Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 5 (3.2.1899)
- Date
- 1899-02-03
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 100 Vr. Vloch'r Wochenschrifl Nr. 5 General-Jnspector der Banken ernannt worden. In Leghora haben die katholischen Krankenpflegerinnen, Nonnen, im Stadtspital die jüdischen Patienten zum Christenthum bekehren wollen. Die Stadtbehörde hat deshalb eine Untersuchung angeordnet und nach den Ergebnissen derselben zehn Pflegerinnen entlassen mit der Erklärung, daß im Wiederholungsfälle die Nonnen vonl Krankenpflegerinnendienste ausgeschlossen werden. In Forbona wurde kürzlich eine jüdische Dame in den Vorstand der Volksküche gewählt, obwohl der Bischof dieser Stadt alle Anstrengungen gemacht hatte, um die Wahl einer Jüdin zu verhindern. London. Sehr gute Nachrichten kommen aus Teheran. Der Director der Allianceschule Cazes berichtet, daß seit seiner Ankunft wenigstens in dieser Stadt die Verfolgung der Juden ganz anfgehört hat, durften doch dieselben sogar das Judenzeichen oblegen, das sie bisher, wie in Deutschland im Mittelalter, tragen mußten. Nicht weniger als 500 Kinder besuchen die Schule, alle tragen eine Art nette Uniform, und dies sowie die Reinlichkeit, zu der sie angehalten werde» und die sich schon auf die Straßen des Judenviertels erstreckt, hat allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Die Behörden zeigen allen guten Willen »nb besonders der englische Gesandte Sir Henry Mortimer Durand leiht der guten Sache seine mächtige Hilfe. Außerdem ist der Polizeiminister und Gouverneur von Teheran Mouhtar es Sultaneh ein besonderer Gönner und der von ihm gezeigten Festigkeit, zugleich mit der liebenswürdigsten Form gepaart, ist es gelungen, den Fanatismus der muselmännischen Bevölkerung zu beschwichtigen und den Juden Ruhe zu verschaffen. Dieselben schulden ihm in der That den wärmsten Dank, denn auch bei dem Schah, der ihm ein offenes Ohr leiht, ist er ein Fürsprecher der Juden. London. Der „Jewish-Chronicle" enthält einen interessante» Bericht über die Colonisten des Vereines „Ahawath- Zion" in C y p e r u. Dieselben reisten am 6. September ans London ab und fuhren mit einem französischen Dampfer via Marseille, Smyrna, Beirut nach Larnaka. Auf dem Schiff hatten sie seitens des französischen Capitäns sich der größten RäHrchtsnahme zu erfreuen, man überließ ihnen eine Cabine als Gebetraum rc. Die ganze Reise dauerte 17 Tage und die Colonisten kamen gerade am Erew Jom-Kippur in Cypern an, wo die weitere Reise auf Wagen bis Margo gemacht werden mußte. In den ersten Wochen entstand mancherlei unerwartete Schwierigkeit; so mußte zum Beispiel der Mnndvorrath neun Meilen (englische) aus der nächsten Stadt geholt werden und es dauerte einige Zeit, bis sich die Leute und besonders die Frauen, die Gas- und Wasserleitung schmerzlich vermißten, an die neuen Berhältniffe gewöhnten. Schwierig war es auch mit dem Schochet, denn der für die Colonie Engagirte war zurückgetreten, der einzige in Cypern vorhandene lebte in Larnaka und der Hin- und Rückweg nimmt 8 Tage in Anspruch. Erst nach 2 Monaten kam ein neuengagirter Schochet aus Jaffa, dagegen konnten Begetabilien, Früchte rc. von den eingeborenen Händlern gekauft werden, die mit ihren beladenen Eseln durch das Land ziehen. Auch einige Fieberanfälle kamen vor und da sie durch den Doctor von Nikosia behandelt werden mußten, war die Sache recht unangenehm. Gegenwärtig sind viele dieser Schwierigkeiten beseitigt; so hat man jetzt Brunnen dicht bei den Häusern, während man vorher das Waffer von einem entfernten Canal holen mußte. Die Häuser des Dorfes liegen an den Straßen von Niftffia nach Larnaka; es sind einstöckige Gebäude, innen und außen mit Gyps gestrichen, was ihnen ein malerisches und zugleich reinliches Ansehen gewährt. Die Häuser stehen 90 Meter von einander, sind circa einen halben Meter erhöht über dem Boden, um vor dem Fieber etwas Schutz zu haben, und bestehen aus vier bis sechs Räumen je nach der Größe der Familie, für die sie bestimmt sind. In den ersten Wochen beschäftigten sich die Männer damit, in den Terrains dicht an den Häusern etwas Gerste und Gemüse zu säen. Besonders das letztere gedieh sehr gut. Die Colonisten kauften dann in Nikosia Ochsen und Esel und vertheilten das Land, so daß Jeder seinen eigenen Acker bearbeiten konnte. Diesmal wurde Weizen, Gerste und Hafer gesäet und steht bis jetzt recht gut. Noch vor der Ankunft der Colonisten war ein Theil des Landes mit Baumwolle besäet worden, deren Ernte eine hübsche Summe einbrachte. Während in den Monaten October und November der Regen fehlte, hat es im December reichlich geregnet, so daß die Ernteaussichten gute sind. Jeder Colonist hat ein Paar Ochsen und Kühe, auch hat man einen Zuchtstier, sowie Hühner und Gqnse aus England kommen lassen. Bei jedem Haus ist ein Stall mit zwei Ochsen, ein Esel und ein Raum für Streu rc. Die Colonisten arbeiten vom 7 Uhr Früh bis 4 Uhr Nachmittags während des Winters und befinden sich ganz wohl dabei, obwohl ihnen der Uebergang von Schneider- und Schusterhandwerk nicht leicht gefallen ist. Daß die Colonie schon so weit vorgeschritten ist, ist nur das Verdienst des Herrn Walter S. Cohen, der den Häuserbau, die Landtheilung rc. geleitet hat und die Arbeiten überwacht. London. Am Montag, den 23. Jänner fand in der St. Andreas-Universität die feierliche Promovirung des Oberrabbiners Dr. Adler zum Ehrendoctor statt. Der Decan Professor Burnett hielt die feierliche Begrüßungsrede und pries die schriftstellerische und Rabbiner-Thätigkeit des Dr. Adler. Zugleich aber sprach er aus, daß die Universität zu einer Zeit, in der so viele Christen ihre Herzen gegen die Kinder Israels verhärten, sich verpflichtet geglaubt habe, Dr. Adler als dem Vertreter der Juden ein Zeichen der Hochachtung zu geben, die man dem wahren Juden entgegenbringe. Auch die Studenten begrüßten Dr. Adler sehr sympathisch, der von vielen Gemeinden und Privaten Gratulationen empfing. Auf der Reise weilte Dr. Adler in Edinburg und predigte dort. Belfast. Jetzt hat auch unsere Stadt einen jüdischen Bürgermeister. Otto Jaffe, der durch die kürzlich erfolgte Wahl zum Lord-Mayor der großen irischen Industriestadt berufen worden ist, stammt aus einer alten, hoch angesehenen jüdischen Familie, die seit dem 16. Jahrhundert mehr als einen großen Rabbiner und Gelehrten hervorgebracht hat. Seitdem ein Zweig dieser Familie sich im Irland niedergelassen hat, besteht der Ruhm derselben in ihrer erfolgreichen Thätigkeit für die Entwicklung der irischen Leinenindustrie. Otto Jaffe war Jahre hindurch Präsident der jüdischen Gemeinde in Belfast und zahlt noch den Grundzins für die Synagoge, die sein Vater der Gemeinde auf seine Kosten erbauen ließ. Jaffa. (Aufruf der Juden Jaffas an ihre Brüder im Auslande.) Edle Glaubensgenossen! Die Krankenpflege ist eine der höchsten Tugenden des jüdischen Volkes. Immer und überall hat der Jude die größte Opferwilligkeit an den Tag gelegt, wenn es galt, die körperlichen Leiden" seiner Mitmenschen und insbesondere seiner Glaubensbrüder zu lindern. Daß die Barmherzigkeit, dieser edle Zug des echt jüdischen Charakters, sich auch in unserer Gemeinde in schönster Weise bewährt, beweist das mit schwerer Mühe in's Leben gerufene und seit nunmehr einer Reihe von Jahren hier bestehende „Schar- Zion-Hospital". Das überaus segenbringende Wirken dieser Anstalt erstreckt sich nicht allein auf die jüdische Bevölkerung Jaffas und der umliegenden Colonien, sondern auch vielen Kranken, die alljährlich aus Jerusalem und den anderen Städten Palästinas zuströmen, um in dem milden Seeklima und den Seebädern unserer Stadt Heilung zu suchen, bietet das am Meeresstrande gelegene Hospital eine Zuflucht. Sehr oft wurden arme Einwanderer, die kaum den Boden des heiligen Landes betreten, hier von den Strapazen ihrer mühseligen Reise zusammengebrochen sind, wochenlang in dem Krankenhause gehegt und gepflegt. Wir haben keine Opfer an Geld, Zeit und Mühe gescheut, um den großen Bedürfnissen der Anstalt entsprechen zu können. Jedoch hat oft besonders e i n Umstand die Existenz derselben in's Schwanken gebracht, und zwar der Mangel eines eigenen Hauses. Hat doch schon mehr als einmal der Wirth des jetzigen, weil' wir den rückständigen Miethzins zum Termine nicht entrichten konnten, gedroht, die Betten mitsammt den Kranken auf die Straße setzen zu lassen! In diesen traurigen Zeiten haben sich auch Gönner gefunden, die sich der Anstalt angenommen und sie der momentanen Gefahr entrissen baben. Konnte aber dieses fortwährende Ringen mit der Noth und dem Mangel auf die Anstalt gedeihlich wirken?! Es war deshalb von jeher unser unausgesetztes Bemühen und ernstes Streben, der Anstalt durch die Errichtung eines eigenen Heims eine feste Basis zu gründen. Und unsere Mühe war von Erfolg. Der Allbarmherzige hat dem Hospital zu unserer hohen Genugthuung und zur Freude aller Freunde und Gönner einen rettenden Engel in der Noth in der Gestalt der edlen Frau Baronin v. Hirsch geschickt. Diese hochherzige Wohlthäterin hat, überzeugt von der Wichtigkeit dieses jüdischen Hospitals, in ihrer bekannten Großmuth die Hälfte der Kosten für den Bau eines Hauses bis zur