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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-03 · 5 (3.2.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Vr. Vloch's Wochenschrifi Seite!«9 Gewitsch. Am 22. Jänner l. I. fand hier die constitilirende Sitzung des neugewählten Cultusausschusses statt. Es wurden gewählt zum Cultusvorsteher wieder: Julius Beer, ein Mann,, dessen Begabung und Opferwilligkeit die beste Gewähr für das Gedeihen unserer so alten Cultnsgemeinde bietet. Ihm zur Seite stehen bewährte Mänuer: als 1. Beirath und Vorstand-Stellvertreter Herr Nathan Veith, als zweiter Beirath Herr David Liebel. Der Cultusausschuß besteht noch aus den Herren: Jnlius Abeles, Dr. T. Löwit, I. H. Gärber und David Spiegel. Prag, 23. Jänner. Am vergangenen Freitag starb hier im hohen Alter von 83 Jahren der ehemalige Chef und Mitbegründer der Spiritus-Firma M. Fischt und Söhne, Herr Samuel Fischl. Herr Fischt kam in den 50er Jahren aus Miskowitz bei Tabor nach Prag und gründete hier eine Niederlage der ehemaligen Miskowitzer Spiritusraffinerie. Etwa nach 10Jahren errichtete er sich eine eigene Spiritusraffinerie, die unter seiner ausgezeichneten fachmännischen Leitung rasch ausblühte und hinsichtlich des Exportes von Spiritus nach dem Auslande grundlegend und maßgebend wurde. Im Jahre 1866 wurde die Fabrik von Prag nach Wessely au der Luznitz verlegt, wo sie noch heute besteht. Schon lange zuvor hatte sich Herr Fischt wegen andauernder Kränklichkeit gänzlich von der geschäftlichen Thätigkeit zurückgezogen und seither widmete er sich ausschließlich der eifrigsten Bethätigung seines regen Wohlthätigkeüssinnes. Er wendete seine Fürsorge sowohl allen Armen und Bedürftigcn, die bei ihm vorsprachen, wie auch allen Humanitären und gemeinnützigen Corporationen, nicht zum mindesten endlich auch den Armen seiner Heimatsgemeinde zu, die er durch Jahrzehnte mit reichen Spenden und zinsenfreien Darlehen unterstützte. Eine besondere Fürsorge widmete er als ehemaliger, langjähriger Vorsteher und nachmaliger Ehrenpräsident des „Vereines für geregelten Gottesdienst" der Einführung des Jugendgottesdienstes, eine Institution, die seither feste Wurzel gefaßt hat und für die Schüler aller Volks- und Mittelschulen nun obligatorisch ist. Für seine Verdienste auf industriellem Gebiete wurde Herr F i s ch l schon im Jahre 1867 durch die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Der Verblichene war ein lauterer, ehrenfester Charakter, der sich allenthalben der größten Werthschätzung und Hochachtung erfreute. Davon legte deutliches Zeugniß ab die imposante Betheiligung aller Gesellschaftskreise, unter welcher die irdische Hülle desselben Sonntag Nachmittag zu Grabe geleitet wurde. Unter den Erschienenen bemerkte man Se. Ehrwürden den Herrn Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, den Prediger der israelitischen Tempelgemeinde Herrn Dr. Fischer, Herrn Feldprediger und Rabbiner Dr. Kisch, die Herren Hoiräthe Professor Dr. P r i b r a m und Professor Dr. Zucker, Vertreter der israelitischen Cultusgemeinderepräsentanz, den Gesammtvorstand des Vereines für geregelten Gottesdienst, dessen Ehrenpräsident der Verstorbene war, Vorstandsmitglieder des israelitischen Freitischvereines und mehrerer anderer Vereine, deren Mitglied der Dahingeschiedene war, ferner Advocaten, Aerzte, Großindustrielle und Kaufleute. In der Ceremonienhalle auf dem neuen israelitischen Friedhofe hielt Herr Dr. Fischer und am offenen Grabe Herr Regierungsrath Wiuternitz aus Wien, ein treuer Freund des Verblichenen, einen warm empfundenen, tief ergreifenden Nachruf. U ig.-Brod, 30. Jänner. Sonntag Abends, dem dritten Vortragsabende des vom Vereine „Chorebh" veranstalteten Vortrags cyklus, sprach Herr Dr. L. M. Stern, Rabbiner in Triesch, Verfasser des „Philosophischen und naturwissenschaftlichen Monismus". Herr Dr. Stern entwarf ein ausführliches Bild des Rabbi Jonathan Eibenschütz in einer ganz selbständigen Auffassung, welche als eine der Grätz'schen ganz entgegengesetzte bezeichnet werden kann. Nachdem er die Jugendjahre seines Helden und dessen weitere Ausbildung in Bunzlau in Böhmen in anschaulicher Weise geschildert hatte, bemerkt er zu der Klage Grätz', daß ein solches Talent wie das des Eibenschütz nicht in die Kreise der weltlichen Wissenschaft eingedrungen sei, Folgendes: Könnte ein jüdischer Geschichtsschreiber irgend ein Talent auf Erden für zu groß halten, das Rabbinat der damaligen Zeit, welches das Herz für das Pulsiren des ganzen jüdischen Lebens, für die Gerichtsbarkeit, für me moralische Höhe und Gemüthstiefe, für den Schutz gegen die feindliche Außenwelt bildete, zu bekleiden? Dr.. Stern kommt sodann aus die Glanzperiode Jonathans Eibenschütz in Prag zu sprechen, ferner aus seine geplante, aber gescheiterte Talmudausgabe. Wie keinem großen Manne, seien auch Eibenschütz Enttäuschungen nicht erspart geblieben. Hieher gehören die Androhung des Bannes, weil er des Sabbathianismus verdächtigt wurde, ferner die Verleumdungen und Anwürse, die er anläßlich des Judenaustreibungsdecretes Maria Theresias zu erdulden hatte, denen jedoch Eibenschütz glücklich entkam. Der Redner schildert daun den Streit, der nach dem Tode Eibenschütz' noch imnler tobte. In seinen Schlußworten bezeichnet der Redner Eibenschütz als eine der Säulen, an welcher sich die Wogen neuer Geistesrichtung vielfach gebrochen haben. Der Redner glaubt seine Mühe dadurch belohnt zu sehen, wenn es ihm gelungen ist. die Theilnahme und Bewunderung für seinen Helden im Kreise der Zuhörer bestärkt zu haben. Der Bortrag fand den lebhaftesten Beifall des zahlreichen Auditoriums, unter welchem auch Advocat Herr S Beer aus Uug.-Hradisch bemerkt wurde. Nachdem der Beifallssturm sich elegt hatte, votirte Herr Oberlehrer Riesenseld dem Redner in erzlichen Worten den Dank der Zuhörerschaft. Frankfurt, 29. Jänner. Eine wichtige Entscheidung, die für die Mitglieder der hier bestehenden jüdischen Gemeind n von großer Bedeutung, ist dem Abgeordnetenhause Vorbehalten: Dem Abgeordneten hause ist ein Gesetzentwurf zugegangen, betreffend die S y n a g o g e n v e r h ä l t n i s s e in Frankfurt a. M. Zur Erläuterung des Gesetzentwurfs diene Folgendes: In Frankfurt a. M. besteht die sogenannte „Israelitische Gemeinde Fortschritt". Durch ein Erkenntniß des Oberverwaltungsgerichtes ist nun festgestellt worden, daß eine Zwaugszugehörigkeit der in Frankfurt a. M. wohnenden Israeliten zur „Israelitischen Gemeinde" — entgegen der bisherigen Annahme — durch keine rechtsverbindliche Vorschrift festgesetzt worden ist und demgemäß nicht besteht. Diese Gemeinde, welche große Aufwendungen für ihre Zwecke gemacht hat, ist dadurch in eine Nothlage versetzt worden, daß jetzt Jeder sich der Beitragspslicht für diese Aufwendungen entziehen kann. Der Gesetzentwurf bestimmt nun, daß die in dem Bezirk von Frankfurt a. Nt. wohnenden Israeliten zur Synagogengemeinde „Israelitische Gemeinde" gehören, falls sie nicht der zweiten in Frankfurt a. M. bestehenden orthodoxen Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" (Dr. Breuer), welche auch nicht unbedeutende Aufwendungen gemacht hat, angrhören. — Die Frankfurter Stadtbibliothek hat, wie das Stadtbibliothekariat mittheilt, eine neue außerordentlich werthvolle Zuwendung erhalten, nämlich die hebräischjüdische Privatbibliothek des Herrn Dr. A. B e r l i n e r, des verdienten Docenten und Bibliothekars des Rabbiner-Seminars in Berlin. Dieselbe war in Gefahr, in's Ausland zu wandern, wurde aber von patriotischen Mitbürgern unserer Stadt um eine sehr namhafte Summe erworben und dem Magistrat für die Stadtbibliothek zum Geschenk gemacht. Die Bibliothek welche etwa 6000 Bände stark ist und in den nächsten Tagen hieher überführt werden wird, ist reich an Seltenheiten (worunter hervorragende Unica), namentlich an Jncunabeln. Ihre wissenschaftliche Bedeutung besteht hauptsächlich in einer einzigartigen Sammlung von hebräischen Gebetbüchern aller Zeiten, aller Länder und Städte, wie wohl wenig andere Bibliotheken sie aufzuweisen haben. Die Schenkung der Berliner Bibliothek vollendet den systematischen Ausbau der vorher schon bedeutenden Abtheilung der Hebraica und Judaica der Frankfurter Sladtbibliothek, welche damit für diese Fächer, was Druckschriften anlangt, zweifellos an die Spitze aller öffentlichen Bibliotheken des Festlandes tritt. — Der Magistrat benachrichtigt die Stadtverordnetenversammlung von dieser Schenkung und theilt mit, daß dieselbe von ihm mit dem Ausdruck des wärmsten Dankes angenommen ist. Wir wollen nur noch hervorheben, daß die Herren Dr. Horowitz und Hallgarten hier die Urheber dieser werthvollen Zuwendung waren und daß Herr Baron Carl Wilhelm Rothschild und andere hiesige Männer der jüdischen haute finance durch namhafte Geldbeträge den Ankauf dieser werthvollen Bibliothek ermöglichten. Rom. Commercienrath Augusto Mortara ist zum Generalinspector des Schatzes und Commercienrath Achille Padoa zum

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