Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 3 (20.1.1899)
- Date
- 1899-01-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 02 Br. Bloch's WmZxrnfchriÜ. Nr. Z Malta: Ich danke sehr. Ich will lieber zum Fenster hinausschauen, ob mein Vater kommt. M o r i z (sehr liebenswürdig): Darf ich Ihnen das Fenster öffnen? M a l k a: Das werde ich schon selbst machen. (Geht zum Fenster, stützt ihr Haupt ans den Rahmen und wischt sich die Thränen ab.) M o r i z (verlegen): Ist Ihnen denn nicht kalt, oder fühlen Sie keinen Luftzug? M a l k a: Nein. Moriz (plötzlich): Möchten Sie nicht was trinken? Malta: Ich danke. Sie haben es mir hinlänglich zu fühlen gegeben, daß ich in diesem Hause nichts zu beanspruchen habe, nicht einmal einen Tropfen Wasser. Moriz: Sie sollen auch kein Wasser bekommen, sondern ein Glas Champus. M a l k a (naiv): Was ist denn das, Champus? Moriz: Das ist Champus. Malta: Meinen Sie nicht vielleicht Champagner? Moriz: Ja. Trinken Sie diesen Wein gern? Malka: Ich habe ihn nie getrunken. Moriz: Dann könnten Sie es doch versuchen? Wozu sollten Sie denn weinen? Es wäre ja schade um Ihre schönen Augen, Malka. Ich kann Ihnen meine Versicherung geben, daß ich zu Ihnen viel freundlicher gewesen wäre, wenn ich Sie nur besser angeschaut hätte. Ich glaubte. Sie seien so ein häßliches Ding, und deshalb habe ich mich geärgert. Aber Sie sind doch schön, sogar sehr schön. Malka (ängstlich): Lassen Sie mich, ich will fort. ^M o r i z (betrunken): Wozu sollten Sie denn sortgehen? Wenn Sie schon hier sind, fo bleiben Sie. He, Wiedenski, Chansonnetten, Bernard, kommt herein und seht nur dieses liebe Kind, das zu uns gekommen ist. (Wiedenski, beide Chansonnettcn und Bernard treten ein, alle betrunken und mit Bouteillen in der Hand.) 11. Scene: Malka, Moriz, Wiedenski, zwei Chansonnetten. Moriz: Schaut her und öffnet Eure Mäuler. Wiedenski: Pas mal, pas mal. Bernard: Gar nicht übel, gar nicht. Malk a: Mein Gott! Was sind das für Menschen?! Wo bin ich? Ich will fort. Wiedenski (tritt ihr in den Weg): Wir lassen Dich nicht fort, Du Königin unserer Träume. Früher trinken wir noch aus Deinem Pantöffelchen auf Dein Wohl. Wir trinken ja schon seit Früh und Du hast noch gar nichts gekostet. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Malka: Ich werde nichts trinken. Läßt mich in Ruh', sonst rufe ich um Hilfe. Moriz (schließt das Fenster) : Nur keinen Scandal. Sind Sie doch nicht so hochmüthig. Sie können sich doch ein bischen mit uns unterhalten, dalm gehen Sie, wohin Sie wollen. Malka: Ich bitte Sie, lassen Sie mich fort. W i e d e n s k i: Nein. Trinke mit uns wenigstens ein Glas. Chansonnetten und Bernard: Sie muß ein Glas trinken. (Sie wollen der Malka gewaltsam ein volles Glas in die Hand drücken, Wiedenski spielt und alle klebrigen tanzen singend um die weinmde Malka herum.) 12. Scene: Vorige, Jacob Löwy. Jacob: Ist Fräulein Malka hier? Malka (lauft^auf ihn zu): Vertheidigen Sie mich, Herr Jacov! Jacob: Elende! Sofort dieses arme Kind sreilassen! (Umarmt Malka.) Moriz: Also endlich hat sich der zärtliche Beschützer gesunden. Aber mit welchecn Rechte sind Sie in mein Haus gedrungell? Wissen Sie, daß ich Sie zur Rechenschaft ziehen kann? Jacob: Wenn Sie in diesem Augenblicke nicht unzurechnungsfähig wären, würde ich Sie ohrfeigen. Nicht bloß, daß Du das Andenkett Deiner Tante nicht ehrst, der Du Alles zu verdanken hast, aber Du zerrst auch in den Koth die reine Seele dieses Kindes, das hreher gekommen ist, um hier unter dem Dache zu beten, unter dem Eure gemeinsame Wohlthäterin gestorben ist. Moriz: Natürlich! Nur deshalb ist sie hergekommell! Jacob: Schweig', Elender! Moriz: Nur keine Phrasen! Es ist dem Fräulein nichts geschehen. Wir wollren icur, daß sie sich zusammen mit uns unterhalte. Das i)t Alles. Wiedenski: Natürlich — das ist Alles. Jacob: Dazu haben Euch oiese Danken schon genügt. Dem Fräulein Schwarzenkops aber geht aus dem Weg. Das empfehle ich Euch wärmstens. Moriz: Was sind Sie eigentlich dem Fräulein Schwarzenkops? Ein Bruder? ein Vater? ein Bräutrgam oder was denn? 13. See n e: Vorige, Schwarzenkops. (Ein alter Jude in einem langen Rock und mit einem langen Bart trägt einen Korb mit Zündhölzchen und Zigaretten.) Malka: Vater! (Nähert sich ihrem Vater): Schwarzenkops: Ich bitte sehr schön um Entschuldigung, daß ich komme da hinein, aber es soll hier sein meine Tochter Malka. So hat sie mir geschrieben. (Bemerkt Malka.) Bist Du es Malka? Malka: Jawohl, Vater. Sch warzen köpf: Sie entschuldigen vielmals, ich Hab' meine Tochter scholl seit zwei Jahren nicht gesehen. Sle ist ja so ausgewachsen und so ein großes Frankem geworden. Was willst Du denn von mir, meine Tochter Malta? Malka: Ich will mit Dir mitgehen, mein Vater. Schwarzenkops: Wieso mit mir? Malka: Du weißt ja, daß Frau Silberzweig plötzlich gestorben ist und daß ich kein Heim habe.