Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 6 (10.2.1899)
- Date
- 1899-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 107 sprechung unter Beihilfe von Reisestipendien im Auslande eine weitere Ausbildung oder eine Existenz zu gründen, wurden ungeachtet der gesteigerten Anforderungen noch weiter ausgestaltet, da sich diese Sprachencurse bestens bewährt hatten und sich lebhafter Theilnahme. seitens der Zöglinge erfreuten. Die Creirung eines Reisestipendienfonds ist beabsichtigt, damit möglichst vielen Zöglingen diese Wohlthat gewährt werden könne. Der Bericht spricht einen leisen, aber hoffentlich wohlverstandenen Vorwurf gegen die ablehnende Haltung aus, welche der Verein bei vielen unserer Glaubensgenossen und sogar bei Gemeinden begegnet, deren Angehörigen die Segnungen des Vereines zugute kommen, und gibt den Wunsch kund, daß diese ablehnende Haltung in Erkenntniß der höchst precären Situation des Vereines schwinden und demselben die weitestgehende Unterstützung geboten werden wird. Bei der Wahl des Handwerkes wird den Zöglingen wohl weiter Spielraum gelassen, allein die Vereinsleitung greift hiebei rathend und Richtung gebend ein, und sind insbesondere die physische und geistige Eignung der Zöglinge maßgebend. Ende des verflossenen Jahres war der Stand der Vereinszöglinge 855, darunter aus Galizien 337, Ungarn 234, Mähren 158, Böhmen 54, Niederösterreich 57 u. s. w. Von diesen widmeten sich der Schlosserei 97, der Schusterei 106, dem Tapezierergewerbe 66, der Tischlerei 71, der Spänglerei 54, der Buchbinderei 44, dem Mechanikergewerbe 66, dem Riemer- und Sattlerhandwerk 53, dem Schmiedegewerbe 22 u. s. w. Hieraus ist ersichtlich, daß bie Bereinsleitung dort, wo die Eignung hiezu vorhanden, die Zöglinge bestimmt, Handwerken sich zu widmen, welche schwere manuelle Thätigkeit erfordern, und daß andererseits die Zöglinge davor nicht zurückscheuen, in diese Handwerke, welche die größten Anforderungen an die körperliche Thätigkeit stellen, einzutreteu. Die Pauschalverdächtigung, als würden die Juden vor schwerer manueller Thätigkeit zurückschrecken, ist wohl durch obige Daten auf's Glänzendste widerlegt. Pflicht und Schuldigkeit eines jeden Glaubensgenossen muß es sein, einem Vereine, der eine so segensreiche, ersprießliche Thätigkeit entfaltet, der armer Eltern Kinder erzieht, pflegt und liebevoll betreut und ihnen die Basis zu einer sicheren Existenz schafft, nach Kräften beizuspringen, ihn zu fördern und zu unterstützen, namentlich in der Zeit der häßlichen, widerwärtigen antisemitischen Strömung, und es darf wohl der ebenso zuversichtlichen als bestimmten Erwartung Raum gegeben werden, daß der warme Appell an alle unsere Glaubensbrüder, an die vielen unserer humanitären Vereine, namentlich aber an die Cultusgemeinden, deren Angehörige in der Obhut und Versorgung des Vereines stehen, nicht ungehört verhallen, sondern fruchtbaren Boden gefunden haben wird, damit dem Vereine die Möglichkeit geboten werde, den sich stets steigernden Anforderungen an seine Leistungsfähigkeit gerecht zu werden, wie es seinen Intentionen entspricht und zu Nutz und Frommen der Kinder unserer armen Glaubensbrüder wäre. Indem wir den „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" unterstützen und fördern, ermöglichen wir demselben, möglichst viele unserer Kinder dem Handwerke zuzuführen, diesen die Möglichkeit zu bieten, einen ehrenhaften Nabrungszweig zu wählen und den lästerlichen Vorwürfen zu begegnen, welche seitens unserer Feinde und Gegner erhoben werden. Eduard Beer. Die englischen Zionsfreunde üdrr den Wiener Zionismus. London, 5. Februar. Gegenüber einer Notiz in der vorigen Nummer des „Jewish Chronicle", worin das Verhältnis zwischen der „English Zion Federation" und der „Chovevi Zion Association" falsch charakterisirt wurde, veröffentlicht der Vice- Präsident des letzteren Verbandes, Mr. Prag, einen offenen Brief in der dieswöchentlichen Nummer desselben Blattes. Zum besseren Verständniß sei hier bemerkt, daß die „Associatio n" ein Verband aller Colonisations- Vereine Großbritanniens, etwa dreißig an der Zahl, unter dem Präsidium des Colonel G o l d s m i d ist, während die „Federation" erst jüngst auf Wiener Anregungen auf Basis des Herz l'scheu Programmes geschaffen wurde. Außerdem besteht unter dem Vorsitze des Präsidenten der „Alliance Jsraelite Universelle" und „Jewish Colonisation Association", Narcisse Leven, in Paris ein Comitö, in dem alle Colonisationsverbände durch Delegirte vertreten sind und das die Colonisirung Palästinas mit gemeinsamen Mitteln sich zur Aufgabe gemacht hat. Der Brief Mr. P r a g's, der die Stimmung in den seit jeher zionistisch gesinnten und erprobten Kreisen sehr gut charakterisirt, lautet: „In den Notizen von der Woche sprechen Sie von einem Kriege, der zwischen der „Chovevi Zion Association" und der „English Zion Federation" ausgebrochen ist. Das ist in dieser Form nicht richtig. Wir haben uns einfach der Federation nicht angeschlossen. Der Hauptanlaß dazu war gegeben in der Sitzung vom 22. Jänner. Bei derselben hat nämlich der Vorsitzende des Organisations-Comites der Federation, Mr. Ben twich, erklärt: „Die „Chovevi Zion Association" ist gegen die Einigkeit und will lediglich als eine kleine englische Körperschaft wirken, aber wir, die Federation, wollen Einigkeit." Diese Behauptung ist unrichtig. Im Gegentheil, wir waren stets gegen ein isolirtes Vorgehen bei der palästinensischen Arbeit. Unsere Gesellschaft hat doch das Central-Comitö der Chovevi-Zionverbünde mit dem Sitze in Paris geschaffen, dem sich die englischen, deutschen, russischen, schweizerischen, französischen und dänischen Zionsverbände angeschloffen haben. Unser Bemühen war es stets, jeden geographischen Unterschied zwischen Juden und Juden zu beseitigen, und wir haben unsere Colonisten aus der Mitte derer ausgewählt, die in Palästina bereits als Arbeiter verwendet waren, aber aus Galizien, Rumänien oder Rußland stammten. Seit der Begründung hat diese Union erfolgreich gewirkt und ihr Präsident Mr. Narcisse Leven wurde so sehr überzeugt von der Verwendbarkeit der Juden in der Landwirchschaft und der Eignung P a 1 ä st i n a s für Colonisation, daß er seine Collegen in der „Jewish Colonisation Association", deren Präsident er ist, dafür zu gewinnen verstand, jeder Colonie in Palästina und Syrien die Unterstützung, deren sie bedurfte, zu gewähren. Er hat auch die Gründung einer großen Colonie in Sedgera (Galiläa) angeregt, was zusammen mit den gewährten Subventionen bis vier M i l l i o n e n F r a n c s ausmacht. Er beabsichtigt auch, eine zweite landwirthschaftliche Schule in Palästina zu errichten, die neben „Mikweh Israel" wirken könnte. Das Alles beweist den großen Werth der internationalen Union der Chovevi-Zionverbände, die vom englischen Verband in's Leben gerufen wurden. Und trotzdem nimmt sich die „Federation" die Kühnheit, zu behaupten, wir wären gegen die Einigkeit und zögen es vor, als kleine englische Körperschaft zu bestehen. Nur weil wir keine Lu st haben, uns von Wien Vorschriften machen zu lassen, .deshalb sind wir der „Federation" nicht beigetreten. Gerade diese Herren waren gegen die Einigkeit, denn sie setzten Statuten auf, die vielfach unpraktisch, zum größten Theil aber geradezu lächerlich waren. Wir hätten Alles über Bord werfen, wir hätten uns an Händen und Füßen, an Leib und Seele von Wien fesseln lassen sollen! Der Verband „E s r a" in Berlin, der Verband der „C h o v e v i Z i o n" in O d e s s a, der Verein „I i s ch u b E r e z I s r a e l" in P a r i s, die Genossenschaft „A h a v a s Z i o n" in G a l i z i e n, alle diese nationalen und colonisatorischen Körperschaften, die für Palästina wirken, haben es abgelehnt, sich der Herrschaft des unerfahrenen und unverantwortlichen Comit^s in Wien zu unterordnen, und wir sollten die Gemeinschaft mit diesen Vereinen lösen?