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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-03 · 5 (3.2.1899) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Vr. Vloch's Wochenschrift Seite 89 mus eine Bedeutung gewonnen hätte, die jedem Juden zur lauten Parteinahme für oder wider zwingt; ich muß in Abrede stellen, daß Alle die, die in wirklicher oder scheinbarer Gleichgiltigkeit verharren, auf dem bequemen Wege des Schweigens ihrer Zustimmung zu den zionistischen Plänen Ausdruck geben wollen. Weit eher wäre ein gegentheiliges Verfahren zu rechte fertigen, denn zum lauten Gegenbekenntniß gegen eine Bewegung fühlt sich in der Regel nur veranlaßt, wer in dieser Bewegung eine Gefahr sieht, vor der er warnen zu müssen glaubt, während die nicht achtende Abwendung sich durch Schweigen hinreichend kenntlich macht. Unter allen Umstände.! ist die Nordau'sche Methode, jeden guten Juden einen Zionisten zu nennen und jeden Nichtzionisten als einen schlechten Juden hinzustellen, eine verwerfliche petitio principii, das ist eine Art logischen unlauteren Wettbewerbs. Ganz besonders übel ist Herr Dr. N o r d a u mit den jüdischen Millionären umgesprungen, die er in ihrer großen Mehrzahl theils als Trottel, theils als Schufte geschildert hat, als ideallose und idealfeindliche Menschen, und von denen er doch im Grunde nur sagen konnte, daß sie seine Ideale nicht theilen. Ich stehe gewiß nicht in dem Verdacht, allzu große Ehrfurcht zu hegen, weder vor den Geldsäcken, noch vor Denen, die darauf sitzen, aber ich weiß und Jeder weiß mit mir, daß unsere jüdischen Millionäre in ihrer großen Mehrzahl allezeit eine offene Hand haben für jedes Wohlthätigkeitswerk und für jedes Wohlfahrtsunternehmen. Woher hat Dr. N o r d a u die Urbilder seiner Millionär-Zeichnungen genommen? (Zwischenrufe von verschiedenen Seiten: Aus Paris! Aus London! Aus Frankfurt a. Main!) — Und wenn Sie die ganze Summe der Ihnen verfügbaren geographischen Nomenclatur vor mir ausbreiten, so werden Sie mich doch nicht bereden, daß Herr Dr. N o r d a u ein Conterfei und nicht vielmehr eine Carrikatur unserer Millionäre geliefert hat. Das war nicht blos eiu Unrecht von Herrn Dr. N o r d a u, sondern auch seinen eigenen Absichten abträglich, denn es muß einen peinlichen Eindruck auf jeden Unbefangenen machen, wenn er die Personen schmäht, deren Mitwirkung und Hilfe er eben erst, allerdings vergeblich, angerufen hat. Es muß einen peinlichen Eindruck mache», wenn Herr Dr. N o r d a u sagt, unsere Millionäre hätten in der „greulichen jüdischen Erbkrankheit, der Schnorrsucht", sich an die Aermsten unter unseren armen Glaubensgenossen im Osten mit der Bitte gewandt, sie sollten das Opfer ihrer Ruhe dem zitternden Behagen der Millionäre bringen. So sollte man nicht von den Millionären und nicht von der „greulichen jüdischen Krankheit, der Schnorrsucht" sprechen, nachdem man eben die zum Empfangen geöffnete Hand diesen Millionären entgegengestreckt hat. Das sieht mehr wie der Ausdruck der Verärgerung, als wie der eines ungetrübten Urtheiles aus. Unsere Millionäre, meint Herr Dr. N o r d a u, hassen den Zionismus, weil er im Westen die Auflösung des Judenthums durch Taufe und Mischehe — durch Misch eheu, betonte Herr Dr. N o r d a u — aufhalte. Wären unsere Millionäre wirklich so fluchtbereit, der Zionismus würde ihre Flucht nur beschleunigen. Die Zionisten haben, nach Herrn Dr. N o r d a u, wieder ein Band um alle Söhne Abrahams geschlungen. Nein, dieses Band ist am Sinai gewoben worden, es bedarf keiner Erneuerung, denn es ist unzerreißbar! Herr Dr. Nord au hat sodann von den Protestrabbinern gesprochen, sie „Leutchen" und im Antoniustone „ehrenwerthe" Gemeindebedienstete genannt, die nicht verstanden hätten, den Glauben in ihren Gemeinden zu pflegen und zu erhalten. Als ich diese Worte hörte, stiegen die ehrfurchtgebietenden Gestalten meiner Vorfahren vor mir auf, Rabbiner in Israel, denen die Schuhriemen zu lösen Sie, Herr Dr. Nord au, nicht würdig sind. (Herr Dr. Nord au macht in einer Zwischenbemerkung darauf aufmerksam, daß er nur von den Protestrabbinern und nicht von den alten Rabbinern gesprochen habe, und daß er die Einschätzung seiner Würde sich selbst Vorbehalte.) Was kann Herr Dr. Nord au den Protestrabbinern zum Vorwurf machen? Sie sind in einer Frage, die ihnen wenigstens in erster Reihe eme religiöse Frage ist, nicht seiner Meinung und dem haben sie nach Pflicht und Gewissen Ausdruck gegeben. Das ist kein Grund, sie zu beschimpfen. Dieser Schimpf fiele überdies auf uns zurück, die wir solche Rabbiner gewählt haben, daß sie unsere Lehrer sein sollen. Stehen die Synagogen wirklich leer, i° lvir es, die dort fehlen, nicht die Rabbiner, und wir muffen bekennen: Nostra culpa, nostra maxima culpa! Im grellen Gegensatz zu der Art, mit der Herr Doctor Nord au von unseren Millionären, die dem Zionismus das Geld, und von unseren Rabbinern gesprochen, die dem Zionismus den Segen versagen, stehen die schmeichelnden Töne, die er für das jüdische Proletariat gefunden. Die Absage auch nur eines Theiles des jüdischen Proletariats an den Zionismus würde ihn, Dr. Nord au, zwingen, sich trauervoll zurückzuziehen und auf seine alten Tage ein neues Ideal zu suchen. Ich halte es für übrig, auf seine Werbungen um die Gunst des jüdischen Proletariats einzugehen, denn ich halte Werbungen von so dürftigem Gedankeninhalt und in solcher Weise vorgebracht für aussichtslos. Auch hier, meine ich, hat Herr Dr. N o r d a u sich arg im Tone vergriffen und seiner Absicht entgegen gearbeitet. Die Bedeutung von Marx und Lassalle für den Socialismus laffe ich unerörtert; doch wenn sie hier als Juden angerufen werden, so muß ich doch sagen, daß sie wohl als Juden geboren, aber nicht wirklich Juden gewesen sind. Will man sie als Heilige preisen, wozu wir keine Veranlassung haben, so sind sie doch Heilige, die im jüdischen Kalender nicht stehen. Mit geheimnißvollen Andeutungen hat Herr Dr. Nord au von der Huld eines ungenannten Monarchen gesprochen, die dem Zionismus zugewendet sei. Hier fehlt nur die Controle, doch wenn der Zionismus, wie Herr Dr. N o r d a u sagt, mit dem Judenthume so identisch ist, so hat jene ungenannte Majestät, meine ich, weit nähere Gelegenheit, ihre huldvolle Gesinnung zu bethätigen. Ich mag die N o r d a u'schen Ausführungen noch so sorgfältig durchforschen, ich finde darin keine Spur von Thaten, die gethan worden sind, oder von Thaten, deren Ausführung wir erwarten dürfen. (Zwischenrufe: Die Baseler Congresse! — 36 Colonien in Palästina! — Die heutige Versammlung!) Die Congresse sollen Thaten gewesen sein? Das wären sie, wenn man ihren Werth nach dem Lobe bemeffe, das die Congreßmänner sich selbst gespendet! Was haben sie denn in Basel gethan? Sie sind ein erstes Mal zusammengekommen und haben mit der Zunge geraffelt; sie sind ein zweites Mal in Basel zusammrngekommen und haben wiederum mit der Zunge gerasselt! DerColonisatio naber hatsichderCongreßfeindlichgegenübergestellt und sie als „Infiltration" verdammt. Das hat freilich die Colonisation nicht aufgehalten, doch sie sind es nicht, die das Verdienst sich zuschreiben dürfen." Herr Dr. N o r d a u mußte einige Zeit warten, ehe er zur Duplik das Wort nehmen konnte, denn die Versammlung brauchte einige Zeit, um nach ihrem Wunsche zu erkennen zu geben, daß sie in ihrer großen Mehrheit den Klausner'schen Ausführungen beipflichte. Nach dieser nothwendigen Pause erklärte Herr Dr. N o r d a u, daß er im Rahmen eines Vortrages über ein bestimmtes Thema und über die Ziele des Zionismus und seine Thaten im Einzelnen sprechen könne, daß es eine absolut ungerechtfertigte Unterstellung sei, wenn man ihm nachsage, er habe bei den jüdischen Millionären persönliche Vortheile gesucht, und daß der Vorredner zu Unrecht ihn mit dem Zionismus identificirt und dadurch ihm eine Verantwortung auferlegt habe, die er nicht tragen könne. Dr. Klee nahm für den Zionismus das Verdienst in Anspruch, die jüdische Jugend aufzurütteln und mit neuem Selbstbewußtsein erfüllt zu haben; der frühere Judenmissionär und Pastor a. D., Faber, bezeugte die Sympathien der Kaukasusjuden, die dichter und zahlreicher wohnten als die Juden im Westen Europas, für den Zionismus; Herr Friedem a nn und Herr Mozkin kamen polemisch auf Aufforderungen zurück, die Herr Kl au sn er in früheren zionistischen Versammlungen gethan; Herr Ewer betonte das Deutschthum der Juden in Deutschland; Herr Siegmann protestirte gegen die Inanspruchnahme der Mehrzahl der Juden für den Zionismus; Herr Golds chm idt wies die Nordau'sche Behauptung zurück, daß der Socialismus sich antisemitisch häuten werde. Zum zweiten Male nahm Herr Klausner das Wort zu ungefähr folgender Ausführung: „Die Reihe der Einreden des Herrn Dr. N o r d a u bedeutet eine Reihe von Mißverständnissen, von denen ich annehmen darf, daß keiner der Hörer selbst sie getheilt hat. Mir ist der Gedanke nicht gekommen, Herr Dr. N o r d a u habe persönliche Vortheile gesucht. Das Gegentheil ist selbstverständlich. Bedauert er, daß ich auf seine Andeutung von der dem Zionismus winkenden monarchischen Huld eingegangen bin, so muß er seine Anklage gegen sich selbst wenden, denn nachdem er öffentlich davon gesprochen hat, ist es mir natürlich gestattet, in der gleichen Oeffentlichkeit davon zu reden. Ein Mißvcrständniß ist

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