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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-27 · 4 (27.1.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
4 (27.1.1899)
Date
1899-01-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 74 Vr. Bloch r Lvochrnschrft! Nr. 4 wir eben leiden. Wo es sich um das Wohl der Judenschaft handelt, haben wir kein Recht, uns in persönlichen Stolz zu hüllen; werden uns Demüthigungen zugefügt, so werden wir auch Demüthigungen ertragen, und sie in den Schornstein zu den anderen Opfern schreiben, die das Judenthum uns auferlegt. Die Schamröthe komme über das Haupt der Reichen, durch deren Schuld wir dem Erröthen ausgesetzt werden. Aber noch aus einem zweiten Grunde konnte uns die ablehnende Haltung der meisten jüdischen Großfinanzleute nicht gleichgiltig sein. Die maßgebenden christlichen Kreise, diejenigen, an deren Meinung uns liegen muß, wissen von den inneren Verhältnissen des Judenthums nichts, oder so gut wie nichts. Die einzigen Juden, die sie kennen und mit denen sie umgehen, sind die großen Fiuanzjuden. Theils drängen sich diese unter sie, theils ziehen die christlichen Kreise sie mit habsüchtigen Hintergedanken zu sich heran. In den jüdischen Millionären erblickt der Christ, selbst der geistig vornehme Christ, gleichsam die Blüthe des jüdischen Stammes und die ideale Verkörperung der jüdischen Eigenschaften, und er muß glauben, daß das jüdische Volk selbst seine Anschauungen theilt, denn er sieht den jüdischen Millionär nicht blos an der Spitze des Verwaltungsrathes der Banken und der Actiengesellschaften, sondern auch an der Spitze der Gemein de n und aller jüdischen Orgaicis a t i o n e n. Die Judenschaft scheint durch ihre freie Wahl die Auffassung des Christen zu bestätigen, daß der jüdische Millionär der Vertrauensmann und berufene Wortführer des jüdischen Volkes ist. Der Staatsmann, der Aristokrat, der hohe Officier, der Professor, der vom Zionismus gehört hat, denn das haben unsere Feinde mit aller ihrer Kunst nicht verhindern können, fragt den jüdischen Millionär, mit dem er verkehrt: „Was ist's mit dem Zionismus?" und erhält als Antwort entweder ein verächtliches Achselzucken oder die lächelnde Auskunft: „Eins Narrheit einiger obskurer Sccibler, die von sich reden machen wollen, und einiger russischer Juden, die nichts Anderes als verkappte Nihilisten sind." Ist es ein Wunder, daß die Fragenden sich mit dieser Aufklärung bescheiden und uns dann in dem Lichte sehen, in dem die jüdischen Millionäre uns ihnen zeigen? Es ist uns nicht oft Gelegenheit geboten, die gefälschte Meinung zu berichtigen, und es ist der zionistischen Bewegung namentlich in ihrem ersten Wagestücke hinderlich, daß sie von christlichen Kreisen nicht recht gewürdigt wird, deren Wohlwollen für sie sehr wichtig wäre und auf deren Wohlwollen der Zionismus bestimmt rechnen könnte, wenn die christliche Welt über ihn besser unterrichtet wäre. Den Widerstand der jüdischen Finanzgrößen zu brechen, sie zum Zionismus zu bekehren, darauf müssen wir vorerst verzichten. Dagegen dürfen wir es nicht unterlassen, die christliche Welt darüber aufzuklären, daß die jüdischen Millionäre weder die Verkörperung jüdischer Eigenschaften noch die berechtigten Vertreter des jüdischen Volkes sind, und daß es nicht das Geringste gegen den Zionismus beweist, wenn sie von ihm nichts wissen wollen. (Beifall.) Die jüdischen Millionäre, und um es nicht wiederholen zu müssen, betone ich einfür allemal, daß ich immer nur von ihrer Mehrheit, vom Durchschnitte der Gattung spreche, dagegen sehr wohl weiß, daß es unter ihnen eine Minderheit von achtunggebietenden Ausnahmen gibt, die jüdischen Millionäre haben kein Recht, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen, denn sie kennen es nicht und haben keine Fühlung mit ihm. Alle ihre Aeußerungen sind deshalb lediglich persönliche Meinungen, die blos die Gefühle der Sprecher selbst und ihres engsten Gesellschaftskreises ausdrücken. Daß die jüdischen Finanzgrößen aber keine Zionisten sind, das ist verzeihlich. Ihr Reichthum gewährt ihnen alle Befriedigungen, die man sich um Geld verschaffen kann, und es gibt heutzutage sehr wenig Befriedigungen die nicht ihren Marktpreis haben. Weshalb sollten sie Zionisten sein? Um ihre materielle Lage zu verbessern? Das haben sie nicht uöthig. Um einem geschichtlichen und sittlichen Ideal zu dienen? Sie haben kein Ideal. Die bloße Nennung dieses Wortes genügt, um ihre Heiterkeit oder ihr Mitleid zu erregen. Um der Chicanirung und Verfolgung zu entgehen? Sie leiden nicht darunter, für sie besteht der Antisemitismus thatsächlich nicht. Sie gehören zu den bevorrechteten Ständen, sie werden vom Staate mit Orden, Adelstiteln und Berufungen in's Herrenhaus ausgezeichnet, sie betrachten sich als Mitglieder der Aristokratie, und diese läßt den Anspruch gelten. Der christliche Aristokrat sieht im jüdischen Millionär ein verkörpertes Vermögen, eine Ziffer auf zwei Beinen, und vor einer Ziffer hat jeder Realist Achtung. In Geldsachen hört, wie die Gemüthlichkeit, so das Racenvorurtheil auf. Aber noch mehr. Der christliche Aristokrat findet trotz seines gründlichen Antisemitismus den jüdischen Millionär, mit dem er verkehrt, auch als Menschen ganz nett und läßt ihn dies häufig durch eine ungemein sympathische Behandlung fühlen. Das ist psychologisch leicht zu erklären. Der christliche Aristokrat wirbt häufig um eine Stelle im Berwaltungsrath der Bank seines jüdischen Freundes und um die wohlgefüllte Hand seiner Tochter. Aus dem natürlichen Bedürfnisse der Selbstachtung überredet er sich, daß der Mann, dessen Geld er unter verschiedenen Rechtstiteln annimmt, auch an und für sich, abgesehen von seinem Vermögen, ein wünschenswerther Umgang für ihn sei, denn er möchte sich ja vor sich selbst schämen, wenn er sich zu bekennen hätte, daß er in dem Vorsitzenden der großen Bank, in dem Vater der heiratsfähigen Millionenerbin nur den Bündeljuden in Salonausgabe sieht und ihm alle die Gefühle widmet, von denen sein antisemitisches Herz voll ist. Man muß schon ein Cäsar sein, um zu sagen: nou ölet. Dieser Cynismus großen Stiles in der Geldgier liegt den gewöhnliüen Edelleuten ferne. Der Christ, der nach Judengeld strebt, hält sich selbst verpflichtet, dieses Geld durch ein Achtuugsbad für die Großjuden zu reinigen. Ich bin deshalb durchaus zu glauben geneigt, daß die jüdischen Millionäre aufrichtig sind, wenn sie sagen: „Antisemitismus? Was ist das? Das gibt's ja gar nicht." Das ist höchst wahrscheinlich in den meisten Fällen keine gespielte Naivetät, sondern echte. Sie fühlen keinen Antisemitismus, und wenn andere Inden versichern, daß sie ihn fühlen, so wissen sie ein unfehlbares Mittel, dem abzuhelfen. Der Verfolgte braucht blos Millionär und Baron zu werden, dann hört die Verfolgung von selbst auf. Das ist ihre Lösung der Jndenfrage. Wir müssen zugeben, daß diese Lösung auf den ersten Blick eleganter und angenehmer erscheint als die zionistische; aber nicht nur. daß sie nicht Allen zugänglich ist, sie ist keineswegs eine so endgiltige, wie es scheint. Ich habe bisher versucht, zu erklären, warum die meisten jüdischen Finanzgrößen keine Zionisten sind. Es bleibt mir aber nach zu erklären, warum sie gegen den Zionismus nicht blos gleichgiltig sind, sondern ihn mit thätigem Haß verfolgen. Sie fühlen dunkel, daß der Zionismus ihre Kreise stört. Das Judenthum war in den Ländern des Westens im Absterben begriffen. Taufen, Mischehen, Freidenkerthum lichteten seine Reihen, und der Augenblick konnte annähernd vorher bestimmt werden, wo es sich vollständig würde aufgelöst haben. Gegen die Gefahr des Einströmens frischer Blutwellen aus dem Osten konnte man sich schützen. Ein gutes kleines Verbot der Einwanderung ausländischer Juden hätten die jüdischen Millionäre wohl mit ihrem jüdischen Einflüsse schon durchsetzen können, und wahrscheinlich würden sie Regierungen nicht lange darum bitten müssen. Unter dem Schutze einer engen Grenzsperre, über deren unerbittliche Durchführung die Großjuden scharfen Auges gewacht hatten, wäre das Uebel des Judenthums allmälig erloschen. Der Zionismus macht diesen Großjudenplan zunichte. Lebende ausländische Juden kann mau aus den Ländern des Westens ausschließen, Gedanken nicht. Dringt aber der zionistische Gedanke erst in eine Judenfchaft ein. dann will sie nicht länger sterben, dann verjüngt sie sich von innen aus auch ohne fremden Zufluß, dann gibt cs wieder Juden und man nimmt auch an jüdischen Millionären Die Eigenschaften als Juden wahr, man glaubt nicht, daß sie gute Arier sind. Das ist das große Verbrechen des Zionismus. Das Kabel, das die jüdischen Millionäre an das Judenthum knüpfte, war fast ganz durchgefägt und hing nur noch an einem schwachen Faden, den eine letzte geringfügige Anstrengung abgerissen hätte. Da schreit der Zionismus über alle Dächer: „Es gibt ein Jndenthum, wir sind eine Race! Es gibt leider auch einen Auswuchs des Judenthums, aber selbst dieser Auswuchs ist noch jüdisch. Wir schlagen, ohne es zu wollen, Angeln mit Widerhaken in das Fleisch der feigen Ausreißer und binden sie wieder an das Judenthum, von dem sie in aller Stille loszukommen hofften. Sie wollten untertauchen, und der Zionismus legt sich ihnen wie eine sonderbare Verbindung von Schwimmgürtel und Zwangsjacke um den wohlgenährten Leib. Der Vortragende erinnert an die Beispiele aus der Geschichte, daß auch der Reichthum die Juden nicht vor Verfolgung schützte, und sagt dann weiter: „Wir haben auch die Protestrabbiner gegen uns. Soll ich diese Leute gleichfalls eines Wortes würdigen? Meinetwegen, ich will es im Vorübergehen thun, der Vollständigkeit halber. Was diese wackeren

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