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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-27 · 4 (27.1.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
4 (27.1.1899)
Date
1899-01-27
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 80 Dr. Bloch'» Wochenschrift Nr. 4 denen gegenüber die schwachen Mittel der rumänischen Juden versagen. Wohl hat die jüdische Gemeinde in Galatz eine Handelsschule, die in Jassy ein Gymnasium eingerichtet, eine neue Handelsschule wird von der Culturgesellschaft eingerichtet werten, zu der ein Philantrop die nöthigen Capitalien gespendet hat, aber alles dies sind doch nur Tropfen aus den heißen Stein. — In Galatz versuchte die Stadtgemeinde sich der Einnahmen aus der Koscher - Fleischsteuer zu bemächtigen, indem sie selbst Schachtim anstellte. Allein die Erregung unter den Juden war diesmal doch zu groß, die Massenversammlungen beschlossen, das Fleisch der von diesen Schächtern geschlachteten Thiere nicht zu essen, man wandte sich mit einer Beschwerde an den Minister und erzielte, daß dieser die Einrichtungen des Bürgermeisters wenigstens einstweilen anfhob. — Zum Schluß einige erfreulichere Mittheilungen. David Emanuel, Professor der Mathematik an der Universität zu Bukarest, ist zum Mitglied des Generalraths für das Uuterrichtswesen ernannt worden; der erste Jude in dieser hohen Stellung. Auf der Ausstellung in Crajowa erhielten auch eine Anzahl Juden Diplome und Ehrenauszeichnungen. Das Jubiläum des unabhängigen Ordens der freien Sohne Israels. N e w - T) o r k, 9. Jänner 1899. Mitte dieses Monats feiert eine hervorragende jüdische Gesellschaft, deren 104 Logen in den großen Städten der Vereinigten Staaten Amerikas vertheilt sind, ihr goldenes Jubiläum. Diese Gesellschaft hat den Zweck gegenseitiger Unterstützung in Noth und Krankheitsfällen, und zahlt den hinterlassenen Witwen und Waisen je 1000 Dollars aus der Vereinscasse. Aus dem Berichte des Secretärs Herrn Goldsmith entnehmen wir, daß an Kranken und Nothleidenden während der eben verflossenen 50 Jahre rnnd eine Million neunhundert tausend Dollalls; an Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder zwei Millionen fünfhundert neunzehn tausend, zusammen 4,419.000 Dollars Unterstützungen ausbezahlt wurden. Eine ganz anständige Summe, die ohne allen Zwang von den Mitgliedern gesteuert wurde. Dabei besitzt jede Loge einen eigenen Begräbnißplatz und leistet den Familien in Trauerfällen die Dienste einer Chewra Kadischa. Bielen Lesern der „Oesterreichischen Wochenschrift" wird das Wirken des unabhängigen Ordens Bnaj Berith bekannt sein, da diese Gesellschaft Logen auch in ganz Europa, in Asien und Afrika zur Ausbreitung des humanen Wirkens hat. Die Bnaj Berith sind um etwa 6 Jahre älter und haben für Ausbreitung und sociale Selbständigkeit unserer Glaubensgenossen hierzulande wahrlich große Dienste geleistet. Im fernen Westen, im tropischen Süden gründeten einzelne Ansiedler, in großen Distanzen verstreut, zuerst eine Bnaj Berith-Loge. Diese Vereinigung gab den Mitgliedern Halt und förderte deren Fortkommen. Sie helfen gegenseitig mit ihren Erfahrungen und auch, wenn nothwendig, mit der That. Aus den Bnaj Berith-Logen entstanden die Gemeinden, hier Congregationen genannt, und alle jene großen philantropischen Anstalten, deren Bestehen nicht nur zur Ehre des Judeuthums, sondern der Menschlichkeit zum Ruhme gereicht. Hat sogar letzthin Bischof Polter, der höchste Würdenträger der anglikanischen Kirche im Lande, die Art und Weise der geübten Wohlthätigkeit seiner israelitischen Mitbürger als nachahmungswerthes Muster seinen Glaubensgenossen empfohlen. Daß aber die ungeheuer großen Ansprüche der unglücklichen russischen, galizischen und ungarischen Einwanderung von den Humanitären Anstalten bewältigt werden können, dazu helfen indirect solche Gesellschaften, wie die eben jubilirenden Free sons of Israel, nicht wenig. Denn sie vermindern den Pauperismus, indem sie nicht nur das Elend der nothleidenden Mitglieder stillen, sie geben aber auch dem Armen eine gewisse Selbständigkeit und einen gewissen Muth, selbst dem Tode in's Angesicht zu sehen, wissend, daß sein geliebtes Weib und Kinder denn doch nicht ganz mittellos Zurückbleiben. Es besteht außer den beiden oben benannten Wohlthätigkeitsgesellschaften eine ganze Anzahl anderer: Söhne Benjamins, Söhne des 'Bundes Abraham, Söhne Judahs u. s. w., der vielen Chebrah nicht zu gedenken. Ein Stadttheil, der Klein-Jerusalem hier genannt wird, wo das russisch-jüdische Element ganz zwanglos sich entwickelt, wo die hebräische Quadratschrist in Gold und in allen Farben an den Schildern prangt, liest man gar oft: Beth Hoknesses shel Chewra Lwowsk, Minsk, Lodsch, Krakau, Lemberg u. s. w. Diese Gesellschaften üben neben der Pflege des rituellen Gottesdienstes .auch die Pflichten der Wohlthätigkeit. Es ist ein artiges Sümmchen, das quartaliter in diesen vielen Gesellschaften einbezahlt wird. Die Feier des Jubiläums der freien Söhne Israels wurde in drei Hauptacte getheilt: 1. Festgottesdienst im großen Tempel Beth El, 78. Straße, fünfte Ave. am 15. Jänner; 2. Ball im großen Madison Square Garden am 16. Jänner und 3. in einem Festessen in Lenox Hall am 17. Jänner. Netv-Aork. Der „Americain Hebrew" hat eine wichtige Nachricht aus Washington, die wir deshalb im Wortlaute wiedergeben wollen. „Das Staatsdepartement erhielt soeben von dem Minister der Vereinigten Staaten in Constantinopel die Information, daß der Minister der äußeren Angelegenheiten der Türkei ihm mitgetheilt habe, es läge durchaus nicht in der Absicht der türkischen Regierung, die amerikanischen Bürger, seien es Juden oder Christen, am Besuche des heiligen Landes zu verhindern, sei es, daß sie als Reisende oder zu zeitweiligem Aufenthalte in's heilige Land kämen, vorausgesetzt, daß sie einzeln und nicht in Masse kämen. Die einzige Absicht der Regierung ist, die weitere Colonisation Palästinas durch Juden zu verhindern, da die Ansiedluug irgend einer religiösen Gruppe in überwiegender Ziffer leicht zu politischen Complicationen führen könnte, welche die türkische Regierung zu vermeiden bestrebt ist." Der „Americain Hebrew" begleitet diese Mittheilung mit Reflectionen, aus denen hervorgeht, daß nach seiner auf offenbar sehr guten Informationen beruhenden Auffassung die Türkei zu ihren Vorsichtsmaßregeln durch das allzu laute Geschrei gewisser Zionisten veranlaßt ist. Teheran. Der Schah hat den Juden ein erfreuliches Zeichen seiner Wohlmeinung gegeben durch einen officiellen Erlaß, der an den Minister für auswärtige Angelegenheiten gerichtet ist. Derselbe lautet in Uebersetzuug: „Ich habe mit Befriedigung erfahren, daß eine Anzahl Juden, welche ihren Kindern guten Unterricht zu beschaffen wünschen, denen aber die öffentlichen Schulen verschlossen sind, Beiträge sammeln und ein Erziehungsinstitut errichten werden, in dem arme Kinder und Waisen lernen werden, meinen Namen zu segnen nach dem Gesetze Moses und für mich und meine Herrschaft zu beten. Ich betrachte die Juden als meine treuen Ünterthanen und ihre Schule, die sie begründen wollen, um einem- Theile meiner Ünterthanen Unterricht zu ertheilen, ist nützlich und vortheilhaft für mein ganzes Reich. Ich habe daher Nizam es Sultanch angewiesen, zu den Fonds für diese Schule eine Subvention von 200 Tomans auszuzahlen." Es wäre erfreulich, wenn der Schah diese gute Gesinnung auf alle Juden seines Reiches ausdehnen wollte. Vermilchtes. Wie«. (O e sterreichif ch-J sraelitische Unio u.) Samstag, den 28. d.M., halb 8 Uhr Abends, findet im Restaurant Khuner. l., Adlergasse 6, eine Vereinsversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mittheilungen des Vorstandes; 2. Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Adolf K u r r ein aus Teplitz : „Judaea und Rom"; 3. Anträge und Interpellationen. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern der Judenthums.) Mittwoch, den 1. Februar 1899, präcise halb 8 Uhr Abends, findet im Festsaale des österreichischen Ingenieur- und Architekten - Vereines, I., Eschenbachgasse 9, folgender Vortrag statt: Dr. Bernhard Münz: „Eine völkerpsychologische Betrachtung des Judenthums". — Donnerstag, den 2. März 1899 präcise halb 8 Uhr Abends, findet im kleinen Musikvereinssaale ein von unserer Gesellschaft veranstaltetes C o n c e r t unter Mitwirkung der Herren Professor David Popper, Eduard Gärtner und Ignaz Brüll statt, dessen Programm den P. T. Mitgliedern unserer Gesellschaft demnächst bekannt gegeben werden wird. Wien, im Jänner 1899. Das Curatorium. Die P. T. Mitglieder der Gesellschaft wollen das Bezugsrecht auf Karten zu diesem Vortrage bis längstens Montag, den 30. Jänner 1899, ausüben. Von diesem Tage angefangen werden die unbehobenen Karten auch an Nichtmitglieder aus ge-

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