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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-27 · 4 (27.1.1899) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
4 (27.1.1899)
Date
1899-01-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 78 Dr. Bloch'< Wochenschrift Nr. 4!t Wirklichkeit entsprechen den 9ie ft au* ration zu besitzen. Denn es muß höchst befremdend anmuthen, wenn z. B. seitens eines T e m p e l b a u - C o m i t e's aus finanziellen Gründen ein Kränzchen bei R o n a ch e r oder in einem anderen derartigen Restaurant veranstaltet wird. Hochachtungsvoll W. Breuer, Secretär des Vereines „Gomle Chesed". „Vaterland" und „Deutsches Bolksblatt". Zwischen den beiden Blättern ist ein eigenartiger Kamps darüber entbrannt, welches von beiden — christlicher in Fragen der Kunst empfindet. Das „Vaterland", welches wohl über den Verdacht, freisinnig zu denken, erhaben ist, hatte für das große Bild Max Kl in ge r's „Christus im Olymp", welcher den Gründer des Christenthums von sehr dürftig gekleideten weiblichen Gestalten , umringt darstellt, begeisterte Worte der Anerkennung gefunden, welche das „Deutsche Volksblatt" in Harnisch brachte. B e r g a n i spielt sich nämlich in jüngster Zeit auf den patentirten Hüter des Christenthums aus und liest dem „Vaterland" energisch die Leviten. Das „Vaterland" macht sich nun das Vergnügen, aus dem Vergani-Blatte die Reclamen zu citiren, welche es für jene Theater Wiens schreibt, „in denen die kaum bekleideten Frauengestalten" keine seltene Erscheinung bilden, und citirt buchstäblich die Worte des „Deutschen Volksblatt", in welchen herzbewegende Klage darüber geführt wird, daß die Polizei einer Chantantsängerin in Wien die Scene, in der sie sich coram publico entkleidet, gestrichen hat. V e r g a n i steckt auch diese peinliche Lection ruhig ein; er hat ja dafür die Genugthuung, daß das „Vaterland" sich inzwischen zu seinen Kunstanschauungen bekehrt hat. Das „Vaterland" begiunt nicht für die Entkleidungsscenen auf offener Bühne zu schwärmen, aber es sendet nunmehr einen Bannstrahl nach dem anderen aus das sündige Haupt Klinge r's. Goetzel Kleinberger. Krakau, 20. Jänner. Die Affaire Goetzel K l e i n b e r g e r ist bekannt. Ein jüdischer Tischlermeister, der nach der Gewerbeordnung in die Tischler-Genossenschaft eintreten m u ß, bewirbt sich um die Aufnahme. Er wird zurückgewiesen, nur deshalb, weil er ein — Jude ist. Er recurrirt an die Statthalterei und an das Ministerium und überall bekommt er Recht. Die Genossenschaft muß ihn aufnehmen; so steht's ja im Gesetz. Inzwischen vergehen aber schon mehr als z e h.n Jahre und die Genossenschaft ist stärker als Gesetz, als Statthalterei und Ministerium. Und Goetzel Kleinberger, der eigentlich bestraft werden sollte, weil er zur Genossenschaft nicht gehört,, muß hohe Stempel bezahlen und Gesuche um Aufnahme überreichen, die ihm aber alle nicht helfen. Denn es ist geradezu unglaublich, welche jämmerliche Rolle in dieser Sache der hiesige Magistrat als Vorgesetzte Gewerbebehörde spielt. Nach jedem Ukas der höheren Behörde wird der Vorstand der Tischler-Genossenschaft zu einer Geldstrafe verurtheilt. Er zahlt sie selbstverständlich nicht und legt sein Amt nieder. Dann wählt die Genossenschaft einen anderen Vorstand; dieser amtirt wieder so lange, bis nach einem Jahre oder mehr der unermüdliche, in der Verfolgung seiner staatsbürgerlichen Rechte musterhafte Goetzel Kleinberger nicht wieder bei einer Oberbehörde einen günstigen Bescheid erwirkt. Vor einigen Monaten kam eine Erledigung vom Handelsministerium in dieser Sache herunter und die galizische Statthalterei, die diesen Bescheid dem hiesigen Magistrat intimirte, that sehr energisch. Man glaubte, schon jetzt werde einmal die Affaire ein Ende nehmen. Aber die Tischler kennen ihren — Magistrat und lachten sich in's Fäustchen. Denn das einzige unerläßliche Mittel wäre gewesen, die Genossenschaft a u f z ul ö s e i', die Bücher zu übernehmen und den Goetzel Kleinberger, sowie noch mehrere andere sich meldende jüdische Tischlermeister einzutragen. Dazu hat aber der Magistrat keine Courage. Er erneuerte lediglich die bisherige Methode und verhängte über den Vorstand eine Geldstrafe von 100 fl. Der Vorstand legte also das Amt nieder. Doch diesmal nahm der Magistrat die Resignation nicht an, obwohl sie der Vorstand neuerlich zur Kenntlich brachte. Als sich nun in den jüngsten Tagen die Genossenschaftler zur Wahl des Vorstandes versammelten, löste der Magistratscommissär die Versammlung auf. Bon der weiteren Entwicklung der Sache, die jetzt schon etwas energischer vom Magistrate angefaßt zu werden° scheint, sollen Sie verständigt werden. Wien. (F e r i e n b e i m.) Der Ortsschulrath des II. Bezirkes hat dem Vereine „Ferienheim", der im abgelaufenen Jahre 403 Kinder, darunter 242 aus dein II. Gemeindebezirke, in seinen Colonien beherbergte, für die außerordentliche Wahrnehmung des Wohles so vieler dem Bezirke zugehörigen, armen, pflegebedürftigen Schulkinder auf Grund eines Plenarbeschlusses in einer Zuschrift die Anerkennung bekannt gegeben. Prag. (Der Sturm gegen die deutsche israelitische.Schule in Pardubitz,) bei welchem seinerzeit die Fensterscheiben dieser Schule dem Steinhagel der Menge zum Opfer fielen, beschäftigte das Kreisgericht in Chrudim. Der Advocatursbeamte Ladislaus Ltepanek aus Pardubitz wurde als intellectueller Urheber des Sturmes wegen boshafter Beschädigung fremden Eigenthnms und Auflaufs zu viermo.natlichem Kerker und zum Ersätze des zugefügten Schadens verurtheilt. Troppan. Einen seltenen Genuß hatten die Mitglieder des „Troppauer jüdisch-literarischen Vereines" durch einen wahrhaft fesselnden Vortrag des Herrn S. L a q u e u r-Breslau. Der Vortragende wußte sein dankbares Thema: „Jsak Adolf Cremieux" so geistvoll zu beleuchten, so übersichtlich anzuordnen, daß die gespanntest lauschenden Hörer ein wahrhaft plastisches Bild des großen Franzosen bekamen, trotzdem sich der Redner, der das Schwergewicht auf den großen Philantropen legte, bei der Ausdehnung des Stoffes darauf beschränken mußte, dessen Thätigkeit als Jurist, Deputirter und Staatsmann nur kurz zu streifen. Herr L a q u e u r erwies sich auch als graciöser Plauderer, der es mit viel Glück verstand, dem ernsten Stoff humoristische Streiflichter aufzusetzen, und so ließ der Vortrag nur Eines zu wünschen übrig — eine baldige Wiederholung. Prag. Hier ist im hohen Alter von 83 Jahren der ehemalige Chef und Mitbegründer der Firma M. Fischl & Söhne, Herr Samuel Fischl, gestorben. Herr Fischl ist der eigentliche Begründer der exportlichen Thätigkeit auf dem Gebiete der Spiritusindustrie, zu deren hervorragendsten Vertretern er gehörte. Für seine außerordentlichen Verdienste um die Hebung dieser Industrie wurde er bereits im Jahre 1867 durch die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Herr Fischl wirkte in hervorragender Weise in den meisten humanitären und gemeinnützigen Corporatiouen. Seine besondere Fürsorge widmete er dem israel. Freitischvereine, dem er durch viele Jahre als Vorstandsmitglied angehörte, und dem Vereine für geregelten Gottesdienst, der ihn zum Ehrenmitgliede ernannte. Ec führte auch den heute bereits obligatorisch bestehenden Jugendgottesdieust im Neuen Tempel für die israel. Zöglinge der Volks- und Mittelschulen ein. Das Leichenbegängniß des Verblichenen, der sich durch seinen lauteren Charakter und seinen Wohlthätigkeitssinn in den weitesten Kreisen der größten Hochachtung und Werthschätzung erfreute,, fand unter überaus zahlreicher Betheiligung aller Kreise statt. Unter den Trauergästen sah man die Hofräthe Przibram und Zucker, die Rabbiner Ehrenfeld, Kisch und Fischer. Letzterer, sowie Regierungsrath Winternitz aus Wien hielten ergreifende Trauerreden. Ung.-Brod, 23. Jänner. (Ein Vortrag über Hein e.) An dem zweiten Vortragsabende des von dem hiesigen Literaturvereines „Chorebh" veranstalteten Vortragscyklus sprach Herr Albert Singer, Sohn des Herrn Leopold Singer, Vice-Obmann dieses Vereines. Der Gegenstand des Vortrages war Heine. Den leitenden Gedanken in den Ausführungen des Herrn Singer bildete die Ansicht, daß Heine trotz seiner Taufe dennoch als Jude angesehen werden kann. Diese seine Ansicht suchte Herr Singer unter Anderem durch vortrefflich gelungene Recitation einiger Dichtungen Heine's zu begründen, wofür er reichen Beifall erntete. Der Obmann, Herr Rabbiner Dr. M. Jung, dankte dem Vortragenden im Namen Aller für die genußreiche Stunde, bemerkte aber zugleich, daß er mit der Ansicht des Vortragenden nicht übereinstimme. Es leuchtet nicht ein, daß Heine, wie Herr Singer glaubt, nur deshalb zum Christenthume übergetreten war, um sodann das Wohl seiner früheren Glaubensgenossen desto kräftiger fördern zu können. Den damaligen Inden fehlte die Achtung der Nichtjuden, und deshalb war Heine, der durch den Abfall bezeugt, daß er das Judenthum nicht achte, wenig geeignet, den Juden die Achtung der nichtjüdischen Welt zu verschaffen. Dies mußte ein Mann wie Heine erkennen. Das Judenthum sei stolzer auf Heine's Abfall als auf dessen Rückkehr. Heine hatte lange bevor er aus

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