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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-27 · 4 (27.1.1899) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
4 (27.1.1899)
Date
1899-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 jfßx. Vloch's Wochenschrifl Seite 67 sind und an alle^ Berufen mit den verschiedensten, bald außerordentlich hohen (Handel), bald außerordentlich niedrigen Percentsätzen (Landwirthschaft) participiren, ist eine confessionelle Berufsstatistik gerade der erste Schritt zur Erkenntniß ihrer wirthschaftlicheu Lage. Aus dieser Basis können, erst weitere Untersuchungen und Betrachtungen über die ökonomische Lage der einzelnen jüdischen Bernfsschichten angestellt werden, die jedoch nichts mehr mit der Statistik zu thun haben, sondern vielmehr in eine Enqueteform gekleidet werden müssen. Aber ohne diese Basis kann man höchstens rührende Klagen und Seufzer über das Massenelend des jüdischen Proletariats anstimmen, jedoch trotz der schönsten Worte keinen ernsten Menschen überzeugen. Dieses Massenelend des jüdischen Proletariats, zumal in Galizien, muß zuerst in seinem ganzen Umfange erfaßt und in seiner Tiefe ergründet werden. So lange das nicht geschieht, ist jeder Versuch einer „Hilfsaction" nur Cuchfnscherei oder heuchlerisches Streberthum. Und damit wir dieses Massenelend kennen lernen, brauchen wir in erster Linie eine confessionelle Berufsstatistik. Sie ist uns nicht Selbstzweck, sondern lediglich Mittel und auch nicht das einzige Mittel zum Zwecke. Das ist auch meine Antwort an alle jene „Glaubensgenossen", die, lediglich um ihr leibliches Wohl bedacht, in der confessionellen BerufsstaUstik mit Entsetzen nur ein neues Arsenal antisemitischer Geschoße erblicken. Sonst, wie wäre es denn möglich, daß anläßlich der früheren Volkszählungen von jüdischer Seite nicht die mindeste Anregung erfolgt ist und bei den competenten Behörden nicht der geringste Versuch unternommen wurde, um jenes unerläßliche Material zu erhalten, das Privaten ganz unzugänglich ist? Aber es handelte sich doch schließlich nur um das Schicksal der galizischen Juden und man kommt in Verlegenheit, mitzutheilen, wann dasselbe den politischen und sonstigen „Repräsentanten" der österreichischen Judenschaft ernstes Kopfzerbrechen verursacht hat. Die confessionelle Berufsstatistik wird uns, wie bereits betont, nicht mittheilen, wie viel das Vermögen oder das Einkommen oder der Tageslohn der österreichischen und speciell der galizischen Juden ausmacht, wie sie leben, wohnen und sich nähren, aber wir werden erfahren, wovon sie leben und womit sie sich beschäftigen, bei vielen gewiß auch, daß sie keine Beschäftigung oder Arbeitsgelegenheit finden und darum nicht wovon zu leben haben. Die vier Berufsclassen mit den 79 Berufsgruppen und 175 Berufsarten, von denen jede noch in mehrere Berufszeichnungen zerfällt, würden uns zeigen, wie weit sich die Juden absolut und percentuell unter ihnen zergliedern, ob und inwiefern sie in historisch überkommenen Berufen verharren oder ob sie dieselben mit anderen, auf höherer Stufe der Productionsweise stehenden vertauschen. Welche Schlüsse ergeben sich daraus für den objectiv denkenden Bolkswirth und Sociologen und welch' weites Arbeitsfeld eröffnet sich dann für den jüdischen Socialpolitiker, der aus dem gewonnenen Ziffernmaterial Schlüffe zu ziehen und auf Grund derselben praktische Refvrmvorschläge zu machen hat! Und was die nie um Waffen verlegenen antisemitischen Feinde sagen, ist doch wirklich ganz gleichgiltig. Wir haben uns genug lange, von falschen Rücksichten nach dieser Richtung geleitet, vom richtigen Wege der Selbsterkenntniß und der Selbsthilfe ablenken lassen. Ein Vorbild für die confessionelle Berufsstatistik bietet uns Deutschland. Die entsprechenden Gruppirungen finden wir in zwei Verzeichnissen *), von denen das eine blos auf die Berufsabtheilungen, das andere aber auch auf die Berufsgruppen Rücksicht nimmt. Zur Orientirung sei auch die wichtigste Tabelle reprodncirt. Berufs-Abtheilungen A) Landwirthschaft.! B) Industrie ..jj 0) Handel .jj I)) Lohnarbeit wechselnder Art . | E) Oeffentl. Dienst, freie Berufsj F) Selbständige ohne Beruf . . I G) Häusliche Dienstboten . . |j Summe . . i Erwerbsthütige überhaupt 8,292.692 8,281.220 2,338.511 432.491 1,425.961 2,142.808 1,339.316 24,252.999 I Davon sind || Christen || evangelische katholische | _ andere _ Bekenner Israeliten anderer _1 Religionen 4,703 752 3,566.588 5,344.497 2,862.491 1,538.397 659.684 297.333 133.375 18 455 25.753 5.975 836 3371 45993 133451 889 526 2486 1004 58 i 948.808 i 458.951!' 1,369.946 726.605 jj 875 8221 454.378 15,078.645 8,862.072 3138 5661 2630 62.448 14 641 423 39-870 726 6371 H5 244586 5338 Von 100 Erwerbsthätigen jeder Berufs- Auf die einzelnen Berufsabtheilungen entfallen Berufs-Abtheilungen j C h r i st e n Israeliten! Bekenner | Christen ' Jsiaeliten Bekenner i evangel. kathol. andere and. Relig. iiberhpt. levangel. kathol. andere and. Relig. ■ A) Landwirthschaft. 56-72 43-01 0-22 004 0-01 3419 31-20 40-24 29'55 138 9-85 B) Industrie . | 64-54 34-57 0-31 055 0-03 34 15 35-44 32-30 41-24 18'80 46-57 C) Handel . . 65-78 28-21 0-26 5 71 0-04 9-64 10-20 7-44 9 57 5456 18-81 D) Lohnarbeit wech- 036 selnder Art . > 68-75 30-84 0 19 021 0-01 1-78 1-97 1-51 1-34 1-09 E) Oeffentl. Dienst, 5-99 7-92 freie Berufsarten! 66'54 32-18 0-22 103 0 03 5-88 6-29 518 5-02 F) Selbständige ohne 1630 13'60 Beruf .! 63-93 33-91 0-27 186 0-03 8-84 9-09 8-20 9-07 G) Häusliche Dienst- 261 2-16 boten 65-39 3393 0-20 047 0-01 5'52 5-81 5 13 4-21 Summe. 62-17 36-54 0-26 101 0-02 , 100 100 100 100 100 100 *) Vierteljahreshefte zur Statistik des Teutschen Reichs. Herausgegeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt. Jahrgang 1807, Ergänzung zum zweiten Heft. S. 48 ff. . .. .... .. T^aloe. Band 103. Berlin 1897. lBernssstatistik für das Tentsche Reich lin (Ganzen, U. ,4,heu.) ä. m

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