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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-10 · 6 (10.2.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 6 Dr■ Bloch S Jahrgang XY1. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. -- Wien, 10. Februar 1899. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien» II.» Untere Angartenstraße Ir». Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. »— * Bezugspreis für Sesterreich: j Halbjährig 4 fl. — 8 Är. Einzelexemplare 25 kr. ILr's Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Jtr. ganzjährig 10 * 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. U - * - U K. K. Postsparrasfen-Ami ElearingverKehr I ' Nr. 810.976. . Redaction und Ndministration.- i Wien | XI., Untere Angartenstr. la. | Telephon* Nr. 6535. m Inhalt. Leitartikel: Entlarvtes Specnlantenthum. — Verein zur Beförderung der Handwerker unter den inländischen Israeliten. — Die englischen Zionsfreunde über den Wiener Zionismus. — Die neueste „Wahlreform". — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Die spanisch-portugiesische Gemeinde in London gegen den Zionismus. Di. Max Nordau in Köln. Adolphe d'Ennery. Octave Mirbeau. Arischer Wucher. Ein Dreyfus-Fall im Kleinen. — Fremdenrechte. — Die sogenannte Raschi- Eapelle in Worms. — Correspondenzen: Der erste jüdische Oberlandesgerichtsrath in Oesterreich, Wien, Prag, Brünn, Mährisch-Ostrau, Mährisch-Budwitz, Berlin, Marburg, Breslau, Düsseldorf, Paris, London. — Vermischtes: Wien, Straßnitz, Prag, Troppau, Grulich, Krakau, Budapest, Essegg Serajewo, Berlin, Amsterdam, Brüssel, London, Poona-Jndien. — Feuilleton: Malta Schwarzenkopf. — Der vorchristliche jüdische Gnosticismus. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Entlarvtes Sxerulantenthum. Lemberg, den 5. Februar. Zum zweiten Male seit einem Jahre sehen wir in Galizien ein „judenreines" Finanz-Institut vor einer Katastrophe. Als vorigen Jahres Director Czeslaw v. K i e s z k o w s k i von der „Wechselseitigen Versicherungsgesellschaft" in Krakau nach Defraudirung mehrerer Hunderttausende Gulden durchging und das ganze Institut in seiner Existenz erschütterte, da suchte man vergebens nach einem Süudenbock. Die Direction und der Aufsichtsrath , sogar die ganze Beamtenschaft bestand lediglich aus racenreinen Ariern, selbst die Agenturen wurden an Christen vergeben, und man war nur so gnädig gewesen, von Juden Versicherungen entgegenzunehmen. Es war also unmöglich, auch nur die entfernteste Schuld auf die Juden zu wälzen. Die Stanczyken, die die „Floryanka" beherrschen, mußten sich dazu bequemen, den Schaden aus Eigenem zu ersetzen, denn die Schandthat wurde ja von einem Standesgenossen begangen. Der größte Theil der polnischen Presse, im Solde der Machthaber und Stanczyken- Clique stehend, ging schüchtern jeder Erörterung aus dem Wege und begnügte sich damit, blos die Thatsachen zu registriren. Nun erregen wiederum die seltsamen Manipulationen innerhalb eines anderen Finanz-Institutes die weiteste Aufmerksamkeit. Die hiesige „G a l i z i s ch e Sparcasse", deren Fonds nicht in den Beiträgen reicher Actionäre, sondern in den Einlagen von Waisen und armen, kleinen Leuten bestehen, kracht in allen Fugen, weil sie von Jndustrierittern im echtesten Sinne dieses Wortes für die gewagtesten Speculationen mit unglaublichem Raffinement ausgesaugt wurde, so daß der Schaden nach Millionen zählt. Und wiederum handelt es sich um eine „j u d e n r e i n e" Anstalt. Weder im Aufsichtsrathe, noch in der Direction, noch überhaupt unter den Beamten findet sich auch nur ein Jude. Die Leute, die die Anstalt zu Grunde richteten, die Firmaträger Szczepanowski, Odrzywolski, W o l s k i, mehrere Gutsbesitzer, denen Hunderttausende weit über den Werth ihrer Besitzungen hinaus geliehen wurden, sind ebenso wenig Juden. Was haben also überhaupt die Juden mit allen diesen Schwindeleien zu thun? Selbst der hiesige Correspondent des Krakauer Hetzblattes »Glos Narodu« vermochte trotz der zweifellos nicht geringen Geschicklichkeit in seinem Gewerbe zwischen dem Krach der Galizischen Sparcasse und den Juden keinen Zusammenhang zu finden, und da er sich wohl selbst darüber schämte, so glaubte er die Sache dadurch zu vertuschen, daß er seinem Blatte lieber gar nichts meldete. Aber die Clique, die durch Beeinflussung des greisen Generaldirectors Z i m a auf bloßen Personalcredit aus der Galizischen Sparcasse über fünf Millionen Gulden herauszuziehen wußte, hat es verstanden, ihr Raffinement noch durch ihre grenzenlose Frechheit zu überbieten. Sie hat den Zusammenhang zwischen dem Krach der Sparcasse und den Juden doch geschaffen. Wie jener Dieb, der vom strafenden Arme der Gerechtigkeit sich erreicht sieht und darum selbst „Fangt den Dieb" zu schreien anfängt, ebenso haben die entlarvten Speculanten durch einen Vorstoß gegen die Juden die öffentliche Aufmerksamkeit von ihrem gewissenlosen Treiben abzulenken versucht. Die Juven haben gar keine Controle über die Sparcasse gehabt, aber sie hatten zu ihr dennoch Vertrauen und übergaben ihr die Ersparnisse. Schon seit Monaten sind über das eigentümliche Gebühren in der Sparcasse und ihr Verhältniß zu jener Nimmersatten Speculantenfirma beunruhigende Gerüchte in die Oeffentlichkeit gedrungen; man erfuhr, daß sich der Auffichtsrath weigere, die Jahresbilanz der Direction zu unterschreiben, und nun hatten die Juden die unerhörte Kühnheit, ihre Spargelder zurückzufordern. So entstand ein Run. Die Sparcasse gerieth in Stockung, die Behörden mußten sich im öffentlichen Interesse einmischen, und so erfuhr man von dem unglaublichen Treiben einiger Speculanten mit dem Generaldirector, der sofort „beurlaubt" wurde. Daß gerade dieser Run im öffentlichen Jntereffe lag, indem noch rechtzeitig, wenn auch mit einem Verluste von mindestens drei Millionen am Reservefond, aber vorläufig doch ohne Gefährdung der Spareinlagen, die Machinationen entdeckt wurden, unterliegt keinem Zweifel. Aber die Clique, die dem Generaldirector immer neue Capitalien zu entlocken wußte, mit der Drohung, daß sonst ihre Unternehmungen falliren müßten und Alles in die Oeffentlichkeit käme, sah sich Plötzlich entlarvt. Ihr Organ „Slowo Polskie", das sie ja mit den Geldern der Sparcaffe Herausgaben, stellte sich nunmehr an die Spitze einer Hetze gegen die Juden. Die antisemitischen Blätter leisteten ihm gern Gefolgschaft. Aus dem Umstande, daß sich schon vor mehreren Jahren ein Counts, bestehend aus mehreren christlichen Aristokraten und Advocaten und dem einzigen Juden Dr. Byk, behufs Gründung einer „Bank für Gewerbe und Landwirthfchaft" gebildet hatte, deren Statuten noch nicht einmal genehmigt sind, versuchte das Blatt, Capital zu schlagen und der Oeffentlichkeit weißzumachen, daß der Run lediglich ein jüdisches Concurrenz-Manöver war, um die gekündigten Capitalien für die „Judenbank" zu gewinnen.

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