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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-03 · 5 (3.2.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Vr. VLoch'« Wochenschrift Srite 91 aus diesem Grunde hat die Bankettrede des Bürgermeisters im „Deutschen Volksblatt" nicht erscheinen können; sie haben dort keine Rubrik für „Sitte und Bildung". * -i- $ Wer „v ölkisches B r a u ch t h u m", wie ein ostdeutscher Schriftleiter sich wunderschön ausdrückt, studiren will, der hatte hiezu Gelegenheit im Parlament, als Herr K. H. W o l f den heroischen Mittelpunkt einer Raussceue bildete. Künftige Historiker werden darüber, ob Herr K. H. W o l f bei dieser Gelegenheit wirklich geprügelt worden ist oder nicht, verschiedener Meinung sein müssen, je nach der Richtung des Quellenstudiums, welches sie bei der geschichtlichen Erforschung dieser Heldensage betreiben. Die „Ostdeutsche Rundschau" negirt die Prügel, die ihr Siegfried von den feindlichen Hennen erduldet haben soll, indem er sich in einer „guten Vertheidiguugsstellung" befunden habe, und lud die Ostgothen und Alemannen ein, sich nur das Gesicht des czechischen Abgeordneten Pospischil anzusehen, denn dieses Gesicht hatte der unprügelbare Siegfried, auf den zwar kein Lindenblatt, sondern höchstens ein Abendblatt gefallen ist, mit der Faust bearbeitet. Auch das ist Sitte und Bildung, und das deutsche Culturvolk kann stolz sein auf den edlen Recken, den es in der Person des K. H. Wolf in das Parlament entsendet hat. Die schwierigsten politischen und wirthschaftlichen Probleme, er löst sie alle mit einem Schlage. * * * . „Hofschauspieler G i m u i g hat iu den letzten Tagen ein mit großem Erfolg gekröntes Gastspiel in Pilsen absolvirt, das nach den Berichten des dortigen Blattes zu einer st ü r m i s ch e n Kundgebung des gefeierten G a st e s sich gestaltete." Dieses interessante Borkommuiß, daß ein gastirender Künstler, hingerissen von dem Erfolge seines Gastspiels, eine stürmische Kundgebung veranstaltet, wird vom „Deutschen Volksblatt" gemeldet, welches dem Herrn Gimnig gespendeten Lobe die Bemerkung beifügt: „Wir werden uns freuen, Herrn Gimnig in der ihm auf den Leib geschriebenen Rolle des „Fuhrmann Henschel" auch in Wien bewundern zu können." Da sieht man, wie das Schicksal zuweilen einem Dichter mitspielt. Er schreibt Herrn Gimnig in Wien eine Rolle ans den Leib. Trotzdem wird zuerst lauge Zeit in Berlin „Fuhrmann Henschel" aufgesührt, und nachdem es endlich vom Burgtheater angenommen worden, gibt man die Herrn Gimnig auf den Leib geschriebene Rolle dem „Juden" Sonnenthal. Gerhart Hauptmann muß an den Leib des Herrn Gimnig rein vergessen haben. * -i- * Eine der heitersten Unterhaltungen bietet der Berichtigungskampf zwischen dem „Wiener Tagblatt" und dem officiellen Organ der Herren Purscht und Gregorig. In den Berichten über die verschiedenen Processe dieser beiden „vielseits geachteten" Herren hat es recht unangenehme Details gegeben, und da die Ehrenwäsche des Freundes der Philomena Mark und des Besuchers der mit zufälligen Vorhängen ausgestatteten chambres separges bei Wimberger allzu öffentlich gewaschen wird, behilft sich das Vergani-Blatt mit kleinen Fälschungen, Entstellungen und Verschweigungen. Der Anwalt des „Wiener Tagblatt" aber läßt sich die Mühe nicht verdrießen, jede einzelne dieser publicistischen Lumpereien des Purscht-Organes mit Zuhilfenahme des § 19 anzunageln und jede verweigerte Aufnahme einer Berichtigung zum Gegenstände einer neuen gerichtlichen Klage zu machen, die regelmäßig mit der Berurtheiluug des „Deutschen Volksblatt" endet. Dabei werden die Kniffe und Schliche, durch welche das „Deutsche Volksblatt" die Wahrheit in ihr Gegentheil verkehrt, so unerbittlich dargelegt, daß sich das Mitleid des Publicums dem armen Volksblatt zuzuwenden beginnt, dem wegen eines bischen Lügeus so viele Verdrießlichkeiten bereitet werden. Die Berichtigungen, die dem „Deutschen Volksblatt" jeden Abend zugestellt, werden, sollen sich bereits derart häufen, daß V e r g a n i dagegen die von den Antisemiten ad hoc organisirte „ärztliche Hilfe zur Nachtzeit" wird in Anspruch nehmen müssen. Robert Wolf. Die Geschichte eines Reisestipendiums. Kein Zweifel: das Reisen bildet, und so ist es gewiß mit Freuden zu begrüßen, wenn Lehrer, die dazu berufen sind, die Heranwachsende Jugend zu bilden und zu erziehen, in die Lage kommen, ihren geistigen Horizont zu erweitern. Weniger erfreulich aber ist es, wenn mau zufällig — wie die „Freien Lehrerstimmen" erzählen — erfährt, daß Herr Ferdinand K r a u t m a n n das Reisestipendium aus der Ignaz S i n g e r'schen Stiftung erhalten hat. Daß Herr Krautmann, der ein unverfälschter Antisemit, der Jahre hindurch die Schönerer'schen „Unverfälschten Deutschen Worte" redigirte, aus Reisen geht, ist zwar ganz in der Ordnung, daß die Kosten der Reise von dem Gelde eines echten Jud en bestritten werden, wirkt ein wenig verblüffend. Was würdeman von einem jüdischen Lehrer sagen, der um das Stipendium sich bewirbt, welches ein Antisemit stiftete? Einen solchen jüdischen Lehrer gibt es wohl nicht; allerdings gibt es auch keine Antisemiten, die solche Stipendien stiften. Indische Arbeiter. In einem Feuilleton „Vom Bord eines Frachtdampsers" schreibt Dr. Sebald Schwarz-Blankenese in der „Frankfurter Zeitung" : „Die tüchtigsten Schauerleute (Schiffslader) sind die S e p h a r d i m in S a l o n i k, vertriebene portugiesische Juden, welche die Hälfte der Einwohner dieser Stadt bilden. Ich möchteJede m, der die Semiten für untauglich zu körperlicher Arbeit hält, einmal diese stattlichen Gestalten vorführe n mit den oft edel geschnittenen Gesichtern, wie sie fleißig und gewandt große Mengen Ladung in kurzer Zeit bewältigen; besonders als es einmal galt, an einem Freitag vor 6 Uhr, dem Beginn des Sabbaths, das Schiff fertig zu machen — was sollte der Türke am anderen Tag erst noch dazu kommen und den Verdienst zum Theil haben? D e r G e d a n k e, s e l b st a m S a b b a t h einige Stunden zu arbeiten, kam gar nicht au f." Schlagworte. Das „Mag. s. d. Litt. d. Ausl." (1869, Seite 165) schreibt: „Böse Anwandlungen haben öfter Menschen dahin geführt, Leute, gegen die sie in argen Zorn verfallen waren, den Juden zuzugeselleu, gleichsam um noch ein besonders trockenes Scheitlein Holz in den großen Scheiterhaufen zu tragen, und so sind die Juden 1848 den Polen und Franzosen, 1862 den Kreis richtern und Demokraten, 1869 den Krämern und P o st s ch r e i b e r n zugesellt worden. Richard Wagner nun, der einen argen Grimm auf die Majorität der Musiker hat, hält das Mittelchen für bewährt und gesellt Juden und M u s i k e r." Dr. Adolf Silberstein als Jude. In der vorigen Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat Herr Rabbiner Dr. Kaufmann dem in Budapest am 13. v. M. verschiedenen, rühmlichst bekannten Schriftsteller und Philosophen einen warmen Nachruf gewidmet, dabei aber mit Hinweis auf Thatsachen nicht ohne tiefes Bedauern von dem Heimgegangenen constatirt, daß er „unrichtige Thesen über Wesen und Entstehung d es I u d e n t h u m s a u f g e st e l l t ha t". Dem gegenüber sind wir in der glücklichen Lage, bezeugen zu können, daß Silberstein's Denken über Judenthum eine überraschende Wandlung und Wendung zum Besseren genommen in den letzten zwei Jahren seines reichen Lebens. Freilich wurde das nur hierzulande bekannt, da Silberstein, der auch die ungarische Sprache meisterhaft beherrschte, und von glühender Liebe für sein Vaterland Ungarn beseelt war, seine tiefe und geläuterte jüdische Ueberzeugung in der „Egyenlöseg" betitelten jüdischen Wochenschrift zur Veröffentlichung brachte. In diesem Blatte begegneten wir seinem Namen besonders seit dem Anfänge des Jahres 1897 und beträgt die Zahl seiner Aufsätze circa zwanzig. Der Zielpunkt seiner Bestrebungen nach dieser Richtung ist einerseits dine so viel als mögliche Anschließung an die ungarische Nation, welche den jüdischen Glaubensbekennern die vollste Freiheit auch im Leben gewährt, andererseits aber die Wiederherstellung des unverfälscht reinen Judenthums an Stelle einer verwässerten und farblosen Humanitätsreligion. Diese seine Ueberzeugung hat er zu wiederholten Malen mit seiner bei ihm gewohnten seltenen Eloquenz in dem genannten Blatte und auch sonst zum Ausdruck gebracht. Anfangs war es nur der „indische Geist", den er gegenüber dem Mangel an Selbstbewußtsein solcher Juden betonte, welche schmachtend zum ererbten Adel aufblicken und ihm gegenüber eine lächerliche Unterwürfigkeit bekunden. Bald aber ließ er sich auch über die „Formen" im jüdischen Leben vernehmen und trat mit aller Wärme für sie als unumgänglich uothwendige Symbole ein. Letzteres that er in einem „Causerie über die Mission des jüdischen Weibes" betitelten Bortrag, den er im Vereine der

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