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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 106 Vr. Bloch's Wochrnschrifi Nr. 6 Nun hat eine hochnothpeinliche Untersuchung ergeben, daß die Juden nach keiner Richtung an dieser Affaire, die sichals eine racen reine arische Fami liena ngelegenheit präsentirt, betheiligt sind; daß, während die ruthenische Geistlichkeit ihr Guthaben soso rt ein forderte, die Lemberger israelitische Cultusgemeinde ihre 200.000 fl. bei der Sparcasse bis heute nicht gekündigt hat. Das Alles nützt nichts. Man muß es wörtlich lesen, was das Blatt, an dessen Spitze der Abgeordnete der jüdischen Majorität von Kolomea, S zcz e p a n o w s k i, und der „Demokrat" Romanowicz stehen, dessen Wiener Correspondent der Abgeordnete der jüdischen Majorität von Tarnow, Dr. R u t o w s k i, ist, in seinem Artikel über „Die galizische Sparcasse und die Juden" schreibt, um die ganze Niedertracht seiner nunmehr am Felsen der öffentlichen Moral zerschellten politischen und finanziellen Speculationen zu verhüllen. Und dazu sei noch bemerkt, daß das Blatt und seine Hintermänner, wie ja allgemein bekannt, bisher sogar „philosemitisch" schillerten. Wir nehmen aus dem Schimpfartikel die zwei markantesten, für seine ganze Tendenz charakteristischen Stellen heraus. Sie lauten: „Die Erschütterung der Sparcasse, das wäre eine Landeskatastrophe — ein Zusammenbruch vieler Banken, Spar- und Vorschußvereine, christlicher Genossenschaften u. s. w., ohne vom Ruin vielfacher Jndividual-Wirthschaften zu sprechen; das wäre eine Vernichtung des Credils und des öffentlichen Vertrauens für Jahre hinaus. Kann man sich da ein dankbareres Gebiet der Thätigkeit für jene Elemente denken, die gewöhnt sind, nur von fremdem Ruin zu leben? Läßt sich denn mit einem Schlag ein besseres Terrain für „gute Geschäfte" und dann für die vollständige Herrschaft im ganzen Lande denken?" „Wir waren immer Gegner des Radau-Antisemitismus, der viel geschrieen, aber nichts geleistet hat. Jetzt handelt es sich um eine T h a t, u. zw. u m die Vernichtung jener destructiven Elemente, die heute ihre Maske gelüftet und sich zu einer Phalanx zusammengeschlossen haben, um das Land zu erobern. Ihr habt Euch aber zu sehr beeilt; es war vielleicht noch zu früh!" Und warum dies Alles? Weil die Juden ebenso wie die Bauern und christlichen Krämer ihre geringen, unter den größten Entbehrungen abgesparten Nothpfennige wieder zurückforderten. Allein die Gründe dieser plötzlichen Schwenkung waren so durchsichtig, daß die infame Hetze des „Slowo Polskie", der mit einem Ansturm allen polnischen Antisemiten-Blättern den Vorrang abgelaufen hat, ohne welche Wirkung verlief. Geblieben ist nur die neuerliche Bestätigung für den alten Erfahrungssatz, daß der Antisemitismus immer hervorgeholt wird, wenn entgleiste Existenzen ihre moralischen Defecte bedecken und sich wieder ans die Oberfläche Hinaufhelsen wollen. Romanowicz und Szczepanowski haben durch den Artikel gezeigt, wie tief sie gesunken sind. Aber sie finden nicht einmal bei ihren antisemitischen Collegen freundliche Aufnahme, geschweige denn Dank. Als neue Concurrenten sind sie ihnen unbequem. Ein antisemitisches Tagblatt rechnet aus, daß das „Slowo Polskie" mit großem Deficit arbeitet, und trotzdem seinen Redacteuren und Correspondenten die größten journalistischen Gehälter in Galizien zahlt und das Blatt unter dem Selbstkostenpreis abgibt — weil eben das Deficit aus den Millionen der Sparcasse gedeckt wird. Herr Szczepanowski hat auch die unausweichliche Consequenz aus seiner Situation gezogen, indem er das Mandat der Stadt Kolomea für den galizischen Landtag niederlegte. Dieses Mandat einer jüdischen Majorität durfte er keinen Augenblick länger behalten. Es ist auch anzunehmen, daß es sich nicht blos um eine Komödie handelt, damit Herr Szczepanowski durch eine neuerliche Wahl rehabilitirt werde. Der jüdischen Wählerschaft von Kolomea verbieten es die Selbstachtung und das Ehrgefühl, bei einer solchen Komödie mitzuwirken. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Wien, im Februar. Unter den vielen humanitären Vereinen Wiens ist wohl der „V e r e i n z u r B e f ö r d e r u n g der Handwerke unter den inländischen Israeliten" derjenige, welcher die dankenswertheste und segensreichste Thätigkeit entfaltet. Sein Programm, das angestrebte Ziel, ist in lapidarer, Jedermann erkennbarer Weise in seinem Titel enthalten. Kann es schöneres, edleres Wirken geben, als armer Eltern Kinder zu Handwerkern heranzubilden? Wohl ist das Handwerk derzeit von der Großindustrie, die mit Maschinen arbeitet, der enorme Capitalien zu Gebote stehen, in seinem Wirkungskreise eingeengt, ja in mancher Richtung sogar bedrängt, allein noch bewährt sich das Sprichwort von dem goldenen Boden des Handwerkes, wenn es nur zeitgemäß gehandhabt wird, wenn dem Handwerker die den Anforderungen der Neuzeit entsprechende fachmännische und intellectuelle Ausbildung zur Seite steht. Insbesondere in kunstgewerblicher Richtung steht dem Handwerk noch ein weites Feld der Bethätigung offen, dessen Ausbeutung ermöglicht, eine sichere Existenz zu begründen, sich auf ein höheres Niveau hinauf zu schwingen und eine angesehene sociale Stellung zu erlangen. Die Leitung des Vereines, dem eine achtundfünfzigjährige Erfahrung zur Seite steht, bietet den seiner Obhut und Versorgung anvertrauten Zöglingen die Mittel und weist ihnen den passenden Weg, sich die erforderlichen Kenntnisse in Bezug auf Technik und modernes elementares Wissen anzueignen. Mit an väterliche Fürsorge grenzender Sorgfalt werden die zumeist noch im jugendlichen Alter stehenden Knaben behandelt, gehegt, betreut und gepflegt. Rührend ist es, wie an Sonntagen die Vereinsleitung Hunderte dieser jungen Knaben empfängt, ihre Anliegen, Beschwerden und Wünsche entgegennimmt und, so weit es die Vereinsmittel erlauben, auch den Wunsch, selbstverständlich wenn er berechtigt ist, befriedigt. Ja, die Vereinsmittel, das ist der wunde Punkt; diese sind zum lebhaften Bedauern und zur tiefen Betrübniß Aller, welche die ersprießliche Wirksamkeit des „jüdischen Handwerker- Vereines", wie er im Volksmunde genannt wird, kennen, viel zu karg bemessen, und reichen lange nicht hin, um auch nur schwachen Anforderungen, die an seine Thätigkeit gestellt werden, gerecht zu werden. Bei einem Ausgabeetat von rund 35.000 fl. verfügt der Verein nur über rund 3500 fl. an Jahresbeiträgen von ordentlichen Vereinsmitgliedern; rechnet man hiezu noch 10.000 fl. an Zinsen des Stammfondes, so schwebt über demselben noch immer das Damoklesschwert eines Deficites von über 20.000 fl., welches allerdings durch Spenden und Subventionen gedeckt erscheint, die aber immerhin problematischer Natur sind. Es ist kaum glaublich, daß Wien mit seinen 15.000 jüdischen Steuerholden (Balbatim) kaum 400 Mitglieder einem Vereine stellt, welcher eine so dankenswerthe, philanthropische Thätigkeit entfaltet. Zu vorstehenden Bemerkungen werden wir durch den eben erschienenen sechsundfünfzigsten Jahresbericht des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" veranlaßt. Demselben ist zu entnehmen, daß die Vereinsausgaben durch die Einnahmen nicht gedeckt werden konnten, daher die Bilanz mit einem Abgänge schließt, und zwar deshalb, weil die Subventionen sich vermindert, die Zöglingszahl dagegen sich bedeutend gesteigert hat. Nicht weniger als 1226 Knaben — gegen 1171 im Vorjahre — sind im Berichtsjahre unter dem Schutze des Vereines gestanden. In elegischer Weise äußert sich der Bericht, daß der Verein in dem Bestreben, so viel als möglich armen Kindern die Wohlthaten des Vereines zutheil werden zu lassen, sich zu einer Reduction bei der Zöglingsaufnahme nicht zu entschließen vermochte, daß aber die eiserne Nothwendigkeit schließlich zu einer solchen Reduction zwingen müßte, falls die Einnahmen mit den Ausgaben nicht in Einklang gebracht werden könnten. Schon war der Verein bemüssigt, den Reservefond anzugreifen, die Vorsicht aber gebietet es, denselben einer weiteren Belastung nicht zu unterziehen. Die vom Vereine im Vorjahre eingeführten Curse zur Aneignung der französischen und englischen Spräche, welche den Zöglingen die Möglichkeit bieten sollen, sich nach erfolgter Frei-

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