier s ä m m t l i ch e Mesusot in dieser Weise vertical angebracht waren, denn so lehrte Raschi. Und es existirte in der hiesigen Gemeinde zu jener Zeit (svm ra'3 nvn) sein (Raschi's) Bet Ha-Midrasch, so wie es hier nochjetzt (v' pnj? “K0K3) ein Bet ha- Kneset Raschi's gibt. Und dort, in jenem Gebäude, welches sein Bet Ha-Midrasch war . . . (ro S. lOl.) Der Sinn ist klar; Juspa spricht von zwei Gebäuden oder zwei Abtheilungen in eine m Gebäude. Das eine Gebäude, das Bel Haus Raschi's, existirte noch zu seiner Zeit, wie aus den Worten v' pm* hervorgeyt. Das andere aber, das Bet ha - Midrasch Raschi's, bestand nicht mehr zur Zeit, als Juspa diese Mittheilung niederschrieb, hatte aber in den jüngeren Jahren seines alten Lehrers (Elia wurde 1555 geboren) noch bestanden. Die Worte Juspa's: „es existirte in der hiesigen Gemeinde zu jener Zeit sein Bet ha- Midrasch, so wie es hier noch jetzt ein Bet Ha-Kneset Raschi's gibt", lassen keine andere Auslegung zu. Das Bet ha-Midrasch nun, welches in den jüngeren Jahren Elia's existirt hatte, ist jenes, welches 1615 zerstört und von Sinzheim wieder anfgebaut wurde. Man muß mit vollständiger Blindheit geschlagen sein, um dies nicht einzusehen. Lewysohn aber bemerkt es nicht, identificirt die bei Juspa erwähnten Gebäude mit der Raschi - Capelle und schreibt: „Suchen (!) wir nun nach literarischen Quellen, um — wo möglich — das höhere Alter der Capelle als aus dem Jahre 1624 nachzuweisen. Der berühmte Kabbalist Elia Loanz (L'5 S. 59) starb nach dem Memorialbuch Donnerstag, den 21. Tamus (5) 396 5. Juni 1636. Er erzählte seinem Schüler, wie im zu seiner Zeit vorhandenen Lehrhause Raschi's die Pfostenschrift nnitt nach der rituellen Bestimmung Raschi's angebracht wurde . . . Loanz lebte also gleichzeitig mit Oppenheim (dieser starb 1642). Nach Herrn E. war also die Capelle 12 Jahre vor dem Tode des Loanz gebaut worden, und Loanz kannte das Lehrhaus nur etwa 6 Jahre (?), was wahrlich dem einfachen Wortlaut jener Erzählung kaum entspricht. Der Schüler erzählt . . . (wie oben). Der Ausdruck nerrn rrn rrn tmön rrr rrn (?) deutet schon ein längeres Vorhandensein an, für ein kürzeres oder junges Vorhandensein wäre der Ausdruck kste: passender (Laubhütte Nr. 40). Was hier Lewysohn haben will, ist mir einfach unbegreiflich. Loanz spricht gar nicht von einem Gebäude, welches zur Zeit seiner Unterredung mit Juspa vorhanden gewesen wäre, sondern von einem solchen, welches in früherer Zeit existirt hatte. Es ist daher in Ordnung, wenn er rrn sagt. Juspa wieder, der das Bethaus Raschi's aus seiner Zeit erwähnt, sagt wirklich sr p’iy umg und nicht n*n wie Lewysohu falsch schreibt. Auch ohne jede Kenntniß der Geschichte hätte Lewysohn einsehen können, daß das Minhagbuch mit keiner Silbe auf die Raschi - Capelle anspielt. Das zerstörte Bet ha- Midrasch, welches nicht mehr vorhanden war, ist sie gewiß nicht, denn sie existirte ja seit 1624, und das Bet ha - Kneset Raschi's ist sie auch nicht, denn sie war niemals ein Bethaus. Vielmehr erhellt aus dem Minhagbuche, daß zu jener Zeit die Capelle noch nicht den Namen Raschi's führte, denn in diesem Falle hätten Loanz und Juspa sich auf dieselbe berufen. In seiner Kritiklosigkeit und Unkenntniß der Ottsgeschichte begeht L. weitere Jrrthümer. Wenn nach dem Memorbuche Sinzheim das große Bet ha - Midrasch .Raschi's gebaut hat, so wird, nach der Meinung Lewysohn's, damit „deutlich gesagt, daß die seit ältesten Zeiten in Worms vorhanden gewesene Jeschiba twiasnn r\am (!) des Raschi restaurirt wurde". Lewy ohn versteigt sich sogar zu der Behauptung: „Es ist also zweifellos, daß die Capelle schon früher einmal, it lt b zwar vor D. Oppenheim von Sinzheim restaurirt wurde... Nur fehlt im Memorbuche bei dem Ehepaare Sinzheim die Angabe des Todesjahres ... Es ist aber zwci'ellos (!), daß die Restauration vor d e r d e s O p p e n h e i m st a t t g e f u n d e n haben mußt e". . . Es weiß aber jeder Anfänger auf diesem Gebiete, daß Sinzheim 1744, also 102 Jahre nach Oppenheim gestorben ist. Die Nestauration Siuzheim's hat somit vor der Oppenheim'schen nicht nur nicht stattfinden müssen, sondern nicht stattfinden können. Das Todesjahr Sinzheim's hätte Lewysohn in L. A. Frankl's „Inschriften des alten jüdischen Friedhofes in Wien" und in dem Worser Memorbuche, welches noch 1887 im Druck erschienen ist, leicht finden können. Aber Lewysohn braucht keine Quellen zu seiner Geschichtsschreibung; eine gute Feder und eine nachsichtige Redaction genügen ihm vollständig. Erst nach einiger Zeit offenbarte ihm ein Wormser Freund, daß Sinzheim 1744 starb (Nr. 46). Aber noch immer bleibt ihm das erwähnte Memorbuch unbekannt. Auch die Schrift Mannheimer's existirt für ihn nicht, und er hat keine Ahnung, wo das Sinzheim'fche Bet ha-Midrasch gelegen war. Er identificirt es mit der Raschi-Capelle und sagt von demselben: „Es ist das Lehrhaus Raschi's, und daß dieses Lehrhaus an der Westseite der Synagoge.. . lag, ist ja eine uralte Sage." Auch wenn der spätere D. Oppenheim (Rabbiner in Nicolsburg) über die Zerstörung des Bethauses Raschi's im Jahre 1680 klagt, sieht Lewysohn hierin wieder eine Erwähnung der Raschi-Capelle — alle anderen Gebäude sind ihm ja unbekannt. Freilich begreift er dann nicht, wieso die Capelle bald Bet Ha- Midrasch, bald Bet ha - Kneset genannt werden konnte. Er weiß sich aber zu helfen und meint: „es ist aber bekannt, daß das Gebet- und das Lehrhaus Raschi's in einem Gebäude vereinigt waren" (Nr. 40). Das große Bet Ha-Midrasch Siuzheim's und das Bet ha - Kneset, das Alles soll die kleine Capelle in sich vereinigt haben! Der hochsahrende Ton Lewysohn's steht in geradem Verhältnisse zu seiner mangelhaften Sachkenntniß. Seine persönlichen Angriffe kann ich getrost unbeantwortet lassen. Wenn er es aber in salbungsvoller Stimmung „recht eigenthümlich findet, daß die jüdische Wissenschaft an der Art der Lehrthätigkeit Raschi's zu nörgeln weiß", so ist diese Insinuation zurückzuweisen. Niemand hat an der Art der Lehrthätigkeit Raschi's genörgelt. Ich leugne nur die Lehrthätigkeit Raschi's in Worms, wie sie schon lange vor mir von Zunz und Grätz geleugnet wurde. Der Ruhm des einflußreichsten Lehrers in diesem Jahrtausend kann wohl nicht geschmälert werden, wenn es bewiesen wird, daß die Capelle in Worms ihn nie gesehen hat. Ich wiederhole zum Schluffe, was ich in meiner Arbeit über die Wormser Synagoge gesagt habe: Die Raschi-Capelle bat mit Raschi nichts zu thun, und man soll diesen großen Lehrer, der sein ganzes Leben nach Wahrheit forschte, nicht mit einer Lüge zu verherrlichen suchen. Correspondenzen. Der erste jüdische Oberlandesgerichtsrath itt Oesterreich. Am 2. Februar brachte uns die „Wiener Zeitung" die freudige Nachricht von der Ernennung unseres Landesgerichtsrathes Dr. Samuel S a r e zum Oberlandesgerichtsrat h e. Es ist dies der erste Fall, daß ein .Jude zum Obergerichtsrath ernannt wird, und um so interessanter, als gerade Dr. S a r e der jüdische Pionnier durch alle Rangsclassen der richterlichen Hierarchie in Oesterreich ist. Jahrelang war er in der Aera T a a f f e Titular-Rathssecretär, weil er gewissen

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