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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-20 · 3 (20.1.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
3 (20.1.1899)
Date
1899-01-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenfchrifr. Seite 57 meisterhafte Leistung! Die vier Punkte, die der Redner besonders scharf hervorhob, sind: 1. Es gibt nur zwei Weltreligionen großen Stils, die in Frage kommen können: Brahmanismus beziehungsweise Buddhismus und Mosaismus; ersterer ist eine Religion des Todes, letzterer aber des Lebens. 2. Der sogenannte Optimismus kann nur als religiöser bestehen, weil er auf dem Untergründe des Gefühls ruht; dieses aber ist eine incommensurable, allen Experimentell der Wissenschaft spottende Größe. Daher kann man eigentlich auch nur von einem religiösen Optimisnius sprechen. Dieser ist m erster Reihe Sache des Raceninstincts. Die Juden haben aber solche optimistischen Raceninstnicte: ein sicherer Beweis dasiir ist: 3. der Messianismus. Hier wandte sich der Redner gegerr Lessing und Schopenhauer, die von verschiedenen Gesichtspunkten aus das Judenthum deshalb niedriger bewerthen. Das Judenthum ist keine Diesseitigkeitsreligion, wie Lessing meint, sondern ebenfalls Jenseitigkeitsreligion. Nur ziele es in erster Reihe nicht auf örtliche Jenseitigkeit ab (Scheol, Ganeden, Gehinom spielen nur eine geringe Rolle), sondern vielmehr auf zeitliche Jenseitigkeit. Das ist aber der Messianismus. Es huldige somit ganz besonders dem Evolutionsprincip. Der Mosaismus ist ein religiöses System des optimistischen Evolutionismus. 4. Geschichte. Der Philosoph H. Lotze sagt, die Hebräer haben die Geschichte als Problem entdeckt. Gemeint ist damit, daß die Juden zuerst;i) den Gedanken der Menschheit, b) den Plan, Sinn und Zusammenhang in der Geschichte der Menschheit entdeckt haben; sie begründen dadurch in alter Zeit schon eine Geschichtsphilosophie. Nun entsteht aber die Frage: gibt ihnen ihre eigene Geschichte darin Recht? Ist diese dazu angethan, ihre optimistischen Jnstincte zu rechtfertigen? Die Antwort des Redners war ein freudiges Ja, denn die gesammte Geschichte verläuft nicht im cyklischen Rhythmus, ihr Symbol ist nicht der Kreis, ivie Schopenhauer annimmt, sonderli vielmehr die Spirale, wie schon Leibniz treffend bemerkt hat. Wir [mb leider gegenwärtig in den rückläufigen Bewegungsrhythmus gerathen; aber die Spirale beugt sich nur, um wieder hoch zu steigen. Die Bilanz des Jahrhunderts schließt für uns doch mit einem intellectuellen Ueberschuß ab. Wenn man schon in China die Mauern schleift, wird man keine neuen Ghettomauern in den Culturländern Europas mehr errichten, und wenn selbst: die seelischen Ghettomauern sind endgiltig und für immer gefallen. Mit diesen! trostvollen Gedanken schloß der hochinteressante Vortrag, der mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde. Berlin, 8. Jänner. Unserem verehrten Sanitätsrattz Dr. Neumann, dem Senior der Berliner Stadtverordneten, wurden am 0. d. M. aus Anlaß seines 40jährigen Stadtverordnetenjubiläums zahlreiche Ehrungen und Beglückwünschungen der städtischen Behörden, seiner jetzigen und früheren Collegen in der Stadtverordnetenversammlung zutheil. Der Magistrat ließ dem Jubilar durch die Stadträthe Marggraff und Dr. Weigert in seiner Wohnung, Kursürstenstraße 120, eine prachtvoll ausgestattete Adresse überreichen, die Stadtrath Marggraff zur Verlesung brachte und noch mündlich die Glückwünsche des Magistrates hinzufügte. Von der Stadtverordnetenversammlung erschienen Mittags die beiden Vorsteher Doctor Langerhans und Michelet mit dem ersten Beisitzer Seibert um dem Jubilar gleichfalls eine prachtvoll ansgestattete Adresse des Stadtverordnetencollegiums, die der Vorsteher Dr. Langerhans verlas, zu überreichen. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: „Berlin, den 0. Jänner 1809. Hochverehrter Herr College! Der Stadtverordnetenversammlung ist es vergönnt, heute die Wiederkehr desjenigen Tages zu feiern, an dem Sie vor vierzig Jahren durch das Vertrauen Ihrer Mitbürger in das Amt eines Stadtverordneten berufen wurden. Das ist ein Ereigniß, welches sich seit Bestehen der Stadtverordnetenversammlung nur noch einmal begeben und in seiner Seltenheit uns die willkommene Gelegenheit bietet, mit der freudigsten und herzlichsten Begrüßung eine gerechte Würdigung Ihrer bleibenden Verdienste für das öffentliche Wohl und unser Gemeinwesen vornehmen zu dürfen. Ausgerüstet mit den! seltensten Fleiß, mit der Fähigkeit einer scharfen Durchdringung des Stoffes, mit der abgeklärten, auf Erkenntniß und Erfahrung beruhenden Lebensauffassung, mit einem eminenten Gerechtigkeitsgefühl, sind Sie in diesen vierzig Jahren in nie wankender Ueberzeugungstrene, Festigkeit und der Ihnen eigenen Sachlichkeit und Schlichtheit für das Gedeihen unserer Stadt, für das Wohl Ihrer Mitbürger und die Rechte der Selbstverwaltung oft in heißem Ringen eingetreten. Jedes Feld des communalen Lebens seit diesen vierzig Jahren ist durchzogen von den Furchen Ihres Geistes und Ihrer Willenskraft. Keine Frage des öffentlichen Lebens, keine Aufgabe der communalen Selbstverwaltung ist während dieser Zeit erörtert und entschieden worden, ohne daß Sie als Berather der Versammlung im freiheitlichen Geiste Ihren berechtigten Einfluß ausgeübt hätten". In der Adresse werden sodann weiter die Verdienste des Jubilars im Einzelnen ausgeführt, und dieselbe schließt: „In dem Stolz, der uns erfüllt. Sie den Unsrigen nennen zu dürfen, mischt sich die Verehrung, die wir für Ihre Person empfinden, und die Dankbarkeit, von welcher wir Namens der Bürgerschaft Ausdruck geben. Stadtverordnete zu Berlin, gez. Langerhans." Die „Neue Fraction der Linken", mit der Dr. Neumann in allen wichtigen Fragen stimmte, ohne ihr anzugehören, ließ ihm ihre Glückwünsche durch die Stadtverordneten Rechtsanwälte Ullstein und Ladewig, Sanitätsrath Dr. Rüge und Schriftsteller Kalisch übermitteln. In einer schwungvollen Ansprache überbrachte der Tirector des städtischen statistischen Amtes, Geheimer Regierungsrath Pros. Dr. Böckh, die Glückwünsche der höheren Beamten der städtischen Verwaltung. Außer zahlreichen Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung sprachen im Laufe des Tages auch viele früheren Collegen des Jubilars bei ihm vor, um ihm ihre Glückwünsche darzubringen, die der Jubilar trotz feiner nahezu 80 Jahre in rüstiger Gesundheit und froher Laune entgegennahm. Rom. "Aus der "Ausstellung in Turin haben nicht weniger als .~>8 Inden, Personen oder Firmen, Auszeichnungen erhalten, eine enorm hohe Fahl, wenn man bedenkt, wie wenig Juden in Italien leben. - Professor Mauricio L e v y begann kürzlich hier eine Serie von Vorträgen über die griechische und römische Kunst vor einem exquisiten Damenpublicuin. Dem ersten Vortrag wohnte Königin Margherita bei. Cypern. "Aus unserer Insel ist unter der englischen Verwaltung vollkommene Gleichberechtigung aller Confessionen die Regel. Wir haben sogar einen jüdischen Polizeiinspeetor mit Hauptmannsrang. Es ist dies ein gewisser Paul Blatner, der 1877 nach Cypern kam, um als Kausmann sein Glück zu versuchen, dann 1879 in die neugebildete englische Polizei eintrat. Er ist ein gründlicher Kenner des englischen und des einheimischen Rechtes, und spricht zugleich Englisch, Französisch, Deutsch, Türkisch, Arabisch und Griechisch. Lange Zeit war er der einzige Jude aus Cypern und ist noch der einzige in seinem Wohnort Nikosia. Dennoch hat er nie sein Judenthum verbürgen, sondern sich immer laut dessen gerühmt. Die Colonisten von Ahawath Zion haben von ihm viele Gefälligkeiten empfangen. Corfu. Der hiesige Oberrabbiner 'Nathan Levv wendet sich mit einem Ausruf an die jüdischen Philanthropen in London, um ihre Hilfe zu erbitten für die jüdsche Gemeinde in Zante. Diese Gemeinde, die früher eine der blühendsten war, hat im letzten Jahrzehnt gleichmäßig durch die Menschen und durch "Naturerscheinungen gelitten. Die Exeesse von 1891 veranlaßten die!vohlhabenderen Familien auszuwandern, Erdbeben demolirten die Synagoge und die Schule und jetzt hat die Regierung der jüdischen Schule auch noch die bisher gezahlte Subvention entzogen. "Aus eigenen Kräften aber kann die gänzlich verarmte Gemeinde nicht mehr die Schule erhalten und bittet deshalb in London um Hilfe. Paris, 3. Jänner. Nach dem Berichte des russischen Generalconsuls leben hier 11.000 Russen, von denen nur 000 Christen, der Rest jüdische Studenten oder "Arbeiter sind. Der Generalconsul rühmt in Worten wärmsten Lobes die „großartige Wohlthätigkeit", welche die Pariser Juden an ihren russischen Glaubensgenossen in der französischen Hauptstadt üben. Unter den Neujahrs-Ordensverleihungen sind unsere Glaubensgenossen abermals nur sehr spärlich vertreten. Es erhielten das Ritterkreuz der Ehrenlegion Rabbiner Josef Lehmann, Director des jüdischen Seminars, Leon Oulmont, Finanzinspector mit 2[jähriger Dienstzeit, Emil David Cahen, Ingenieur der Staatssabriken und Paul Bernhard, ehemaliger Präsident des Handelsgerichtes im

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