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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-03 · 5 (3.2.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sir. 5 Stzite 96 Vr. Vlych's Wochenschrift Ein jüdisches Thema war so angeklungen und Herr von Lämel sagte ohne Vermittlung: „Der Schiller, Eure Excellenz. hat uns Juden mit seiner „Sendung Moses'" sehr weh gethan und gekränkt. Und wenn er ein richtiges Verständniß von der Sache gehabt hätte!" Goethe, ohne in eine Meinungsäußerung cinzugehen, doch bei dem Thema verbleibend, äußerte: „Der Eindruck, den ich in früher Jugend in meiner Vaterstadt empfing, war mir ein mehr erschreckender. Die Gestalten der engen und finsteren Judenstadt waren mir gar befremdliche und unverständliche Erscheinungen, die meine Phantasie beschäftigten, und ich konnte gar nicht glauben, daß dieses Volk das merkwürdigste Buch der Welt aus sich heraus geschrieben hat. Was sich allerdings in meiner frühesten Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, war vielmehr nur Scheu vor dem Räthselhaften und vor dem in der Form so Unschönen. Die Verachtung, die sich wohl spüren ließ, war mehr der Reflex der mich umgebenden christlichen Frauen und Männer, als meine eigene Gesinnung. Erst später, als ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer des jüdischen Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpserische Volk hege, und für den Dichter, der das Hohe Lied gesungen hat. Beide Bücher haben mich mannigfach erregt und beschäftigt." Die Zeit rückte heran, in der Goethe Karlsbad verlassen sollte. Herr von L ä m e l erbat sich ein Autograph von ihm und dies in einer eigenthümlichen Form: „Erlauben Sie, Excellenz! daß ich Ihnen zur Erinnerung an Böhmen einen echten Melniker Wein nach Weimar schicke, deli Excellenz die Güte haben werden, eigenhändig als empfangen zu bestätigen. Das wird das Autograph für mich sein." Beide Männer schieden, sich die Hände drückend. Nach einigen Wochen erhielt Herr von Lämel folgende „Q u i t t u n g, womit der Unterzeichnete den Empfang von fünfzig Flaschen rothcn Melniker Weines, der ihm besonders schmeckte und auch sein naturwissenschaftliches Interesse, als eine aus Burgund stammende Rebe, erweckte, dankbarst dem wohlwollenden Spender bestätigt. Goethe." Die geistvolle Tochter des Herrn von Lämel, Frau Elise Herz, die ihrem Vater in pietätvoller Liebe eine dessen Namen führende Lehranstalt in Jerusalem gründen ließ, bewahrte diese Quittung als kostbaren Schatz, nebst einem Briefe, den ihr der Vater, seine Begegnung mit Goethe ausführlich schildernd, geschrieben hat. Vom Duell. Daß die Juden feige sind, ist ein antisemitisches Axiom, gegen das man die Heldenthaten jüdischer Soldaten im Felde und die verhältnißmäßig große Zahl jüdischer Duellanten vergebens in's Feld führt. Man kann so oft in judenfeindlichen Blättern lesen, daß die Juden den Ehrbegriff nicht verstünden, der zum Duell führe, und bemüht sich, diese Institution als eine echt germanische hinzustellen, die dem Semiten natürlich unfaß- .bar sei. Professor Dr. G. v. B e l o w hat nun unlängst wieder nachgewiesen, daß das Duell gar nichts Deutsches an sich habe. So schreibt er (siehe Nat.-Ztg. vom 9. October): Tie vulgäre Anschauung von dem rein deutschen Ursprung des Duells wird heute von keinem Vertreter der Wissenschaft vertheidigt. Soeben hat Professor R. Schröder in der 2. Auflage seiner deutschen Rechtsgeschichte S. 744 erklärt: „Es ist unzulässig, das moderne Duell in einen historischen Zusammenhang mit der Fehde zu bringen." Er stellt fest, das; die Kämpfe bei Ehrenhändeln zuerst auf romanischem Boden (Italien. Frankreich, Spanien) austaucheu. In Deutschland werden sie nach seiner Ansicht zuerst „bei Raufbolden bekannt"; zu einer Landessitte werden sie erst im 16. Jahrhundert. Der einzige Gelehrte, der ein gewisses Zngeständniß der vulgären Anschauung macht! selbstverständlich, ohne sie sich vollständig anzueignen), ist Professor Geffken in Rostock. Ich glaube aber, daß er damit nicht das Richtige getroffen hat, wie ich in der „Deutschen Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, N. F. Bd. II" nachgcwiesen zu haben meine, lieber Einzelheiten der Reception des Duells in Deutschland kann mau nicht streiten. So viel aber ist jedenfalls unbestreitbar, das; die Vorstellung, in Ehrensachen dürfe man sich nicht an das ordentliche Gericht wenden — auf ihr beruht ja das D u e l l w e s e n —, den Deutschen des Mittelalters gänzlich fremd gewesen ist. Sie ist erst von dem entarteten romanischen Ritterthum nach Deutschland gekommen. Erst kürzlich hat ein preußischer Officier, Major z. D. L. v o n .der O elsnitz, in einer trefflichen Schrift „Der Ehr- und Standesbegriff des deutschen Officiers" (Liegnitz 1898) erklärt (S. 46): „Die Duellsitte steht im stärksten Widerspruch gegen Vernunft, Sittlichkeit, Menschlichkeit.... Wir glauben nichtdaß, wie viele Vertheidiger des Duells behaupten, mau beim Aufhören des. Duells zum Stock greifen würde .... Diese Anschauung beweist, daß Diejenigen, welche sie haben, der Bildung der gebildeten und der Gesittung der höheren Stände bitter wenig zutrauen .... Nach unserer festen lleberzeugung würde das Aufhören des Duells nicht eine Verrohung, sondern eine Veredlung der höheren Stände eine Verfeinerung der Sitten herbeiführen, zur Bildung eines wahren Ehr- und Standesbegriffs beitragen." Es sind ähnliche Worte wie die, die früher Graf Keyserling gegen das Duell gerichtet hat. Gerade in der heutigen Zeit, in der man es unternimmt, gegen Socialdemokratie und Anarchismus scharf vorzugehen, sollte mau cs vermeiden, das Duell, das gegen Religion und Rechtsordnung gleichmäßig verstößt, zu protegiren. Wenn Graf Mirbach im Reichstag znr Vertheidigung des Duells geltend macht, in gewissen Fällen sei es „nicht möglich, den Geboten der Religion zu. folgen", so weiß ich nicht, wie mau sich von einem solchen Standpunkt aus für berechtigt halten kann, den Anarchismus zu bekämpfen. Graf Mirbach leugnet ja die Verbindlichkeit der Gebote der Religion ebenso wie die der staatlichen Rechtsordnung. Man darf nicht aus dem Auge verlieren, daß in Deutschland dem Duellwesen weit mehr Menschenleben zum Opfer fallen, als dem Anarchismus. Und auch die Begriffsverwirrung, die das Duellwesen hcrvorruft, ist mindestens ebenso groß wie die, die der Anarchismus zeitigt. Der Socialdcmokratie aber liefert es die besten Waffen in die .Hand. Alte jüdische Drucker. In einer der letzten Ausgaben des „Jewish Chronicle" äußert Rev. Dr. M. G a st e r die Befürchtung, daß über die Geschichte der Buchdruckerkunst bereits zu viele Bücher geschrieben worden seien. Einige schreiben die Ehre der Erfindung Cortes, Andere wieder Gutenberg, Faust und Schöffer aus Mainz, beziehungsweise Straßburg zu. Jedoch ist die neuere Forschung wohl darüber einig, daß unbestreitbar die Deutschen als die Erfinder anzusehen sind, allerdings war die Erfindung des Holzschnittes und, was noch wichtiger ist, die Herstellung der Spielkarten vorausgegangen, denn diese wurden in vielen Anstalten, zumeist von Holzstöckeu, weniger in Kupferstich, gedruckt. Hiebei treten uns zum ersten Male Juden als Drucker entgegen. Einer derselben, Abraham Chayim aus Pesaro (1477—90), widmete sich der Buchdruckerkunst und war einer der Drucker der ersten Ausgabe des Pentateuch (1482). Bis zum XV. Jahrhundert hatte man keinerlei Reliefschnitte gefertigt, alle alten Gedichte, Inschriften auf Denkmälern ii. s. w. sind vertieft gravirt. Der Uebergang erfolgte durch den mit Beginn des XV. Jahrhunderts zur Blüthe gelangenden Holzschnitt, dessen sich namentlich die Erzeuger der Spielkarten bedienten. Für Bücher schnitt man zuerst ganze Seiten in einen Holzstock. Diese sogenannten Holztafeldrucke waren noch lange Zeit im Gebrauch, als man schon mit beweglichen Lettern druckte. Ein noch von Holztafeln gedrucktes Buch, wohl das jüngste, ist die aus dem Jahre 1504 stammende »Ars moriendi«, von der sich ein Exemplar im British-Museum befindet, das es seinerzeit für den enormen Preis von 1000 Pfund Sterling (20.000 Mark) erworben hat. Vom Plattendruck ging also die Erfindung Gutenberg's aus, und es ist bemerkenswerth, daß ein Theil der Capitalien, die Faust an Gutenberg behufs Gründung der ersten Mainzer Druckerei hergab, von einem Juden stammte. Die ältesten Druckwerke sind auch die schönsten, welche existiren. Nirgends wird man ein so tadellos gedrucktes Buch finden, wie der Psalter von Schöffer aus dem Jahre 1459, Die Typen sind klar und von bewunderungswürdigem Schnitte, der Text ist gut, das Papier ist kräftig wie Pergament und die Farbe so klar und frisch, als ob die Drucke eben aus der Presse kämen. Die ersten Drucker waren meist Leute von starker Gelehrsamkeit, Doctoren der Medicin, geschickte Künstler, Leute, die mehrere Sprachen beherrschten u. s. w., und unter diesen begegnet uns ebenfalls ein Jude, Abraham Garton, welcher im Jahre 1475 das erste in Buchdruck hergestellte hebräische Buch, und zwar Rashis Commentar zuni Pentateuch druckte. Der nächste ist ein getaufter Jude, D. Niger. Er verfaßte ein Werk zur Unterweisung Derjenigen, welche beabsichtigten, zum Zwecke der Bekehrung der Juden hebräischzu lernen.

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